Morbus Hodgkin – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Körpertemperatur und Körpergewicht; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Allgemeinzustand und Ernährungszustand
      • Haut und Schleimhäute
    • Inspektion und Palpation (Abtasten) der peripheren Lymphknotenstationen (körpernah gelegenen Lymphknotenregionen) – insbesondere zervikal (am Hals), supraklavikulär (oberhalb des Schlüsselbeins), axillär (in der Achselhöhle) und inguinal (in der Leiste); Beurteilung von Größe, Konsistenz, Verschieblichkeit, Druckschmerzhaftigkeit und Konglomeratbildung (Zusammenlagerung) [persistierende (anhaltende), typischerweise schmerzlose Lymphadenopathie (Lymphknotenvergrößerung), häufig zervikal bzw. supraklavikulär; vergrößerte Lymphknoten können derb-elastisch imponieren und zu Lymphknotenkonglomeraten (zusammenhängenden Lymphknotenpaketen) konfluieren (zusammenfließen)]
    • Untersuchung des Abdomens (Bauches)
      • Inspektion des Abdomens
      • Perkussion (Abklopfen) von Leber und Milz zur orientierenden Größenbestimmung [Hepatomegalie (Lebervergrößerung) und/oder Splenomegalie (Milzvergrößerung)]
      • Palpation von Leber und Milz [Hepatomegalie und/oder Splenomegalie]
    • Untersuchung von Thorax (Brustkorb) und Lunge
      • Inspektion von Atemmuster und Atemarbeit
      • Auskultation (Abhören) und Perkussion der Lunge
    • Kardiovaskuläre Untersuchung (Untersuchung von Herz und Kreislauf)
      • Auskultation des Herzens
      • Inspektion auf Halsvenenstauung (sichtbar gefüllte Halsvenen) sowie Gesichts-, Hals- oder Armödem (Flüssigkeitseinlagerung) bei klinischem Verdacht auf eine mediastinale Raumforderung (Raumforderung im Mittelfellraum)

Red Flags (Warnzeichen) bei Morbus Hodgkin

  • Dyspnoe (Atemnot), Stridor (pfeifendes Atemgeräusch) oder ausgeprägte Atemnot als Hinweis auf eine relevante Kompression (Einengung) der Atemwege durch eine mediastinale Raumforderung
  • Gesichts- und Halsödem, obere Einflussstauung (Behinderung des venösen Blutrückflusses aus der oberen Körperhälfte) oder deutlich gestaute Halsvenen als Hinweis auf ein Vena-cava-superior-Syndrom (Stauungssyndrom der oberen Hohlvene)
  • Neu aufgetretene fokal-neurologische Defizite (örtlich begrenzte neurologische Ausfälle), Paresen (Lähmungserscheinungen) oder Blasen-/Mastdarmstörungen als Hinweis auf eine mögliche epidurale (außerhalb der Rückenmarkshaut gelegene) bzw. spinale Manifestation (Beteiligung der Wirbelsäule oder des Rückenmarks) mit Rückenmarkskompression (Druck auf das Rückenmark)
  • Ausgeprägte Kreislaufinstabilität oder deutlich reduzierter Allgemeinzustand mit hohem Fieber als Hinweis auf eine akut behandlungsbedürftige Komplikation

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.