Gallenblasenkrebs (Gallenblasenkarzinom) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein Gallenblasenkarzinom (Gallenblasenkrebs) mitbedingt sein können:

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut) bei fortgeschrittener Tumorerkrankung (Krebserkrankung), chronischer Inflammation (Entzündung), Mangelernährung (Unterernährung), Blutung oder myelosuppressiver Systemtherapie (krebshemmender Behandlung mit Unterdrückung der Blutbildung) [1-3, LL1-3]
  • Neutropenie (Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen) und Infektanfälligkeit (erhöhte Anfälligkeit für Infektionen) unter myelosuppressiver Systemtherapie [1-3, LL1-3]
  • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) unter Systemtherapie oder bei fortgeschrittener Tumorerkrankung mit Leberfunktionsstörung (gestörter Leberfunktion) [1-3, LL1-3]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze) bei Erbrechen, reduzierter oraler Aufnahme, Diarrhoe (Durchfall), Aszites (Bauchwassersucht), Cholangitis (Gallengangsentzündung) oder Systemtherapie [1-3, LL1-3]
  • Mangelernährung bei fortgeschrittener Tumorerkrankung, biliärer Obstruktion (Abflussbehinderung der Galle), Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen oder Duodenalobstruktion (Abflussbehinderung des Zwölffingerdarms) [1-3, LL1-3]
  • Tumorkachexie (tumorbedingte Auszehrung) mit Gewichtsverlust, Sarkopenie (Muskelschwund) und reduzierter Belastbarkeit bei fortgeschrittenem oder metastasiertem (mit Tochtergeschwülsten einhergehendem) Gallenblasenkarzinom [1-3, LL1-3]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Cholestasebedingter Pruritus (Juckreiz durch Gallenstau) bei maligner (bösartiger) biliärer Obstruktion [1, 3, LL1-3]
  • Exkoriationen (Kratzwunden) bei ausgeprägtem cholestasebedingtem Pruritus [1, 3, LL1-3]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Venöse Thromboembolien (Blutgerinnsel in Venen) bei aktiver fortgeschrittener Tumorerkrankung, Immobilisation (Bewegungseinschränkung), Operation, zentralvenösem Zugang (Katheter in einer großen Körpervene) oder Systemtherapie [1-3, LL1-3]
  • Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) als mögliche Folge tumorassoziierter venöser Thromboembolien [1-3, LL1-3]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Akute Cholangitis bei maligner biliärer Obstruktion, insbesondere bei Tumorstenose (tumorbedingter Engstelle), Stentverschluss (Verschluss einer Gefäß- oder Gangstütze) oder unzureichender Gallendrainage (Ableitung der Galle) [1, 3, LL1-3]
  • Intraabdomineller Abszess (Eiteransammlung im Bauchraum) nach Tumorperforation (Tumordurchbruch), Operation, Galleleck oder biliärer Intervention (Eingriff an den Gallenwegen) [1-3, LL1-3]
  • Leberabszess (Eiteransammlung in der Leber) bei biliärer Obstruktion, Cholangitis oder interventioneller Drainagekomplikation (Komplikation einer ableitenden Behandlung) [1, 3, LL1-3]
  • Sepsis (Blutvergiftung) bei schwerer Cholangitis, Leberabszess, intraabdominellem Abszess oder infizierter biliärer Drainage (infizierter Gallenableitung) [1, 3, LL1-3]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Biliäre Obstruktion mit obstruktivem Ikterus (Gelbsucht durch Abflussbehinderung) bei Infiltration (Einwachsen) des Ductus cysticus (Gallenblasengang), Ductus hepaticus communis (gemeinsamer Lebergang), Ductus choledochus (Hauptgallengang) oder der Leberhilusregion (Leberpfortenregion) [1, 3, LL1-3]
  • Cholestatische Leberschädigung (Leberschädigung durch Gallenstau) bei anhaltender maligner Abflussbehinderung der Galle [1, 3, LL1-3]
  • Galleleck (Austritt von Galle) nach Cholezystektomie (Entfernung der Gallenblase), erweiterter Leberresektion (operativer Entfernung von Lebergewebe) oder biliärer Intervention [1-3, LL1-3]
  • Gallenblasenperforation (Durchbruch der Gallenblase) bei lokaler Tumorinfiltration (Einwachsen des Tumors), Nekrose (Gewebeuntergang) oder superinfizierter Obstruktion (zusätzlich infizierter Abflussbehinderung) – selten, aber klinisch relevant [1, 2, LL1-3]
  • Hepatische Metastasen (Leber-Tochtergeschwülste) mit Leberfunktionsstörung, Oberbauchschmerzen, Ikterus (Gelbsucht), Cholestase (Gallenstau) oder Aszites [1-3, LL1-3]
  • Leberinsuffizienz (Leberversagen) bei diffuser Lebermetastasierung (ausgedehnter Absiedlung in der Leber), ausgedehnter Leberinfiltration, schwerer biliärer Obstruktion oder nach ausgedehnter Leberresektion [1-3, LL1-3]
  • Maligner Aszites bei Peritonealkarzinose (Bauchfellkrebs), Lebermetastasierung oder portaler Abflussbehinderung (Abflussbehinderung im Pfortadersystem) [1-3, LL1-3]
  • Postoperatives Leberversagen nach ausgedehnter Leberresektion, insbesondere bei eingeschränkter funktioneller Leberreserve (Leistungsreserve der Leber) oder relevanter Cholestase [1, 2, LL1-3]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Diarrhoe unter Systemtherapie oder bei infektiösen Komplikationen [1-3, LL1-3]
  • Duodenalobstruktion oder Magenausgangsstenose (Engstelle am Magenausgang) bei lokaler Tumorinfiltration des Duodenums (Zwölffingerdarms), der Peripylorusregion (Region um den Magenausgang) oder durch peritoneale Tumorausbreitung (Tumorausbreitung am Bauchfell) [1-3, LL1-3]
  • Gastrointestinale Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) bei Tumorinfiltration, Ulzeration (Geschwürbildung), portaler Hypertension (Bluthochdruck im Pfortadersystem) oder Therapiekomplikation [1-3, LL1-3]
  • Maligner Ileus (bösartiger Darmverschluss) bei Peritonealkarzinose oder lokaler Tumorinfiltration des Darms [1-3, LL1-3]
  • Übelkeit und Erbrechen bei biliärer Obstruktion, Duodenalobstruktion, Aszites, Cholangitis, Schmerzen oder Systemtherapie [1-3, LL1-3]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Knochenmetastasen (Tochtergeschwülste im Knochen) mit Knochenschmerzen, pathologischen Frakturen (Knochenbrüchen ohne angemessenen Unfall) oder spinaler Kompression (Druck auf das Rückenmark) – seltener als Leber-, Lymphknoten- und Peritonealmetastasen, aber klinisch relevant [1-3, LL1-3]
  • Sarkopenie bei Tumorkachexie, reduzierter Nahrungsaufnahme, systemischer Inflammation und fortgeschrittener Tumorerkrankung [1-3, LL1-3]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Fernmetastasen (Tochtergeschwülste in entfernten Organen), insbesondere in Leber, Peritoneum (Bauchfell), Lymphknoten und Lunge [1-3, LL1-3]
  • Lokalrezidiv (Wiederauftreten am ursprünglichen Ort) nach kurativ intendierter Resektion (auf Heilung ausgerichteter operativer Entfernung) [1-3, LL1-3]
  • Lymphknotenmetastasen (Tochtergeschwülste in Lymphknoten) im Ligamentum hepatoduodenale (Band zwischen Leber und Zwölffingerdarm), peripankreatisch (um die Bauchspeicheldrüse), paraaortal (neben der Hauptschlagader) oder regional hepatisch (im Leberbereich) [1-3, LL1-3]
  • Peritonealkarzinose mit malignem Aszites, Ileusrisiko (Risiko für Darmverschluss), Schmerzen und progredienter (fortschreitender) Mangelernährung [1-3, LL1-3]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Depressive Störung (Depression) bei fortgeschrittener malignen Erkrankung, belastender Symptomatik (Beschwerden), eingeschränkter Prognose (Krankheitsvorhersage) oder funktioneller Einschränkung [1-3, LL1-3]
  • Angststörung (krankhafte Angst) im Zusammenhang mit Tumordiagnose, Progression (Fortschreiten der Erkrankung), Therapiebelastung oder palliativer Situation (nicht mehr auf Heilung ausgerichteter Behandlungssituation) [1-3, LL1-3]
  • Therapieassoziierte periphere Neuropathie (Nervenschädigung an Armen oder Beinen), insbesondere unter neurotoxischer Systemtherapie (nervenschädigender krebshemmender Behandlung) [1-3, LL1-3]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Abdominelle Schmerzen (Bauchschmerzen), insbesondere im rechten Oberbauch, bei lokaler Tumorinfiltration, Leberkapselspannung (Spannung der Leberhülle), Cholangitis, Aszites oder Peritonealkarzinose [1-3, LL1-3]
  • Fatigue (tumorbedingte Erschöpfung) bei fortgeschrittener Tumorerkrankung, Anämie, Mangelernährung, systemischer Inflammation oder onkologischer Therapie (Krebsbehandlung) [1-3, LL1-3]
  • Fieber bei Cholangitis, Leberabszess, intraabdominellem Abszess, Sepsis oder tumorassoziierter Inflammation [1-3, LL1-3]
  • Ikterus bei maligner biliärer Obstruktion [1, 3, LL1-3]
  • Leberenzymerhöhungen (Erhöhung von Leberwerten) und Hyperbilirubinämie (erhöhter Bilirubinwert) bei biliärer Obstruktion, Leberinfiltration, Lebermetastasen, Cholangitis oder Therapiekomplikation [1-3, LL1-3]
  • Schmerzsyndrom (anhaltende Schmerzkrankheit) bei lokaler Tumorinfiltration, Peritonealkarzinose, Lebermetastasen, Knochenmetastasen oder postoperativen Komplikationen [1-3, LL1-3]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung (plötzliche Schädigung der Nierenfunktion) bei Sepsis, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), Kontrastmittelbelastung, nephrotoxischer Therapie (nierenschädigender Behandlung) oder fortgeschrittener Tumorerkrankung [1-3, LL1-3]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Komplikationen biliärer Drainageverfahren (Ableitungsverfahren der Galle), insbesondere Blutung, Cholangitis, Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Galleleck, Stentverschluss, Stentmigration (Verrutschen einer Gefäß- oder Gangstütze) oder Drainagedislokation (Verrutschen einer Ableitung) [3, LL1-3]
  • Postoperative Komplikationen nach Cholezystektomie, erweiterter Cholezystektomie oder Leberresektion, insbesondere Blutung, Galleleck, intraabdomineller Abszess, Wundinfektion, Leberinsuffizienz oder postoperative Cholangitis [1, 2, LL1-3]
  • Therapieassoziierte Toxizitäten (behandlungsbedingte Schädigungen) durch Systemtherapie, insbesondere Myelosuppression (Unterdrückung der Blutbildung), Infektionen, Fatigue, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Polyneuropathie (Schädigung vieler Nerven) oder Leberfunktionsverschlechterung [1-3, LL1-3]

Weiteres

  • Keine weiteren regelhaft belegten Folgeerkrankungen außerhalb der ICD-10-Systematik.

Prognosefaktoren (Vorhersagefaktoren)

  • Tumorstadium:
    • Fortgeschrittenes Tumorstadium, nicht resektable Erkrankung (nicht operativ entfernbare Erkrankung), Fernmetastasierung und Peritonealkarzinose sind zentrale ungünstige Prognosefaktoren [1-3, LL1-3]
  • Resektionsstatus:
    • R0-Resektion (vollständige Tumorentfernung im Gesunden) ist mit besserer Prognose assoziiert; R1-/R2-Resektion (mikroskopisch oder makroskopisch unvollständige Tumorentfernung) und Lokalrezidiv verschlechtern die Prognose [1-3, LL1-3]
  • Lymphknotenstatus:
    • Regionale Lymphknotenmetastasen und paraaortale Lymphknotenmetastasen sind prognostisch ungünstig [1-3, LL1-3]
  • Leberinvasion und Lebermetastasen:
    • Direkte Leberinfiltration, multiple Lebermetastasen oder diffuse hepatische Tumorlast verschlechtern die Prognose erheblich [1-3, LL1-3]
  • Gefäßinvasion und Perineuralinvasion:
    • Vaskuläre Invasion (Einwachsen in Blutgefäße) und Perineuralinvasion (Einwachsen entlang von Nerven) sind mit erhöhtem Rezidivrisiko und ungünstigerem Überleben verbunden [1-3, LL1-3]
  • Biliäre Obstruktion und Infektionskomplikationen:
    • Ausgeprägte Hyperbilirubinämie, persistierende (anhaltende) biliäre Obstruktion, rezidivierende (wiederkehrende) Cholangitis und Sepsis begrenzen Therapieoptionen und verschlechtern den Allgemeinzustand [1, 3, LL1-3]
  • Allgemeinzustand und Ernährungsstatus:
    • Reduzierter Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status (Maß für die körperliche Leistungsfähigkeit), Tumorkachexie, Sarkopenie, Hypalbuminämie (erniedrigter Albuminwert) und Mangelernährung sind prognostisch ungünstig [1-3, LL1-3]
  • Therapiefähigkeit:
    • Eingeschränkte Leberfunktion, Cholestase, Infektionen, Nierenfunktionsstörung und schlechter Allgemeinzustand können operative, interventionelle und systemtherapeutische Optionen begrenzen [1-3, LL1-3]
  • Molekulares Profil:
    • Therapierelevante molekulare Alterationen (Veränderungen im Erbgut oder in Signalwegen des Tumors) können bei fortgeschrittener Erkrankung prädiktive Bedeutung (Vorhersagebedeutung für das Therapieansprechen) haben; beim Gallenblasenkarzinom sind sie jedoch seltener unmittelbar therapeutisch nutzbar als bei einzelnen Cholangiokarzinom-Subtypen (Gallengangskrebs-Unterformen) [LL1-3]

Literatur

  1. Pavlidis ET, Galanis IN, Pavlidis TE: New trends in diagnosis and management of gallbladder carcinoma. World J Gastrointest Oncol. 2024;16(1):13-29. https://doi.org/10.4251/wjgo.v16.i1.13
  2. Breitenbach M, Burchard P, Kothari V, Carpizo D: Surgical Management of Locally Advanced and Metastatic Gallbladder Cancer. Cancers (Basel). 2025;17(24):3952. https://doi.org/10.3390/cancers17243952
  3. Binda C, Trebbi M, Coluccio C et al.: Endoscopic management of malignant biliary obstructions. Ann Gastroenterol. 2024;37(3):291-302. https://doi.org/10.20524/aog.2024.0883

Leitlinien

  1. Vogel A, Bridgewater J, Edeline J et al.: Biliary tract cancer: ESMO Clinical Practice Guideline for diagnosis, treatment and follow-up. Ann Oncol. 2023;34(2):127-140. https://doi.org/10.1016/j.annonc.2022.10.506
  2. Vogel A, Ducreux M: ESMO Clinical Practice Guideline interim update on the management of biliary tract cancer. ESMO Open. 2025;10(1):104003. https://doi.org/10.1016/j.esmoop.2024.104003
  3. Benson AB, D'Angelica MI, Abrams T et al.: Biliary Tract Cancers, Version 2.2025, NCCN Clinical Practice Guidelines In Oncology. J Natl Compr Canc Netw. 2025;23(9):403-418. https://doi.org/10.6004/jnccn.2025.0042