Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) – Differentialdiagnosen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Aktinomykose (Strahlenpilzinfektion) des kleinen Beckens – seltene, tumorimitierende entzündliche Raumforderung (Gewebevermehrung), insbesondere bei intrauteriner Fremdkörperanamnese
  • Peritonealtuberkulose (Tuberkulose des Bauchfells)/genitale Tuberkulose (Tuberkulose der Geschlechtsorgane) – kann mit Aszites (Bauchwassersucht), peritonealen Knoten, Adnexbefund (Befund an Eierstock oder Eileiter) und erhöhter CA-125-Konzentration ein fortgeschrittenes Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) imitieren

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Appendixneoplasie (Tumor des Wurmfortsatzes)/Pseudomyxoma peritonei (Schleimbauch) – insbesondere bei muzinöser ovarieller Raumforderung und schleimbildender Peritonealbeteiligung (Beteiligung des Bauchfells) abzugrenzen
  • Benigne epitheliale Ovarialtumoren (gutartige Eierstocktumoren) – insbesondere seröses Zystadenom (gutartiger seröser Zystentumor), muzinöses Zystadenom (gutartiger schleimbildender Zystentumor) und Brenner-Tumor
  • Borderline-Tumoren des Ovars (Eierstocktumoren mit niedrigem bösartigem Potenzial) – insbesondere seröse und muzinöse Borderline-Tumoren mit intermediärem biologischem Verhalten
  • Keimstrang-Stroma-Tumoren des Ovars (Tumoren des hormonbildenden Eierstockgewebes) – insbesondere Fibrom (Bindegewebstumor)/Thekom (Tumor der hormonbildenden Eierstockzellen), Granulosazelltumor (Tumor der Granulosazellen) und Sertoli-Leydig-Zelltumor (Tumor hormonbildender Keimdrüsenzellen); teils hormonaktiv, teils als solide ovarielle Raumforderung imponierend
  • Keimzelltumoren des Ovars (Keimzelltumoren des Eierstocks) – insbesondere reifes zystisches Teratom (gutartiger Keimzelltumor), unreifes Teratom (bösartiger unreifer Keimzelltumor), Dysgerminom (bösartiger Keimzelltumor), Dottersacktumor (bösartiger Keimzelltumor des Dottersacks), embryonales Karzinom (bösartiger embryonaler Keimzelltumor) und Chorionkarzinom (bösartiger Tumor des Schwangerschaftsgewebes)
  • Krukenberg-Tumor (Eierstockmetastase eines Siegelringzellkarzinoms) – metastatischer Siegelringzell-Tumor (Tumor mit siegelringförmigen Krebszellen) des Ovars, klassisch bei Magenkarzinom (Magenkrebs), auch bei anderen gastrointestinalen Primärtumoren möglich
  • Metastatische Ovarialtumoren (Tochtergeschwülste im Eierstock)/Ovarialmetastasen – insbesondere bei Primärtumoren von Magen, Kolon (Dickdarm)/Rektum (Mastdarm), Appendix, Pankreas (Bauchspeicheldrüse)/Gallenwegen, Mamma (Brust), Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) oder Zervix (Gebärmutterhals)
  • Peritoneales Mesotheliom (bösartiger Tumor des Bauchfells) – diffuse peritoneale Tumorerkrankung mit Aszites und Peritonealverdickung (Verdickung des Bauchfells) als Differenzialdiagnose der peritoneal metastasierten Ovarialkarzinomerkrankung
  • Primäres Peritonealkarzinom (primärer Bauchfellkrebs) – klinisch und histologisch eng mit dem high-grade serösen Ovarial-/Tubenkarzinom (Eierstock-/Eileiterkrebs) verwandt; Zuordnung über operative und pathologische Befunde
  • Tubenkarzinom (Eileiterkrebs) – klinisch, radiologisch und histologisch häufig nicht sicher vom Ovarialkarzinom abgrenzbar
  • Uterussarkom (bösartiger Bindegewebstumor der Gebärmutter) – Differenzialdiagnose bei rasch wachsender uteriner beziehungsweise pelviner Raumforderung

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Ektopische Schwangerschaft (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – bei reproduktionsfähigen Patientinnen obligat auszuschließen; kann mit Adnexraumforderung, Schmerzen und freier Flüssigkeit einhergehen
  • Gestationsbedingte Trophoblasterkrankung (schwangerschaftsbedingte Erkrankung des Mutterkuchengewebes) – kann über stark erhöhte β-hCG-Konzentrationen und Thekaluteinzysten (hormonbedingt vergrößerte Eierstockzysten) bilaterale Ovarvergrößerungen (beidseitige Vergrößerungen der Eierstöcke) verursachen
  • Schwangerschaftsassoziierte Corpus-luteum-Zyste (schwangerschaftsbedingte Gelbkörperzyste) beziehungsweise Thekaluteinzysten – benigne zystische Adnexbefunde im Kontext einer Schwangerschaft

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adnextorsion (Verdrehung von Eierstock beziehungsweise Eileiter) – akutes Krankheitsbild mit Adnexschmerz (Schmerzen im Bereich von Eierstock oder Eileiter), Übelkeit/Erbrechen und häufig zugrunde liegender Ovarialzyste (Eierstockzyste) oder Ovarialraumforderung
  • Endometriose (Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter)/Endometriom (Endometriosezyste) – komplex-zystische Adnexraumforderung; CA-125 kann erhöht sein
  • Funktionelle Ovarialzysten (funktionsbedingte Eierstockzysten) – insbesondere Follikelzyste (Eibläschenzyste), Corpus-luteum-Zyste und hämorrhagische Zyste (blutgefüllte Zyste)
  • Hydrosalpinx (Flüssigkeitsansammlung im Eileiter)/Sactosalpinx (sackförmig erweiterter Eileiter) – flüssigkeitsgefüllte Tube als zystische Adnexraumforderung
  • Ovarielles Hyperstimulationssyndrom (Syndrom der Überstimulation der Eierstöcke) – bilaterale Ovarvergrößerung mit Aszites, typischerweise nach ovarieller Stimulation
  • Paraovarialzyste (Zyste neben dem Eierstock)/paratubäre Zyste (Zyste neben dem Eileiter) – benigne zystische Raumforderung neben Ovar beziehungsweise Tube
  • Peritoneale Inklusionszyste (Bauchfellzyste) – meist nach Operation, Entzündung oder Endometriose; kann sonographisch eine multilokuläre Adnexzyste (mehrkammerige Zyste im Bereich von Eierstock oder Eileiter) imitieren
  • Tuboovarialabszess (Eiteransammlung an Eileiter und Eierstock) – entzündliche Adnexraumforderung im Rahmen einer aufsteigenden Genitalinfektion (Infektion der inneren Geschlechtsorgane)
  • Uterusmyom (gutartiger Muskelknoten der Gebärmutter), insbesondere gestieltes subseröses oder intraligamentäres Myom – kann klinisch und sonographisch als Adnexraumforderung fehlgedeutet werden

Medikamente

  • Gonadotropine/Ovulationsinduktion – können ein ovarielles Hyperstimulationssyndrom mit Ovarvergrößerung und Aszites auslösen