Hyaluronsäuretherapie

Hyaluronan (Form der Hyaluronsäure) ist die physiologisch vorkommende, deprotonierte Form der Hyaluronsäure (engl. hyaluronic acid, HA), eines hochmolekularen Polysaccharids aus der Gruppe der Glykosaminoglykane (Zuckerbausteine des Bindegewebes) (GAG). In Präparaten zur intraartikulären Anwendung liegt Hyaluronsäure häufig als Natriumhyaluronat vor.

Hyaluronsäure ist Bestandteil der extrazellulären Matrix (Gerüst zwischen den Zellen) und findet sich in höheren Konzentrationen insbesondere in Haut, Knorpel, Bandscheiben, Synovialflüssigkeit (Gelenkflüssigkeit) und Glaskörper des Auges. In der Synovialflüssigkeit trägt Hyaluronsäure wesentlich zu deren rheologischen Eigenschaften, insbesondere Viskoelastizität (Zähflüssigkeit und Elastizität), Lubrikation und Stoßdämpfung, bei [LL1].

Für exogen zugeführte Hyaluronsäure werden darüber hinaus antiinflammatorische (entzündungshemmende), antinozizeptive (schmerzhemmende) und chondroprotektive (knorpelschützende) biologische Wirkmechanismen beschrieben. Diese mechanistischen Effekte sind jedoch nicht mit einem klinisch gesicherten strukturmodifizierenden (die Gelenkstruktur verändernden) bzw. krankheitsmodifizierenden (den Krankheitsverlauf verändernden) Effekt gleichzusetzen [4, LL1].

Eine Hyaluronsäuretherapie ist keine kausale Therapie der Arthrose (Gelenkverschleiß). Bei Gonarthrose (Kniegelenkarthrose) kann die intraartikuläre (in das Gelenk erfolgende) Hyaluronsäure-Injektion nach Ausschöpfung bzw. bei Ungeeignetheit geeigneter konservativer (nichtoperativer) Maßnahmen im Rahmen einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung und gemeinsamen Entscheidungsfindung erwogen werden. Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie gibt aufgrund der widersprüchlichen Evidenz weder eine Empfehlung für noch gegen die intraartikuläre Hyaluronsäuretherapie ab [LL1]. Neuere systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zeigen jedoch erneut Hinweise auf eine symptomatische Wirksamkeit, insbesondere hinsichtlich der Schmerzreduktion und möglicherweise bei weniger fortgeschrittener Gonarthrose [9-11].

Ziele einer Hyaluronsäuretherapie

  • Linderung von Schmerzen: Ziel ist eine zeitlich begrenzte Reduktion arthrosebedingter Gelenkschmerzen [1, 2, 5, 9-11, LL1].
  • Verbesserung der Gelenkfunktion: Bei einem Therapieansprechen kann eine vorübergehende funktionelle Verbesserung erreicht werden. Die mittleren Effekte gegenüber Placebo sind in den Studien heterogen und zum Teil gering [2, 11, LL1].
  • Verbesserung der Viskoelastizität der Synovialflüssigkeit: Die intraartikuläre Gabe soll die bei Arthrose veränderten rheologischen Eigenschaften der Synovialflüssigkeit vorübergehend verbessern [LL1].
  • Beeinflussung des intraartikulären Milieus: Experimentell und mechanistisch werden antiinflammatorische, antinozizeptive und chondroprotektive Effekte beschrieben; ein klinisch gesicherter strukturmodifizierender Effekt ist bislang nicht nachgewiesen [4, LL1].

Übergeordnetes Therapieziel ist eine symptomatische Verbesserung von Schmerzen, Mobilität und Lebensqualität. Die Hyaluronsäuretherapie ersetzt weder Bewegungstherapie noch andere leitliniengerechte konservative bzw. bei entsprechender Indikation operative Maßnahmen.

Indikationen

Intraartikuläre Hyaluronsäure wurde insbesondere bei folgenden Arthroselokalisationen untersucht bzw. wird dort klinisch eingesetzt:

  • Gonarthrose – größte Evidenzbasis. Die Ergebnisse sind heterogen. Die deutsche S3-Leitlinie gibt aufgrund widersprüchlicher Evidenz keine Empfehlung für oder gegen die Anwendung ab. Neuere Metaanalysen und systematische Reviews zeigen dagegen erneut einen statistisch signifikanten symptomatischen Nutzen, insbesondere hinsichtlich der Schmerzreduktion; möglicherweise profitieren Patienten mit weniger fortgeschrittener Gonarthrose stärker [1, 2, 5, 9-11, LL1-LL5].
  • Großzehen-Grundgelenk bei Hallux rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenks) bzw. Hallux limitus (eingeschränkte Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks) – kurzfristige symptomatische Verbesserungen sind beschrieben; die Evidenz ist jedoch begrenzt und eine eindeutige Überlegenheit gegenüber Placebo bzw. Vergleichsverfahren nicht nachgewiesen [7].
  • Coxarthrose (Hüftgelenkarthrose) – keine regelhafte Indikation. Internationale Leitlinien empfehlen intraartikuläre Hyaluronsäure bei symptomatischer Hüftarthrose nicht, da gegenüber Placebo kein verlässlicher klinischer Nutzen nachgewiesen wurde [LL2-LL4, LL6].
  • Omarthrose (Schultergelenkarthrose) – eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse beschreibt Hinweise auf eine Schmerzreduktion; demgegenüber kommt die AAOS-Leitlinie auf Grundlage der verfügbaren Evidenz zu dem Ergebnis, dass ein klinisch relevanter Nutzen nicht belegt ist. Die Evidenz ist somit widersprüchlich [6, LL7].
  • Rhizarthrose (Daumensattelgelenkarthrose) – die Evidenz ist begrenzt und inkonsistent. Eine Netzwerk-Metaanalyse zeigte für Hyaluronsäure keine gesicherte Überlegenheit gegenüber Placebo hinsichtlich Schmerz oder Funktion [8, LL2].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Infektion der Haut bzw. des subkutanen Gewebes (Unterhautgewebes) im Bereich der vorgesehenen Injektionsstelle
  • septische Arthritis (infektiöse Gelenkentzündung) bzw. Verdacht auf eine Gelenkinfektion
  • akute, ätiologisch ungeklärte entzündliche Arthritis (Gelenkentzündung) bis zum Ausschluss einer infektiösen Ursache
  • bekannte Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des jeweiligen Präparates
  • bei Präparaten aviären (von Vögeln stammenden) Ursprungs: bekannte relevante Überempfindlichkeit gegen entsprechende Vogelproteine bzw. präparateabhängige Bestandteile

Entzündliche Arthropathien (entzündliche Gelenkerkrankungen) wie rheumatoide Arthritis (chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung) oder axiale Spondyloarthritis (entzündlich-rheumatische Wirbelsäulenerkrankung) stellen keine etablierte Indikation für eine Viskosupplementation dar. Eine antithrombotische Therapie (blutgerinnungshemmende Behandlung) bzw. eine Gerinnungsstörung (Störung der Blutgerinnung) ist nicht grundsätzlich eine Kontraindikation für intraartikuläre Injektionen; das individuelle Blutungsrisiko ist zu berücksichtigen [LL8].

Das Verfahren

Die Hyaluronsäure wird unter konsequent aseptischen (keimfreien) Bedingungen intraartikulär injiziert. Der Patient soll über das Verfahren sowie den möglichen Nutzen und die Risiken aufgeklärt werden. Die Injektion sollte durch einen in intraartikulären Injektionstechniken erfahrenen Arzt erfolgen [LL1, LL8].

Die Präparate unterscheiden sich hinsichtlich Molekulargewicht, Vernetzungsgrad, Herkunft, Viskosität und Anwendungsschema. Abhängig vom jeweiligen Präparat werden ein bis fünf intraartikuläre Injektionen pro Behandlungszyklus durchgeführt [LL1].

Die Genauigkeit der intraartikulären Applikation ist vom Gelenk, dem Zugangsweg und der Erfahrung des Anwenders abhängig. Bei Bedarf kann eine bildgestützte Injektion, insbesondere mittels Sonographie, die Genauigkeit verbessern [LL8].

Therapieeffekte können verzögert eintreten. Eine Metaanalyse zum zeitlichen Verlauf bei Gonarthrose zeigte einen beginnenden Effekt nach etwa vier Wochen, ein Wirkungsmaximum nach ungefähr acht Wochen und einen abnehmenden, teilweise bis etwa 24 Wochen nachweisbaren Effekt [5]. Neuere Untersuchungen bestätigen einen möglichen kurzfristigen analgetischen (schmerzlindernden) Effekt, zeigen jedoch eine erhebliche Heterogenität der Effektstärken [9-11].

Biologische Wirkmechanismen exogen zugeführter Hyaluronsäure umfassen:

  • vorübergehende Verbesserung der rheologischen Eigenschaften und Viskoelastizität der Synovialflüssigkeit
  • Beeinflussung mechanosensitiver (auf mechanische Reize reagierender) bzw. nozizeptiver (schmerzleitender) Signalwege
  • Modulation inflammatorischer (entzündlicher) Signalwege
  • experimentell beschriebene Effekte auf Chondrozyten (Knorpelzellen) und extrazelluläre Knorpelmatrix (Knorpelgrundsubstanz)

Diese biologischen Wirkmechanismen begründen das Konzept der Viskosupplementation, belegen jedoch keinen klinisch gesicherten regenerativen (wiederherstellenden) oder strukturmodifizierenden Effekt auf den arthrotisch veränderten Gelenkknorpel [4, LL1].

Herkunft der Hyaluronsäure

Hyaluronsäure-Präparate unterscheiden sich hinsichtlich des Herstellungsverfahrens. Hyaluronsäure kann aus aviärem Ausgangsmaterial, traditionell beispielsweise aus Hahnenkämmen, gewonnen oder mittels mikrobieller Fermentation hergestellt werden. Bei fermentativ hergestellten Präparaten werden keine aviären Ausgangsproteine verwendet [4].

Ferner unterscheiden sich die Präparate hinsichtlich Molekulargewicht und Vernetzungsgrad. Die deutsche S3-Leitlinie beschreibt für verfügbare Präparate Molekulargewichte von etwa 0,5 bis 6,0 Millionen Dalton sowie Unterschiede hinsichtlich Viskosität, Halbwertszeit, Vernetzungsgrad, Anwendungshäufigkeit und Herstellungsverfahren [LL1].

Die Einteilung in niedrig-, mittel- und hochmolekulare Hyaluronsäuren ist nicht vollständig standardisiert. Untersuchungen weisen darauf hin, dass Molekulargewicht, Vernetzung und Herstellungsverfahren das klinische Ergebnis beeinflussen können. Aufgrund der Heterogenität der Produkte und Studien lässt sich jedoch keine allgemeingültige Überlegenheit einer bestimmten Präparateklasse ableiten [4, 10, LL1].

Wissenschaftliche Studien

Die umfangreichste Evidenz liegt für die Gonarthrose vor. Die Ergebnisse unterscheiden sich teilweise erheblich in Abhängigkeit von Studiendesign, Präparat, Vergleichsgruppe, Patientenselektion, Arthrosegrad (Ausmaß des Gelenkverschleißes), Nachbeobachtungsdauer und Biasrisiko [2, 9-11, LL1].

Eine frühe Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien von Wang et al. zeigte eine statistisch signifikante Reduktion von Schmerzen und eine Verbesserung funktioneller Endpunkte nach intraartikulärer Hyaluronsäure [1]. Eine Metaanalyse zum zeitlichen Wirkungsverlauf zeigte einen Beginn des Effekts nach etwa vier Wochen, ein Maximum nach etwa acht Wochen und einen abnehmenden, teilweise bis 24 Wochen nachweisbaren Effekt [5].

Die große systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von Pereira et al. umfasste 169 Studien mit 21.163 randomisierten Teilnehmern. In der vorab definierten Hauptanalyse großer placebokontrollierter Studien betrug die standardisierte Mittelwertdifferenz für Schmerzen −0,08; dies entsprach ungefähr 2 mm auf einer 100-mm-Schmerzskala und lag unterhalb der vorab festgelegten Grenze eines klinisch relevanten Unterschieds. Vergleichbare Ergebnisse zeigten sich für die Funktion [2].

Eine 2024 publizierte Metaanalyse randomisierter placebokontrollierter Studien mit insgesamt 3.851 Patienten zeigte dagegen einen kurzfristigen Vorteil intraartikulärer Hyaluronsäure bei einzelnen Schmerzendpunkten. Für funktionelle Endpunkte zeigte sich kein konsistenter Vorteil. Die Autoren folgerten, dass intraartikuläre Hyaluronsäure kurzfristig Schmerzen reduzieren kann [9].

Eine systematische Übersichtsarbeit randomisierter kontrollierter Studien von 2025 fand Hinweise darauf, dass insbesondere Patienten mit weniger fortgeschrittener Gonarthrose stärker von intraartikulärer Hyaluronsäure profitieren können. Patientenselektion und Arthrosegrad sind damit mögliche Determinanten des Therapieansprechens [10].

Eine 2025 publizierte Umbrella-Review von 22 systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen randomisierter placebokontrollierter Studien zeigte, dass 20 von 22 Reviews statistisch signifikante positive Effekte auf Schmerzen und/oder Funktion berichteten. Auch alle fünf methodisch hoch bzw. moderat bewerteten Reviews fanden statistisch signifikante Vorteile. Die Interpretation der klinischen Relevanz war jedoch uneinheitlich; die Autoren bewerteten die Gesamtsicherheit der Evidenz aufgrund methodischer Unterschiede und heterogener Interpretationen weiterhin als begrenzt [11].

Damit erklärt sich auch die unterschiedliche Bewertung durch Fachgesellschaften: Die deutsche S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Gonarthrose gibt aufgrund der widersprüchlichen Evidenz keine Empfehlung für oder gegen intraartikuläre Hyaluronsäure ab [LL1]. OARSI führt intraartikuläre Hyaluronsäure bei bestimmten Patientengruppen mit Gonarthrose als mögliche Therapieoption auf [LL3]. Die ACR/Arthritis Foundation spricht eine bedingte Empfehlung gegen die Anwendung bei Gonarthrose aus [LL2], während die AAOS die routinemäßige Anwendung nicht empfiehlt [LL5]. NICE empfiehlt, intraartikuläre Hyaluronan-Injektionen bei Arthrose nicht anzubieten [LL4].

Die neueren Metaanalysen von 2024 und 2025 ergänzen diese Leitlinienbasis um Hinweise auf eine symptomatische Wirksamkeit und mögliche Unterschiede zwischen Patientensubgruppen, ändern jedoch bislang nicht die formale Empfehlung der aktuellen deutschen S3-Leitlinie [9-11, LL1].

Für die Omarthrose ergab eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von 15 Studien und 1.023 Patienten Hinweise auf eine Schmerzreduktion unter intraartikulärer Hyaluronsäure, unter anderem bei Kombination mit Physiotherapie gegenüber alleiniger Physiotherapie [6]. Die AAOS bewertet die Evidenz dagegen als nicht ausreichend für einen klinisch relevanten Nutzen und empfiehlt Hyaluronsäure bei glenohumeraler Arthrose (Arthrose des Schultergelenks) nicht [LL7].

Beim Hallux rigidus zeigte eine systematische Übersichtsarbeit von 2024 mit fünf Studien und 218 behandelten Füßen Verbesserungen mehrerer klinischer Parameter im Verlauf. Die wenigen kontrollierten Studien lieferten jedoch keine konsistente Überlegenheit gegenüber Placebo bzw. anderen Injektionsverfahren, sodass die Evidenz weiterhin begrenzt ist [7].

Für die Rhizarthrose zeigte eine Netzwerk-Metaanalyse von sieben randomisierten kontrollierten Studien und einer nicht randomisierten Studie mit insgesamt 446 Patienten keine Überlegenheit intraartikulärer Hyaluronsäure gegenüber Placebo bezüglich Schmerz oder Funktion [8].

Ein strukturmodifizierender bzw. regenerativer Effekt der intraartikulären Hyaluronsäuretherapie mit klinisch gesicherter Verzögerung der Arthroseprogression (Fortschreiten des Gelenkverschleißes) ist derzeit nicht nachgewiesen [LL1].

Mögliche Komplikationen

  • vorübergehende Schmerzen an der Injektionsstelle bzw. im behandelten Gelenk
  • lokale Schwellung oder Gelenkerguss (Flüssigkeitsansammlung im Gelenk)
  • vorübergehende postinjektive entzündliche Reaktion
  • Hämatom (Bluterguss) bzw. Blutung im Bereich der Injektionsstelle
  • seltene Überempfindlichkeitsreaktionen, abhängig vom jeweiligen Präparat
  • sehr selten septische Arthritis als allgemeines Risiko intraartikulärer Injektionen; konsequent aseptisches Vorgehen ist erforderlich [LL8]

In der Metaanalyse von Pereira et al. zeigte sich in großen placebokontrollierten Studien ein statistisches Signal für häufiger dokumentierte schwerwiegende unerwünschte Ereignisse unter Viskosupplementation (relatives Risiko 1,49; 95-%-Konfidenzintervall 1,12-1,98). Da schwerwiegende unerwünschte Ereignisse in klinischen Studien unabhängig von einem gesicherten kausalen Zusammenhang mit der Intervention erfasst werden, ist aus diesem Befund allein keine Kausalität für Hyaluronsäure abzuleiten [2].

Weitere Hinweise

  • Nach arthroskopischer partieller Meniskektomie (teilweiser operativer Entfernung eines Meniskus) beschleunigte eine frühzeitige Viskosupplementation in einer randomisierten kontrollierten Studie weder die funktionelle Erholung noch reduzierte sie die postoperativen Schmerzen signifikant [3].
  • Die klinische Relevanz eines statistisch signifikanten Therapieeffekts muss von der statistischen Signifikanz unterschieden werden. Während Pereira et al. einen statistisch nachweisbaren, im Mittel jedoch unterhalb der vorab definierten klinisch relevanten Schwelle liegenden Unterschied gegenüber Placebo fanden, zeigen neuere Metaanalysen erneut kurzfristige analgetische Effekte und mögliche Vorteile bei geeigneter Patientenselektion [2, 9-11].
  • Bei Gonarthrose ist die Leitlinienlage nicht einheitlich. Für eine individuelle Anwendung sprechen das geringe systemische pharmakologische Expositionsrisiko und Hinweise auf ein symptomatisches Ansprechen bei einem Teil der Patienten; dagegen stehen heterogene Effektstärken, Kosten sowie die allgemeinen Risiken eines invasiven intraartikulären Eingriffs [2, 9-11, LL1, LL3, LL5].
  • Bei weniger fortgeschrittener Gonarthrose können die Erfolgsaussichten möglicherweise höher sein als bei fortgeschrittener struktureller Gelenkdestruktion (Zerstörung des Gelenks) [10].
  • Bei Coxarthrose ist die Evidenz ungünstiger als bei Gonarthrose; ACR, OARSI, NICE und AAOS empfehlen intraartikuläre Hyaluronsäure bei symptomatischer Hüftarthrose nicht [LL2-LL4, LL6].
  • Bei Omarthrose bestehen widersprüchliche Daten zwischen Metaanalysen mit Hinweisen auf einen möglichen symptomatischen Nutzen und der AAOS-Leitlinie, die keinen gesicherten klinischen Nutzen sieht [6, LL7].

Literatur

  1. Wang CT, Lin J, Chang CJ, Lin YT, Hou SM: Therapeutic effects of hyaluronic acid on osteoarthritis of the knee. A meta-analysis of randomized controlled trials. J Bone Joint Surg Am. 2004;86(3):538-545. doi: 10.2106/00004623-200403000-00012
  2. Pereira TV, Jüni P, Saadat P et al.: Viscosupplementation for knee osteoarthritis: systematic review and meta-analysis. BMJ. 2022;378:e069722. doi: 10.1136/bmj-2022-069722
  3. Filardo G, Di Matteo B, Tentoni F et al.: No Effects of Early Viscosupplementation After Arthroscopic Partial Meniscectomy: A Randomized Controlled Trial. Am J Sports Med. 2016;44(12):3119-3125. doi: 10.1177/0363546516660070
  4. Altman RD, Bedi A, Karlsson J, Sancheti P, Schemitsch E: Product Differences in Intra-articular Hyaluronic Acids for Osteoarthritis of the Knee. Am J Sports Med. 2016;44(8):2158-2165. doi: 10.1177/0363546515609599
  5. Bannuru RR, Natov NS, Dasi UR, Schmid CH, McAlindon TE: Therapeutic trajectory following intra-articular hyaluronic acid injection in knee osteoarthritis--meta-analysis. Osteoarthritis Cartilage. 2011;19(6):611-619. doi: 10.1016/j.joca.2010.09.014
  6. Familiari F, Ammendolia A, Rupp MC et al.: Efficacy of intra-articular injections of hyaluronic acid in patients with glenohumeral joint osteoarthritis: A systematic review and meta-analysis. J Orthop Res. 2023;41(11):2345-2358. doi: 10.1002/jor.25648
  7. Butler JJ, Hartman H, Mener A et al.: Limited Evidence to Support the Use of Intra-Articular Injection of Hyaluronic Acid for the Management of Hallux Rigidus: A Systematic Review. Foot Ankle Orthop. 2024;9(3):24730114241265109. doi: 10.1177/24730114241265109
  8. Thakker A, Sharma SC, Johnson N, Dias JJ: Comparison between intra-articular injections of corticosteroids, hyaluronic acid, PRP and placebo for thumb base osteoarthritis: A frequentist network meta-analysis. J Orthop. 2023;45:78-86. doi: 10.1016/j.jor.2023.09.017
  9. Migliorini F, Maffulli N, Schäfer L et al.: Less Pain with Intra-Articular Hyaluronic Acid Injections for Knee Osteoarthritis Compared to Placebo: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised Controlled Trials. Pharmaceuticals (Basel). 2024;17(11):1557. doi: 10.3390/ph17111557
  10. Migliorini F, Maffulli N, Simeone F et al.: Intra-articular Hyaluronic Acid Injections May Be Beneficial in Patients with Less Advanced Knee Osteoarthritis: A Systematic Review of Randomised Controlled Trials. Sports Med. 2025;55(8):1953-1969. doi: 10.1007/s40279-025-02265-8
  11. Bruyère O, Alokail M, Al-Daghri N, Reginster JY, Sabico S: Effects of intra-articular hyaluronic acid injections on pain and function in patients with knee osteoarthritis: An umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomized placebo-controlled trials. Maturitas. 2025;203:108779. doi: 10.1016/j.maturitas.2025.108779

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Prävention und Therapie der Gonarthrose. (AWMF-Registernummer 187-050) Juli 2024. Langfassung [LL1]
  2. Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC et al.: 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Rheumatol. 2020;72(2):220-233. doi: 10.1002/art.41142 [LL2]
  3. Bannuru RR, Osani MC, Vaysbrot EE et al.: OARSI guidelines for the non-surgical management of knee, hip, and polyarticular osteoarthritis. Osteoarthritis Cartilage. 2019;27(11):1578-1589. doi: 10.1016/j.joca.2019.06.011 [LL3]
  4. National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management. NICE Guideline NG226. Oktober 2022. Leitlinie [LL4]
  5. Brophy RH, Fillingham YA: AAOS Clinical Practice Guideline Summary: Management of Osteoarthritis of the Knee (Nonarthroplasty), Third Edition. J Am Acad Orthop Surg. 2022;30(9):e721-e729. doi: 10.5435/JAAOS-D-21-01233 [LL5]
  6. Hannon CP, Delanois RE, Brown N et al.: American Academy of Orthopaedic Surgeons Clinical Practice Guideline Summary Management of Osteoarthritis of the Hip. J Am Acad Orthop Surg. 2024;32(20):e1027-e1034. doi: 10.5435/JAAOS-D-24-00420 [LL6]
  7. Khazzam MS, Pearl ML: AAOS Clinical Practice Guideline: Management of Glenohumeral Joint Osteoarthritis. J Am Acad Orthop Surg. 2020;28(19):790-794. doi: 10.5435/JAAOS-D-20-00405 [LL7]
  8. Uson J, Rodriguez-García SC, Castellanos-Moreira R et al.: EULAR recommendations for intra-articular therapies. Ann Rheum Dis. 2021;80(10):1299-1305. doi: 10.1136/annrheumdis-2021-220266 [LL8]