Hüftarthrose (Coxarthrose) – Phytotherapeutika

Pflanzliche Antirheumatika

Zur unterstützenden, symptomatischen Therapie werden pflanzliche Präparate eingesetzt. Ihr evidenzbasierter Stellenwert bei Coxarthrose (Arthrose des Hüftgelenks) ist insgesamt gering; für keines der nachfolgend aufgeführten Präparate besteht eine reguläre leitliniengestützte Therapieempfehlung speziell für die Coxarthrose [LL1, LL2]. Anwendung finden vor allem:

  • Brennnessel (Urtica spp.) – für Brennnesselpräparate fehlen systematische kontrollierte klinische Studien bei klar definierten rheumatologischen (das rheumatische Formenkreis betreffenden) Krankheitsbildern. Eine evidenzbasierte Dosierung für die Coxarthrose kann daher nicht angegeben werden. Bei Patientenwunsch muss von einer selbstinitiierten Anwendung handelsüblicher Brennnesselpräparate bei degenerativen Gelenkerkrankungen (verschleißbedingten Gelenkerkrankungen) nicht grundsätzlich abgeraten werden, sofern kein Bedarf für eine wirksamere Therapie besteht [LL1].
  • Gamma-Linolensäure (GLA) – z. B. aus Borretschsamenöl oder Nachtkerzenöl; GLA ist eine Omega-6-Fettsäure mit experimentell nachgewiesenen antiinflammatorischen (entzündungshemmenden) Eigenschaften. Begrenzte klinische Effekte wurden vor allem bei rheumatoider Arthritis (chronisch-entzündlicher Gelenkerkrankung) und erst bei Tagesdosen von mindestens 1.500 mg GLA untersucht. Wegen kleiner Patientenkollektive, hoher Abbruchraten und methodischer Limitationen empfiehlt die DGRh eine Anwendung in therapeutischer Intention nicht. Für die Coxarthrose besteht keine ausreichende klinische Wirksamkeitsevidenz und keine evidenzbasierte Dosierungsempfehlung [LL1]. Borretschsamenöl sollte nur aus standardisierter bzw. zertifizierter Herstellung verwendet werden; Borretschblätter und -blüten sind wegen potenziell teratogener (fruchtschädigender), kanzerogener (krebserzeugender) und hepatotoxischer (leberschädigender) Pyrrolizidinalkaloide zu vermeiden [LL1].
  • Hagebuttenpulver (Rosa canina) – bei Arthrosen wurde eine gering bis mäßig ausgeprägte, kurzzeitige analgetische (schmerzlindernde) Wirkung beschrieben. Studien bei Gon- (Kniegelenkarthrose) und/oder Coxarthrose verwendeten überwiegend 5 g Hagebuttenpulver täglich; in einer placebokontrollierten Studie war die Schmerzreduktion nach drei Wochen signifikant, nach drei Monaten jedoch nicht mehr. Aufgrund kleiner Stichproben und fehlender herstellerunabhängiger Studien besteht keine reguläre Therapieempfehlung. Bei Patientenwunsch muss von einer Anwendung bei degenerativen Gelenkerkrankungen nicht grundsätzlich abgeraten werden [2, LL1].
  • Ingwer (Zingiber officinale) – eine Metaanalyse randomisierter Studien zeigte eine geringe Verbesserung von Schmerzen und Gelenkfunktion bei Arthrose; die untersuchten Patienten litten überwiegend an Gonarthrose [1, LL2]. Die Studiendosen waren heterogen und lagen bei 250-1.000 mg Ingwerextrakt täglich über 6-12 Wochen; eine spezifische Dosierungsempfehlung für die Coxarthrose lässt sich daraus nicht ableiten. Bei degenerativen Gelenkerkrankungen muss von einer patienteninitiierten ergänzenden Anwendung nicht grundsätzlich abgeraten werden; Ingwer in natürlicher Form kann als Bestandteil einer gesundheitsbewussten Ernährung verwendet werden [LL2].
  • Teufelskrallenwurzel (Harpagophytum procumbens) – klinische Studien liefern Hinweise auf eine analgetische Wirkung bei degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen. Ein Review beschreibt eine moderate Evidenz für Präparate mit einer Tagesdosis entsprechend 60 mg Harpagosid bei degenerativen Veränderungen von Wirbelsäule, Hüft- und Kniegelenk. In einer Studie bei Hüft- und/oder Kniearthrose wurden 2.610 mg Harpagophytum-Präparat täglich eingesetzt. Aufgrund heterogener Präparate, teilweise unzureichender Studienqualität und fehlender Langzeitdaten lässt sich keine allgemeingültige Dosierungsempfehlung für die Coxarthrose ableiten [LL2]. Mögliche Nebenwirkungen sind insbesondere gastrointestinale (Magen-Darm betreffende) Beschwerden; während Schwangerschaft und Stillzeit wird mangels ausreichender Daten von einer Anwendung abgeraten [LL2].
  • Weidenrinde (Salix spp.) – enthält Salicinderivate und weitere pflanzliche Inhaltsstoffe. In einer placebokontrollierten Studie bei Arthrose zeigte eine auf 240 mg Salicin täglich standardisierte Dosis über zwei Wochen eine mäßige analgetische Wirkung, während eine weitere Studie über sechs Wochen keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo nachweisen konnte [3, LL1]. Eine leichte kurzfristige analgetische Wirkung bei Arthroseschmerzen ist möglich; eine reguläre Therapieempfehlung besteht nicht. Bei Patientenwunsch muss von einer Anwendung nicht grundsätzlich abgeraten werden, sofern keine wirksamere analgetische Therapie erforderlich ist [LL1]. Weidenrindenpräparate sind bei Salicylatüberempfindlichkeit (Überempfindlichkeit gegen Salicylate) zu vermeiden und werden für Kinder sowie während Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen [LL1].

Salben zur externen Anwendung

Bei topischen (äußerlich angewendeten) Präparaten unterscheidet man zwischen antiinflammatorischen Analgetika und hyperämisierenden (durchblutungssteigernden) bzw. lokal reizenden Mitteln. Aufgrund der tiefen Lage des Hüftgelenks ist bei Coxarthrose für topisch applizierte Wirkstoffe keine relevante Wirkung am Gelenk ausreichend belegt [LL3].

  • Topische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Während topische NSAR bei oberflächlich gelegenen Gelenken wirksam sein können, geht die ACR/Arthritis-Foundation-Leitlinie bei Coxarthrose aufgrund der Tiefe des Hüftgelenks davon aus, dass ein klinisch relevanter Effekt unwahrscheinlich ist; eine Empfehlung für die Coxarthrose wurde deshalb nicht ausgesprochen [LL3].
  • Hyperämisierende bzw. lokal reizende Mittel: Diese können lokal ein Wärme- oder Reizgefühl hervorrufen; eine spezifische analgetische Wirksamkeit am Hüftgelenk ist bei Coxarthrose nicht belegt.

Einige Wirkstoffe bzw. Stoffgruppen, die lokal hyperämisierend oder reizend wirken, sind unter anderem:

  • Capsaicinoide – insbesondere Capsaicin; topisches Capsaicin besitzt bei Gonarthrose eine geringe analgetische Wirkung. Für die Coxarthrose ist aufgrund der tiefen Lage des Gelenks kein klinisch relevanter Effekt zu erwarten; die ACR/Arthritis-Foundation-Leitlinie spricht daher keine Empfehlung für die Anwendung am Hüftgelenk aus [LL3].
  • Nikotinsäureester – Ester der Nicotinsäure werden topisch als hyperämisierende Dermatika (Hautmittel) eingesetzt; eine spezifische Wirksamkeit bei Coxarthrose ist nicht belegt.
  • Ätherische Öle – z. B. Rosmarin oder Kampfer; für Rosmarinpräparate fehlen systematische kontrollierte klinische Studien bei klar definierten rheumatologischen Erkrankungen. Eine evidenzbasierte Empfehlung zur Behandlung der Coxarthrose besteht nicht [LL1].

Abkürzungen

  • ACR – American College of Rheumatology
  • DGRh – Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie
  • GLA – Gamma-Linolensäure
  • NSAR – nichtsteroidale Antirheumatika

Literatur

  1. Bartels EM, Folmer VN, Bliddal H et al.: Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Osteoarthritis Cartilage 2015;23(1):13-21. doi: 10.1016/j.joca.2014.09.024
  2. Christensen R, Bartels EM, Altman RD et al.: Does the hip powder of Rosa canina (rosehip) reduce pain in osteoarthritis patients? – a meta-analysis of randomized controlled trials. Osteoarthritis Cartilage 2008;16(9):965-972. doi: 10.1016/j.joca.2008.03.001
  3. Lin CR, Tsai SHL, Wang C et al.: Willow Bark (Salix spp.) Used for Pain Relief in Arthritis: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Life (Basel) 2023;13(10):2058. doi: 10.3390/life13102058

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Keyßer G, Seifert O, Frohne I et al.: Empfehlungen der DGRh-Kommission für Komplementäre Heilverfahren und Ernährung zur Anwendung von ausgewählten Phytotherapeutika und pflanzlichen Präparaten in der Rheumatologie. Z Rheumatol 2025;84:152-163. doi: 10.1007/s00393-024-01612-w [LL1]
  2. Keyßer G, Sander O, Frohne I et al.: Empfehlungen der DGRh-Kommission für Komplementäre Heilverfahren und Ernährung zur Phytotherapie. Ergänzung zur Anwendung von ausgewählten Phytotherapeutika und pflanzlichen Präparaten in der Rheumatologie: Erweiterung um 13 Heilpflanzen. Z Rheumatol 2026. doi: 10.1007/s00393-026-01840-2 [LL2]
  3. Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC et al.: 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Care Res (Hoboken) 2020;72(2):149-162. doi: 10.1002/acr.24131 [LL3]