Ringelröteln (Erythema infectiosum) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Linderung von Fieber, Schmerzen, Pruritus (Juckreiz) und Gelenkbeschwerden
  • Vermeidung beziehungsweise frühzeitige Behandlung schwerer Komplikationen, insbesondere einer aplastischen Krise (vorübergehendes Aussetzen der Bildung roter Blutkörperchen) bei vorbestehender Störung der Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen), einer chronischen hyporegenerativen Anämie (anhaltende Blutarmut durch unzureichende Neubildung roter Blutkörperchen) bei Immundefizienz (Abwehrschwäche) sowie einer fetalen Anämie (Blutarmut beim ungeborenen Kind) oder eines Hydrops fetalis (ausgeprägte Flüssigkeitsansammlungen beim ungeborenen Kind) bei mütterlicher Infektion in der Schwangerschaft

Therapieempfehlungen

  • Unkompliziertes Erythema infectiosum (Ringelröteln): Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Bei immunkompetenten Patienten verläuft die Infektion in der Regel selbstlimitierend; meist ist keine medikamentöse Therapie erforderlich.
  • Symptomatische Therapie:
    • Paracetamol bei behandlungsbedürftigem Fieber und Schmerzen; in der Schwangerschaft bei entsprechender Indikation bevorzugtes Analgetikum, in der niedrigsten wirksamen Dosis und über die kürzestmögliche Dauer [FI1].
    • Ibuprofen bei Schmerzen sowie ausgeprägten Arthralgien (Gelenkschmerzen) oder Arthritiden (Gelenkentzündungen), sofern keine Kontraindikationen bestehen; niedrigste wirksame Dosis über die kürzestmögliche Dauer. Schwangerschaftsbezogene Einschränkungen beachten [FI2].
    • Bei Pruritus vorrangig kühlende Hautpflege; bei stärkerem Pruritus kann zeitlich begrenzt ein H1-Antihistaminikum unter Berücksichtigung von Alter, Schwangerschaft, Begleiterkrankungen und präparatespezifischer Fachinformation eingesetzt werden.
  • Aplastische Krise oder klinisch relevante schwere Anämie (Blutarmut): Dringliche stationäre und hämatologische Behandlung; bei Bedarf Transfusion von Erythrozytenkonzentraten. Die Transfusionsentscheidung richtet sich nach klinischer Symptomatik, Dynamik des Hämoglobinabfalls und Begleiterkrankungen. Bei Patienten mit chronischer hämolytischer Anämie (anhaltende Blutarmut durch verstärkten Abbau roter Blutkörperchen) ist frühzeitig eine hämatologische Mitbeurteilung erforderlich. IVIG ist bei einer vorübergehenden aplastischen Krise eines immunkompetenten Patienten keine routinemäßige Behandlung.
  • Immundefizienz mit persistierender Parvovirus-B19-Infektion: Bei nachgewiesener aktiver B19V-Infektion mit klinisch relevanter hyporegenerativer Anämie beziehungsweise Pure Red Cell Aplasia (nahezu vollständiges Aussetzen der Bildung roter Blutkörperchen) kann normales Immunglobulin vom Menschen zur intravenösen Anwendung eingesetzt werden. Es handelt sich um einen Off-Label-Use; die Behandlung soll infektiologisch und hämatologisch, bei Transplantierten zusätzlich transplantationsmedizinisch abgestimmt werden [4, LL4, LL6, FI3].
    • Die Diagnose erfordert die Zusammenschau von Anämie, inadäquat niedriger Retikulozytenzahl und B19V-PCR. Bei Immundefizienz kann die Serologie trotz aktiver Infektion negativ bleiben. Ein isolierter niedriggradiger DNA-Nachweis beweist keine behandlungsbedürftige Erkrankung [LL4].
    • Ein gebräuchliches initiales Regime ist 400 mg/kg Körpergewicht i.v. einmal täglich an fünf aufeinanderfolgenden Tagen, entsprechend einer Gesamtdosis von 2 g/kg Körpergewicht. Die AST-Leitlinie beschreibt eine Verteilung der Gesamtdosis auf zwei bis fünf Tage; Tagesdosen von mindestens 1 g/kg Körpergewicht sind mit einer höheren Toxizitätsrate verbunden. Daher ist das fünftägige Regime insbesondere bei erhöhtem Nieren-, Hämolyse- oder Thromboserisiko zweckmäßig. Ein optimales Regime ist mangels kontrollierter Studien nicht gesichert; bei Adipositas (starkes Übergewicht) ist die für Hochdosis-IVIG verwendete Gewichtsgrundlage nach lokalem Protokoll festzulegen [LL4, LL6, FI3].
    • Das Ansprechen wird anhand von Hämoglobin, Retikulozyten und Transfusionsbedarf beurteilt. Eine Erholung der Retikulozyten, ein stabilisierter beziehungsweise ansteigender Hämoglobinwert und ein sinkender Transfusionsbedarf sprechen für einen Behandlungserfolg. Eine fortbestehende niedriggradige DNAämie ohne hämatologische Krankheitsaktivität rechtfertigt keine automatische Therapieverlängerung [LL4].
    • Eine Wiederholungsbehandlung kann bei fehlendem Ansprechen oder symptomatischem, hämatologisch bestätigtem Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung) erwogen werden. Vorher sind andere Anämieursachen, eine fortbestehende relevante Immunsuppression (Unterdrückung der körpereigenen Abwehr) und die Zuordnung zur aktiven B19V-Infektion erneut zu prüfen. Bei erneuter Anämie mit Retikulozytopenie (Mangel an jungen roten Blutkörperchen) soll eine B19V-PCR die Beurteilung unterstützen. Ein weiterer Kurs mit insgesamt 2 g/kg Körpergewicht, üblicherweise über fünf Tage, ist möglich; feste Wiederholungsintervalle oder allgemein validierte Hämoglobin- und Viruslastgrenzen bestehen nicht [LL4, LL6].
    • Bei Transplantierten kann eine vorsichtige Reduktion der Immunsuppression zur Erholung der antiviralen Immunantwort beitragen; dies erfolgt ausschließlich in Abstimmung mit dem Transplantationszentrum unter Berücksichtigung des Abstoßungsrisikos [LL4].
    • Bei HIV-Infektion ist eine wirksame antiretrovirale Therapie zur Immunrekonstitution wesentlich. Bei anderen Formen der Immundefizienz ist die behandelbare Ursache soweit möglich zu korrigieren. Eine routinemäßige langfristige IVIG-Erhaltungstherapie ist nicht durch hochwertige Evidenz abgesichert [4].
    • Die Evidenz zur IVIG-Behandlung beruht überwiegend auf Fallserien und retrospektiven Daten. In einer Auswertung von 133 behandelten Patienten wurde nach dem ersten IVIG-Kurs bei 124 Patienten eine Korrektur des Hämoglobins erreicht; bei 42 der initial ansprechenden Patienten trat nach durchschnittlich 4,3 Monaten ein Rezidiv auf. Diese Ergebnisse ersetzen keine kontrollierten Wirksamkeitsdaten [4].
  • Schwangerschaft nach Exposition oder bei Infektionsverdacht:
    • Bei relevantem Kontakt, typischer Symptomatik oder verdächtigen fetalen Ultraschallbefunden zeitnahe Bestimmung von B19V-IgG und B19V-IgM; bei unklarer Befundkonstellation ergänzende PCR beziehungsweise virologische Spezialdiagnostik. Ein allgemeines Screening aller Schwangeren wird nicht empfohlen [1, LL1, LL3].
    • Bei IgG-positivem und IgM-negativem Befund ohne Hinweise auf eine aktuelle Infektion ist in der Regel von bestehender Immunität auszugehen. Bei sonographischem Verdacht auf eine fetale Infektion schließt ein negatives maternales IgM eine zeitlich zurückliegende akute Infektion jedoch nicht sicher aus [LL1].
    • Bei zunächst negativem IgG und IgM nach kürzlicher Exposition Wiederholung der Serologie nach etwa zwei bis vier Wochen; bei neu auftretenden Symptomen frühere Abklärung. Bei fortgesetzter Exposition können weitere Kontrollen erforderlich sein [2, LL3].
  • Schwangerschaft bei gesicherter akuter mütterlicher Infektion: Symptomatische Behandlung und zeitnahe Überweisung beziehungsweise Mitbetreuung durch ein Pränatalzentrum. Das Risiko schwerer fetaler Komplikationen ist insbesondere bei Infektion vor der 20. Schwangerschaftswoche erhöht; auch bei späterer Infektion ist eine individuelle fetale Überwachung erforderlich. Die mütterliche Infektion allein ist keine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch [1, 2, LL3].
    • Eine IVIG-Postexpositionsprophylaxe oder routinemäßige maternale IVIG-Gabe zur Verhinderung der transplazentaren Übertragung wird nicht empfohlen. Auch zur Behandlung einer fetalen Anämie ist maternales IVIG kein etablierter Ersatz für die intrauterine Transfusion [2].
    • Serielle Ultraschallkontrollen einschließlich Dopplersonographie der Arteria cerebri media, üblicherweise wöchentlich, bei stabil unauffälligem Befund gegebenenfalls zweiwöchentlich, für insgesamt acht bis zwölf Wochen nach der Infektion. Häufig werden Kontrollen über zehn bis zwölf Wochen durchgeführt; Intervall und Dauer richten sich nach Gestationsalter, vermutetem Infektionszeitpunkt und Befund [2, LL3].
    • Ziel ist die Erkennung einer fetalen Anämie vor Entwicklung eines Hydrops fetalis. Neben der maximalen systolischen Flussgeschwindigkeit der Arteria cerebri media sind unter anderem Aszites (Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle), Pleura- oder Perikardergüsse (Flüssigkeitsansammlungen um die Lunge oder im Herzbeutel), Hautödem (Hautschwellung durch Flüssigkeitseinlagerung) und kardiale Veränderungen zu beurteilen. In sehr früher Schwangerschaft und nach vorausgegangener Transfusion ist die Interpretation der Dopplerwerte besonders zentrumsabhängig [2, LL2, LL3].
    • Bei unauffälligen Ultraschallbefunden besteht allein zum Nachweis einer fetalen B19V-Infektion keine Indikation zur invasiven Diagnostik [2].
    • Bei Verdacht auf eine schwere fetale Anämie, insbesondere bei einer maximalen systolischen Flussgeschwindigkeit der Arteria cerebri media über 1,5 MoM, und/oder bei Hydrops fetalis: unverzügliche Vorstellung in einem Zentrum für invasive Fetaltherapie. Der Dopplerwert ist ein Verdachtskriterium; die invasive Bestätigung und Therapieentscheidung erfolgen im Zentrum [LL2, LL3].
    • Bei entsprechender Indikation erfolgt eine Fetalblutentnahme mit Bestimmung von Hämoglobin beziehungsweise Hämatokrit und Thrombozyten sowie gegebenenfalls B19V-PCR in unmittelbarer Bereitschaft zur intrauterinen Transfusion. Ab fetaler Lebensfähigkeit ist auch die Möglichkeit einer Notfallentbindung zu berücksichtigen [2, 5, LL2].
    • Bei bestätigter schwerer fetaler Anämie ist die etablierte Behandlung eine intravasale intrauterine Transfusion eines Erythrozytenkonzentrats (IUT), üblicherweise über die Nabelvene. Es handelt sich um eine direkte Transfusion an den Fetus. Transfusionsvolumen und Zielhämatokrit werden individuell festgelegt; verwendet wird ein für die intrauterine Anwendung geeignetes, speziell aufbereitetes Erythrozytenkonzentrat. Bei technisch nicht möglichem intravasalem Zugang kann im spezialisierten Zentrum eine intraperitoneale Transfusion erwogen werden [2, 5, LL2].
    • Bei fortgeschrittener Schwangerschaft kann die Entbindung die risikoärmere Alternative zur invasiven Fetaltherapie sein. Entscheidend sind Gestationsalter, Schwere der Anämie, fetaler Zustand und die Risiken des Eingriffs beziehungsweise der Frühgeburt [LL2].
    • Nach IUT sind engmaschige sonographische und hämatologische Verlaufskontrollen erforderlich. Weitere Transfusionen können notwendig sein; Zeitpunkt und Anzahl richten sich nach dem Verlauf. Nach schwerer fetaler Anämie oder Hydrops sind neonatologische Betreuung und eine individuelle entwicklungsneurologische Nachsorge zu planen [3, 5, LL2].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Nichtopioide Analgetika und Antipyretika

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Analgetisch und antipyretisch, nicht antiphlogistisch. Die maximale Tagesdosis ist keine anzustrebende Regeldosis. Bei niedrigem Körpergewicht, Leber- oder Nierenfunktionsstörung, chronischem Alkoholabusus, Mangelernährung oder Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) Dosis beziehungsweise Dosierungsintervall anpassen. Keine gleichzeitige Einnahme weiterer paracetamolhaltiger Präparate [FI1].
  • Wirkweise: Zentral analgetisch und antipyretisch; keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung [FI1].
  • Indikationen: Behandlungsbedürftiges Fieber sowie leichte bis mäßig starke Schmerzen. In der Schwangerschaft bei klinischer Notwendigkeit in der niedrigsten wirksamen Dosis und über die kürzestmögliche Dauer [FI1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff beziehungsweise Präparatebestandteile; schwere Leberfunktionsstörung gemäß Fachinformation [FI1].
  • Nebenwirkungen: Selten Überempfindlichkeitsreaktionen, Blutbildveränderungen und schwere Hautreaktionen; bei Überdosierung schwere, potenziell lebensbedrohliche Hepatotoxizität (Leberschädigung) [FI1].

Nichtsteroidale Antirheumatika

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch; insbesondere bei schmerzhaften Arthralgien oder Arthritiden. Nicht bei schwerer Dehydratation. In den ersten beiden Schwangerschaftstrimenons nur bei zwingender Indikation; ab der 20. Schwangerschaftswoche zusätzlich Risiko fetaler Nierenfunktionsstörung mit Oligohydramnion (zu wenig Fruchtwasser) und einer Verengung des Ductus arteriosus. Bei mehrtägiger Anwendung ab diesem Zeitpunkt entsprechende fetale Überwachung erwägen. Im dritten Trimenon kontraindiziert [FI2].
  • Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen mit verminderter Prostaglandinsynthese; analgetische, antipyretische und antiphlogistische Wirkung [FI2].
  • Indikationen: Schmerzen und Fieber; bei Ringelröteln insbesondere schmerzhafte Arthralgien oder Arthritiden, sofern keine Kontraindikationen bestehen [FI2].
  • Kontraindikationen: Unter anderem Überempfindlichkeit beziehungsweise frühere NSAR-induzierte Reaktionen, aktive oder wiederholt aufgetretene peptische Ulzera (Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm) oder Blutungen, frühere NSAR-assoziierte gastrointestinale Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) oder Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand), schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche der Nieren, der Leber oder des Herzens), schwere Dehydratation und drittes Schwangerschaftstrimenon [FI2].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Ulzera (Geschwüre) und Blutungen, Nierenfunktionsstörung, Flüssigkeitsretention, Überempfindlichkeitsreaktionen und schwere Hautreaktionen; insbesondere bei hohen Dosen oder längerer Anwendung erhöhtes kardiovaskuläres Risiko [FI2].

Intravenöse Immunglobuline

Wirkstoff Besonderheiten
Normales Immunglobulin vom Menschen zur intravenösen Anwendung (IVIG) Off-Label-Use bei aktiver persistierender B19V-Infektion mit klinisch relevanter hyporegenerativer Anämie beziehungsweise Pure Red Cell Aplasia. Keine Wiederholung allein aufgrund niedriggradiger DNAämie. Präparatespezifische Infusionsgeschwindigkeit beachten; ausreichende, an die kardiale und renale Situation angepasste Hydratation. Kontrolle von Nierenfunktion, Hämolyse- und Thromboserisiko. Nicht zur routinemäßigen B19V-Prophylaxe in der Schwangerschaft [2, LL4, LL6, FI3].
  • Wirkweise: Enthält unter anderem neutralisierende Antikörper gegen Parvovirus B19 und ermöglicht bei unzureichender eigener Antikörperantwort eine passive antivirale Immunwirkung [4].
  • Indikationen: Aktive persistierende B19V-Infektion mit klinisch relevanter hyporegenerativer Anämie beziehungsweise Pure Red Cell Aplasia, insbesondere bei Immundefizienz oder Immunsuppression; Off-Label-Use [4, LL4, FI3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Immunglobuline vom Menschen beziehungsweise Präparatebestandteile; selektiver IgA-Mangel (Mangel an einer bestimmten Klasse von Abwehrstoffen) mit Anti-IgA-Antikörpern gemäß Fachinformation. Weitere präparatespezifische Kontraindikationen beachten, beispielsweise Hyperprolinämie (krankhaft erhöhter Prolinspiegel im Blut) bei Privigen [FI3].
  • Nebenwirkungen: Infusionsbedingte Reaktionen, Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost; außerdem Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen), Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel), aseptische Meningitis (Hirnhautentzündung ohne nachgewiesene bakterielle Ursache), akute Nierenfunktionsstörung, anaphylaktische Reaktionen (schwere allergische Sofortreaktionen) und transfusionsassoziierte akute Lungeninsuffizienz (plötzliches Versagen der Lungenfunktion im Zusammenhang mit der Gabe von Blutprodukten). Hochdosistherapie und individuelle Risikofaktoren erfordern besondere Überwachung [FI3].

Beachte

  • Antibiotika, systemische Glucocorticoide und Virostatika sind bei unkompliziertem Erythema infectiosum nicht indiziert.
  • Acetylsalicylsäure soll bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Virusinfektionen wegen des Risikos eines Reye-Syndroms (seltene schwere Erkrankung mit Schädigung von Gehirn und Leber) nicht eingesetzt werden.
  • Bei Exanthem (Hautausschlag) und Arthralgien ist die Virämie (Vorhandensein von Viren im Blut) bei Immunkompetenten meist bereits abgeklungen; Patienten mit persistierender Infektion oder aplastischer Krise können dagegen länger infektiös sein.
  • Eine intrauterine Transfusion behandelt die fetale Anämie; sie ist keine antivirale Therapie. Ein Hydrops fetalis ist prognostisch ungünstig, weshalb eine schwere Anämie möglichst vor dessen Entwicklung erkannt und behandelt werden soll [3, 5].
  • Eine negativ ausfallende B19V-Serologie bei Immundefizienz schließt die Infektion nicht aus; umgekehrt darf eine persistierende positive PCR ohne korrespondierende Erkrankung nicht mit einer IVIG-Behandlungsindikation gleichgesetzt werden [LL4].

Red Flags

  • Ausgeprägte Blässe, Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Dyspnoe (Atemnot), Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), rascher Hämoglobinabfall oder Retikulozytopenie, insbesondere bei chronischer hämolytischer Anämie
  • Persistierende oder rezidivierende Anämie mit Retikulozytopenie bei Immundefizienz oder unter Immunsuppression
  • Gesicherte oder wahrscheinliche akute B19V-Infektion in der Schwangerschaft mit fehlender pränatalmedizinischer Mitbetreuung
  • Sonographische Zeichen einer fetalen Anämie oder eines Hydrops fetalis sowie eine maximale systolische Flussgeschwindigkeit der Arteria cerebri media über 1,5 MoM: dringliche Abklärung im Zentrum für invasive Fetaltherapie [LL2, LL3].
  • Neurologische Symptome, Myokarditiszeichen (Anzeichen einer Herzmuskelentzündung), schwere Zytopenien (stark verminderte Zahl bestimmter Blutzellen) oder Organversagen

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • AST: American Society of Transplantation – amerikanische Fachgesellschaft für Transplantationsmedizin
  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • B19V: Parvovirus B19
  • DHA: Docosahexaensäure
  • DNA: Desoxyribonukleinsäure – Träger der Erbinformation
  • doi: Digital Object Identifier – dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • FI: Fachinformation
  • g: Gramm
  • H1: Histaminrezeptor vom Typ 1
  • HIV: Humanes Immundefizienzvirus
  • IgA: Immunglobulin A
  • IgG: Immunglobulin G
  • IgM: Immunglobulin M
  • i.v.: intravenös – in eine Vene
  • IUT: intrauterine Transfusion – Blutübertragung an das ungeborene Kind im Mutterleib
  • IVIG: intravenöse Immunglobuline
  • kg: Kilogramm
  • LL: Leitlinie
  • mg: Milligramm
  • MoM: Multiples of the Median – Vielfaches des für das Schwangerschaftsalter üblichen mittleren Wertes
  • NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika
  • PCR: Polymerase-Kettenreaktion
  • S2k: konsensbasierte Leitlinie mit strukturierter Konsensfindung

Literatur

  1. Beck R, Exler S, Enders M: Parvovirus B19-Infektion und Schwangerschaft. Epidemiologisches Bulletin. 2024;24:3 bis 7. doi: 10.25646/12157
  2. Kagan KO, Hoopmann M, Geipel A, Sonek J, Enders M: Prenatal parvovirus B19 infection. Archives of Gynecology and Obstetrics. 2024;310:2363 bis 2371. doi: 10.1007/s00404-024-07644-6
  3. Bascietto F, Liberati M, Murgano D et al.: Outcome of fetuses with congenital parvovirus B19 infection: systematic review and meta-analysis. Ultrasound in Obstetrics & Gynecology. 2018;52:569 bis 576. doi: 10.1002/uog.19092
  4. Crabol Y, Terrier B, Rozenberg F et al.: Intravenous immunoglobulin therapy for pure red cell aplasia related to human parvovirus B19 infection: a retrospective study of 10 patients and review of the literature. Clinical Infectious Diseases. 2013;56:968 bis 977. doi: 10.1093/cid/cis1046
  5. Kosian P, Hellmund A, Geipel A et al.: Intrauterine transfusion in 103 fetuses with severe anemia caused by parvovirus infection. A multicenter retrospective study. Archives of Gynecology and Obstetrics. 2023;308:117 bis 125. doi: 10.1007/s00404-022-06712-z

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 093-001). Fassung Oktober 2021, gültig bis Oktober 2026; eine Aktualisierung ist seit Juni 2026 angemeldet. Langfassung [LL1]
  2. Society for Maternal-Fetal Medicine: Clinical Guideline No. 8: The fetus at risk for anemia: diagnosis and management. American Journal of Obstetrics and Gynecology. 2015;212:697 bis 710. doi: 10.1016/j.ajog.2015.01.059. Leitlinienseite [LL2]
  3. Institute of Obstetricians and Gynaecologists, Royal College of Physicians of Ireland; National Women and Infants Health Programme: Clinical Practice Statement: Parvovirus-B19 in Pregnancy. Juni 2024. Volltext [LL3]
  4. Eid AJ, Ardura MI; American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice: Human parvovirus B19 in solid organ transplantation: Guidelines from the American Society of Transplantation Infectious Diseases Community of Practice. Clinical Transplantation. 2019;33:e13535. doi: 10.1111/ctr.13535 [LL4]
  5. Eid AJ, Chen SF; AST Infectious Diseases Community of Practice: Human Parvovirus B19 in Solid Organ Transplantation. American Journal of Transplantation. 2013;13(Suppl 4):201 bis 205. Historische Vorgängerfassung; für aktuelle Therapieempfehlungen ist die Aktualisierung von 2019 maßgeblich. doi: 10.1111/ajt.12111 [LL5]
  6. Ontario Regional Blood Coordinating Network: Ontario Immune Globulin Utilization Management Guidelines: Parvovirus B19 in solid organ transplant recipients – established infection. Online-Empfehlung; abgerufen am 6. Oktober 2026. Volltext [LL6]

Fachinformationen

  1. bene-Arzneimittel GmbH: ben-u-ron 500 mg Tabletten, Paracetamol. Fachinformation. Für Kinder sind alters- und gewichtsgeeignete Präparate und deren jeweilige Fachinformationen zu beachten [FI1]
  2. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Mustertext für die Fachinformation: Ibuprofen zur oralen Anwendung in der Selbstmedikation. Stand Juli 2024. Volltext [FI2]
  3. European Medicines Agency: Privigen, normales Immunglobulin vom Menschen zur intravenösen Anwendung. Produktinformation und Fachinformation. Produktinformation zuletzt aktualisiert am 24. Juni 2026; die Behandlung einer Parvovirus-B19-Infektion ist keine zugelassene Indikation [FI3]