Ringelröteln (Erythema infectiosum) – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Serumkrankheitsähnliche Reaktion (allergieähnliche Abwehrreaktion) – immunologisch vermittelte Exanthemreaktion (Hautausschlagsreaktion) mit Fieber, Arthralgien (Gelenkschmerzen) und urtikariellen (nesselsuchtartigen) oder morbilliformen (masernähnlichen) Hautveränderungen; klinisch relevant als Abgrenzung zu Parvovirus-B19-assoziierten Arthralgien und Exanthem (Hautausschlag)

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Arzneimittelexanthem (medikamentenbedingter Hautausschlag) – makulopapulöses (fleckig-knötchenartiges) oder morbilliformes Exanthem nach Medikamentenexposition (Kontakt mit einem Medikament), häufig ohne typische „Ohrfeigengesicht“-Konstellation
  • Erythema multiforme (vielgestaltige entzündliche Hautreaktion) – akute immunvermittelte Hautreaktion mit typischen Kokardenläsionen (zielscheibenförmigen Hautveränderungen), häufig postinfektiös (nach einer Infektion) oder medikamentös ausgelöst
  • Urtikaria (Nesselsucht) – flüchtige Quaddelbildung (erhabene juckende Hautschwellung) mit Pruritus (Juckreiz), meist ohne das für Erythema infectiosum (Ringelröteln) typische girlandenförmige Exanthem

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Adenovirus-Infektion (Infektion durch Adenoviren) – febrile (fieberhafte) respiratorische (die Atemwege betreffende) oder konjunktivale Infektion (Bindehautinfektion) mit Exanthem; differentialdiagnostisch relevant bei Fieber, Konjunktivitis (Bindehautentzündung) und unspezifischem makulopapulösem Ausschlag
  • Borreliose (durch Zecken übertragene bakterielle Infektion) – insbesondere Erythema migrans (Wanderröte) als lokalisiertes, häufig expandierendes Erythem (Hautrötung) nach Zeckenstich; keine typische bilaterale (beidseitige) Wangenrötung
  • Chikungunya-Fieber – reiseassoziierte Arbovirusinfektion (durch Mücken übertragene Virusinfektion) mit Fieber, Exanthem und ausgeprägten Arthralgien
  • Dengue-Fieber – reiseassoziierte Arbovirusinfektion mit Fieber, Exanthem, Myalgien (Muskelschmerzen), Arthralgien und gegebenenfalls Hämorrhagiezeichen (Blutungszeichen)
  • Enterovirus-Infektionen (Infektionen durch Darmviren) einschließlich Coxsackie-Virus-Infektion – häufige Ursache akuter viraler Exantheme; bei Hand-Fuß-Mund-Krankheit typischerweise vesikuläre Läsionen (bläschenartige Hautveränderungen) an Händen, Füßen und Mundschleimhaut
  • Epstein-Barr-Virus-Infektion – infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber) mit Fieber, Pharyngitis (Rachenentzündung), Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung) und gegebenenfalls Exanthem, insbesondere nach Aminopenicillinexposition
  • Masern – hochkontagiöse (sehr ansteckende) Virusinfektion mit Fieber, Husten, Rhinitis (Schnupfen), Konjunktivitis, Koplik-Flecken (weißliche Schleimhautflecken) und kraniokaudal (vom Kopf zum Rumpf) fortschreitendem makulopapulösem Exanthem
  • Meningokokken-Infektion – akut lebensbedrohliche bakterielle Infektion mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl und petechialem (punktförmig eingeblutetem) oder purpurischem Exanthem (fleckförmig eingeblutetem Hautausschlag); Notfalldifferentialdiagnose
  • Röteln – milde Virusinfektion mit makulopapulösem Exanthem, retroaurikulärer/okzipitaler Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung hinter dem Ohr/am Hinterkopf) und besonderer Relevanz in der Schwangerschaft
  • Scharlach – Streptococcus-pyogenes-Infektion (Infektion durch eiterbildende Streptokokken) mit Fieber, Tonsillopharyngitis (Mandel-Rachen-Entzündung), Himbeerzunge und feinfleckigem, sandpapierartigem Exanthem
  • Syphilis, sekundär (zweites Stadium der Syphilis) – systemische Treponema-pallidum-Infektion (Infektion durch Syphiliserreger) mit generalisiertem Exanthem, häufig einschließlich Handflächen und Fußsohlen
  • Toxoplasmose (Infektion durch Toxoplasmen) – meist asymptomatische (ohne Krankheitszeichen verlaufende) oder lymphadenopathische Infektion; differentialdiagnostisch vor allem bei Schwangerschaft, Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) oder unklarer Exanthem-/Lymphknotenkonstellation relevant
  • Varizellen (Windpocken) – generalisiertes vesikuläres Exanthem mit Läsionen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien
  • Zytomegalievirus-Infektion – mononukleoseähnliches Krankheitsbild mit Fieber, Lymphadenopathie und gelegentlichem Exanthem; relevant bei Schwangerschaft und Immunsuppression

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Hepatitis B (Leberentzündung durch Hepatitis-B-Viren) – kann prodromal (im Vorstadium) mit serumkrankheitsähnlicher Reaktion, Exanthem, Arthralgien und Allgemeinsymptomen einhergehen

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • IgA-Vaskulitis (entzündliche Erkrankung kleiner Blutgefäße) – kleingefäßvaskulitisches Krankheitsbild mit palpabler Purpura (tastbaren Hauteinblutungen), Arthralgien, abdominalen Beschwerden (Bauchbeschwerden) und möglicher Nierenbeteiligung
  • Kawasaki-Syndrom – febrile systemische Vaskulitis (Gefäßentzündung des ganzen Körpers) des Kindesalters mit Exanthem, Konjunktivitis, Schleimhautveränderungen, Lymphadenopathie und Extremitätenveränderungen (Veränderungen an Armen und Beinen)
  • Systemischer Lupus erythematodes (entzündliche Autoimmunerkrankung) – autoimmune Systemerkrankung mit Schmetterlingserythem (schmetterlingsförmiger Gesichtsrötung), Photosensitivität (Lichtempfindlichkeit), Arthralgien und möglicher Organbeteiligung

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Schwangerschaft mit exanthematischer Virusinfektion (Virusinfektion mit Hautausschlag) – differentialdiagnostisch besonders relevant bei Verdacht auf Parvovirus-B19-Infektion, Röteln, Masern, Varizellen oder Zytomegalievirus-Infektion wegen möglicher fetaler Risiken (Risiken für das ungeborene Kind)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Fieber mit petechialem oder purpurischem Exanthem – Notfallkonstellation mit Abgrenzung gegenüber Meningokokken-Sepsis (Blutvergiftung durch Meningokokken), schwerer bakterieller Infektion, Thrombozytopenie (Blutplättchenmangel) oder Vaskulitis

Medikamente

  • Antibiotikaassoziiertes Exanthem (durch Antibiotika mitbedingter Hautausschlag) – insbesondere morbilliforme Exantheme unter Betalaktam-Antibiotika; klinische Abgrenzung zu viralen Exanthemen erforderlich
  • Antikonvulsivaassoziiertes Exanthem (durch Medikamente gegen Krampfanfälle mitbedingter Hautausschlag) – Arzneimittelexanthem bis zu schweren kutanen Arzneimittelreaktionen (Hautreaktionen auf Medikamente); Warnzeichen sind Fieber, Schleimhautbeteiligung, Gesichtsödem (Gesichtsschwellung), Eosinophilie (Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen) oder Organbeteiligung
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel) – mögliche Auslöser urtikarieller, makulopapulöser oder fixem Arzneimittelexanthem-ähnlicher Reaktionen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Insektenstichreaktion – lokalisierte (umschriebene) oder generalisierte (den ganzen Körper betreffende) urtikarielle Hautreaktion, meist mit Pruritus und zeitlichem Zusammenhang zu Exposition (Kontakt mit einem Auslöser)