Listeriose – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

Bei der Listeriose (Infektion durch Listerien) bestehen keine obligaten medizingerätediagnostischen Untersuchungen. Die Diagnosesicherung erfolgt primär durch den mikrobiologischen Nachweis von Listeria monocytogenes aus geeignetem klinischem Material, insbesondere aus Blut und bei neuroinvasiver Erkrankung (Befall des Nervensystems) aus Liquor (Nervenwasser). Bildgebende und andere apparative Verfahren sind ausschließlich manifestations-, komplikations- und befundorientiert einzusetzen [R1, LL1].

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Kraniale Computertomographie (cCT; primär nativ) – bei Verdacht auf neuroinvasive Listeriose mit schwerer Bewusstseinsstörung, fokal-neurologischem Defizit (umschriebene Ausfallerscheinung des Nervensystems), neu aufgetretenen epileptischen Anfällen (Krampfanfällen) oder klinischem Verdacht auf erhöhten intrakraniellen Druck (Druck im Schädelinneren); insbesondere zur Beurteilung vor einer geplanten Lumbalpunktion. Eine routinemäßige cCT allein aufgrund des Verdachts auf eine bakterielle Meningitis (bakterielle Hirnhautentzündung) ist nicht indiziert. Ist vor der Lumbalpunktion eine Bildgebung erforderlich, darf hierdurch der Beginn der antibiotischen Therapie nicht verzögert werden [LL1].
  • Kraniale Magnetresonanztomographie (cMRT) – insbesondere bei Verdacht auf Enzephalitis (Gehirnentzündung) bzw. Rhombenzephalitis (Entzündung des Hirnstamms und Kleinhirns), bei computertomographisch nicht erklärbaren neurologischen Befunden, klinischer Verschlechterung unter adäquater Antibiotikatherapie oder unklaren cCT-Befunden. Die cMRT ist der cCT beim Nachweis direkter entzündlicher Veränderungen und intrakranieller Komplikationen (Komplikationen innerhalb des Schädels) wie Ventrikulitis (Entzündung der Hirnkammern), Zerebritis (Entzündung des Gehirngewebes), Hirnabszess (Eiteransammlung im Gehirn), subduralem Empyem (Eiteransammlung unter der harten Hirnhaut), Ischämien (Durchblutungsstörungen), zerebraler Venen-/Sinusthrombose (Blutgerinnsel in Hirnvenen bzw. venösen Blutleitern) und Hirnödem (Schwellung des Gehirns) überlegen [LL1, R1].
  • Echokardiographie – bei klinischem Verdacht auf eine Listerien-Endokarditis (Herzinnenhautentzündung durch Listerien), z. B. bei persistierender Bakteriämie (anhaltendem Vorhandensein von Bakterien im Blut), neu aufgetretenem Herzgeräusch, Herzinsuffizienzzeichen (Zeichen einer Herzschwäche) oder embolischen Ereignissen (Gefäßverschlüssen durch verschlepptes Material). Die transthorakale Echokardiographie (TTE) ist bei Verdacht auf infektiöse Endokarditis (infektiöse Herzinnenhautentzündung) das bildgebende Verfahren der ersten Wahl; bei negativem oder nicht diagnostischem TTE und fortbestehendem klinischem Verdacht ist eine transösophageale Echokardiographie (TEE) indiziert. Eine Echokardiographie ist bei einer unkomplizierten Listeria-monocytogenes-Bakteriämie ohne klinischen Endokarditisverdacht nicht routinemäßig erforderlich [LL2, R1].
  • Abdomensonographie, ggf. Computertomographie des Abdomens – bei fokaler abdomineller Symptomatik oder klinischem Verdacht auf einen intraabdominellen Infektionsfokus (Infektionsherd im Bauchraum) bzw. eine lokalisierte eitrige Organmanifestation (örtlich begrenzte eitrige Organbeteiligung). Eine routinemäßige Abdomensonographie bei unkomplizierter Listeriose ist nicht indiziert [LL1, R1].
  • Geburtshilfliche Sonographie und antepartale fetale Überwachung, z. B. mittels Kardiotokographie (CTG) – bei gesicherter oder klinisch stark vermuteter schwangerschaftsassoziierter Listeriose (Listeriose in der Schwangerschaft) zur Beurteilung des fetalen Zustands (Zustand des ungeborenen Kindes) entsprechend Gestationsalter (Schwangerschaftsalter) und geburtshilflichem Befund. Für Art, Beginn und Frequenz der fetalen Surveillance existiert kein spezifisch validiertes Listeriose-Protokoll; die Vorgehensweise ist individuell festzulegen. Bei lediglich asymptomatischer Exposition gegenüber Listeria monocytogenes besteht keine Indikation, allein deshalb eine zusätzliche fetale Surveillance einzuleiten oder die bestehende Überwachung zu intensivieren [LL3].

Abkürzungen

  • ACOG – American College of Obstetricians and Gynecologists
  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • cCT – kraniale Computertomographie
  • cMRT – kraniale Magnetresonanztomographie
  • CTG – Kardiotokographie
  • ESC – European Society of Cardiology
  • LL – Leitlinie
  • RKI – Robert Koch-Institut
  • TEE – transösophageale Echokardiographie
  • TTE – transthorakale Echokardiographie

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  • S2k-Leitlinie: Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. (AWMF-Registernummer 030-089) [Mai 2023] Langfassung [LL1]
  • European Society of Cardiology (ESC): 2023 ESC Guidelines for the management of endocarditis. August 2023; Corrigendum Januar 2025. ESC-Leitlinienseite [LL2]
  • American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG): Committee Opinion No. 614: Management of Pregnant Women With Presumptive Exposure to Listeria monocytogenes. Dezember 2014. ACOG Clinical Guidance [LL3]
  • Robert Koch-Institut (RKI): Listeriose. RKI-Ratgeber, Stand 24.11.2023. RKI-Ratgeber Listeriose [R1]