Listeriose – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Listeriose (Listerieninfektion) mitbedingt sein können:

Folgeerkrankungen bei invasiver Listeriose (in den Körper eingedrungener Listerieninfektion), Bakteriämie (Bakterien im Blut) oder Sepsis (Blutvergiftung)

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Infektiöse Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) – seltene, aber schwere endovaskuläre Manifestation (Krankheitsausprägung an Herzklappen oder Blutgefäßen) der invasiven Listeriose; besonders relevant bei protrahierter Bakteriämie, Klappenvitien (Herzklappenfehler), Klappenprothesen (künstliche Herzklappen), intravasalem Fremdmaterial (Fremdmaterial in Blutgefäßen), höherem Alter oder Immunsuppression (geschwächter Immunabwehr) [1, 2, 7, LL 4]
  • Gefäßprotheseninfektion (Infektion eines künstlichen Gefäßersatzes)/mykotisches Aneurysma (infektiös bedingte Gefäßaussackung) – seltene fokale Streuungsmanifestation (umschriebene Krankheitsausbreitung) bei hämatogener Dissemination (Ausbreitung über die Blutbahn); klinisch vor allem bei persistierender oder rezidivierender Bakteriämie, vorbestehendem Gefäßersatz oder unklarem septischem Verlauf relevant [1, 2, LL 4]
  • Septischer Schock (schwerer Kreislaufschock durch Blutvergiftung) – schwerste systemische Verlaufsform der invasiven Listeriose mit akuter Kreislauf- und Organinsuffizienz (Organversagen); prognostisch ungünstig, insbesondere bei höherem Alter, Komorbidität (Begleiterkrankung), Zirrhose (narbiger Leberumbau), Malignom (bösartiger Tumor) oder zellulärer Immunsuppression [1, 2, 6, 8, 9, LL 1, LL 3]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakteriämie – zentrale invasive Manifestation der Listeriose; kann isoliert auftreten oder Ausgangspunkt für Sepsis, zentralnervöse Manifestationen (Krankheitsausprägungen im Gehirn oder Rückenmark), Endokarditis und weitere fokale Organinfektionen sein [1, 2, 6, 9, LL 1]
  • Sepsis – wichtigste lebensbedrohliche systemische Komplikation der invasiven Listeriose, vor allem bei älteren Personen, Neugeborenen, Schwangeren, immunsupprimierten Personen und Patienten mit schweren Grunderkrankungen [1, 2, 3, 6, 9, LL 1, LL 3]
  • Fokale invasive Listeriose – seltene hämatogene Streuungsmanifestation; klinisch relevant sind vor allem zentralnervöse Manifestationen, Endokarditis, Gefäßprotheseninfektionen, septische Arthritis, Osteomyelitis/Spondylodiszitis sowie intraabdominelle Infektionsmanifestationen [1, 2, LL 1]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Spontane bakterielle Peritonitis (bakterielle Bauchfellentzündung) durch Listeria monocytogenes (Listerienbakterium) – seltene, aber prognostisch relevante Komplikation bei Aszites (Bauchwassersucht), insbesondere bei Leberzirrhose, Alkoholkrankheit, Malignom oder weiterer Immunsuppression; in einer französischen nationalen Beobachtungsstudie mit hoher Morbidität (Krankheitshäufigkeit und Krankheitslast) und Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert [1, 2, 8]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Septische Arthritis (bakterielle Gelenkentzündung) – seltene fokale Manifestation der invasiven Listeriose nach hämatogener Streuung; besonders relevant bei Immunsuppression, Prothesengelenk (künstlichem Gelenk), Bakteriämie oder schweren Grunderkrankungen [1, 2, LL 1]
  • Osteomyelitis/Spondylodiszitis (Knochenmarkentzündung/Entzündung von Wirbelkörper und Bandscheibe) – seltene invasive Streuungsmanifestation, vor allem bei persistierender Bakteriämie, Immunsuppression oder Fremdmaterial; bei Fieber, Rücken- oder Knochenschmerz und Listeriennachweis gezielt zu berücksichtigen [1, 2, LL 1]

Folgeerkrankungen bei zentralnervöser Listeriose

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Meningitis (Hirnhautentzündung) – häufige neuroinvasive Manifestation (Krankheitsausprägung mit Befall des Nervensystems) der Listeriose, insbesondere bei Neugeborenen, älteren Personen und immunsupprimierten Patienten; mit relevanter Letalität (Tödlichkeit) und Risiko bleibender neurologischer Defizite (Ausfälle des Nervensystems) [1, 2, 9, 10, LL 2]
  • Enzephalitis (Gehirnentzündung) – schwere zentralnervöse Manifestation mit Bewusstseinsstörung, epileptischen Anfällen (Krampfanfällen), fokalneurologischen Defiziten oder entzündlicher Liquorkonstellation (auffälliger Nervenwasserbefund) [1, 2, 9, 10, LL 2]
  • Meningoenzephalitis (Hirnhaut- und Gehirnentzündung) – kombinierte meningeale (die Hirnhäute betreffende) und parenchymatöse Manifestation (das Organgewebe betreffende Krankheitsausprägung) mit Fieber, Kopfschmerz, Meningismus (Nackensteifigkeit als Zeichen einer Hirnhautreizung), Vigilanzminderung (verminderter Wachheitsgrad), Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Hirnnervenbeteiligung oder fokalneurologischen Ausfällen [1, 2, 9, 10, LL 2]
  • Rhombenzephalitis/Hirnstammenzephalitis (Entzündung von Rautenhirn/Hirnstamm) – für Listeriose besonders typische schwere Manifestation des zentralnervösen Systems mit Hirnnervenparesen (Lähmungen von Hirnnerven), Ataxie, Dysarthrie (Sprechstörung), Dysphagie (Schluckstörung), Nystagmus (Augenzittern), Atemregulationsstörung oder Vigilanzminderung [1, 2, 9]
  • Hirnabszess/intrakranielle Abszedierung (Eiteransammlung im Gehirn/Eiteransammlung im Schädelinneren) – seltene, schwere fokale Komplikation der neuroinvasiven Listeriose; besonders bei immunsupprimierten Personen, prolongierter Bakteriämie oder schwerem neurologischem Verlauf zu berücksichtigen [1, 2, 9, LL 2]
  • Persistierende neurologische Defizite nach Neuro-Listeriose (Listeriose mit Befall des Nervensystems) – umfasst motorische Defizite (Bewegungsstörungen), Hirnnervenparesen, Ataxie, kognitive Einschränkungen (Einschränkungen von Denken, Gedächtnis oder Aufmerksamkeit), epileptische Anfälle oder funktionelle Residuen (bleibende Funktionsstörungen) nach Meningitis, Meningoenzephalitis, Rhombenzephalitis oder Hirnabszess [1, 2, 9, 10]

Folgeerkrankungen bei schwangerschaftsassoziierter, fetaler oder neonataler Listeriose

Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode (Zeitraum kurz vor, während und nach der Geburt) haben (P00-P96)

  • Konnatale/neonatale Listeriose (angeborene Listeriose/Listeriose des Neugeborenen) – intrauterin (in der Gebärmutter) oder peripartal (um die Geburt herum) erworbene Infektion des Feten (ungeborenen Kindes) bzw. Neugeborenen; kann als früh beginnende Sepsis, Pneumonie (Lungenentzündung), Meningitis, Meningoenzephalitis oder disseminierte Infektion (im Körper ausgebreitete Infektion) verlaufen [1, 3, 4, 5, 9, LL 1, LL 5]
  • Früh beginnende neonatale Sepsis (früh beginnende Blutvergiftung des Neugeborenen) – schwere perinatale Manifestation nach transplazentarer (über den Mutterkuchen erfolgender) oder intrapartaler (über den Geburtsweg erfolgender) Übertragung; klinisch mit Atemnotsyndrom (Atemnot des Neugeborenen), Temperaturinstabilität, Trinkschwäche, Lethargie (ausgeprägter Schläfrigkeit), Kreislaufinstabilität oder Multiorganbeteiligung (Beteiligung mehrerer Organe) [1, 3, 4, 5, 9, LL 5]
  • Neonatale Pneumonie (Lungenentzündung des Neugeborenen) – mögliche frühe Manifestation der neonatalen Listeriose, meist im Rahmen einer systemischen Infektion oder Sepsis [1, 2, 4, 5, LL 5]
  • Neonatale Meningitis/Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung/Hirnhaut- und Gehirnentzündung des Neugeborenen) – kann früh oder spät neonatal auftreten; prognostisch relevant wegen Letalität und Risiko neurologischer Entwicklungsstörungen [1, 2, 4, 5, 10, LL 2, LL 5]
  • Granulomatosis infantiseptica (schwere angeborene verstreute Listerieninfektion des Neugeborenen) – fulminante (schlagartig schwer verlaufende) disseminierte fetale oder neonatale Listeriose mit multiplen granulomatösen Organläsionen (mehreren knötchenförmigen Organveränderungen); Ausdruck einer schweren intrauterinen Infektion [1, 2, 4]
  • Neonataler Tod (Tod des Neugeborenen) – schwerste Folge einer disseminierten, septischen oder neuroinvasiven neonatalen Listeriose; das Risiko ist besonders bei intrauteriner Infektion, Frühgeburt, Sepsis und verzögerter Therapie erhöht [1, 3, 4, 5, 9, LL 5]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Spontanabort/Fehlgeburt – relevante Folge maternaler Listeriose (Listeriose der Mutter), insbesondere bei früher intrauteriner Infektion; Risiko abhängig von Gestationsalter (Schwangerschaftsalter), maternaler Bakteriämie und fetoplazentarer Beteiligung (Beteiligung von Fetus und Mutterkuchen) [3, 4, 5, 9, LL 5]
  • Intrauteriner Fruchttod/Totgeburt – schwere fetale Komplikation der schwangerschaftsassoziierten Listeriose; in aktuellen Übersichten zusammen mit neonatalem Tod als zentraler ungünstiger Schwangerschaftsausgang beschrieben [3, 4, 5, 9, LL 5]
  • Frühgeburt – kann durch intrauterine Infektion, Chorioamnionitis (Entzündung der Eihaut), Plazentitis (Entzündung des Mutterkuchens), vorzeitige Wehentätigkeit oder fetale Infektion mitbedingt sein [3, 4, 5, 9, LL 5]
  • Intraamniotische Infektion (Infektion innerhalb der Fruchthöhle)/Chorioamnionitis/Plazentitis – geburtshilflich zentrale Manifestation mit Risiko für vorzeitige Wehentätigkeit, Frühgeburt, fetale Sepsis (Blutvergiftung des ungeborenen Kindes), Totgeburt oder neonatale Listeriose [1, 4, 5, 9, LL 5]
  • Fetaler Verlust oder neonataler Tod – zusammengefasster Endpunkt schwerer schwangerschaftsassoziierter Listeriose; bei invasiver Listeriose in der Schwangerschaft trotz häufig milder maternaler Symptomatik (Beschwerden der Mutter) prognostisch hochrelevant [3, 4, 5, 9, LL 5]

Prognosefaktoren

Patientenbezogene Prognosefaktoren

  • Höheres Alter – assoziiert mit erhöhtem Risiko für invasive Listeriose, Sepsis, neuroinvasive Manifestation und Letalität [1, 2, 3, 6, 9, LL 1]
  • Zelluläre Immunsuppression – insbesondere Transplantation (Organ- oder Gewebeübertragung), hämatologische Neoplasie (Blut- oder Lymphsystemtumor), solide Malignome (bösartige Tumoren fester Organe), Glukokortikoidtherapie (Kortisontherapie), Biologika (biotechnologisch hergestellte Medikamente), Chemotherapie oder fortgeschrittene Immundefizienz (Abwehrschwäche) erhöhen das Risiko für invasive, disseminierte und rezidivierende Verläufe [1, 2, 6, 9, LL 1]
  • Chronische Lebererkrankung/Zirrhose und Aszites – besonders relevant für invasive Listeriose, Sepsis und spontane bakterielle Peritonitis mit hoher Mortalität [1, 2, 8, 9]
  • Schwangerschaft und Neugeborenenalter – maternale Erkrankung kann mild verlaufen, ist aber fetal und neonatal prognostisch hochrelevant mit Risiko für Fehlgeburt, Totgeburt, Frühgeburt, neonatale Sepsis, Meningitis und neonatalen Tod [3, 4, 5, 9, LL 5]

Erkrankungsbezogene Prognosefaktoren

  • Sepsis oder septischer Schock – zentraler ungünstiger Prognosefaktor bei invasiver Listeriose; besonders kritisch bei Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe), Intensivpflichtigkeit (Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung) oder verzögerter adäquater antimikrobieller Therapie (gegen Krankheitserreger gerichteter Behandlung) [1, 2, 6, 8, 9, LL 3]
  • Beteiligung des zentralnervösen Systems – Meningitis, Meningoenzephalitis, Rhombenzephalitis und Hirnabszess sind mit erhöhter Letalität und bleibenden neurologischen Defiziten assoziiert [1, 2, 9, 10, LL 2]
  • Persistierende oder rezidivierende Bakteriämie – Hinweis auf Endokarditis, Gefäßprotheseninfektion, intravasales Fremdmaterial oder metastatische Infektionsherde (verschleppte Infektionsherde); erfordert gezielte Fokussuche (Suche nach dem Infektionsherd) [1, 2, 7, LL 4]
  • Spontane bakterielle Peritonitis durch Listeria monocytogenes – prognostisch besonders ungünstig bei Zirrhose, Malignom, septischem Schock oder ausgeprägter systemischer Entzündungskonstellation (den ganzen Körper betreffende Entzündungszeichen) [8]

Therapiebezogene Prognosefaktoren

  • Verzögerte listerienwirksame Therapie (gegen Listerien wirksame Behandlung) – ungünstig, insbesondere bei Sepsis, Schwangerschaft, neonataler Listeriose oder Beteiligung des zentralnervösen Systems; Aminopenicillin-basierte Therapie (Behandlung auf Grundlage bestimmter Penicillin-Antibiotika) ist die zentrale leitliniengerechte Therapiekomponente [1, 2, LL 1, LL 2, LL 5]
  • Initiale Cephalosporin-Monotherapie (anfängliche alleinige Behandlung mit Cephalosporin-Antibiotika) bei invasiver bakterieller Infektion – prognostisch problematisch, wenn Listeriose nicht abgedeckt ist, da Cephalosporine (bestimmte Antibiotikagruppe) keine verlässliche Listerienaktivität (Wirksamkeit gegen Listerien) besitzen [1, 2, LL 2]
  • Unzureichende Therapiedauer bei Neuro-Listeriose oder fokaler invasiver Manifestation – erhöht das Risiko für Persistenz, Rezidiv oder Komplikationen; bei Listerienmeningitis (Hirnhautentzündung durch Listerien) wird eine mindestens 21-tägige Therapie empfohlen, bei Hirnabszess, Endokarditis oder Fremdmaterialinfektion entsprechend länger und fokusspezifisch [1, 2, LL 2, LL 4]

Literatur

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Leitlinien

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