Chlamydien – Prävention
Zur Prävention der Chlamydien-Infektion (Infektion mit Chlamydien) muss auf eine Reduktion der Risikofaktoren (Einflussfaktoren, die eine Erkrankung begünstigen) geachtet werden.
Infektionen mit Chlamydia trachomatis gehören zu den häufigsten bakteriellen sexuell übertragbaren Infektionen. Urogenitale Infektionen (Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane) verlaufen häufig asymptomatisch (ohne Krankheitszeichen) und können deshalb über längere Zeit unbemerkt weitergegeben werden. Prävention umfasst konsequente Sexualanamnese (Erhebung der Sexualvorgeschichte), risikoadaptierte Testung, Barriere-Schutzmaßnahmen, Partnerdiagnostik, Partnertherapie, Vermeidung von Reinfektionen (erneuten Infektionen) und strukturierte Nachkontrollen bei Risikokonstellationen [1-3, LL1, LL2].
Eine relevante Übertragung erfolgt vor allem durch direkten Kontakt infektiöser Schleimhäute (ansteckender Schleimhäute) beim vaginalen, analen oder oralen Sexualkontakt. Eine Übertragung durch Schwimmbadwasser, Toilettensitze, Handtücher oder Alltagskontakte ist für urogenitale Chlamydia-trachomatis-Infektionen nicht plausibel beziehungsweise nicht als relevanter Übertragungsweg anzusehen [1, 2, LL1, LL2].
Verhaltensbedingte Risikofaktoren
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Ungeschützter vaginaler, analer oder oraler Sexualkontakt – Das höchste Präventionspotenzial besteht in der Reduktion ungeschützter Schleimhautkontakte mit infektiösen genitalen, rektalen oder pharyngealen Sekreten (Absonderungen) [1, 2, LL1, LL2].
- Ungeschützter vaginaler Koitus (Geschlechtsverkehr) erhöht das Risiko für zervikale (den Gebärmutterhals betreffende), urethrale (die Harnröhre betreffende) und aufsteigende Infektionen [1, 2, LL1, LL2].
- Ungeschützter Analverkehr erhöht das Risiko für rektale (den Enddarm betreffende) Chlamydia-trachomatis-Infektionen; rektale Infektionen können asymptomatisch verlaufen und werden ohne gezielte extragenitale Diagnostik (Diagnostik außerhalb der Geschlechtsorgane) leicht übersehen [2, LL2].
- Ungeschützter Oralverkehr kann pharyngeale (den Rachen betreffende) Infektionen begünstigen; die epidemiologische Bedeutung (Bedeutung für die Krankheitsverbreitung) ist geringer als bei genitalen und rektalen Infektionen, aber bei entsprechender Exposition (Kontakt mit einem möglichen Risiko) diagnostisch relevant [2, LL2].
- Das Risiko steigt bei wechselnden Sexualpartnern, unbekanntem Infektionsstatus des Partners und fehlender Kondomanwendung [1-3, LL1, LL2].
- Kondome und Lecktücher reduzieren das Risiko, schließen eine Infektion aber nicht vollständig aus, insbesondere bei Kontakt mit nicht bedeckten Schleimhaut- oder Hautarealen [2, LL2].
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Häufig wechselnde Sexualpartner – Die Zahl der Sexualpartner ist ein zentraler epidemiologischer Risikofaktor, weil die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts mit asymptomatisch infizierten Personen steigt [1-3, LL1, LL2].
- Besonders relevant sind neue Sexualpartner innerhalb der letzten 3-6 Monate [2, 3, LL2].
- Mehrere Sexualpartner parallel oder kurz hintereinander erhöhen das Risiko für Infektion und Weiterverbreitung [2, 3, LL2].
- Sexualnetzwerke mit hoher Partnerwechselrate begünstigen anhaltende Transmissionen (Übertragungen) [2, LL2].
- Auch bei subjektiv „gesunden“ Partnern besteht Risiko, da urogenitale Chlamydieninfektionen häufig symptomlos verlaufen [1-3, LL1, LL2].
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Neuer Sexualpartner oder Partner mit unbekanntem STI-Status – Ein neuer Sexualkontakt ist ein häufiger Anlass für risikoadaptierte Testung [2, 3, LL2].
- Vor ungeschütztem Sexualkontakt mit einem neuen Partner sollte eine gemeinsame STI-Teststrategie erwogen werden [2, 3, LL2].
- Bis zum Vorliegen negativer Testergebnisse sollten Kondome beziehungsweise andere Barriere-Methoden verwendet werden [2, LL2].
- Ein negativer Test schließt nur die zum Testzeitpunkt erfassten Infektionen und Lokalisationen (Körperstellen) aus; erneute Expositionen erfordern erneute Bewertung [2, LL2].
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Partner mit gleichzeitigen weiteren Sexualkontakten – Concurrent partnerships (gleichzeitige Sexualpartnerschaften) erhöhen die Infektionswahrscheinlichkeit, auch wenn die eigene Zahl der Sexualpartner niedrig ist [2, 3, LL2].
- Das Risiko ist erhöht, wenn der Partner mehrere Sexualpartner hat oder hatte [2, 3, LL2].
- Unklare Beziehungskonstellationen, fehlende Kommunikation über STI-Tests und inkonsistente Kondomnutzung erhöhen das Risiko [2, LL2].
- Bei wiederholten Infektionen sollte an unerkannte Reexposition (erneuter Kontakt mit dem Erreger) durch nicht diagnostizierte oder nicht behandelte Partner gedacht werden [2, LL2].
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Frühere oder gleichzeitig bestehende sexuell übertragbare Infektion – Eine zurückliegende oder aktuelle STI ist ein Marker (Hinweiszeichen) für erhöhte Exposition und kann auf gemeinsame Risikofaktoren hinweisen [2, 3, LL2].
- Nachweis von Gonorrhoe (Tripper), Syphilis (Lues), Trichomoniasis (Infektion mit Trichomonaden), Mycoplasma genitalium, HIV, Hepatitis B oder Hepatitis C sollte Anlass zu vollständiger STI-Risikoevaluation sein [2, LL2].
- Bei diagnostizierter Chlamydieninfektion sollte risikoadaptiert auch auf weitere STI getestet werden [2, LL2].
- Wiederholte Chlamydieninfektionen sprechen häufig für Reinfektion durch unbehandelte Partner oder fortbestehende Risikokontakte [2, LL2].
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Unzureichende oder fehlende Kondomanwendung – Kondome reduzieren das Risiko für Chlamydien und andere STI, wenn sie konsequent und korrekt angewendet werden [2, LL2].
- Risikorelevant ist insbesondere der Verzicht auf Kondome bei neuen, wechselnden oder nicht monogamen Sexualkontakten [2, 3, LL2].
- Fehlerhafte Anwendung, verspätetes Anlegen, vorzeitiges Entfernen, Reißen oder Abrutschen reduzieren die Schutzwirkung [2, LL2].
- Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis können bei Analverkehr das Risiko von Kondomdefekten und Schleimhautverletzungen reduzieren [2, LL2].
- Ölhaltige Produkte können Latexkondome beschädigen und sollten bei Latexkondomen vermieden werden [2, LL2].
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Sexuelle Praktiken mit erhöhtem Risiko für Schleimhautverletzungen – Mikrotraumata (kleinste Verletzungen) erleichtern die Transmission sexuell übertragbarer Erreger [2, LL2].
- Ungeschützter Analverkehr ist wegen vulnerabler (verletzlicher) rektaler Schleimhaut besonders relevant [2, LL2].
- Sexuelle Praktiken mit Blutkontakt, Schleimhautverletzung oder entzündlichen Läsionen (Gewebeschäden) erhöhen das Risiko [2, LL2].
- Gemeinsame Nutzung von Sexspielzeug ohne Kondomwechsel oder Reinigung kann Sekrete zwischen Partnern oder Körperregionen übertragen [2, LL2].
- Bei Wechsel zwischen analem, vaginalem und oralem Kontakt sollten Kondome gewechselt und Sexspielzeug gereinigt beziehungsweise mit neuem Kondom verwendet werden [2, LL2].
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Männer, die Sex mit Männern haben – Bei MSM sind extragenitale Infektionen, insbesondere rektale Infektionen, je nach Sexualpraktiken klinisch relevant [2, LL2].
- Die Testung sollte sich nach Exposition richten und bei entsprechender Anamnese (Krankenvorgeschichte) urethrale, rektale und pharyngeale Proben umfassen [2, LL2].
- Rektale Chlamydieninfektionen können asymptomatisch verlaufen und werden durch alleinige Urindiagnostik nicht zuverlässig erfasst [2, LL2].
- Bei Proktitis (Enddarmentzündung), rektalen Schmerzen, Ausfluss, Blutung oder Tenesmen (schmerzhaftem Stuhldrang) ist eine erweiterte STI-Diagnostik einschließlich Lymphogranuloma venereum (geschlechtlich übertragbare Lymphknoteninfektion) zu prüfen [2, LL2].
- Bei HIV-Präexpositionsprophylaxe-Programmen (vorbeugender HIV-Medikamenteneinnahme vor möglichem Kontakt) sind regelmäßige STI-Screenings Bestandteil der Versorgung [2, LL2].
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Sexarbeit, bezahlter Sex oder Sex gegen materielle Vorteile – Sexuelle Kontakte in Kontexten mit hoher Partnerzahl oder eingeschränkter Verhandlungsmacht erhöhen das STI-Risiko [2, LL2].
- Risikoerhöhend sind ungeschützte Kontakte, häufig wechselnde Partner und fehlender Zugang zu niedrigschwelliger Diagnostik [2, LL2].
- Regelmäßige, lokalisationgerechte STI-Testung ist sinnvoll [2, LL2].
- Kondomverfügbarkeit, sichere Sexualpraktiken und niedrigschwellige Beratung sind zentrale Präventionsmaßnahmen [2, LL2].
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Sexuelle Kontakte im Ausland oder in Regionen mit hoher STI-Prävalenz – Neue Sexualkontakte im Reise- oder Urlaubskontext können mit geringerer Kondomnutzung und unbekanntem STI-Status verbunden sein [2, 3, LL2].
- Ungeschützte Kontakte im Ausland sollten Anlass zu risikoadaptierter STI-Testung nach Rückkehr sein [2, LL2].
- Bei Symptomen (Krankheitszeichen) sollte die Diagnostik nicht verzögert werden [2, LL2].
- Bei asymptomatischen Personen richtet sich der Testzeitpunkt nach Exposition, Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch) und Art des Risikokontakts [2, LL2].
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Junges Alter und altersdiskordante Partnerschaften – Junge sexuell aktive Personen haben ein erhöhtes Risiko für Chlamydieninfektionen; bei jungen Frauen ist das Risiko zusätzlich durch zervikale Vulnerabilität und hohe Asymptomatik relevant [1, 3, 4, LL1, LL2].
- Besonders betroffen sind sexuell aktive Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr [3, 4].
- Sexuelle Kontakte junger Frauen mit deutlich älteren Partnern können ein erhöhtes Risiko darstellen, wenn diese Partner in weiter verzweigte Sexualnetzwerke eingebunden sind [3, LL1].
- Aufklärung, niedrigschwellige Testangebote und Kondomnutzung sind in dieser Gruppe besonders wichtig [1, 3, 4, LL1, LL2].
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Fehlende oder verspätete Testung trotz Risikokontakt – Da Chlamydieninfektionen häufig asymptomatisch verlaufen, reicht Symptombeobachtung allein nicht aus [1-4, LL1, LL2].
- Nach ungeschütztem Kontakt mit neuem oder wechselndem Partner sollte eine risikoadaptierte Testung erwogen werden [2, 3, LL2].
- Bei positiver Partnerdiagnose sollte eine Untersuchung und gegebenenfalls Behandlung erfolgen [2, LL2].
- Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr haben in Deutschland Anspruch auf ein jährliches Chlamydien-Screening [4].
- Schwangere sollen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge auf Chlamydia trachomatis untersucht werden [1, LL1].
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Unzureichende Partnerinformation und fehlende Partnerbehandlung – Nicht behandelte Partner sind eine der häufigsten Ursachen für Reinfektionen [2, LL2].
- Sexualpartner der letzten 60 Tage sollten informiert, getestet und behandelt werden [2, LL2].
- Bei länger zurückliegendem letztem Sexualkontakt sollte der letzte Partner ebenfalls einbezogen werden [2, LL2].
- Bis zum Abschluss der Behandlung und bis zur Behandlung relevanter Partner sollte auf Sexualkontakte verzichtet werden [2, LL2].
- Bei erneuter Exposition gegenüber einem unbehandelten Partner ist eine Reinfektion wahrscheinlich [2, LL2].
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Sexualkontakt während oder unmittelbar nach Behandlung – Zu frühe Wiederaufnahme sexueller Kontakte begünstigt Transmission und Reinfektion [2, LL2].
- Sexuelle Abstinenz (Verzicht auf Sexualkontakt) wird bis zum Abschluss der Therapie beziehungsweise für 7 Tage nach Einmaltherapie empfohlen [2, LL2].
- Bei Mehrtagestherapie sollte bis zum Ende der Behandlung und bis zur Symptomfreiheit auf Sexualkontakt verzichtet werden [2, LL2].
- Sexualkontakte sollten erst wieder aufgenommen werden, wenn relevante Partner ebenfalls behandelt wurden [2, LL2].
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Substanzkonsum im Zusammenhang mit Sexualkontakten – Alkohol und Drogen können Risikowahrnehmung, Kondomanwendung und Partnerwahl beeinflussen [2, LL2].
- Risikorelevant sind Situationen mit eingeschränkter Einwilligungsfähigkeit oder vermindertem Schutzverhalten [2, LL2].
- Chemsex-Kontexte (Sexualkontakte unter Einfluss bestimmter Drogen) können mit höherer Partnerzahl, längerer Exposition, Schleimhauttraumata und geringerer Kondomnutzung verbunden sein [2, LL2].
- Prävention umfasst niedrigschwellige Beratung, Testangebote und Schadensminderung [2, LL2].
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Sexuelle Gewalt oder nicht einvernehmlicher Sexualkontakt – Nach sexualisierter Gewalt besteht ein erhöhtes Risiko für STI und psychische Traumafolgen (seelische Folgen nach schwerer Belastung) [2, LL2].
- Eine zeitnahe medizinische, forensische (gerichtsmedizinische) und psychosoziale Versorgung ist erforderlich [2, LL2].
- Die STI-Diagnostik sollte Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, HIV, Hepatitis B und weitere Erreger risikoadaptiert berücksichtigen [2, LL2].
- Notfallkontrazeption (Verhütung nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr), Hepatitis-B-Impfstatus, HIV-Postexpositionsprophylaxe (vorbeugende HIV-Behandlung nach möglichem Kontakt) und Nachkontrollen sind situationsabhängig zu prüfen [2, LL2].
Medikamente und medizinische Faktoren
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Hormonelle Kontrazeptiva – Hormonelle Kontrazeptiva (hormonelle Verhütungsmittel) sind nicht als eigenständige kausale Ursache einer Chlamydieninfektion zu bewerten. Klinisch relevant ist vor allem, dass bei sicherer hormoneller Schwangerschaftsverhütung häufig auf Kondome verzichtet wird, wodurch der Schutz vor STI entfällt [2, LL2].
- Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, dass hormonelle Kontrazeptiva nicht vor Chlamydien oder anderen STI schützen [2, LL2].
- Bei neuen oder wechselnden Sexualpartnern sollte zusätzlich ein Kondom verwendet werden [2, LL2].
- Bei Risikokontakten sollte eine Chlamydien-Testung unabhängig von der gewählten Kontrazeptionsmethode erfolgen [2, 3, LL2].
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Intrauterine Eingriffe und Schwangerschaftsabbruch bei unerkannter Infektion – Eine unbehandelte zervikale Chlamydieninfektion kann das Risiko aufsteigender Infektionen im Zusammenhang mit intrauterinen Maßnahmen (Maßnahmen in der Gebärmutter) erhöhen [1, LL1].
- Vor Schwangerschaftsabbruch ist eine Chlamydien-Testung entsprechend geltender Regelungen vorgesehen [4].
- Bei klinischem Verdacht auf Zervizitis (Gebärmutterhalsentzündung) oder PID (Unterleibsentzündung) sollte vor beziehungsweise im Zusammenhang mit intrauterinen Eingriffen eine gezielte Diagnostik erfolgen [1, 2, LL1, LL2].
- Bei nachgewiesener Infektion sind Therapie und Partnerbehandlung essenziell [2, LL2].
Präventionsfaktoren
Zur Prävention von Chlamydien-Infektionen müssen Maßnahmen zur Reduktion sexueller Transmission, zur frühzeitigen Erkennung asymptomatischer Infektionen und zur Vermeidung von Reinfektionen berücksichtigt werden [1-4, LL1, LL2].
- Sexualmedizinische Aufklärung
- Risikokommunikation – Aufklärung darüber, dass Chlamydien häufig asymptomatisch verlaufen und trotzdem übertragbar sind [1-3, LL1, LL2].
- Partnerbezogene Prävention – Besprechung von STI-Status, Testintervallen und Kondomnutzung bei neuen oder wechselnden Partnern [2, 3, LL2].
- Expositionsbezogene Diagnostik – Testung an der anatomischen Lokalisation der Exposition, insbesondere genital, rektal und pharyngeal [2, LL2].
- Entstigmatisierung – Sachliche Beratung verbessert Testbereitschaft, Partnerinformation und Therapieadhärenz (Therapietreue) [2, LL2].
- Barriere-Methoden
- Kondome – Reduktion des Risikos bei vaginalem und analem Sexualkontakt [2, LL2].
- Lecktücher – Reduktion des Risikos bei oral-vulvärem (Mund-Schamlippen-Kontakt) oder oral-analem Kontakt [2, LL2].
- Kondomwechsel – Wechsel bei Änderung der Sexualpraktik oder Wechsel zwischen Körperregionen [2, LL2].
- Sexspielzeug – Reinigung, Kondomnutzung und Kondomwechsel zwischen Personen und Körperregionen [2, LL2].
- Screening und risikoadaptierte Testung
- Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr – In Deutschland einmal jährlich Chlamydien-Screening bei sexuell aktiven Frauen [4].
- Schwangerschaft – Testung auf Chlamydia trachomatis im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge [1, LL1].
- Vor Schwangerschaftsabbruch – Chlamydien-Testung entsprechend den Regelungen zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch [4].
- Risikoadaptierte Testung unabhängig vom Alter – Bei neuem Partner, mehreren Partnern, Partner mit STI, Symptomen, positiver Partnerdiagnose, Sexarbeit, MSM, HIV-Präexpositionsprophylaxe, sexualisierter Gewalt oder wiederholten STI [2, 3, LL2].
- Extragenitale Testung – Rektale und pharyngeale Diagnostik bei entsprechender Sexualanamnese [2, LL2].
- Partnerdiagnostik und Partnertherapie
- Partnerinformation – Information relevanter Sexualpartner zur Unterbrechung von Infektionsketten [2, LL2].
- Partnerbehandlung – Diagnostik und Therapie der Partner zur Vermeidung von Reinfektion [2, LL2].
- Sexuelle Abstinenz während der Therapie – Verzicht auf Sexualkontakte bis zum Abschluss der Behandlung und bis zur Behandlung relevanter Partner [2, LL2].
- Retestung – Erneute Testung nach etwa 3 Monaten ist bei erhöhtem Reinfektionsrisiko sinnvoll, insbesondere bei jungen Patienten und unklarer Partnerbehandlung [2, LL2].
- Hygiene und Alltagskontakte
- Persönliche Hygiene – Normale Körperhygiene ist ausreichend; übertriebene Intimhygiene, Vaginalspülungen und irritierende Produkte können die Schleimhautbarriere stören [1, LL1].
- Schwimmbäder – Schwimmbadbesuch ist kein relevanter Risikofaktor für urogenitale Chlamydia-trachomatis-Infektionen [1, LL1].
- Toiletten und Handtücher – Eine relevante Übertragung über Toilettensitze oder alltägliche Gegenstände ist für urogenitale Infektionen nicht anzunehmen [1, LL1].
- Augeninfektionen – Bei okulären Chlamydieninfektionen (Chlamydieninfektionen am Auge) sind Händehygiene und Vermeidung gemeinsamer Handtücher relevant [1, LL1].
- Ernährung und allgemeiner Gesundheitszustand
- Ernährung – Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die allgemeine Gesundheit; eine spezifische Ernährung zur sicheren Prävention von Chlamydieninfektionen ist nicht belegt [1, 2, LL1, LL2].
- Genussmittelkonsum – Rauchen, Alkohol oder Drogen erhöhen das Risiko vor allem indirekt über verändertes Sexualverhalten, Schleimhautbelastung oder eingeschränkte Adhärenz gegenüber Schutzmaßnahmen [2, LL2].
- Körperliche Aktivität – Regelmäßige Bewegung unterstützt die allgemeine Gesundheit, ersetzt aber keine STI-spezifische Prävention [1, 2, LL1, LL2].
Sekundärprävention
Die Sekundärprävention zielt darauf ab, Chlamydien-Infektionen frühzeitig zu erkennen und gezielte Maßnahmen einzuleiten, um Transmission, aufsteigende Infektionen, Schwangerschaftskomplikationen und spätere Fertilitätsstörungen (Fruchtbarkeitsstörungen) zu verhindern [1-4, LL1, LL2].
- Früherkennung und Diagnostik
- Symptombeobachtung – Überwachung auf Brennen beim Wasserlassen, urethralen oder vaginalen Ausfluss, Zwischenblutungen, postkoitale Blutungen (Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr), Unterbauchschmerzen, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), testikuläre Schmerzen (Hodenschmerzen), Nebenhodenschwellung, rektale Schmerzen, rektalen Ausfluss oder Proktitiszeichen [1, 2, LL1, LL2].
- Asymptomatische Infektion – Fehlen von Symptomen schließt eine Infektion nicht aus; Screening und risikoadaptierte Testung sind deshalb zentral [1-4, LL1, LL2].
- Labordiagnostik
- Nukleinsäure-Amplifikationstest – Methode der Wahl zum Nachweis von Chlamydia trachomatis aus Erststrahlurin, Vaginalabstrich, Zervixabstrich, Urethralabstrich, Rektalabstrich oder Pharyngealabstrich je nach Exposition [1, 2, LL1, LL2].
- PCR – Häufig eingesetztes molekularbiologisches Verfahren innerhalb der Nukleinsäure-Amplifikationstests [1, 2, LL1, LL2].
- Serologische Tests – Nicht zur Routinediagnostik akuter unkomplizierter urogenitaler Infektionen geeignet; allenfalls bei speziellen Fragestellungen, zum Beispiel bei chronischen Folgekomplikationen, begrenzt verwertbar [1, LL1].
- Weitere STI-Diagnostik – Bei nachgewiesener Chlamydieninfektion risikoadaptierte Untersuchung auf Gonorrhoe, Syphilis, HIV, Hepatitis B, Hepatitis C, Mycoplasma genitalium und Trichomoniasis [2, LL2].
- Frühzeitige antibiotische Therapie – Nach gesicherter Diagnose beziehungsweise bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit und relevanter Risikokonstellation sollte eine leitliniengerechte antibiotische Therapie (Behandlung mit Antibiotika) erfolgen [1, 2, LL1, LL2].
- Partnerbehandlung und Vermeidung von Reinfektion – Partnerdiagnostik, Partnertherapie und sexuelle Abstinenz bis zum Therapieabschluss sind zentrale Bestandteile der Sekundärprävention [2, LL2].
- Kontrolle des klinischen Verlaufs – Erneute ärztliche Beurteilung bei persistierenden Beschwerden (anhaltenden Beschwerden), Unterbauchschmerzen, Fieber, Adnexschmerz (Schmerz im Bereich von Eileiter/Eierstock), testikulären Schmerzen, Proktitiszeichen, Schwangerschaft oder Verdacht auf Therapieversagen [1, 2, LL1, LL2].
Tertiärprävention
Die Tertiärprävention zielt darauf ab, Komplikationen (Folgeprobleme) zu minimieren, Fertilität (Fruchtbarkeit) zu erhalten, Reinfektionen zu verhindern und eine vollständige Genesung zu fördern [1-4, LL1, LL2].
- Behandlung von Komplikationen
- Pelvic inflammatory disease – Frühzeitige Therapie bei Endometritis (Gebärmutterschleimhautentzündung), Salpingitis (Eileiterentzündung), Adnexitis (Entzündung von Eileiter/Eierstock) oder tuboovarialem Abszess (Eiteransammlung im Bereich von Eileiter/Eierstock) zur Reduktion von Infertilität (Unfruchtbarkeit), chronischen Unterbauchschmerzen und Eileiterschwangerschaft [1-3, LL1, LL2].
- Epididymitis – Behandlung bei Nebenhodenentzündung, testikulären Schmerzen und Schwellung; Abklärung weiterer STI und urologischer Differentialdiagnosen (andere urologische mögliche Ursachen) [1, 2, LL1, LL2].
- Proktitis – Diagnostik und Therapie bei rektalen Schmerzen, Ausfluss, Tenesmen oder Blutung; Ausschluss von Lymphogranuloma venereum bei entsprechender Klinik (Krankheitsbild) und Risikokonstellation [2, LL2].
- Reaktive Arthritis – Rheumatologische Mitbeurteilung bei Gelenkbeschwerden nach Chlamydieninfektion [1, LL1].
- Schwangerschaft und Neugeborene – Behandlung der mütterlichen Infektion zur Reduktion neonataler Konjunktivitis (Bindehautentzündung des Neugeborenen) und Pneumonie (Lungenentzündung); pädiatrische Abklärung bei entsprechenden Symptomen des Neugeborenen [1, 2, LL1, LL2].
- Rehabilitation und Nachsorge
- Fertilitätsmedizinische Abklärung – Bei Infertilität, anamnestischer PID, Tubenpathologie (krankhafter Veränderung der Eileiter) oder rezidivierenden Chlamydieninfektionen [1, 3, LL1].
- Gynäkologische Nachsorge – Bei PID, persistierenden Unterbauchschmerzen, Blutungsstörungen oder Verdacht auf tubare Folgeschäden (Folgeschäden an den Eileitern) [1-3, LL1, LL2].
- Urologische Nachsorge – Bei Epididymitis, persistierenden urethralen Beschwerden oder rezidivierenden Infektionen [1, 2, LL1, LL2].
- Psychologische Unterstützung – Bei relevanter psychischer Belastung, Partnerschaftskonflikten, sexualisierter Gewalt, Stigmatisierung oder Fertilitätsbelastung [2, LL2].
- Aufklärung über Präventionsmaßnahmen – Wiederholte Beratung zu Kondomen, Testintervallen, Partnerbehandlung, Reinfektionsrisiko und sexueller Abstinenz während der Therapie [2, LL2].
Literatur
- Robert Koch-Institut. Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis. RKI-Ratgeber. Zugriff: 13.05.2026. https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Chlamydiosen_Teil1.html
- Workowski KA, Bachmann LH, Chan PA, Johnston CM, Muzny CA, Park I et al.: Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021. MMWR Recomm Rep. 2021;70(4):1-187. https://doi.org/10.15585/mmwr.rr7004a1
- Davidson KW, Barry MJ, Mangione CM, Cabana M, Caughey AB, Davis EM et al.: Screening for Chlamydia and Gonorrhea: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA. 2021;326(10):949-956. https://doi.org/10.1001/jama.2021.14081
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Chlamydien-Test für Frauen bis 25 Jahre. Zugriff: 13.05.2026. https://www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/erwachsene/chlamydien-test/
Leitlinien
- Deutsche STI-Gesellschaft. S2k-Leitlinie Infektionen mit Chlamydia trachomatis. AWMF-Registernummer 059-005, Stand 08/2016, abgelaufen. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/059-005
- Centers for Disease Control and Prevention. Chlamydial Infections. STI Treatment Guidelines, 2021. Zugriff: 13.05.2026. https://www.cdc.gov/std/treatment-guidelines/chlamydia.htm