Chlamydien – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Eliminierung der Erreger beziehungsweise mikrobiologische Heilung [LL1, LL2]
  • Vermeidung von Komplikationen und Spätfolgen sowie Unterbrechung der Infektionskette [LL1]
  • Vermeidung von Reinfektionen (erneuten Infektionen) durch konsequentes Partnermanagement mit Information, Testung und gegebenenfalls Behandlung exponierter Sexualpartner [LL1, LL7]

Therapieempfehlungen

Unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektion

  • Urogenitale (Harn- und Geschlechtsorgane betreffende) oder pharyngeale (den Rachen betreffende) Infektion: Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage ist Mittel der ersten Wahl. Eine pauschale Verlängerung auf 14 Tage ist nicht indiziert [LL1, LL2, LL3].
  • Alternative: Azithromycin 1 g p.o. als Einzeldosis ist nach der europäischen Leitlinie Zweitlinientherapie. Die WHO empfiehlt dieses Regime insbesondere dann, wenn Doxycyclin nicht verfügbar ist oder eine zuverlässige siebentägige Einnahme nicht gewährleistet werden kann [LL1, LL2].
  • Weitere Alternativen: Erythromycin, Levofloxacin oder Ofloxacin kommen nach der europäischen Leitlinie als Drittlinienoptionen infrage. Fluorchinolone dürfen bei unkomplizierten Infektionen nur eingesetzt werden, wenn die üblicherweise empfohlenen Antibiotika nicht angewendet werden können; zugelassene Indikation und individuelles Nutzen-Risiko-Verhältnis beachten [7, LL1].
  • Urethritis (Harnröhrenentzündung) bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen: Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt ebenfalls Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage. Bei Kontraindikation gegen Doxycyclin soll Azithromycin eingesetzt werden: bei ausgeschlossener Koinfektion (gleichzeitiger Infektion mit einem weiteren Erreger) mit Mycoplasma genitalium 1 g p.o. einmalig; bei nicht ausgeschlossener Koinfektion 1 g p.o. an Tag 1 und jeweils 500 mg p.o. an den Tagen 2-4. Das viertägige Regime ist ein Off-Label-Use [LL3].
  • Das viertägige Azithromycin-Regime der deutschen Urethritisleitlinie ist keine allgemeine Standardtherapie für sämtliche Chlamydia-trachomatis-Infektionen und ersetzt bei nachgewiesener Mycoplasma-genitalium-Koinfektion keine erregerspezifische, möglichst resistenzgesteuerte Behandlung [LL1, LL3].

Rektale (den Enddarm betreffende) Chlamydia-trachomatis-Infektion ohne Lymphogranuloma venereum (sexuell übertragbare Chlamydieninfektion mit möglicher Beteiligung von Lymphknoten und Gewebe)

  • Erstlinientherapie: Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage [LL1, LL2].
  • Evidenz: In einer randomisierten Studie bei Männern mit asymptomatischer rektaler Infektion betrug die mikrobiologische Heilungsrate 96,9 % unter Doxycyclin gegenüber 76,4 % unter Azithromycin 1 g als Einzeldosis [1]. Eine weitere randomisierte Studie und eine Metaanalyse bestätigen die Überlegenheit von Doxycyclin [2, 3]. Auch bei Frauen mit gleichzeitig vaginaler (die Scheide betreffender) und anorektaler (After und Enddarm betreffender) Infektion wurde eine höhere anorektale Heilungsrate unter Doxycyclin nachgewiesen [9].
  • Abgrenzung zu Lymphogranuloma venereum: Bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), soll bei positivem rektalem Chlamydia-trachomatis-Nachweis mittels Nukleinsäureamplifikationstest (NAAT) unabhängig von anorektalen Symptomen eine Untersuchung auf LGV-assoziierte Serovare erfolgen [LL1, LL4].
  • Bei schwerer Proktitis (Enddarmentzündung) und positivem anorektalem Chlamydia-trachomatis-Nachweis soll bei fehlender zeitnaher LGV-Diagnostik eine LGV-Behandlung erwogen werden [LL4].

Schwangerschaft und Stillzeit bei unkomplizierter Chlamydia-trachomatis-Infektion

  • Schwangerschaft: Azithromycin 1 g p.o. als Einzeldosis ist Mittel der ersten Wahl. Alternativen sind Amoxicillin 500 mg p.o. dreimal täglich für 7 Tage oder Erythromycin 500 mg p.o. viermal täglich für 7 Tage [LL1, LL2].
  • Doxycyclin in der Schwangerschaft: Keine Standardoption. Die europäische Leitlinie 2025 nennt Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage ausschließlich im ersten Trimenon als Drittlinienoption, wenn besser etablierte Behandlungen kontraindiziert oder unwirksam sind; im zweiten und dritten Trimenon ist es nach dieser Leitlinie kontraindiziert [LL1]. Die WHO empfiehlt Doxycyclin in der Schwangerschaft nicht [LL2]. Diese eng begrenzte europäische Ausnahme hebt die Gegenanzeigen der deutschen Fachinformationen nicht auf: Beispielsweise ist Doxy-M-ratiopharm während der gesamten Schwangerschaft kontraindiziert. Eine ausnahmsweise Anwendung erfordert eine fachärztliche Einzelfallentscheidung unter Berücksichtigung der konkreten Fachinformation, dokumentierter Nutzen-Risiko-Abwägung und Aufklärung [F1].
  • Stillzeit: Azithromycin 1 g p.o. als Einzeldosis ist nach IUSTI und WHO Mittel der ersten Wahl; Amoxicillin 500 mg p.o. dreimal täglich für 7 Tage oder Erythromycin 500 mg p.o. viermal täglich für 7 Tage sind Alternativen. Doxycyclin ist nach WHO keine empfohlene Option; die präparatespezifischen Fachinformationen sind zu beachten [LL1, LL2, F1, F2].
  • Erfolgskontrolle in der Schwangerschaft: NAAT frühestens 4 Wochen nach Therapieabschluss; zusätzliche Wiederholungstestung zur Erkennung von Reinfektionen entsprechend Risiko und Leitlinie [LL1].

Lymphogranuloma venereum

  • Erstlinientherapie: Bei symptomatischer und asymptomatischer Infektion durch Chlamydia trachomatis der Serovare L1-L3 Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 21 Tage [LL4].
  • Alternativen: Erythromycinethylsuccinat 400 mg p.o. viermal täglich für 21 Tage; Azithromycin 1 g p.o. einmal wöchentlich für 3 Wochen kann bei fehlender Eignung von Doxycyclin erwogen werden. Die Evidenz für diese Alternativen ist begrenzt; sie sind keine gleichwertigen Erstlinienoptionen [LL4].
  • Schwangerschaft oder Stillzeit: Die Regime für unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektionen dürfen nicht auf LGV übertragen werden. Eine fachärztlich abgestimmte, ausreichend lange Alternative ist erforderlich; die LGV-Leitlinie nennt Erythromycinethylsuccinat als Alternative zu Doxycyclin [LL4].
  • Erfolgskontrolle: Klinische Kontrolle am Therapieende. Nach vollständig durchgeführter 21-tägiger Doxycyclintherapie ist bei regelrechtem Verlauf keine routinemäßige mikrobiologische Erfolgskontrolle erforderlich; nach alternativen Regimen Test of Cure 4-6 Wochen nach Therapieende [LL4].
  • Partnermanagement: Sexualkontakte mindestens der vorausgehenden 3 Monate ermitteln und an allen exponierten Lokalisationen auf Chlamydia trachomatis beziehungsweise LGV untersuchen. Die europäische LGV-Leitlinie empfiehlt eine empirische Doxycyclinbehandlung bis zum Ausschluss der Infektion; bei bestätigtem LGV ist das 21-tägige Regime erforderlich [LL4].

Andere Manifestationen von Chlamydia trachomatis

  • Konjunktivitis (Bindehautentzündung) beim Erwachsenen: Systemische Therapie mit Doxycyclin 100 mg p.o. zweimal täglich für 7 Tage; Azithromycin 1 g p.o. als Einzeldosis ist Zweitlinientherapie. Eine alleinige lokale Behandlung ist nicht ausreichend. Begleitende anogenitale (After und Geschlechtsorgane betreffende) beziehungsweise pharyngeale Infektionen und Sexualpartner berücksichtigen [LL1].
  • Pelvic Inflammatory Disease (Entzündung der inneren weiblichen Geschlechtsorgane): Bei aufsteigender Infektion beziehungsweise Pelvic Inflammatory Disease (PID) ist die siebentägige Chlamydien-Monotherapie nicht ausreichend. Erforderlich ist eine syndromspezifische Kombinationstherapie einschließlich der notwendigen Abdeckung weiterer Erreger; siehe Pelvic Inflammatory Disease/Pharmakotherapie [LL1, LL6].
  • Epididymo-Orchitis (Nebenhoden- und Hodenentzündung): Bei Verdacht auf sexuell übertragene Genese syndromspezifische Therapie mit Berücksichtigung von Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis; keine undifferenzierte siebentägige Chlamydien-Monotherapie. Siehe Epididymo-Orchitis/Pharmakotherapie [LL5].
  • Die nachfolgenden Erwachsenendosierungen gelten nicht für neonatale Chlamydienkonjunktivitis (durch Chlamydien verursachte Bindehautentzündung beim Neugeborenen) oder Säuglingspneumonie (Lungenentzündung beim Säugling); hierfür ist eine pädiatrische, gewichtsadaptierte systemische Behandlung erforderlich [LL8].

Chlamydia pneumoniae

  • Infektionen verlaufen häufig mild beziehungsweise selbstlimitierend. Eine Antibiotikatherapie erfolgt indikationsbezogen nach klinischem Krankheitsbild; keine Behandlung allein aufgrund eines unspezifischen oder zurückliegenden serologischen Befundes [4].
  • Wirkstoffwahl: Das CDC nennt Makrolide, insbesondere Azithromycin, als Erstlinienwirkstoffe; Doxycyclin und Fluorchinolone sind weitere Optionen [4].
  • Dosierung und Dauer: Nach respiratorischem Krankheitsbild beziehungsweise aktuellem Pneumonie-Regime (Behandlungsschema bei Lungenentzündung). Das CDC gibt keine feste Chlamydia-pneumoniae-spezifische Therapiedauer vor; eine pauschale Behandlung über 10-21 Tage ist daraus nicht abzuleiten [4].

Chlamydia psittaci – Psittakose (durch Chlamydia psittaci verursachte, meist von Vögeln übertragene Infektionskrankheit)

  • Erstlinientherapie: Doxycyclin, sofern nicht kontraindiziert; bei Erwachsenen üblicherweise 100 mg p.o. zweimal täglich. Bei schwerem Verlauf initial intravenöse Behandlung und infektiologische Mitbeurteilung [5, 6, 10].
  • Therapiedauer: An klinischem Verlauf, Schweregrad und aktueller infektiologischer Empfehlung orientieren. Ältere CDC-Empfehlungen sehen zur Vermeidung von Rezidiven (Rückfällen) eine Fortführung für mindestens 10-14 Tage nach Entfieberung vor [10]. Das Kompendium 2017 verweist für Dosierung und Behandlungsdauer auf aktuelle Arzneimittelverzeichnisse; die CDC-Übersicht 2026 nennt ebenfalls keine feste Dauer [5, 6].
  • Bei Kontraindikation gegen Tetracycline beziehungsweise in der Schwangerschaft: Makrolide als Alternative nach fachärztlicher Abstimmung. Wegen berichteter Makrolid-Therapieversager ist eine engmaschige klinische Kontrolle erforderlich; die Azithromycin-Einzeldosis zur Therapie unkomplizierter genitaler Chlamydieninfektionen darf nicht übertragen werden [5, 6].
  • Eine routinemäßige antibiotische Prophylaxe von Kontaktpersonen wird vom CDC nicht empfohlen. Bei vermuteter aviärer Infektionsquelle tierärztliche Abklärung und Behandlung veranlassen [5].

Partnermanagement und Nachkontrollen bei unkomplizierter sexuell übertragener Chlamydia-trachomatis-Infektion

  • Sexualpartner: Informieren und testen; Behandlung bei bestätigter Infektion oder Exposition innerhalb des diagnostischen Fensterzeitraums [LL1].
  • Rückverfolgungszeitraum: Bei männlichem Indexfall mit symptomatischer Urethritis alle Partner seit Symptombeginn und aus den vorausgehenden 4 Wochen berücksichtigen. Bei Frauen, asymptomatischen Männern sowie rektaler, pharyngealer oder okulärer (das Auge betreffender) Infektion alle Partner der vorausgehenden 6 Monate beziehungsweise den zuletzt exponierten Partner berücksichtigen, wenn der letzte Kontakt länger zurückliegt [LL1].
  • Sexuelle Karenz: Nach der europäischen Leitlinie 2025 sexuelle Kontakte bis 7 Tage nach Abschluss der Behandlung sowohl des Patienten als auch der behandlungsbedürftigen Partner und bis zum Abklingen vorhandener Symptome vermeiden [LL1].
  • Koinfektionen: Testung auf weitere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere Gonorrhoe (Tripper), Syphilis (Lues) und HIV, anbieten [LL1]. Bei LGV zusätzlich Hepatitis B (durch das Hepatitis-B-Virus verursachte Leberentzündung) und C (durch das Hepatitis-C-Virus verursachte Leberentzündung) berücksichtigen [LL4].
  • Test of Cure: Bei nicht schwangeren Patienten nach korrekt durchgeführter siebentägiger Doxycyclin-Erstlinientherapie keine routinemäßige mikrobiologische Erfolgskontrolle. Eine Kontrolle ist bei Schwangerschaft, komplizierter Infektion, persistierenden Symptomen, Zweit- oder Drittlinientherapie, unzureichender Adhärenz oder vermuteter Reexposition angezeigt; NAAT frühestens 4 Wochen nach Therapieabschluss [LL1].
  • Deutsche S3-Leitlinie Urethritis: Bei initialem Chlamydia-trachomatis-Nachweis im Rahmen einer Urethritis bei männlichen Jugendlichen und Erwachsenen sollte eine Kontrolluntersuchung zum Test of Cure 6-12 Wochen nach Therapieabschluss geplant werden [LL3].
  • Reinfektionstestung: Erneute Testung innerhalb von 3-12 Monaten nach Behandlung; Frauen unter 25 Jahren eine Wiederholung nach 3-6 Monaten anbieten [LL1].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene mit regelrechter Organfunktion. Bei Jugendlichen sowie eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion individuelle Dosierung und konkrete Fachinformation beachten.

Tetracycline

Wirkstoff Besonderheiten
Doxycyclin – unkomplizierte urogenitale, rektale oder pharyngeale Chlamydia-trachomatis-Infektion Erste Wahl; keine pauschale Verlängerung auf 14 Tage. Bei rektaler Infektion wirksamer als Azithromycin 1 g als Einzeldosis [1-3, 9, LL1-LL3]
Doxycyclin – Chlamydia-trachomatis-Konjunktivitis beim Erwachsenen Systemische Erstlinientherapie; begleitende genitale und extragenitale Infektionen berücksichtigen [LL1]
Doxycyclin – Lymphogranuloma venereum Erste Wahl bei symptomatischer und asymptomatischer Infektion durch Serovare L1-L3 [LL4]
Doxycyclin – Chlamydia pneumoniae Alternative zu Makroliden; keine vom CDC vorgegebene pathogenbezogene feste Therapiedauer [4]
Doxycyclin – Chlamydia psittaci Erste Wahl. Dauer klinisch und infektiologisch festlegen; ältere CDC-Empfehlung: mindestens 10-14 Tage nach Entfieberung fortführen [5, 6, 10]
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese durch Bindung an die 30S-Ribosomenuntereinheit; überwiegend bakteriostatische Wirkung [F1].
  • Indikationen: Erstlinientherapie unkomplizierter Chlamydia-trachomatis-Infektionen, der adulten Chlamydienkonjunktivitis, des LGV und der Psittakose; Alternative bei behandlungsbedürftiger Chlamydia-pneumoniae-Infektion [4-6, LL1, LL4].
  • Kontraindikationen: Tetracyclinüberempfindlichkeit; nach der beispielhaft herangezogenen Fachinformation schwere Leberfunktionsstörungen, Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder unter 8 Jahren unter Beachtung der dort genannten Ausnahmen. Die eng begrenzte Ersttrimesteroption der IUSTI-Leitlinie ist keine regulär zugelassene Schwangerschaftsanwendung [LL1, F1].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung) und ösophageale Ulzerationen (Geschwüre der Speiseröhre), Photosensitivität (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut); selten unter anderem intrakranielle Drucksteigerung (erhöhter Druck im Schädelinneren) und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen. Mit reichlich Wasser in aufrechter Körperhaltung einnehmen. Abstand zu Calcium, Eisen, Magnesium, Zink und Antazida nach Fachinformation einhalten; gleichzeitige Retinoidanwendung vermeiden [F1].

Makrolide

Wirkstoff Besonderheiten
Azithromycin – unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektion einschließlich adulter Konjunktivitis Zweitlinie nach IUSTI; WHO-Alternative bei fehlender Verfügbarkeit von Doxycyclin oder erheblichen Adhärenzproblemen. Bei rektaler Infektion geringere Wirksamkeit [1-3, 9, LL1, LL2]
Azithromycin – Schwangerschaft und Stillzeit, unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektion Leitliniengemäß erste Wahl; individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und Fachinformation beachten [LL1, LL2, F2]
Azithromycin – urethrale (die Harnröhre betreffende) Chlamydia-trachomatis-Infektion bei Kontraindikation gegen Doxycyclin Spezifische Empfehlung der deutschen S3-Urethritisleitlinie; viertägiges Regime als Off-Label-Use [LL3]
Erythromycin – unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektion außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit Drittlinienregime nach IUSTI 2025; nicht mit dem Schwangerschaftsregime verwechseln [LL1]
Erythromycin – Schwangerschaft und Stillzeit, unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektion Alternative zu Azithromycin; gastrointestinale Verträglichkeit und präparatespezifische Dosierung beachten [LL1, LL2]
Erythromycinethylsuccinat – Lymphogranuloma venereum Alternative nach europäischer LGV-Leitlinie; begrenzte Evidenz. Erythromycinsalz und Dosisangabe bei der Präparatewahl berücksichtigen. Test of Cure nach 4-6 Wochen [LL4]
Azithromycin – Lymphogranuloma venereum Mögliche Alternative mit begrenzter Evidenz; Off-Label-Regime. Test of Cure 4-6 Wochen nach Therapieende [LL4, F2]
Azithromycin – Chlamydia pneumoniae Vom CDC als Erstlinienwirkstoff genannt. Die Beispiele sind Fachinformationsregime für Atemwegsinfektionen, keine eigene Chlamydia-pneumoniae-spezifische CDC-Dosierung [4, F2]
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese durch Bindung an die 50S-Ribosomenuntereinheit [LL4, F2].
  • Indikationen: Azithromycin als Alternative bei unkomplizierter Chlamydia-trachomatis-Infektion und als erste Wahl in Schwangerschaft und Stillzeit; Erythromycin als weitere Alternative. Bei LGV nur ausreichend lange, fachärztlich abgestimmte Alternativregime. Makrolide außerdem bei Chlamydia pneumoniae beziehungsweise bei Psittakose mit fehlender Eignung von Tetracyclinen [4-6, LL1, LL2, LL4].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff beziehungsweise Makrolide; weitere Gegenanzeigen und Interaktionen präparatespezifisch prüfen. Bei QT-Verlängerung, relevanter Bradykardie (verlangsamtem Herzschlag), Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut), Hypomagnesiämie (Magnesiummangel im Blut) oder gleichzeitiger QT-verlängernder Medikation besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung. Erythromycin hat ein ausgeprägteres CYP3A4-Interaktionspotenzial als Azithromycin [LL4, F2].
  • Nebenwirkungen: Vor allem gastrointestinale Beschwerden; QT-Verlängerung und potenziell schwere Herzrhythmusstörungen, selten Hepatotoxizität (Leberschädigung) und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen. Wechselwirkungen unter anderem mit Digoxin und oralen Antikoagulanzien beachten [F2].

Aminopenicilline

Wirkstoff Besonderheiten
Amoxicillin Alternative bei unkomplizierter Chlamydia-trachomatis-Infektion in Schwangerschaft und Stillzeit. Keine allgemeine Erstlinienbehandlung außerhalb dieser Situationen; kein LGV-Regime [LL1, LL2]
  • Wirkweise: Betalaktam-Antibiotikum; Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese durch Bindung an Penicillin-bindende Proteine.
  • Indikationen: Leitlinienalternative zu Azithromycin bei unkomplizierter Chlamydia-trachomatis-Infektion in Schwangerschaft und Stillzeit [LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Penicillinüberempfindlichkeit beziehungsweise vorausgegangene schwere unmittelbare Überempfindlichkeitsreaktion gegen ein anderes Betalaktam-Antibiotikum; bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosisanpassung nach Fachinformation.
  • Nebenwirkungen: Diarrhoe (Durchfall), Übelkeit, Exanthem (Hautausschlag) und allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie (schweren allergischen Allgemeinreaktion); antibiotikaassoziierte Kolitis (durch Antibiotikabehandlung ausgelöste Dickdarmentzündung) möglich.

Fluorchinolone

Wirkstoff Besonderheiten
Levofloxacin Drittlinienoption bei unkomplizierter Chlamydia-trachomatis-Infektion nach IUSTI; nur bei fehlender Eignung der üblicherweise empfohlenen Wirkstoffe. Nierenfunktion, Zulassung und Fachinformation beachten [7, LL1]
Ofloxacin Drittlinienoption nach IUSTI; dieselben Einschränkungen wie bei Levofloxacin. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion) [7, LL1]
  • Wirkweise: Hemmung bakterieller DNA-Gyrase und Topoisomerase IV; bakterizide Wirkung.
  • Indikationen: Reservealternativen bei unkomplizierter Chlamydia-trachomatis-Infektion, wenn die üblicherweise empfohlenen Antibiotika nicht angewendet werden können; keine routinemäßige Erstlinientherapie [7, LL1].
  • Kontraindikationen: Unter anderem Chinolonüberempfindlichkeit, Schwangerschaft, Stillzeit sowie Anwendung bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum nach jeweiliger Fachinformation. Bei vorausgegangenen schwerwiegenden Nebenwirkungen unter Chinolonen beziehungsweise Fluorchinolonen nicht erneut einsetzen; substanzspezifische Gegenanzeigen einschließlich Epilepsie (Erkrankung mit wiederkehrenden epileptischen Anfällen) und früherer fluorchinolonassoziierter Sehnenschäden beachten [7].
  • Nebenwirkungen: Unter anderem Tendinitis (Sehnenentzündung) und Sehnenruptur (Sehnenriss), periphere Neuropathie (Schädigung von Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark) sowie zentralnervöse und psychiatrische Nebenwirkungen; selten lang anhaltende, beeinträchtigende und potenziell irreversible Schäden. Gleichzeitige systemische Corticosteroidtherapie vermeiden. Bei Sehnenschmerzen oder Neuropathiesymptomen Behandlung abbrechen und eine Alternative prüfen [7].

Beachte

  • Therapiedauer: Unkomplizierte Chlamydia-trachomatis-Infektion einschließlich rektaler Nicht-LGV-Infektion: Doxycyclin für 7 Tage. LGV: Doxycyclin für 21 Tage. PID, Epididymo-Orchitis und respiratorische Chlamydieninfektionen benötigen eigene syndrom- beziehungsweise speziesspezifische Behandlungsentscheidungen [LL1-LL6].
  • Schwangerschaft: Azithromycin 1 g einmalig, nicht 1,5 g als Einzeldosis. Die Ersttrimester-Ausnahme für Doxycyclin nach IUSTI darf nicht als reguläre Schwangerschaftsoption dargestellt werden [LL1, LL2, F1].
  • Off-Label-Dosierung: Die deutsche S3-Urethritisleitlinie kennzeichnet Doxycyclin 100 mg zweimal täglich bei einem Körpergewicht unter 70 kg als Off-Label-Dosierung. Diese Angabe ist im Zusammenhang mit der konkreten Präparatezulassung zu prüfen. Für Patienten unter 18 Jahren ist eine individuelle Dosisprüfung erforderlich. Das viertägige Azithromycin-Regime ist ebenfalls Off-Label-Use [LL3].
  • Therapieversagen: Vor erneuter Antibiotikagabe Adhärenz, Reexposition, Koinfektionen und komplizierte Manifestationen prüfen. Bei Persistenz von Urethritissymptomen länger als 2 Wochen nach Therapieabschluss oder Wiederauftreten der Symptome erneute ärztliche Abklärung [LL3].
  • Frühe Kontrolltests: Ein zu früh durchgeführter NAAT kann persistierende Nukleinsäuren nicht mehr lebensfähiger Erreger nachweisen; die empfohlenen Kontrollintervalle einhalten [LL1].
  • Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz: Der direkte oder indirekte Nachweis von Chlamydia psittaci ist gemäß § 7 Abs. 1 IfSG namentlich meldepflichtig, soweit er auf eine akute Infektion hinweist. Chlamydia trachomatis der Serotypen L1-L3 ist gemäß § 7 Abs. 3 IfSG nichtnamentlich meldepflichtig. Für die übrigen Chlamydia-trachomatis-Serotypen und Chlamydia pneumoniae besteht keine entsprechende spezifische bundesrechtliche Erregermeldepflicht nach § 7 IfSG; ergänzende landesrechtliche Regelungen beachten [8].

Abkürzungen

  • Abs.: Absatz
  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • CDC: Centers for Disease Control and Prevention; US-amerikanische Behörde für Krankheitskontrolle und Prävention
  • CYP3A4: Cytochrom P450 3A4
  • DNA: Desoxyribonukleinsäure
  • EMA: European Medicines Agency; Europäische Arzneimittel-Agentur
  • et al.: et alii; und weitere Autoren
  • F: Quellenkennzeichnung für Fachinformationen
  • g: Gramm
  • HIV: Humanes Immundefizienz-Virus
  • IfSG: Infektionsschutzgesetz
  • ISBN: Internationale Standardbuchnummer
  • IUSTI: International Union against Sexually Transmitted Infections; internationale Fachgesellschaft für sexuell übertragbare Infektionen
  • kg: Kilogramm
  • LGV: Lymphogranuloma venereum
  • LL: Quellenkennzeichnung für Leitlinien
  • mg: Milligramm
  • MSM: Männer, die Sex mit Männern haben
  • NAAT: Nukleinsäureamplifikationstest
  • PID: Pelvic Inflammatory Disease
  • p.o.: per os; Einnahme über den Mund
  • QT: Zeitintervall zwischen Beginn der Q-Zacke und Ende der T-Welle im Elektrokardiogramm
  • S3: höchste Entwicklungsstufe einer Leitlinie mit systematischer Evidenzbewertung und strukturierter Konsensfindung
  • WHO: World Health Organization; Weltgesundheitsorganisation
  • doi: Digital Object Identifier; dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung

Literatur

  1. Lau A, Kong FYS, Fairley CK et al.: Azithromycin or Doxycycline for Asymptomatic Rectal Chlamydia trachomatis. N Engl J Med. 2021;384:2418-2427. doi: 10.1056/NEJMoa2031631
  2. Dombrowski JC, Wierzbicki MR, Newman LM et al.: Doxycycline Versus Azithromycin for the Treatment of Rectal Chlamydia in Men Who Have Sex With Men: A Randomized Controlled Trial. Clin Infect Dis. 2021;73:824-831. doi: 10.1093/cid/ciab153
  3. Chen LF, Wang TC, Chen FL et al.: Efficacy of doxycycline versus azithromycin for the treatment of rectal chlamydia: a systematic review and meta-analysis. J Antimicrob Chemother. 2021;76:3103-3110. doi: 10.1093/jac/dkab335
  4. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Overview of Chlamydia pneumoniae Infection. Aktualisiert 7. August 2026. CDC
  5. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Overview of Psittacosis. Aktualisiert 7. August 2026. CDC
  6. Balsamo G, Maxted AM, Midla JW et al.: Compendium of Measures to Control Chlamydia psittaci Infection Among Humans (Psittacosis) and Pet Birds (Avian Chlamydiosis), 2017. J Avian Med Surg. 2017;31:262-282. doi: 10.1647/217-265
  7. European Medicines Agency: Fluoroquinolone antibiotics: reminder of measures to reduce the risk of long-lasting, disabling and potentially irreversible side effects. 2023. EMA
  8. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG): § 7 Meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern. Geltende Fassung; abgerufen am 4. Oktober 2026. § 7 IfSG
  9. Peuchant O, Lhomme E, Martinet P et al.: Doxycycline versus azithromycin for the treatment of anorectal Chlamydia trachomatis infection in women concurrent with vaginal infection (CHLAZIDOXY study): a multicentre, open-label, randomised, controlled, superiority trial. Lancet Infect Dis. 2022;22:1221-1230. doi: 10.1016/S1473-3099(22)00148-7
  10. Centers for Disease Control and Prevention: Compendium of Measures To Control Chlamydia psittaci Infection Among Humans (Psittacosis) and Pet Birds (Avian Chlamydiosis), 2000. MMWR Recomm Rep. 2000;49(RR-8):3-17. CDC – Volltext. Historische Quelle für die Fortführung der Therapie über mindestens 10-14 Tage nach Entfieberung; im Kompendium 2017 ist diese Dauer nicht ausdrücklich vorgegeben.

Leitlinien

  1. White JA, Dukers-Muijrers NHTM, Hoebe CJPA et al.: 2025 European guideline on the management of Chlamydia trachomatis infections. Int J STD AIDS. 2025;36:434-449. doi: 10.1177/09564624251323678 [LL1]
  2. World Health Organization: Updated recommendations for the treatment of Neisseria gonorrhoeae, Chlamydia trachomatis, and Treponema pallidum (syphilis) and new recommendations on syphilis testing and partner services. Geneva: World Health Organization; 2024. ISBN 978-92-4-009076-7. WHO [LL2]
  3. S3-Leitlinie: Management der Urethritis bei männlichen* Jugendlichen und Erwachsenen. (AWMF-Registernummer: 013 - 099), Oktober 2024, Version 1.0 Langfassung [LL3]
  4. de Vries HJC, de Barbeyrac B, de Vrieze NHN et al.: 2019 European guideline on the management of lymphogranuloma venereum. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2019;33:1821-1828. doi: 10.1111/jdv.15729 [LL4]
  5. Justice ED, Fricker J, Ross JDC et al.: The 2024 European guideline on the management of epididymo-orchitis. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2026;40:166-173. doi: 10.1111/jdv.20865 [LL5]
  6. Ross J, Guaschino S, Cusini M, Jensen J: 2017 European guideline for the management of pelvic inflammatory disease. Int J STD AIDS. 2018;29:108-114. doi: 10.1177/0956462417744099 [LL6]
  7. Tiplica GS, Radcliffe C, Evans C et al.: 2015 European guidelines for the management of partners of persons with sexually transmitted infections. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015;29:1251-1257. doi: 10.1111/jdv.13181. Frühere Partnerleitlinie; für aktuelle Chlamydia-trachomatis-spezifische Empfehlungen ist die europäische Leitlinie 2025 [LL1] maßgeblich. [LL7]
  8. World Health Organization: WHO guidelines for the treatment of Chlamydia trachomatis. Geneva: World Health Organization; 2016. ISBN 978-92-4-154971-4. WHO. Frühere Leitlinie; die hier relevanten Empfehlungen für unkomplizierte Infektionen bei Erwachsenen und Jugendlichen wurden durch die WHO-Empfehlungen 2024 [LL2] aktualisiert. [LL8]

Fachinformationen

  1. ratiopharm GmbH: Doxy-M-ratiopharm 100 mg/200 mg Tabletten. Fachinformation. Stand: Juni 2025. Fachinformation [F1]
  2. Pfizer Pharma GmbH: Zithromax 250/500 mg Filmtabletten. Fachinformation; abgerufen am 4. Oktober 2026. Fachinformation [F2]