Plötzlicher Kindstod – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch einen plötzlichen Kindstod mitbedingt sein können:
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Plötzlicher Kindstod bei nachfolgenden Geschwisterkindern
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch einen plötzlichen Kindstod (unerwarteter Tod eines Säuglings ohne feststellbare Ursache) (plötzlicher Säuglingstod; Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) mitbedingt sein können:
Da der plötzliche Kindstod definitionsgemäß ein letales Ereignis und eine postmortale Ausschlussdiagnose darstellt, können beim betroffenen Säugling keine Folgeerkrankungen auftreten. Klinisch relevante gesundheitliche Folgen des Ereignisses betreffen vor allem die Eltern und weitere nahe Angehörige [1, LL1, LL2].
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Anhaltende Trauerstörung (krankhaft lang anhaltende Trauer) – insbesondere bei Eltern; ausgeprägte Trauersymptome können über mehrere Jahre persistieren. Im systematischen Review zeigte sich insbesondere bei Müttern ein erhöhtes Risiko für eine anhaltende Trauerstörung [1].
- Angst- und depressive Symptomatik (Beschwerden mit Angst und Niedergeschlagenheit) – nach einem plötzlichen Kindstod sind bei Eltern erhöhte Angst- und Depressionssymptome beschrieben, die teilweise über mehrere Jahre fortbestehen können [1].
Prognosefaktoren
- Indexfall: Der plötzliche Kindstod ist definitionsgemäß letal; eine Prognose des betroffenen Säuglings nach Eintritt des Ereignisses besteht daher nicht [LL1, LL2].
- Geschwisterrisiko: Geschwister eines an plötzlichem Kindstod verstorbenen Kindes weisen ein erhöhtes SIDS-Risiko auf. In einer landesweiten dänischen Kohortenstudie betrug die adjustierte standardisierte Inzidenzratio 3,50 (95%-Konfidenzintervall 1,75-7,01). Gemeinsame genetische und/oder umweltbezogene Faktoren können zu dieser familiären Häufung beitragen; eine sorgfältige Abklärung entsprechender Faktoren ist angezeigt [2].
- Prognostisch relevante modifizierbare Faktoren bei weiteren Säuglingen: Für die Prävention eines erneuten SIDS-Falls in einer Familie ist die konsequente Vermeidung etablierter Risikofaktoren von besonderer Bedeutung. Ein Umbrella Review von Metaanalysen zeigte insbesondere für pränatales mütterliches Rauchen eine erhöhte SIDS-Wahrscheinlichkeit (äquivalente Odds-Ratio 2,25; 95%-Konfidenzintervall 1,95-2,60; Evidenz stark hinweisend) und für eine Überdeckung des Kopfes durch Bettzeug eine ausgeprägte Risikoerhöhung (äquivalente Odds-Ratio 11,01; 95%-Konfidenzintervall 5,40-22,45; Evidenz hinweisend). Die Rückenlage war mit einer verminderten SIDS-Wahrscheinlichkeit assoziiert (äquivalente Odds-Ratio 0,48; 95%-Konfidenzintervall 0,37-0,63; Evidenz hinweisend) [3]. Eine rauchfreie Umgebung und die Rückenlage zum Schlafen gehören zu den zentralen Präventionsempfehlungen [LL1, LL2].
Literatur
- Gandino G, Diecidue A, Sensi A et al.: The psychological consequences of Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) for the family system: A systematic review. Front Psychol. 2023;14:1085944. doi: 10.3389/fpsyg.2023.1085944.
- Glinge C, Rossetti S, Oestergaard LB et al.: Risk of Sudden Infant Death Syndrome Among Siblings of Children Who Died of Sudden Infant Death Syndrome in Denmark. JAMA Netw Open. 2023;6(1):e2252724. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2022.52724.
- Kim TH, Lee H, Woo S et al.: Prenatal and postnatal factors associated with sudden infant death syndrome: an umbrella review of meta-analyses. World J Pediatr. 2024;20(5):451-460. doi: 10.1007/s12519-024-00806-1.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S1-Leitlinie Prävention des Plötzlichen Säuglingstods. (AWMF-Registernummer 063-002) November 2022 Langfassung. [LL1]
- Moon RY, Carlin RF, Hand I et al.: Sleep-Related Infant Deaths: Updated 2022 Recommendations for Reducing Infant Deaths in the Sleep Environment. Pediatrics. 2022;150(1):e2022057990. doi: 10.1542/peds.2022-057990. [LL2]