Kammerflattern – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Wiederherstellung eines suffizienten Kreislaufs (ausreichende Blutversorgung)
  • Beendigung der lebensbedrohlichen ventrikulären Tachyarrhythmie (gefährliche Herzrhythmusstörung der Herzkammern)
  • Vermeidung hypoxischer Organschäden (Organschäden durch Sauerstoffmangel)

Therapieempfehlungen

  • Kammerflattern (ungeordnete, sehr schnelle elektrische Aktivität der Herzkammern) ist eine unmittelbar lebensbedrohliche Form der ventrikulären Tachyarrhythmie und wird leitliniengerecht wie Kammerflimmern (chaotische elektrische Aktivität der Herzkammern) behandelt
  • Sofortige Defibrillation (elektrischer Stromstoß zur Wiederherstellung des Herzrhythmus) ohne Zeitverzug (unsynchronisiert)
  • Hochqualitative kardiopulmonale Reanimation (Wiederbelebung von Herz und Lunge) gemäß Advanced-Life-Support-Algorithmus
  • Adrenalin während der Reanimation gemäß Leitlinie
  • Amiodaron nach wiederholter erfolgloser Defibrillation als Antiarrhythmikum der ersten Wahl
  • Lidocain als Alternative bei Kontraindikation oder Nichtverfügbarkeit von Amiodaron
  • Beim Adams-Stokes-Syndrom (plötzliche Bewusstlosigkeit durch Herzrhythmusstörung): sofortige Reanimation und Defibrillation

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Sympathomimetika (stoffe mit Wirkung auf das vegetative Nervensystem) Adrenalin Standardmedikament im Advanced-Life-Support-Algorithmus; Gabe unabhängig vom initialen Rhythmus
Klasse-III-Antiarrhythmika (Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen) Amiodaron Antiarrhythmikum der ersten Wahl bei therapierefraktärem Kammerflimmern/Kammerflattern
Klasse-Ib-Antiarrhythmika (Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen) Lidocain Alternative bei Kontraindikation oder Nichtverfügbarkeit von Amiodaron
  • Wirkweise:
    • Adrenalin: Stimulation von Alpha- und Beta-Adrenozeptoren
    • Amiodaron: Blockade von Kaliumkanälen mit Verlängerung der Refraktärzeit
    • Lidocain: Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle im ventrikulären Myokard (Herzmuskel der Herzkammern)
  • Nebenwirkungen:
    • Adrenalin: Tachykardie (schneller Herzschlag), Hypertonie (Bluthochdruck), Myokardischämie (Minderdurchblutung des Herzmuskels), Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker)
    • Amiodaron: Hypotonie (niedriger Blutdruck), Bradykardie (langsamer Herzschlag), QT-Verlängerung (Veränderung im Elektrokardiogramm)
    • Lidocain: Zentrale neurologische Symptome (Störungen des Nervensystems), Hypotonie, Bradykardie

Beachte: Kammerflattern ist ein absoluter kardiologischer Notfall (lebensbedrohlicher Herznotfall). Die Defibrillation hat stets Priorität vor jeder medikamentösen Maßnahme. Die medikamentöse Therapie ist ausschließlich unterstützend im Rahmen des Reanimationsalgorithmus. Jede Verzögerung der Defibrillation verschlechtert die Prognose (Heilungsaussicht) signifikant.