Hitzschlag und Sonnenstich – Ursachen

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Eine leichte Hitzebelastung für den Menschen beginnt bei hoher Luftfeuchtigkeit bei etwa 23 °C und bei niedriger Luftfeuchtigkeit bei 27 Grad Celsius.

Ein Sonnenstich entsteht durch lang andauernde direkte Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf und Nacken, mit der Folge der Irritation der Meningen (Hirnhäute) und des Hirngewebes, die zu einer Entzündungsreaktion führen kann.

Beachte: Hitzeerkrankungen (Hitzekrämpfe, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag) können sich völlig unabhängig voneinander und scheinbar schlagartig entwickeln, d. h. es gibt keine bestimmte Abfolge von bestimmten Erkrankungsstadien.

Ein Hitzekollaps (Synonyme: Hitzeohnmacht, Hitzesynkope) wird durch Hitze vasovagal ("überschießender Vagotonus mit Auswirkungen auf die Gefäße) verursacht. Infolge der Hitze kommt es zu einer Dilatation (Erweiterung) der peripheren Blutgefäße.

Hitzekrämpfe entstehen durch Flüssigkeits- und Elektrolytverluste (Salzverarmung des Körpers, vor allem Natrium).

Der Hitzschlag ist die schwerste Form des Hitzeschadens. Der Hitzschlag kann die Folge von salopriver Hitzeerschöpfung (Salzverarmung) sowie von hydropriver Hitzeerschöpfung (Wasserverarmung) sein.

Es kommt zur Übersteigerung der Wärmeproduktion bei gleichzeitiger Verminderung der Wärmeabgabe. 
Beim Hitzschlag handelt es sich um eine endogene septische Erkrankung, die zu einem Multiorganversagen (MOV) durch Schädigung von Leber und Lunge und des zentralen Nervensystems (ZNS) führen kann.

Personen mit schweren Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Alkoholgenuss sind besonders gefährdet.

Beachte: Dem Hitzschlag geht im Regelfall die Hitzeerschöpfung voraus.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Lebensalter – höheres Alter*
  • Niedriger Fitnesslevel* (s.a. Übergewicht und Trainingszustand unter "Übergewicht")
  • Soziale Isolation (Risikofaktor für die Entwicklung eines Hitzschlags)
  • Leben im Dachgeschoss (Risikofaktor für die Entwicklung eines Hitzschlags)

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Ernährung
    • Keine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr (Elektrolytmangel), d. h. unzureichende Ausgleich von Schweißverlusten
  • Genussmittelkonsum
    • Alkohol* (Alkoholkonsum gilt unabhängig von einer körperlichen Belastung als Risikofaktor für eine Hitzeerkrankung)
  • Drogenkonsum (kann eine Hyperthermie auslösen)
    • 3,4-Methylendioxypyrovaleron (MDPV, „Badesalze“)
    • Amphetamine (indirektes Sympathomimetikum) 
    • Kokain
    • "Magic mushrooms“ (Psilocybin)
    • Methylendioxyamphetamine (Ecstasy) 
    • Phenylcyclohexylpiperidin (PCP, „angel dust“)
  • Körperliche Aktivität
    • Sport
    • Schwere körperliche Belastung unter hoher Umgebungstemperatur und ungenügender Flüssigkeitszufuhr → belastungsinduzierte Hyperthermie
    • Keine Hitzeakklimatisation*
    • Dehydratation*
  • Schlafmangel*
  • Übergewicht (BMI ≥ 25; Adipositas)*; Hitzezwischenfall für:
    • Trainierte Übergewichtige: fast 4-fach höheres Risiko [1]
    • Untrainierte übergewichtige Rekruten: 8-fach erhöhtes Risiko [2]
  • Keine Kopfbedeckung (d. h. Sonnenbestrahlung auf den unbedeckten Schädel  thermische Meningitis/Hirnhautentzündung)
  • Wärmeisolierende Kleidung
  • Längeres Stehen in heißer Umgebung → s. u. Symptome/Hitzesynkope

Krankheitsbedingte Ursachen (hier: aktuelle Gesundheitssituation)*

  • Diabetes mellitus
  • Fieberhafte Erkrankungen
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) (Risikofaktor für die Entwicklung eines Hitzschlags)
  • Virale Infektionen

Medikamente, die die Thermoregulation negativ beeinflussen bzw. eine Exsikkose (Austrocknung) provozieren können:

  • α2-Adrenozeptor-Agonisten (kurz α2-Agonisten) 
  • Abführmittel
  • Anticholinergika, Antidepressiva: Steigerung der Wärmeproduktion und somit Erhöhung der Körpertemperatur, was zu vermehrtem Schwitzen und damit auch zu Elektrolyt-Verlusten führt!
  • Antihistaminika
  • Benzodiazepine
  • Betablocker: Reduzierung des Herzzeitvolumens, was die Hitzeadaptation beeinträchtigen kann.
  • Calciumantagonisten (Calciumkanalblocker)
  • Diuretika und ACE-Hemmer/ Angiotensin II-Rezeptor-Antagonisten: Dehydratation und/oder Elektrolytimbalance durch eine Hyponatriämie 
  • Ephedrinhaltige Medikamente
  • Lithium
  • Neuroleptika, Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor, SSRI): Hemmung der zentralen Thermoregulation
  • Mao-Hemmer
  • Muskarin-Rezeptorantagonisten: Verminderung der Schweißsekretion und damit Gefahr der Überhitzung
  • Phenothiazine
  • Salicylate
  • Schilddrüsenhormone
  • Sedierung durch dopaminerge und Parkinson-Arzneimittel: Senkung der Wahrnehmung der Hitzeerschöpfung bzw. Verminderung des Durstgefühls und damit Gefahr der Exsikkose
  • Serotoninfreisetzende Stoffe (SSRI, Tramadol, Triptane)
  • Trizyklische Antidepressiva

Umweltbelastung – Intoxikationen

  • Hohe Umgebungstemperatur*
    • Hitze (Hitzetag: > 30 °C; Wüstentag: > 35 °C)
      Beachte: Ab 37 Grad kann es für Menschen kritisch werden, besonders wenn es schwül ist. 
  • Hohe Luftfeuchtigkeit*
  • Fehlende Luftbewegung*
  • Fehlender Schatten*

*Risikofaktoren eines anstrengungbedingten Hitzschlags

Literatur

  1. Bedno SA, Li Y, Han W et al.: Exertional heat illness among overweight U.S. Army recruits in basic training. Aviat Space Environ Med 2010; 81: 107-11
  2. Bedno SA, Urban N, Boivin MR, Cowan DN: Fitness, obesity and risk of heat illness among army trainees. Occup Med 2014 Sep;64(6):461-7. doi: 10.1093/occmed/kqu062. Epub 2014 Jul 14.