Herzmuskelentzündung (Myokarditis) – Symptome – Beschwerden

Eine Myokarditis kann wie ein Myokardinfarkt (Herzinfarkt) mit plötzlich einsetzender Symptomatik (Angina pectoris ("Brustenge"; plötzlich auftretender Schmerz in der Herzgegend) und Arrhythmien) und/oder einer sich innerhalb von Tagen entwickelnden Herzinsuffizienz (Herzschwäche) auftreten.

Meistens sind die Beschwerden (nach einem Infekt) so uncharakteristisch, dass erst kardiale Symptome und/oder eine Belastungsdyspnoe (Atemnot unter Belastung) an die Möglichkeit einer Myokarditis denken lassen (Achtung! Elektrokardiographische (ST-Streckenveränderungen) und laborchemische Befunde (erhöhte Herzenzyme) liegen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vor.)

Folgende Symptome und Beschwerden können auf eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) hinweisen:

Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf eine Myokarditis und werden oft zuerst bemerkt:

  • Thoraxschmerz (Brustschmerzen): Häufig treten Schmerzen in der Brust auf, die bis zu Symptomen eines Herzinfarkts reichen können. Dies ist eines der charakteristischsten Symptome bei Myokarditis.
  • Herzrhythmusstörungen/Palpitationen (Herzstolpern): Betroffene spüren oft unregelmäßige Herzschläge oder ein Herzstolpern, das mit Herzrhythmusstörungen einhergeht.
  • Dyspnoe (Atemnot): Insbesondere bei Belastung
  • Tachykardie (schneller Herzschlag: > 100 Schläge pro Minute)

Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können auf Komplikationen hinweisen:

  • Anorexie (Appetitlosigkeit)
  • Blässe: Eine blasse Hautfarbe kann auf eine schlechte Durchblutung hinweisen.
  • Fieber: Insbesondere bei einer infektiösen Myokarditis
  • Gewichtsverlust: Ist bei schwereren Verläufen möglich
  • Ödeme: Wassereinlagerungen im Gewebe, insbesondere in den Beinen, können auf eine Herzschwäche hinweisen.
  • Zentrale Zyanose: Eine Blaufärbung der Haut, insbesondere der Zunge und Lippen, deutet auf eine unzureichende Sauerstoffversorgung hin.
  • Kardiogener Schock: In sehr schweren Fällen kann es zu einem Schock kommen, verursacht durch eine unzureichende Herzleistung.

Unspezifische Symptome
Diese unspezifischen Symptome treten bei vielen Erkrankungen auf und tragen weniger zur Diagnose bei:

  • Müdigkeit

Weitere Hinweise

  • Typische anfängliche Beschwerden bei Kindern:
    • Thoraxschmerz (Brustschmerzen) (68 %)
    • Fieber (55 %)
    • neu einsetzende Herzinsuffizienz (Herzschwäche) (33 %)
  • Die Myokarditis kann mild und asymptomatisch (ohne Symptome), aber auch sehr schwer und letal (tödlich) verlaufen.

Gender-Unterschiede (Gendermedizin)

Eine akute Myokarditis zeigt sich unterschiedlich für [1]:

  • Frauen: häufiger Symptome einer Herzinsuffizienz/Herzschwäche (Dyspnoe/Atemnot: 40,6 Prozent vs. 26,4 Prozent) und höhere Level an NT-proBNP.
  • Männer: mehr Auffälligkeiten im EKG: häufiger eine diffuse ST-Hebung (38 Prozent vs. 9 Prozent) und eine PQ-Senkung (31 Prozent vs. 20 Prozent) 

Red Flags (Warnzeichen) bei Myokarditis (Herzmuskelentzündung)

  • Akute hämodynamische Instabilität:
    • Hypotonie (niedriger Blutdruck) (systolisch < 90 mmHg)
    • Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) > 120/min
    • Schockzeichen, Kaltschweißigkeit, Vigilanzminderung (verminderte Wachheit)
    • Zeichen eines kardiogenen Schocks (durch Herzversagen bedingter Kreislaufschock)
  • Rasche klinische Verschlechterung nach vorausgehendem Infekt (Infektion):
    • Progrediente Dyspnoe (Atemnot) in Ruhe
    • Deutlicher Leistungsabfall innerhalb weniger Tage
    • Neu aufgetretene Thoraxschmerzen (Brustschmerzen) oder Palpitationen (Herzstolpern/Herzklopfen)
  • Zeichen einer akuten Herzinsuffizienz (Herzschwäche):
    • Orthopnoe (Atemnot im Liegen)
    • Lungenstauung, Rasselgeräusche
    • Periphere Ödeme (Wassereinlagerungen in Armen und Beinen)
    • Gewichtszunahme durch Flüssigkeitsretention (Flüssigkeitseinlagerung)
    • Erhöhte Jugularvenenfüllung (sichtbar gestaute Halsvenen)
  • Brustschmerz mit Myokardinfarkt-ähnlicher Klinik (Herzinfarkt-ähnliche Beschwerden):
    • Persistierende Thoraxschmerzen (anhaltende Brustschmerzen)
    • Ischämietypische Beschwerden (Minderdurchblutungssymptome) ohne bekannte Koronarerkrankung (Erkrankung der Herzkranzgefäße)
    • Diskrepanz zwischen Beschwerden und Koronarbefund (Befund der Herzkranzgefäße)
  • Deutlich erhöhte kardiale Biomarker (Herzmarker):
    • Troponin signifikant erhöht oder dynamischer Anstieg
    • Creatinkinase (CK) bzw. Creatinkinase-MB erhöht
    • NT-proBNP erhöht
  • Neue relevante Rhythmusstörungen (Herzrhythmusstörungen):
    • Ventrikuläre Tachykardien (schnelle Herzrhythmusstörungen aus der Herzkammer)
    • Vorhofflimmern oder Vorhofflattern
    • Häufige ventrikuläre Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge aus der Herzkammer)
    • Synkopen (Ohnmacht) oder Präsynkopen (Beinahe-Ohnmacht)
  • Leitungsstörungen (Störungen der elektrischen Erregungsleitung) im Elektrokardiogramm (EKG):
    • Atrioventrikulärer Block (Überleitungsstörung zwischen Vorhof und Kammer) II-III°
    • Schenkelblock neu aufgetreten
    • Breitkomplextachykardie (schneller Herzrhythmus mit verbreiterten EKG-Komplexen)
  • Reduzierte linksventrikuläre Funktion (verminderte Pumpfunktion der linken Herzkammer):
    • Ejektionsfraktion (Auswurfleistung des Herzens) < 50 %
    • Globale oder regionale Wandbewegungsstörungen
    • Zeichen einer dilatativen Kardiomyopathie (Erweiterung und Schwäche des Herzmuskels)
  • Fulminanter Verlauf (sehr schnell schwer verlaufend):
    • Schnell einsetzende schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche) innerhalb von Stunden-Tagen
    • Notwendigkeit von Katecholaminen (kreislaufunterstützende Medikamente) oder mechanischer Kreislaufunterstützung
    • Intensivpflichtigkeit
  • Systemische Entzündungszeichen (Ganzkörper-Entzündungszeichen) oder Hochrisikokonstellationen:
    • Fieber ≥ 38.5 °C
    • Deutlich erhöhtes C-reaktives Protein oder Leukozytose (erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen)
    • Immunsuppression (geschwächtes Immunsystem)
    • Autoimmunerkrankungen
    • Toxische oder medikamentöse Exposition (Belastung durch Gifte oder Medikamente) (z. B. Chemotherapie, Alkohol, Drogen)
  • Kombination mit Perikardbeteiligung (Beteiligung des Herzbeutels):
    • Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel)
    • Tamponadezeichen (Hinweise auf Druck auf das Herz durch Flüssigkeit)
    • Klinik einer Perimyokarditis (Kombination aus Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung)
  • Belastungsassoziierte Synkope (Ohnmacht) oder Kollaps insbesondere bei Sportlern:
    • Schwindel oder Bewusstseinsverlust unter Belastung
    • Verdacht auf erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod

Literatur

  1. Büchel J et al.: Sex-Based Differences in Clinical Characteristics of Patients with Acute Myocarditis: A Cohort Study The American Journal of Medicine, 2024;137(11):1104-1113.e1