Sonnenbrand (Dermatitis solaris) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Linderung von Schmerzen, Brennen und Spannungsgefühl bei Dermatitis solaris (Sonnenbrand).
  • Unterstützung der Hautbarriere und Vermeidung weiterer UV-Exposition sowie von Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und Sekundärinfektionen (zusätzlich auftretenden Infektionen).

Therapieempfehlungen

  • Behandlungsprinzip: Die Dermatitis solaris ist eine akute UV-bedingte Hautschädigung und keine primär histaminvermittelte Allergie. Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Eine verlässliche Verkürzung der Abheilungsdauer oder Rückgängigmachung der UV-Schädigung durch Arzneimittel ist nicht belegt [1, 5].
  • Analgesie (Schmerzlinderung) nach Beschwerden: Bei behandlungsbedürftigen Schmerzen kann kurzzeitig ein orales nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR), z. B. Ibuprofen, eingesetzt werden; ein großflächiger Befund ist dafür keine Voraussetzung. Experimentelle UV-B-Studien unterstützen einen analgetischen Effekt, erlauben aber keine Gleichsetzung mit einer beschleunigten Heilung im klinischen Alltag. Bei ungeeigneten NSAR kommt Paracetamol zur Schmerzlinderung infrage; eine relevante antientzündliche Wirkung ist nicht zu erwarten [3, FI1, FI2].
  • Lokale Antihistaminika: Dimetinden und andere topische H1-Antihistaminika nicht routinemäßig einsetzen. Ein klinisch relevanter Nutzen für den Verlauf des Sonnenbrands ist nicht überzeugend belegt; zusätzlich sind lokale Reizungen und Kontaktsensibilisierungen (Entwicklung einer Überempfindlichkeit durch Hautkontakt) möglich. Eine Zulassung einzelner Präparate zur Beschwerdelinderung ersetzt keinen Wirksamkeitsnachweis für eine verkürzte Abheilung [1, 5].
  • Glucocorticoide: Keine pauschale Empfehlung für lokale oder systemische Glucocorticoide. In einer kleinen randomisierten Studie führte die Anwendung mittelstarker bzw. starker topischer Glucocorticoide 6 oder 23 Stunden nach UV-Exposition zu keiner klinisch relevanten Besserung. Diese Ergebnisse begründen insbesondere keine routinemäßige Verordnung von Dexamethason oder Fluprednidenacetat bei gewöhnlichem Sonnenbrand. Auch systemische Glucocorticoide sind bei unkomplizierter Dermatitis solaris nicht indiziert [1, 2, 5].
  • Keine routinemäßigen weiteren Arzneimittel: Keine prophylaktischen topischen oder systemischen Antibiotika bei unkompliziertem Sonnenbrand. Lokalanästhetika zur Selbstbehandlung nicht routinemäßig empfehlen; der begrenzte Nutzen ist gegen Reizungs- und Sensibilisierungsrisiken abzuwägen [1, 5].

Unterstützende Maßnahmen und Evidenzgrenzen

  • Weitere UV-Exposition vermeiden: Betroffene Haut bis zur Abheilung konsequent durch Aufenthalt im Schatten bzw. in Innenräumen und geeignete Kleidung schützen. Sonnenschutzmittel erlauben keine erneute gezielte Sonnenexposition der geschädigten Haut [4].
  • Schonend kühlen: Kühle feuchte Umschläge oder kurze kühle Duschen können Beschwerden lindern. Kein Eis direkt auflegen und keine anhaltende großflächige Kühlung mit Unterkühlungsrisiko durchführen. Die Empfehlung dient dem Komfort; eine Verkürzung der Abheilung ist nicht gesichert [1, 6].
  • Hautpflege: Auf intakter Haut können einfache, parfumfreie, gut verträgliche Feuchtigkeitslotionen Spannungsgefühl reduzieren. Aloe-vera- oder Dexpanthenol-haltige Produkte sind für die Behandlung nicht erforderlich; eine verlässliche Überlegenheit hinsichtlich Heilungsdauer oder Komplikationen ist nicht belegt. Bei Brennen oder Verschlechterung absetzen [1, 5].
  • Flüssigkeit: Flüssigkeitsverluste bei begleitender Hitzeexposition ausgleichen; bei Herz- oder Niereninsuffizienz (Funktionsschwäche von Herz oder Nieren) eine bestehende Flüssigkeitsbegrenzung berücksichtigen. Zusätzliche Trinkmengen ohne Flüssigkeitsdefizit sind keine nachgewiesene Behandlung der Hautschädigung [4].
  • Blasen und offene Haut: Blasen nicht selbst eröffnen. Offene Areale schonend reinigen und bei Bedarf mit einer nicht haftenden Wundauflage abdecken; größere Blasen oder ausgedehnte offene Flächen ärztlich versorgen lassen. Feuchtigkeitspflege auf intakter Haut ersetzt keine Wundbehandlung [4, 7].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Die folgenden Dosierungen gelten für Erwachsene ohne relevante Organfunktionsstörung. Niedrigste wirksame Dosis für die kürzest notwendige Dauer; keine routinemäßige Kombination mehrerer Analgetika.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Keine gesicherte Beschleunigung der Heilung. Bei Flüssigkeitsmangel erhöhtes renales Risiko (Risiko für die Nieren). Nicht mit anderen NSAR kombinieren [3, FI1].
  • Wirkweise: Cyclooxygenasehemmung; analgetisch und antientzündlich.
  • Indikation: Kurzzeitige Linderung leichter bis mäßig starker Schmerzen.
  • Kontraindikationen: Insbesondere NSAR-Überempfindlichkeit, rezidivierende Ulzera (wiederholt auftretende Geschwüre), aktive Blutungen, schwere Organinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche von Organen) und schwere Dehydratation; drittes Schwangerschaftstrimenon (Schwangerschaftsdrittel). Ab Schwangerschaftswoche 20 nur nach ärztlicher Abwägung. Antikoagulation (medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung) erhöht das Blutungsrisiko [FI1].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Ulzera, Blutungen, Nierenschädigung, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerungen) und Überempfindlichkeitsreaktionen; dosisabhängige kardiovaskuläre Risiken (Risiken für Herz und Kreislauf) [FI1].

Nichtopioide Analgetika – Paracetamol

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Alternative bei ungeeigneten NSAR. Bei Risikofaktoren Dosis und Intervalle ärztlich anpassen; keine zusätzlichen paracetamolhaltigen Präparate [FI2].
  • Wirkweise: Analgetisch und antipyretisch (fiebersenkend), ohne relevante periphere antientzündliche Wirkung.
  • Indikation: Kurzzeitige Schmerzlinderung.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Bei Leber- oder Nierenerkrankung, Körpergewicht unter 50 kg, chronischem Alkoholmissbrauch, Mangelernährung oder Dehydratation ist eine ärztliche Dosisprüfung erforderlich [FI2].
  • Nebenwirkungen: Überempfindlichkeitsreaktionen, Blutbildveränderungen und schwere Hautreaktionen sind möglich; Überdosierung kann schwere Leberschäden verursachen [FI2].

Beachte

  • Ärztliche Beurteilung: Bei ausgeprägter Blasenbildung, ausgedehntem Befall, starken bzw. zunehmenden Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Kreislaufbeschwerden oder verminderter Urinausscheidung zeitnah untersuchen [6, 7].
  • Notfall: Bei Bewusstseinsstörung oder Verdacht auf Hitzschlag sofort notfallmedizinisch behandeln. Antipyretika ersetzen hier keine Kühlung und Notfallversorgung.
  • Kinder: Säuglinge und Kleinkinder mit Sonnenbrand frühzeitig ärztlich beurteilen. Die Erwachsenendosierungen sind nicht übertragbar; Analgetika nur alters-, gewichts- und präparategerecht einsetzen [6].
  • Diagnose überprüfen: Bei ungewöhnlich starker Reaktion nach geringer Sonnenexposition, ausgeprägtem Juckreiz mit Papeln (kleinen Hautknötchen) oder wiederkehrenden lichtabhängigen Hautveränderungen auch phototoxische bzw. photoallergische Reaktionen (durch Licht ausgelöste direkte Schädigungsreaktionen bzw. allergische Reaktionen) und andere Photodermatosen (lichtbedingte Hauterkrankungen) berücksichtigen; siehe die entsprechenden Erkrankungen [7].
  • Verlaufskontrolle: Bei Verschlechterung oder fehlender deutlicher Besserung nach wenigen Tagen ärztliche Reevaluation statt Eskalation der Selbstmedikation.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Mineralstoffe (Magnesium)
  • Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika
  • UV: ultraviolett
  • UV-B: ultraviolette Strahlung im B-Bereich
  • EPA: Eicosapentaensäure
  • DHA: Docosahexaensäure
  • GLA: Gamma-Linolensäure
  • CoQ10: Coenzym Q10

Literatur

  1. Han A, Maibach HI: Management of acute sunburn. American Journal of Clinical Dermatology. 2004;5(1):39–47. doi:10.2165/00128071-200405010-00006.
  2. Faurschou A, Wulf HC: Topical corticosteroids in the treatment of acute sunburn: a randomized, double-blind clinical trial. Archives of Dermatology. 2008;144(5):620–624. doi:10.1001/archderm.144.5.620.
  3. Sycha T et al.: A simple pain model for the evaluation of analgesic effects of NSAIDs in healthy subjects. British Journal of Clinical Pharmacology. 2003;56(2):165–172. doi:10.1046/j.0306-5251.2003.01869.x.
  4. American Academy of Dermatology: How to treat a sunburn. 21. Mai 2024. Patienteninformation einer Fachgesellschaft; keine formale Leitlinie. Volltext.
  5. Benedetti J: Sunburn. Merck Manual Professional Edition. Überarbeitet April 2026, aktualisiert August 2026. Volltext.
  6. National Health Service: Sunburn. Überprüft am 24. November 2025. Volltext.
  7. Huang N: Sunburn. DermNet. Überprüft Dezember 2025. Volltext.

Fachinformationen

  1. HEUMANN PHARMA: Ibuprofen HEUMANN Schmerztabletten 400 mg Filmtabletten. Stand: November 2024. Fachinformation [FI1]
  2. ratiopharm: Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand: Dezember 2024. Fachinformation [FI2]