Sonnenbrand (Dermatitis solaris) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Dermatitis solaris (Sonnenbrand) mitbedingt sein können:

Die relevanten Spätfolgen einer Dermatitis solaris sind überwiegend nicht als unmittelbare Folge eines einzelnen unkomplizierten Sonnenbrands zu verstehen, sondern als Folgen der zugrunde liegenden ultraviolett(UV)-induzierten Hautschädigung. Eine Sonnenbrandanamnese ist dabei ein klinischer Marker intensiver UV-Exposition. Wiederholte sowie insbesondere schmerzhafte, blasenbildende oder schwere Sonnenbrände sind mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Hautmalignome (bösartige Hauttumoren) assoziiert [1-3, LL1].

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Aktinische Keratose (lichtbedingte Verhornungsstörung der Haut) Manifestation chronischer kumulativer UV-Schädigung und Bestandteil einer aktinischen Feldkanzerisierung (flächige lichtbedingte Krebsvorstufe der Haut); aktinische Keratosen können in ein invasives Plattenepithelkarzinom der Haut (bestimmter bösartiger Hauttumor) übergehen [LL2]
  • Chronische Lichtalterung der Haut (vorzeitige Hautalterung durch Sonnenlicht) (Photoaging) bei chronischer bzw. kumulativer Sonnenexposition mit Faltenbildung, Elastosis solaris (sonnenbedingte Schädigung elastischer Hautfasern), Elastizitätsverlust, Hauttrockenheit und Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße); die Veränderungen beruhen auf langfristiger Lichtschädigung und sind keine typische Folge eines einzelnen leichten Sonnenbrands [4, LL1]
  • Solare Lentigines (sonnenbedingte Pigmentflecken) persistierende umschriebene Hyperpigmentierungen (verstärkte Hautpigmentierungen) infolge chronischer Sonnenexposition und Photodamage [5]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Basalzellkarzinom (Form des weißen Hautkrebses) eine Sonnenbrandanamnese ist mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert. Eine Metaanalyse von 38 Studien zeigte für jemals aufgetretene Sonnenbrände in der Kindheit eine Odds Ratio (OR) von 1,43 (95-%-Konfidenzintervall (KI) 1,19-1,72) und für jemals aufgetretene Sonnenbrände im bisherigen Leben eine OR von 1,40 (95-%-KI 1,02-1,45). Pro fünf Sonnenbrände je Lebensdekade betrug die OR 1,91 (95-%-KI 1,42-2,58); für fünf Sonnenbrände je Dekade in der Kindheit 1,86 (95-%-KI 1,73-2,00) und im Erwachsenenalter 2,12 (95-%-KI 1,75-2,57) [2, LL1, LL3]
  • Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) insbesondere intermittierende intensive UV-Expositionen und Sonnenbrände sind relevante Risikofaktoren. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse bei Personen mit Fitzpatrick-Hauttypen I-IV ergab für eine Sonnenbrandanamnese eine adjustierte gepoolte OR von 1,23 (95-%-KI 1,04-1,46); die nicht adjustierte gepoolte OR betrug 1,66 (95-%-KI 1,40-1,97) [1, LL1]
  • Plattenepithelkarzinom der Haut insbesondere schmerzhafte, blasenbildende oder schwere Sonnenbrände sind mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert. Eine Metaanalyse von 17 Studien mit insgesamt 321.473 Teilnehmern zeigte bei mittlerer Häufigkeit solcher Sonnenbrände im bisherigen Leben eine OR von 1,51 (95-%-KI 1,26-1,81), bei hoher Häufigkeit eine OR von 1,69 (95-%-KI 1,39-2,06). Eine hohe Häufigkeit schmerzhafter, blasenbildender bzw. schwerer Sonnenbrände in der Kindheit war mit einer OR von 3,11 (95-%-KI 1,26-7,66) assoziiert [3, LL1, LL2]

Prognosefaktoren

  • Ausmaß und Schwere der Sonnenbrände schmerzhafte, blasenbildende bzw. schwere Sonnenbrände kennzeichnen eine hohe UV-Dosis; ihre Häufigkeit ist insbesondere mit einem erhöhten Risiko für das Plattenepithelkarzinom der Haut assoziiert [3]
  • Hautphototyp (Hauttyp nach Sonnenempfindlichkeit) helle Fitzpatrick-Hautphototypen mit geringer Bräunungsfähigkeit und ausgeprägter Sonnenbrandneigung weisen eine erhöhte Vulnerabilität gegenüber UV-induzierten Hautschäden auf [1, LL1]
  • Kumulative UV-Exposition wesentlich für chronische Lichtalterung, solare Lentigines, aktinische Keratosen und insbesondere keratinozytäre Hautkarzinome (Hautkrebsformen aus hornbildenden Hautzellen) [4, 5, LL1, LL2]
  • Lebensalter bei Sonnenbrandepisoden Sonnenbrände sind in unterschiedlichen Lebensphasen relevant. Für das Basalzellkarzinom zeigt sich eine dosisabhängige Risikoerhöhung sowohl nach Sonnenbränden in der Kindheit als auch im Erwachsenenalter; eine hohe Häufigkeit schwerer Sonnenbrände in der Kindheit ist zudem mit einem deutlich erhöhten Risiko für Plattenepithelkarzinome assoziiert [2, 3]
  • Wiederholte Sonnenbrände mit zunehmender Zahl der Sonnenbrandepisoden steigt insbesondere das Risiko für Basalzellkarzinome; auch für das maligne Melanom und das Plattenepithelkarzinom bestehen konsistente Risikoassoziationen [1-3]

Literatur

  1. Kwa M, Ravi M, Elhage K et al.: The risk of ultraviolet exposure for melanoma in Fitzpatrick skin types I-IV: A 20-year systematic review with meta-analysis for sunburns. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2025;39(7):1239-1253. doi:10.1111/jdv.20316
  2. Lashway SG, Worthen ADM, Abuasbeh JN et al.: A meta-analysis of sunburn and basal cell carcinoma risk. Cancer Epidemiol. 2023;85:102379. doi:10.1016/j.canep.2023.102379
  3. Weber I, Liao K, Dang T et al.: Sunburn and Cutaneous Squamous Cell Carcinoma: A Meta-Analysis. JAMA Dermatol. 2025;161(11):1148-1156. doi:10.1001/jamadermatol.2025.3473
  4. Krutmann J, Berneburg M: Lichtalterung (Photoaging) der Haut: Was gibt es Neues? Hautarzt. 2021;72(1):2-5. doi:10.1007/s00105-020-04747-4
  5. Praetorius C, Sturm RA, Steingrimsson E: Sun-induced freckling: ephelides and solar lentigines. Pigment Cell Melanoma Res. 2014;27(3):339-350. doi:10.1111/pcmr.12232

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Prävention von Hautkrebs. Derzeit vom Leitlinienprogramm Onkologie als gültige Fassung ausgewiesen: Version 2.1, Stand September 2021; Version 3.01 liegt seit Juli 2026 als nicht endgültig autorisierte Konsultationsfassung vor. (AWMF-Registernummer 032/052OL). September 2021 Langfassung. [LL1]
  2. S3-Leitlinie: Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut, Version 2.0, Stand Dezember 2022, gültig bis 30.12.2027. (AWMF-Registernummer 032/022OL). Dezember 2022 Langfassung. [LL2]
  3. S2k-Leitlinie: Basalzellkarzinom der Haut, Version 9.0, Stand 01.01.2024, gültig bis 31.12.2028. (AWMF-Registernummer 032/021). Juli 2024 Langfassung. [LL3]