Sonnenbrand (Dermatitis solaris) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung des Allgemeinzustandes und der Vitalparameter (lebenswichtigen Körperfunktionen), insbesondere bei ausgedehnter Dermatitis solaris (Sonnenbrand) bzw. systemischen Beschwerden [reduzierter Allgemeinzustand, Fieber, Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Tachypnoe (beschleunigte Atmung), Schwindel, Kreislaufinstabilität]
- Beurteilung des Hydratationszustandes (Flüssigkeitszustandes des Körpers) [trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor (Hautspannung), verlängerte Rekapillarisierungszeit (Wiederauffüllungszeit der kleinsten Blutgefäße), Zeichen einer Exsikkose (Austrocknung)]
- Inspektion und vorsichtige Palpation (Abtasten) der gesamten betroffenen Hautareale sowie der Übergänge zu bedeckten bzw. nicht exponierten Hautarealen:
- Verteilung und scharfe Begrenzung entsprechend der UV-Exposition [scharf begrenztes Erythem (Hautrötung) mit Aussparung durch Kleidung, Träger, Schmuck oder andere lichtundurchlässige Strukturen]
- Hautfarbe [Erythem; bei stärker pigmentierter Haut kann das Erythem klinisch weniger deutlich erkennbar sein]
- Hauttemperatur [Überwärmung]
- Druck- bzw. Berührungsempfindlichkeit [Druckschmerz, Hyperalgesie (gesteigerte Schmerzempfindlichkeit)]
- Schwellung [Ödem (Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe)]
- Integrität der Epidermis (Oberhaut) [intakte Haut bei oberflächlicher Dermatitis solaris; Vesikel (Bläschen), Bullae (Blasen), Erosionen (oberflächliche Hautdefekte) bzw. nässende Areale bei ausgeprägter Schädigung]
- Spätbefunde [Desquamation (Abschuppung), Krustenbildung, postinflammatorische Hyper- bzw. Hypopigmentierung (verstärkte bzw. verminderte Hautfärbung nach einer Entzündung)]
- Abschätzung der Ausdehnung der betroffenen Körperoberfläche, insbesondere bei großflächigem Erythem, ausgeprägtem Ödem oder Blasenbildung [großflächige UV-induzierte Hautschädigung mit Risiko systemischer Reaktionen und Flüssigkeitsverlusten]
- Beurteilung auf Zeichen einer bakteriellen Sekundärinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) bei erosiven bzw. eröffneten bullösen Läsionen (Hautveränderungen) [zunehmende Rötung und Überwärmung, zunehmender Schmerz, eitriges Exsudat (austretende Flüssigkeit), ausgeprägte Krustenbildung, Lymphangitis (Entzündung der Lymphgefäße), Fieber]
- Bei atypischer Verteilung, ungewöhnlich starker Reaktion oder Reaktion bereits nach geringer UV-Exposition gezielte Inspektion des gesamten Integuments (der gesamten Haut) auf Hinweise für eine Photodermatose (lichtbedingte Hauterkrankung) bzw. phototoxische oder photoallergische Reaktion [ekzematöse Veränderungen, Papeln (Knötchen), Vesikel, urtikarielle Effloreszenzen (quaddelartige Hautveränderungen), streng lichtexponierte Verteilung mit charakteristischen Aussparungen]
- Untersuchung von Kopf und Augen – insbesondere bei Gesichtsbeteiligung, Augenbeschwerden oder intensiver Exposition gegenüber natürlichen bzw. künstlichen UV-Quellen:
- Inspektion der Lider und periorbitalen Region (Augenumgebung) [Erythem, Lidödem (Lidschwellung)]
- Inspektion der Konjunktiven (Bindehaut) [konjunktivale Injektion (Rötung der Bindehaut), vermehrter Tränenfluss]
- Prüfung von Visus (Sehschärfe) und Pupillenreaktion bei entsprechenden Beschwerden [Visusminderung (verminderte Sehschärfe)]
- Bei Augenschmerzen, ausgeprägter Photophobie (Lichtscheu), Fremdkörpergefühl oder Blepharospasmus (krampfartiger Lidschluss) Verdacht auf UV-induzierte Photokeratitis (lichtbedingte Hornhautentzündung); augenärztliche Untersuchung einschließlich Spaltlampenuntersuchung erforderlich
- Neurologische und orientierende internistische Untersuchung – bei ausgeprägten Allgemeinsymptomen zur Erfassung einer gleichzeitig bestehenden hitzebedingten Erkrankung:
- Bewusstseinslage und Orientierung [Somnolenz (Schläfrigkeit), Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung]
- Stand- und Gangsicherheit [Schwindel, Gangunsicherheit, Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit)]
- Muskelstatus [Muskelkrämpfe]
- Dermatologische Ganzkörperinspektion bzw. Hautkrebsvorsorge – insbesondere bei ausgeprägter chronischer Lichtschädigung, multiplen Pigmentläsionen (Pigmentflecken) oder entsprechendem individuellen Hautkrebsrisiko; eine definitive Beurteilung auffälliger Läsionen kann nach Abheilung der akuten entzündlichen Hautveränderungen erforderlich sein.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.