Sprechstörungen/Sprachstörungen – Differentialdiagnosen
Hinweis zur Abgrenzung: Sprachstörungen (Störungen der Sprache) betreffen die zentrale sprachliche Verarbeitung und Sprachkompetenz, insbesondere Sprachverständnis, Wortfindung, Grammatik, Satzbildung, Lesen und Schreiben. Sprechstörungen (Störungen des Sprechens) betreffen die motorische, artikulatorische, stimmliche oder resonanzbezogene Ausführung des Sprechens. Beide Störungsgruppen können kombiniert auftreten, insbesondere bei Schlaganfall (Hirninfarkt), Schädel-Hirn-Trauma (Kopf-Hirn-Verletzung), Zerebralparese (frühkindliche Hirnschädigung mit Bewegungsstörung), neurodegenerativen Erkrankungen (fortschreitenden Nervenerkrankungen) und komplexen Entwicklungsstörungen (umfassenden Entwicklungsbeeinträchtigungen).
Sprachstörungen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- 22q11.2-Deletionssyndrom (genetisches Mikrodeletionssyndrom) – häufig mit Sprachentwicklungsstörung (Störung der Sprachentwicklung), kognitiven Teilleistungsstörungen (umschriebenen Denk- und Lernschwächen), schulischen Lernstörungen (Lernschwierigkeiten in der Schule) und velopharyngealer Insuffizienz (unzureichendem Verschluss zwischen Mund- und Nasenraum) assoziiert
- Down-Syndrom (Trisomie 21) – häufig kombiniert mit Sprachentwicklungsverzögerung (verzögerter Sprachentwicklung), eingeschränktem Sprachverständnis (eingeschränktem Verstehen von Sprache), kognitiver Entwicklungsstörung (geistiger Entwicklungsverzögerung) und Hörstörung (Beeinträchtigung des Hörens)
- Fragiles-X-Syndrom (erblich bedingte Entwicklungsstörung) – genetische Ursache von Sprachentwicklungsstörung, kognitiver Entwicklungsstörung, Aufmerksamkeitsstörung (Störung der Konzentrationsfähigkeit) und autistischen Verhaltensmerkmalen (Verhaltensmerkmalen aus dem Autismus-Spektrum)
- Neurofibromatose Typ 1 (erbliche Tumor- und Nervenerkrankung) – neurokutanes Syndrom (Erkrankung von Nervensystem und Haut) mit erhöhter Rate an Sprachentwicklungsstörungen, Lernstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen und schulischen Teilleistungsstörungen (umschriebenen schulischen Lernschwächen)
- Rett-Syndrom (schwere genetische Entwicklungsstörung) – neurodevelopmentale Erkrankung (Erkrankung der Nervenentwicklung) mit Verlust erworbener Sprachfunktionen (Verlust bereits erlernter Sprachfähigkeiten), motorischer Regression (Rückentwicklung der Bewegungsfähigkeiten) und schwerer Kommunikationsstörung (Störung der Verständigung)
- Williams-Beuren-Syndrom (genetisches Entwicklungs- und Fehlbildungssyndrom) – genetisches Syndrom mit charakteristischem neurokognitivem Profil (typischem Muster der Denk- und Lernfunktionen) und diskrepanter Sprach-, Kognitions- und Kommunikationsentwicklung (unterschiedlich weit entwickelter Sprache, Denkfähigkeit und Verständigung)
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Frühgeburtlichkeit (Geburt vor der vollendeten Reife) mit periventrikulärer Leukomalazie (Schädigung der weißen Hirnsubstanz um die Hirnkammern) – Risiko für Sprachentwicklungsstörung, kognitive Entwicklungsstörung, Zerebralparese und epileptische Komorbidität (zusätzliches Auftreten epileptischer Anfälle)
- Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel und Minderdurchblutung) des Neugeborenen – perinatale Hirnschädigung (Hirnschädigung um die Geburt herum) mit möglicher späterer Sprachentwicklungsstörung, kognitiver Entwicklungsstörung oder Aphasie-ähnlicher Symptomatik (Symptomen ähnlich einer zentralen Sprachstörung)
- Perinataler Schlaganfall (Schlaganfall um die Geburt herum) – fokale neurologische Entwicklungsstörung (umschriebene Entwicklungsstörung des Nervensystems) mit möglicher Sprachentwicklungsstörung, epileptischer Komorbidität und kognitiver Beeinträchtigung (Beeinträchtigung der Denk- und Lernfähigkeit)
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Angeborene Hypothyreose (angeborene Schilddrüsenunterfunktion) – bei unbehandeltem oder verspätet behandeltem Verlauf Risiko für globale Entwicklungsstörung (allgemeine Entwicklungsverzögerung), Sprachentwicklungsstörung und kognitive Defizite (Einschränkungen der Denk- und Lernfähigkeit)
- Mukopolysaccharidosen (erblich bedingte Speicherkrankheiten) – lysosomale Speicherkrankheiten (Speicherkrankheiten der Zellabbauorganellen) mit Hörstörung, kognitiver Regression (Rückentwicklung geistiger Fähigkeiten) und Sprachentwicklungsstörung
- Phenylketonurie (erblich bedingte Eiweißstoffwechselstörung) – unbehandelt Ursache einer schweren neurokognitiven Entwicklungsstörung (Entwicklungsstörung von Nervensystem und Denkfähigkeit) mit Sprachentwicklungsstörung und Verhaltensauffälligkeiten (auffälligem Verhalten)
- Vitamin-B12-Mangel (Mangel an Vitamin B12) – bei Säuglingen und Kindern mögliche Ursache von Entwicklungsverzögerung (verzögerter Entwicklung), kognitiver Störung (Störung der Denk- und Lernfähigkeit) und Sprachentwicklungsstörung
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Akuter ischämischer Schlaganfall (akuter Hirninfarkt durch Gefäßverschluss) – wichtigste akute Ursache neu aufgetretener Aphasie (zentrale Sprachstörung); neurologischer Notfall (Notfall des Nervensystems)
- Intrazerebrale Blutung (Blutung im Gehirn) – akute Ursache von Aphasie, Bewusstseinsstörung (Störung der Wachheit) und fokal-neurologischen Defiziten (umschriebenen Ausfällen des Nervensystems)
- Sinusvenenthrombose (Blutgerinnsel in venösen Blutleitern des Gehirns) – kann mit Kopfschmerz, epileptischem Anfall (Krampfanfall), Aphasie oder Vigilanzstörung (Störung der Wachheit) einhergehen
- Subarachnoidalblutung (Blutung zwischen Hirnhäuten) – akuter neurologischer Notfall mit möglicher Sprachstörung, Bewusstseinsstörung und Hirnnervenbeteiligung (Beteiligung der Kopfnerven)
- Transitorische ischämische Attacke (vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns) – vorübergehende Aphasie als Warnsymptom eines drohenden Schlaganfalls
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Enzephalitis (Gehirnentzündung) – entzündliche Hirnerkrankung (entzündliche Erkrankung des Gehirns) mit möglicher Aphasie, Verwirrtheit (Desorientiertheit), epileptischen Anfällen (Krampfanfällen) und Bewusstseinsstörung
- Hirnabszess (Eiteransammlung im Gehirn) – fokale intrakranielle Infektion (umschriebene Infektion im Schädelinneren) mit möglicher Aphasie, Kopfschmerz, Fieber und fokal-neurologischen Defiziten
- Humanes-Immundefizienzvirus-Enzephalopathie (HIV-Enzephalopathie; Hirnschädigung bei HIV-Infektion) – neurokognitive Störung (Störung von Nervensystem und Denkfähigkeit) bei Humanes-Immundefizienzvirus-Infektion (HIV-Infektion; Infektion mit dem Immunschwächevirus) mit Sprachverarmung (verminderter sprachlicher Ausdrucksfähigkeit), Verlangsamung und Kommunikationsstörung
- Meningoenzephalitis (Hirnhaut- und Gehirnentzündung) – infektiöse Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn mit möglicher Aphasie, Vigilanzstörung und fokalen neurologischen Ausfällen (umschriebenen Ausfällen des Nervensystems)
- Neurosyphilis (Syphilis des Nervensystems) – kann neuropsychiatrische Symptome (Symptome von Nervensystem und Psyche), kognitive Störungen und Sprachveränderungen verursachen
- Progressive multifokale Leukenzephalopathie (fortschreitende Entmarkungserkrankung des Gehirns) – opportunistische Virusinfektion (Infektion bei geschwächtem Immunsystem) des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark) mit Aphasie, kognitiver Störung und fokal-neurologischen Ausfällen
- Zerebrale Toxoplasmose (Toxoplasmose des Gehirns) – opportunistische Infektion mit fokalen Hirnläsionen (umschriebenen Hirnschädigungen), Aphasie, epileptischen Anfällen und Bewusstseinsstörung
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Hirntumoren (Tumoren des Gehirns) der dominanten Hemisphäre (sprachdominanten Gehirnhälfte) – können durch Infiltration (Einwachsen), Kompression (Druckschädigung) oder epileptische Aktivität (anfallsartige Übererregbarkeit) sprachdominanter Areale (für Sprache wichtiger Hirnregionen) Aphasie, Wortfindungsstörung oder Sprachverständnisstörung verursachen
- Meningeom (Tumor der Hirnhaut) – je nach Lokalisation (Lage) mögliche Ursache von Aphasie, epileptischen Anfällen oder fokal-neurologischen Ausfällen
- Metastasen (Tochtergeschwülste) des Zentralnervensystems – fokale Hirnläsionen mit möglicher Aphasie, kognitiver Kommunikationsstörung (Verständigungsstörung durch Denkstörung) oder epileptischer Sprachstörung (Sprachstörung im Rahmen von Anfällen)
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Angeborene Hörstörung – zentrale Differenzialdiagnose (wichtige Abgrenzungsdiagnose) bei verzögerter Sprachentwicklung, ausbleibender Lautsprachentwicklung (ausbleibender Entwicklung gesprochener Sprache) oder auffälligem Sprachverstehen
- Chronische Otitis media mit Erguss (chronische Mittelohrentzündung mit Flüssigkeit hinter dem Trommelfell) – häufige Ursache fluktuierender Schallleitungsschwerhörigkeit (schwankender Schwerhörigkeit durch gestörte Schallübertragung) im Kindesalter mit sekundärer Sprachentwicklungsstörung
- Einseitige oder beidseitige Schwerhörigkeit (vermindertes Hörvermögen) – kann Sprachverstehen, Phonemdifferenzierung (Unterscheidung von Sprachlauten), Wortschatzentwicklung und Satzentwicklung beeinträchtigen
- Hörverarbeitungs- und Hörwahrnehmungsstörung (Störung der Verarbeitung und Wahrnehmung von Hörreizen) – Störung der zentralen auditiven Verarbeitung (Störung der Hörverarbeitung im Gehirn) mit Auffälligkeiten im Sprachverstehen, in der Lautdifferenzierung (Unterscheidung von Lauten) und im Schriftspracherwerb (Erwerb von Lesen und Schreiben)
- Innenohrfehlbildungen (angeborene Fehlbildungen des Innenohrs) – angeborene Ursache sensorineuraler Hörstörung (Schwerhörigkeit durch Innenohr- oder Nervenschädigung) mit möglicher Sprachentwicklungsstörung
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Aphasie – erworbene zentrale Sprachstörung mit Störung von Sprachproduktion (Bildung von Sprache), Sprachverständnis, Benennen, Lesen oder Schreiben; häufig vaskulär (gefäßbedingt), tumoral (tumorbedingt), traumatisch (verletzungsbedingt) oder neurodegenerativ bedingt
- Autismus-Spektrum-Störung (tiefgreifende Entwicklungsstörung mit sozial-kommunikativen Auffälligkeiten) – neurodevelopmentale Störung mit qualitativer Beeinträchtigung sozialer Kommunikation (sozialer Verständigung), pragmatischer Sprache (situationsangemessenem Sprachgebrauch) und häufig atypischer Sprachentwicklung (ungewöhnlicher Sprachentwicklung)
- Demenzielle Erkrankungen (Erkrankungen mit fortschreitendem Abbau geistiger Fähigkeiten) – insbesondere primär progressive Aphasie (fortschreitende Sprachstörung als Leitsymptom), Alzheimer-Krankheit (häufige Demenzform) und frontotemporale Demenz (Demenzform mit Stirn- und Schläfenlappenbeteiligung) mit Wortfindungsstörung, Sprachabbau (Verlust sprachlicher Fähigkeiten) und Kommunikationsstörung
- Epilepsien mit Sprachbeteiligung (Anfallserkrankungen mit Sprachstörung) – iktale oder postiktale Aphasie (Sprachstörung während oder nach einem Anfall), Sprachblockade (Blockierung des Sprechens) oder paroxysmale Sprachstörung (anfallsartig auftretende Sprachstörung); insbesondere bei fokalen Anfällen (umschriebenen epileptischen Anfällen) der dominanten Hemisphäre
- Intelligenzminderung (verminderte geistige Leistungsfähigkeit) – globale kognitive Entwicklungsstörung mit verzögerter Sprachentwicklung, eingeschränktem Sprachverständnis und reduzierter Kommunikationskompetenz (eingeschränkter Verständigungsfähigkeit)
- Landau-Kleffner-Syndrom (epileptische Sprachabbau-Erkrankung im Kindesalter) – epileptische Enzephalopathie (anfallsbedingte Hirnfunktionsstörung) mit erworbener Aphasie im Kindesalter und epileptiformen Veränderungen (anfallstypischen Veränderungen) im Elektroenzephalogramm (EEG; Hirnstromkurve)
- Mutismus, selektiv (situationsabhängiges Nichtsprechen) – situationsgebundenes Nichtsprechen bei grundsätzlich vorhandener Sprachfähigkeit; differentialdiagnostisch gegen Autismus-Spektrum-Störung, Angststörung (krankhafte Angst), Trauma (seelische oder körperliche Verletzung) und Sprachentwicklungsstörung abzugrenzen
- Primär progressive Aphasie – neurodegenerative Sprachstörung mit progredientem Verlust (fortschreitendem Verlust) von Benennen, Sprachproduktion, Sprachverständnis oder semantischem Wissen (Bedeutungswissen)
- Schizophrenie (psychotische Erkrankung) und andere psychotische Störungen (Störungen mit Realitätsverlust) – mögliche formale Denkstörung (Störung des geordneten Denkablaufs) mit Zerfahrenheit, Neologismen (Wortneubildungen), Sprachverarmung oder desorganisierter Sprache (ungeordneter Sprache)
- Spezifische Sprachentwicklungsstörung – Entwicklungsstörung von expressiver und/oder rezeptiver Sprache (Sprachäußerung und/oder Sprachverständnis) ohne hinreichende Erklärung durch Hörstörung, Intelligenzminderung, neurologische Erkrankung oder gravierende Umweltdeprivation (schweren Mangel an sprachlicher und sozialer Anregung)
- Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (Teilleistungsstörungen schulischer Fähigkeiten) – Lese-Rechtschreib-Störung (Störung des Lesens und Schreibens) und Rechenstörung (Dyskalkulie; Rechenschwäche) als abzugrenzende Teilleistungsstörungen; keine primären Sprachstörungen, aber häufige Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) bei Sprachentwicklungsstörungen
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Alexie (erworbene Lesestörung) – erworbener Verlust oder erhebliche Störung der Lesefähigkeit; meist Ausdruck einer Läsion (Schädigung) sprachrelevanter Hirnareale
- Aphasie/Dysphasie (zentrale Sprachstörung/teilweise zentrale Sprachstörung) – symptomatische zentrale Sprachstörung; bei akutem Beginn immer Schlaganfall, Blutung, epileptischer Anfall, Enzephalitis oder Raumforderung (Gewebevermehrung) ausschließen
- Dyslexie (Lesestörung) – Störung des Lesens; entwicklungsbezogen als Lese-Rechtschreib-Störung oder erworben im Rahmen zentraler Sprachstörungen abzugrenzen
- Wortfindungsstörung (Störung beim Finden passender Wörter) – häufiges Leitsymptom bei Aphasie, primär progressiver Aphasie, demenziellen Erkrankungen, epileptischen Sprachstörungen oder fokalen Hirnläsionen
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Schädel-Hirn-Trauma – häufige Ursache erworbener Aphasie, kognitiver Kommunikationsstörung und Persönlichkeitsveränderung (Veränderung von Verhalten und Wesen)
- Traumatische Hirnblutung (verletzungsbedingte Blutung im Gehirn) – je nach Lokalisation Ursache akuter Aphasie, Vigilanzstörung und fokal-neurologischer Defizite
Medikamente
- Antiepileptika (Medikamente gegen epileptische Anfälle) – dosisabhängig mögliche kognitive Verlangsamung (Verlangsamung von Denkprozessen), Wortfindungsstörung und Aufmerksamkeitsstörung
- Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) und andere Sedativa (dämpfende Medikamente) – können Vigilanzminderung (verminderte Wachheit), verlangsamtes Denken und kognitive Kommunikationsstörung verursachen
- Lithium (Medikament zur Stimmungsstabilisierung) – bei Intoxikation (Vergiftung) oder erhöhtem Spiegel mögliche Verwirrtheit, kognitive Störung und neurologische Ausfälle
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Bleiintoxikation (Bleivergiftung) – bei relevanter Exposition (Belastung) mögliche chronische Neurotoxizität (langfristige Nervenschädigung) mit kognitiven Defiziten, Entwicklungsstörung und Sprachentwicklungsauffälligkeiten
- Kohlenmonoxidintoxikation (Kohlenmonoxidvergiftung) – hypoxische Hirnschädigung (Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel) mit möglicher Aphasie, kognitiver Störung und verzögerter neurologischer Symptomatik (verzögert auftretenden Beschwerden des Nervensystems)
Sprechstörungen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Apert-Syndrom – craniofaziale Fehlbildung (Fehlbildung von Schädel und Gesicht) mit möglicher Beeinträchtigung von Artikulation (Lautbildung), Atmung, Resonanz (Klangbildung) und Sprechentwicklung
- Kraniofaziale Fehlbildungen – angeborene Fehlbildungen von Schädel, Mittelgesicht, Kiefer oder Gaumen mit möglicher Störung von Artikulation, Resonanz und Verständlichkeit (Verstehbarkeit des Sprechens)
- Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte (angeborene Spaltbildung von Lippe, Kiefer und Gaumen) – strukturelle Ursache von Rhinophonie (Näseln), Artikulationsstörung (Lautbildungsstörung), velopharyngealer Insuffizienz und kompensatorischen Artikulationsmustern (ausgleichenden Fehlmustern der Lautbildung)
- Prader-Willi-Syndrom (genetisches Syndrom mit Muskelhypotonie und Entwicklungsstörung) – genetisches Syndrom mit Muskelhypotonie (verminderter Muskelspannung), orofazialer Schwäche (Schwäche im Mund-Gesichts-Bereich), Artikulationsstörung und verzögerter Sprechentwicklung
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Frühgeburtlichkeit mit periventrikulärer Leukomalazie – Risiko für Zerebralparese, Dysarthrie (motorische Sprechstörung), oromotorische Störung (Störung der Mundbewegungen) und Schluckstörung (Störung des Schluckens)
- Hypoxisch-ischämische Enzephalopathie des Neugeborenen – perinatale Hirnschädigung mit möglicher späterer Dysarthrie, Sprechapraxie (Störung der Planung von Sprechbewegungen) oder oromotorischer Störung
- Perinatale intrakranielle Blutung (Blutung im Schädelinneren um die Geburt herum) – kann je nach Lokalisation und Ausmaß motorische Sprechstörungen oder kombinierte Sprech- und Sprachstörungen bedingen
- Zerebralparese infolge perinataler Schädigung – zentrale Bewegungsstörung (Bewegungsstörung durch Hirnschädigung) mit Dysarthrie, oromotorischer Störung, Schluckstörung und häufig zusätzlicher Kommunikationsstörung
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Vitamin-B12-Mangel – bei neurologischer Beteiligung (Beteiligung des Nervensystems) mögliche Ursache von Dysarthrie, Gangstörung (Störung des Gehens), Polyneuropathie (Schädigung mehrerer Nerven) und kognitiver Störung
- Wilson-Krankheit (Kupferspeicherkrankheit) – Kupferstoffwechselstörung (Störung des Kupferstoffwechsels) mit Dysarthrie, extrapyramidalen Symptomen (Bewegungsstörungen durch Störung tiefer Hirnzentren), Tremor (Zittern), psychiatrischen Symptomen (psychischen Beschwerden) und kognitiver Störung
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Akuter ischämischer Schlaganfall – wichtige akute Ursache neu aufgetretener Dysarthrie oder Sprechapraxie; neurologischer Notfall
- Intrazerebrale Blutung – akute Ursache von Dysarthrie, Bewusstseinsstörung und fokal-neurologischen Defiziten
- Transitorische ischämische Attacke – vorübergehende Dysarthrie als mögliches Warnsymptom eines drohenden Schlaganfalls
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Enzephalitis mit Hirnstamm- oder Kleinhirnbeteiligung (Beteiligung von Hirnstamm oder Kleinhirn) – entzündliche Hirnerkrankung mit möglicher Dysarthrie, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination), Bewusstseinsstörung und Hirnnervenbeteiligung
- Meningoenzephalitis mit Hirnstamm- oder Kleinhirnbeteiligung – infektiöse Entzündung von Hirnhäuten und Gehirn mit möglicher Dysarthrie, Vigilanzstörung und fokalen neurologischen Ausfällen
- Zerebrale Toxoplasmose mit Hirnstamm-, Kleinhirn- oder kapsulärer Läsion (Schädigung der inneren Nervenbahnen) – opportunistische Infektion mit möglicher Dysarthrie, epileptischen Anfällen und Bewusstseinsstörung
Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Ankyloglossie (verkürztes Zungenband) – verkürztes Zungenband mit möglicher Artikulationsstörung, insbesondere bei eingeschränkter Zungenbeweglichkeit
- Dysgnathien (Kieferfehlstellungen) – Kieferfehlstellungen mit möglicher Artikulationsstörung, Sigmatismus (S-Laut-Fehlbildung) und orofazialer Funktionsstörung (Funktionsstörung im Mund-Gesichts-Bereich)
- Gaumensegelinsuffizienz – velopharyngeale Insuffizienz mit Rhinophonie, Hypernasalität (offenem Näseln) und Artikulationsstörung
- Malokklusion (Fehlbiss) – Zahn- und Kieferfehlstellung mit möglicher interdentaler oder lateraler Artikulationsstörung (Lautbildungsstörung zwischen den Zähnen oder seitlich an der Zunge)
- Orofaziale Dysfunktion – gestörtes Zusammenspiel von Lippen, Zunge, Kiefer und Gaumensegel mit Artikulationsstörung und myofunktioneller Fehlfunktion (Fehlfunktion der Mund- und Gesichtsmuskulatur)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Hirnstammtumoren (Tumoren des Hirnstamms) – mögliche Ursache von Dysarthrie, Dysphagie (Schluckstörung), Hirnnervenparesen (Lähmungen der Kopfnerven) und Ataxie
- Kleinhirntumoren (Tumoren des Kleinhirns) – mögliche Ursache einer ataktischen Dysarthrie (Sprechstörung durch Koordinationsstörung) mit skandierender, verwaschener oder unkoordinierter Sprache
- Tumoren der Mundhöhle, Zunge oder des Oropharynx (Rachenabschnitt hinter der Mundhöhle) – strukturelle Ursache von Artikulationsstörung, Dysarthrophonie (Sprech- und Stimmstörung), Schluckstörung und veränderter Resonanz
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Einseitige oder beidseitige Schwerhörigkeit – kann Phonemdifferenzierung und Artikulation beeinträchtigen
- Hörstörung im Kindesalter – häufige sekundäre Ursache auffälliger Lautbildung (Lautproduktion) und eingeschränkter Verständlichkeit
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Amyotrophe Lateralsklerose (fortschreitende Erkrankung der motorischen Nervenzellen) – progrediente Motoneuronerkrankung (fortschreitende Erkrankung der Bewegungsnervenzellen) mit Dysarthrie, Dysphagie, Zungenatrophie (Muskelschwund der Zunge) und bulbärer Symptomatik (Beschwerden durch Hirnstamm-/Schluck- und Sprechmuskelbeteiligung)
- Apraxie des Sprechens/Sprechapraxie – Störung der Planung und Programmierung von Sprechbewegungen bei erhaltener Muskelkraft; häufig nach Schlaganfall oder bei neurodegenerativen Erkrankungen
- Dysarthrie – neurogene motorische Sprechstörung (durch Nervenschädigung bedingte Sprechstörung) durch Störung von Atmung, Phonation (Stimmgebung), Artikulation, Resonanz oder Prosodie (Sprechmelodie); Ursachen umfassen Schlaganfall, Parkinson-Syndrom (Schüttellähmung), Amyotrophe Lateralsklerose, Multiple Sklerose (entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems) und Zerebralparese
- Funktionelle neurologische Störung (Funktionsstörung des Nervensystems ohne nachweisbare strukturelle Schädigung) – psychogen beziehungsweise funktionell bedingte Dysphonie (Stimmstörung), Dysarthrie, Stimmverlust oder Sprechblockade ohne strukturell-neurologische Läsion
- Multiple Sklerose – entzündlich-demyelinisierende Erkrankung (entzündliche Erkrankung mit Schädigung der Nervenisolierung) mit möglicher skandierender Dysarthrie (abgehackter Sprechweise) oder Hirnstammbeteiligung
- Parkinson-Syndrom – hypokinetische Dysarthrie (Sprechstörung mit verminderter Bewegungsamplitude) mit leiser Stimme, monotoner Prosodie, reduzierter Artikulationspräzision und Sprechtempoveränderung
- Redeflussstörung, Poltern (überhastetes, unregelmäßiges Sprechen) – Störung des Sprechtempos und der sprachlich-motorischen Strukturierung mit unregelmäßiger Sprechgeschwindigkeit, Auslassungen und verminderter Verständlichkeit
- Redeflussstörung, Stottern (Störung des flüssigen Sprechens) – Störung des Redeflusses mit Laut-, Silben- oder Wortwiederholungen, Dehnungen, Blockierungen und sekundärem Vermeidungsverhalten (Vermeidung bestimmter Sprechsituationen)
- Spezifische Artikulationsstörung – entwicklungsbezogene Störung der Lautbildung bei sonst altersentsprechender Sprachkompetenz
- Tic-Störungen (Erkrankungen mit unwillkürlichen Bewegungen oder Lauten) und Tourette-Syndrom (kombinierte motorische und vokale Tic-Störung) – vokale Tics (unwillkürliche Lautäußerungen), Echolalie (Nachsprechen gehörter Wörter), Palilalie (Wiederholen eigener Wörter) oder Koprolalie (ungewolltes Ausstoßen obszöner Wörter) können als Sprechauffälligkeit imponieren
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Aphonie (Stimmlosigkeit) – angrenzende Stimmstörung mit Stimmlosigkeit; differentialdiagnostisch funktionelle, laryngeale (den Kehlkopf betreffende), neurologische und postoperative Ursachen (Ursachen nach Operationen) abzugrenzen
- Dysarthrie und Anarthrie (vollständiger Verlust artikulierten Sprechens) – symptomatische motorische Sprechstörung bis zum vollständigen Verlust artikulierter Sprache; zugrunde liegende neurologische Ursache muss abgeklärt werden
- Dysphonie – angrenzende Stimmstörung mit Heiserkeit, eingeschränkter Stimmleistung oder veränderter Stimmqualität; abzugrenzen von primärer Sprachstörung und primärer motorischer Sprechstörung
- Rhinophonie – angrenzende Resonanzstörung mit offenem oder geschlossenem Näseln; häufig bei Gaumensegelstörung, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte oder nasaler Obstruktion (Behinderung der Nasenatmung)
- Stimm- und Resonanzstörungen (Störungen von Stimme und Klangbildung) – Dysphonie, Aphonie und Rhinophonie können als Sprechauffälligkeit imponieren, sind jedoch differentialdiagnostisch von primären Sprechmotorikstörungen (Störungen der Sprechbewegungssteuerung) abzugrenzen
Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)
- Iatrogene Hirnläsion (durch medizinische Maßnahmen verursachte Hirnschädigung) nach neurochirurgischem Eingriff (Operation am Nervensystem) – mögliche Ursache erworbener Dysarthrie, Sprechapraxie oder kombinierter Sprech- und Sprachstörung
- Iatrogene Läsion des Nervus recurrens (durch medizinische Maßnahmen verursachte Schädigung des Stimmbandnervs) – postoperative Ursache von Dysphonie, Heiserkeit und eingeschränkter Stimmleistung, insbesondere nach Schilddrüsen-, Hals- oder Thoraxoperationen (Operationen im Brustkorb)
- Langzeitbeatmung (länger dauernde künstliche Beatmung) und Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) – können Stimmgebung, Artikulation, Schlucken und funktionelle Kommunikation (alltagsbezogene Verständigung) beeinträchtigen
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Schädel-Hirn-Trauma – häufige Ursache erworbener Dysarthrie, Sprechapraxie und kognitiver Kommunikationsstörung
- Traumatische Hirnblutung – je nach Lokalisation Ursache akuter Dysarthrie, Vigilanzstörung und fokal-neurologischer Defizite
- Verletzungen von Mundhöhle, Zunge, Kiefer, Kehlkopf oder Gesichtsschädel – strukturelle Ursache von Artikulationsstörung, Resonanzstörung, Dysphonie und Dysarthrophonie
Medikamente
- Antiepileptika – dosisabhängig mögliche Dysarthrie, Ataxie, Sedierung (Dämpfung) und kognitive Verlangsamung
- Benzodiazepine und andere Sedativa – können verwaschene Sprache, verlangsamtes Sprechen, Vigilanzminderung und Dysarthrie verursachen
- Dopaminantagonisten (Medikamente mit Hemmung der Dopaminwirkung) und Antipsychotika (Medikamente gegen Psychosen) – mögliche extrapyramidale Nebenwirkungen (Bewegungsstörungen durch Störung tiefer Hirnzentren) mit Dysarthrie, Akathisie (Sitzunruhe), Parkinsonoid (Parkinson-ähnliche Bewegungsstörung), Dystonie (Muskelverkrampfung) oder tardiver Dyskinesie (spät auftretender unwillkürlicher Bewegungsstörung)
- Lithium – bei Intoxikation oder erhöhtem Spiegel mögliche Dysarthrie, Tremor, Ataxie, Verwirrtheit und neurologische Ausfälle
- Opioide (starke Schmerzmittel) – können Sedierung, verlangsamtes Sprechen, Dysarthrie und Bewusstseinsminderung auslösen
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Alkoholintoxikation (Alkoholvergiftung) – typische Ursache akuter Dysarthrie, Ataxie, verlangsamter Reaktion und Bewusstseinsveränderung
- Kohlenmonoxidintoxikation – hypoxische Hirnschädigung mit möglicher Dysarthrie, kognitiver Störung und verzögerter neurologischer Symptomatik
- Quecksilberintoxikation (Quecksilbervergiftung) – bei relevanter Exposition neurotoxische Ursache von Tremor, Dysarthrie, Ataxie, kognitiver Störung und Verhaltensauffälligkeiten