Panikstörungen – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Panikstörungen (wiederkehrende Panikattacken mit anhaltender Angst vor weiteren Anfällen) mitbedingt sein können:
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Agoraphobie (Angst vor bestimmten Orten oder Situationen) – agoraphobisches Vermeidungsverhalten kann sich im Verlauf einer Panikstörung entwickeln bzw. verstärken und den Aktionsradius erheblich einschränken [LL1].
- Alkoholbezogene Störungen (Erkrankungen durch problematischen Alkoholkonsum) – insbesondere schädlicher Gebrauch und Abhängigkeit; Angststörungen (krankhafte Angstzustände) sind mit einer deutlich erhöhten Rate alkoholbezogener Störungen assoziiert, wobei Alkohol auch im Sinne einer Selbstmedikation eingesetzt werden kann [2, LL1].
- Depressive Störung (Depression) – häufige psychiatrische Komorbidität (zusätzlich bestehende psychische Erkrankung); kann im Verlauf hinzutreten und ist insbesondere bei gleichzeitig bestehender Suizidalität prognostisch relevant [1, LL1].
- Insomnie (Schlaflosigkeit) – Schlafstörungen treten bei Angststörungen einschließlich der Panikstörung gehäuft auf und können die Symptomschwere und den Verlauf ungünstig beeinflussen [3].
- Medikamentenbezogene Störung (Störung durch problematischen Medikamentengebrauch), insbesondere Benzodiazepinabhängigkeit (Abhängigkeit von bestimmten Beruhigungs- und Schlafmitteln) – mögliche behandlungsbedingte Komplikation bei längerfristiger Benzodiazepinanwendung; aufgrund des Abhängigkeits- und Entzugsrisikos ist eine längerfristige Anwendung bei Panikstörungen zu vermeiden [LL1].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung) – Panikstörungen sind mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken (Gedanken an Selbsttötung) und Suizidversuche (Selbsttötungsversuche) assoziiert; in einer Metaanalyse bei Patienten mit primärer Panikstörung betrugen die gepoolten Lebenszeitraten 23 % für Suizidgedanken und 17 % für Suizidversuche. Bei zusätzlicher psychiatrischer Komorbidität war das Risiko weiter erhöht [1].
Weiteres
- Einschränkung der Lebensqualität – insbesondere in den Bereichen psychisches Wohlbefinden und soziale Funktionsfähigkeit; für Angststörungen ist metaanalytisch eine ausgeprägte Beeinträchtigung der Lebensqualität belegt [4].
- Sozialer Rückzug sowie Einschränkung der sozialen und beruflichen Teilhabe – insbesondere bei ausgeprägter Erwartungsangst (Angst vor dem erneuten Auftreten einer Panikattacke) und Vermeidungsverhalten [4, LL1].
Prognosefaktoren
- Ausgeprägtes und lang anhaltendes Vermeidungsverhalten – Prädiktor (Vorhersagefaktor) für einen persistierenden Verlauf von Angststörungen [5].
- Hohe Angstsensitivität (erhöhte Empfindlichkeit gegenüber körperlichen und psychischen Angstsymptomen) und ausgeprägte Verhaltenshemmung (stark gehemmtes und zurückhaltendes Verhalten) – mit erhöhter Wahrscheinlichkeit eines persistierenden Verlaufs assoziiert [5].
- Komorbide Persönlichkeitsstörung (zusätzlich bestehende tiefgreifende Störung der Persönlichkeit und des Verhaltens) – ungünstiger Prognosefaktor für die Persistenz von Angststörungen [5].
- Persistierende klinische Symptomatik (anhaltende Beschwerden) nach Behandlung – mit erhöhtem Chronifizierungsrisiko (Risiko eines dauerhaften Krankheitsverlaufs) assoziiert [5].
- Psychiatrische Komorbidität, insbesondere depressive und substanzbezogene Störungen (Störungen durch Alkohol, Medikamente oder Drogen) – mit erhöhter Krankheitslast und insbesondere mit einem höheren Suizidrisiko (Risiko einer Selbsttötung) assoziiert [1, 2, LL1].
Literatur
- Zhang Y, Wang J, Xiong X et al.: Suicidality in patients with primary diagnosis of panic disorder: A single-rate meta-analysis and systematic review. J Affect Disord. 2022;300:27-33. doi:10.1016/j.jad.2021.12.075.
- Puddephatt JA, Irizar P, Jones A et al.: Associations of common mental disorder with alcohol use in the adult general population: a systematic review and meta-analysis. Addiction. 2022;117(6):1543-1572. doi:10.1111/add.15735.
- Cox RC, Olatunji BO: A systematic review of sleep disturbance in anxiety and related disorders. J Anxiety Disord. 2016;37:104-129. doi:10.1016/j.janxdis.2015.12.001.
- Olatunji BO, Cisler JM, Tolin DF: Quality of life in the anxiety disorders: a meta-analytic review. Clin Psychol Rev. 2007;27(5):572-581. doi:10.1016/j.cpr.2007.01.015.
- Hovenkamp-Hermelink JHM, Jeronimus BF, Myroniuk S et al.: Predictors of persistence of anxiety disorders across the lifespan: a systematic review. Lancet Psychiatry. 2021;8(5):428-443. doi:10.1016/S2215-0366(20)30433-8.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Behandlung von Angststörungen. (Registernummer 051-028) April 2021; Version 2.0, gültig bis 05.04.2026, aktuell in Überarbeitung Langfassung [LL1].