Panikstörungen – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Asthma bronchiale (Asthma) – anfallsartige Dyspnoe (Atemnot), thorakales Engegefühl und Tachypnoe (beschleunigte Atmung); typischerweise mit bronchialer Obstruktion (Verengung der Atemwege) bzw. Giemen (pfeifendes Atemgeräusch)
  • Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) (chronische Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen) – insbesondere bei akuter Dyspnoe oder Exazerbation (akuter Verschlechterung); objektivierbare Atemwegsobstruktion
  • Respiratorische Insuffizienz (Ateminsuffizienz) – Dyspnoe, Tachypnoe, Unruhe und Angst bei Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) bzw. Hyperkapnie (erhöhtem Kohlendioxidgehalt im Blut); durch gestörte Oxygenierung (Sauerstoffversorgung) bzw. Ventilation (Belüftung der Lunge) abgrenzbar

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Akute intermittierende Porphyrie (anfallsweise auftretende Stoffwechselerkrankung) – episodische neuroviszerale und autonome Symptomatik, insbesondere bei begleitenden Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen), neurologischen Symptomen oder Hyponatriämie (Natriummangel im Blut)
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Tremor (Zittern), Schwitzen und innere Unruhe; meist zusätzliche klinische bzw. laborchemische Zeichen der Thyreotoxikose (Schilddrüsenhormonüberversorgung)
  • Hypoglykämie (Unterzuckerung) – adrenerge Symptome mit Herzklopfen, Tremor, Schwitzen und Angst; gegebenenfalls zusätzlich neuroglykopenische Symptome (Beschwerden durch Glucosemangel des Gehirns)
  • Hypokalziämie (Calciummangel im Blut) – Parästhesien (Missempfindungen), neuromuskuläre Übererregbarkeit bzw. Tetanie (Muskelkrämpfe) können einer Panikattacke ähneln

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels) – insbesondere bei neu aufgetretenem Thoraxschmerz (Brustschmerz), Dyspnoe, vegetativer Symptomatik oder kardiovaskulärem Risikoprofil auszuschließen
  • Kardiale Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) – insbesondere paroxysmale supraventrikuläre Tachykardien (anfallsartige schnelle Herzrhythmusstörungen) mit abrupt einsetzendem und endendem Herzrasen
  • Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) – akute Dyspnoe, Thoraxschmerz, Tachykardie, gegebenenfalls Hypoxämie oder Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit); insbesondere bei thromboembolischen Risikofaktoren auszuschließen

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Phäochromozytom (hormonproduzierender Tumor des Nebennierenmarks) – paroxysmale Katecholaminfreisetzung mit Herzklopfen, Schwitzen, Kopfschmerzen und häufig anfallsartiger arterieller Hypertonie (Bluthochdruck)

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (gutartiger anfallsartiger Lagerungsschwindel) – kurze, durch Lageänderungen des Kopfes provozierte Schwindelattacken mit typischem Nystagmus (Augenzittern)
  • Morbus Menière (Menière-Krankheit) – rezidivierende Schwindelattacken mit fluktuierender Hörminderung, Tinnitus (Ohrgeräuschen) bzw. Ohrdruck

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Agoraphobie (Angst vor bestimmten Orten oder Situationen) – Angst bzw. Panikattacken überwiegend in spezifischen Situationen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint oder keine Hilfe verfügbar sein könnte
  • Anpassungsstörung (psychische Reaktion auf eine belastende Lebensveränderung) – Angstsymptomatik in erkennbarem zeitlichem Zusammenhang mit einem belastenden Lebensereignis bzw. einer wesentlichen Lebensveränderung
  • Fokale Epilepsie (Epilepsie mit umschriebenem Anfallsbeginn), insbesondere Temporallappenepilepsie (Epilepsie des Schläfenlappens) – stereotype kurze Episoden mit plötzlich auftretender Angst, autonomen Symptomen, gegebenenfalls Bewusstseinsstörung oder weiteren fokalen Zeichen
  • Generalisierte Angststörung (anhaltende übermäßige Angst und Sorge) – anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen und Ängste über verschiedene Lebensbereiche anstelle klar begrenzter, unerwarteter Panikattacken
  • Posttraumatische Belastungsstörung (psychische Folgestörung nach einem traumatischen Ereignis) – Angst- bzw. Panikepisoden im Zusammenhang mit traumatischen Erinnerungen, Intrusionen (ungewollt wiederkehrenden Erinnerungen) oder traumabezogenen Auslösern
  • Somatoforme autonome Funktionsstörung (körperliche Beschwerden ohne ausreichenden organischen Befund) – länger anhaltende bzw. wiederkehrende autonome Beschwerden mit ausgeprägter organbezogener Besorgnis anstelle typischer unerwarteter Panikattacken
  • Soziale Phobie (Angst vor sozialen Situationen) – Angst und gegebenenfalls Panikattacken vorwiegend in sozialen Situationen mit Befürchtung negativer Bewertung
  • Spezifische Phobie (Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen) – Angst bzw. Panikattacken regelhaft durch ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Situation ausgelöst
  • Zwangsstörung (Erkrankung mit Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen) – Angst überwiegend im Zusammenhang mit Zwangsgedanken bzw. bei Unterdrückung oder Verhinderung von Zwangshandlungen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hyperventilationssyndrom (übermäßige, beschleunigte Atmung) – dysfunktionale Hyperventilation (übermäßige Atmung) mit Schwindel, Parästhesien, perioralen Missempfindungen (Missempfindungen um den Mund) und gegebenenfalls Pfötchenstellung (krampfartige Handstellung); von einer Hyperventilation als Bestandteil einer Panikattacke abzugrenzen

Medikamente

  • Benzodiazepine – Rebound-Angst (verstärkt wiederkehrende Angst) bzw. Entzugssymptomatik (Entzugsbeschwerden) mit ausgeprägter Angst, Unruhe und vegetativer Übererregung nach rascher Dosisreduktion oder abruptem Absetzen
  • Glukokortikoide – können dosisabhängig Unruhe, Angst, Schlafstörungen und weitere psychiatrische Symptome auslösen
  • Schilddrüsenhormone – Überdosierung kann über eine iatrogene Hyperthyreose (durch medizinische Behandlung verursachte Schilddrüsenüberfunktion) panikähnliche vegetative Symptome verursachen
  • Sympathomimetika – z. B. Beta-2-Sympathomimetika oder systemisch wirksame Dekongestiva; können Tachykardie, Tremor, Unruhe und Angst hervorrufen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Amphetamin- bzw. Kokainintoxikation (Vergiftung durch Amphetamine bzw. Kokain) – sympathomimetisches Syndrom mit Angst, Agitiertheit (starker Unruhe), Tachykardie, Hypertonie und gegebenenfalls Thoraxschmerz
  • Cannabisintoxikation (Cannabisvergiftung) – insbesondere nach hohen THC-Dosen mögliche akute Angst- bzw. Panikreaktionen mit Tachykardie und Wahrnehmungsveränderungen
  • Koffeinintoxikation (Koffeinvergiftung) bzw. ausgeprägter Koffeinüberkonsum – Unruhe, Tremor, Tachykardie und Angst können Panikattacken imitieren oder auslösen