Morbus Parkinson – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Computertomographie des Schädels (Schädel-CT, craniale CT bzw. cCT) oder craniale Magnetresonanztomographie (cMRT) – sollte mindestens einmal im Rahmen der Diagnostik zum Ausschluss symptomatischer Ursachen bei der Diagnosestellung eines Parkinson-Syndrom durchgeführt werden (Expertenkonsens) [1]
    Zur klinisch-neurologischen Überprüfung der Diagnose und zur Therapiekontrolle soll der Patient nach drei Monaten und danach nach klinischem Bedarf, aber mindestens einmal im Jahr untersucht werden. (Expertenkonsens)

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung bzw. zum Ausschluss von Komplikationen

  • Transkranielle Dopplersonographie (Ultraschalluntersuchung durch den intakten Schädel zur orientierenden Kontrolle des zerebralen ("das Gehirn betreffend") Blutflusses; Hirnultraschall) – dabei werden Ultraschallsonden von der Schläfe aus auf die „Substantia nigra“ (schwarze Substanz) ausgerichtet [wenn die Substantia nigra im Verlauf der Parkinson-Erkrankung allmählich zugrunde geht, nimmt der Eisengehalt noch zu; dieses führt in der Sonographie zu einem besonders starken Echo (hellen Schatten auf dem Bildschirm)]
  • Magnetresonanztomographie des Schädels (Schädel-MRT, craniale MRT bzw. cMRT)
    •  soll bei klinischem Parkinson-Verdacht ebenfalls schon frühzeitig erfolgen, auch um andere Erkrankungen auszuschließen
    • kann unter Einschluss planimetrischer Verfahren oder diffusionsgewichteter Sequenzen (DWI/DTI) zur Differentialdiagnose neurodegenerativer Parkinson-Syndrome (atypisch/idiopathisch) eingesetzt werden [1]
  • Fluordesoxyglucose Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET; Verfahren der Nuklearmedizin, mit dem die Erstellung von Schnittbildern lebender Organismen durch die Visualisierung der Verteilungsmuster schwach radioaktiver Substanzen ermöglicht wird) – kann in gut begründeten Fällen zur bestmöglichen differentialdiagnostischen Zuordnung des Parkinson-Syndroms, insbesondere zur Abgrenzung atypischer neurodegenerativer Parkinson-Syndrome, erfolgen. Die Indikation zu dieser Untersuchung sollte von einem Neurologen geprüft und empfohlen sein.
  • Präsynaptischer Dopamin-Transporter-SPECT (DAT-SPECT; Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (kurz SPECT von englisch single photon emission computed tomography)) soll frühzeitig im Krankheitsverlauf zum Nachweis eines nigrostriatalen Defizites bei klinisch unklarem Parkinson- oder Tre-mor-Syndrom erfolgen [1]
    Beachte: "Die zerebrale Single-Photon-Emissionscomputertomographie (SPECT) (Dopamintransporter präsynaptisch, IBZM-postsynaptisch) sollte nicht zur Differentialdiagnose bei etabliertem Parkinson-Syndrom, zur Abgrenzung atypischer neurodegenerativer Krankheitsvarianten (insbesondere MSA und PSP) eingesetzt werden [1]".
  • DaTSCAN™-Szintigraphie (Synonyme: Dopamintransporter-Szintigraphie; Hirn-Szintigraphie) ist eine nuklearmedizinische Untersuchungsmethode zur Darstellung spezieller Neurotransmitter-Transporter im Gehirn – zur Diagnosebestätigung bei klinischer Verdachtsdiagnose; ein normales Ergebnis im DaTSCAN™ kann ein Parkinsonsyndrom zu 97 % ausschließen
  • Doppler-/Duplexsonographie (Ultraschalluntersuchung: Kombination aus einem sonographischen Schnittbild (B-Bild) und der Dopplersonographiemethode; bildgebendes Verfahren der Medizin, das Flüssigkeitsströme (vor allem den Blutfluss) dynamisch darstellen kann) – bei Verdacht auf Gefäßerkrankungen
  • Enzephalogramm (EEG; Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Gehirns) – bei Verdacht auf kognitive Störungen
  • Polysomnographie (Schlaflabor; Messung verschiedener Körperfunktionen im Schlaf, die Auskunft über die Schlafqualität geben) – bei Verdacht auf Neurodegeneration wie im Rahmen einer Multisystematrophie

Daneben gibt es noch weitere spezielle Untersuchungsformen wie Sphinkter-EMG (Untersuchung der Innervation, d. h. die Steuerung des Schließmuskels durch Nerven) oder Messung verschiedener Reflexe bei schwer zu diagnostizierbarem Morbus Parkinson.

Weitere Hinweise

  • Bei einer Verschlechterung der Sympto­matik bei Parkinson-Patienten zeigen spezielle Sequenzen von diffusionsgewichteten MRT-Aufnahmen als Zeichen einer Entzündungsreaktion in der Substantia nigra eine Zunahme des freien Wassers (extrazelluläre Flüssigkeit z. B. durch ein vasogenes Ödem) [2]

Literatur

  1. S2k-Leitlinie: Parkinson-Krankheit. (AWMF-Registernummer: 030 - 010), Oktober 2023 Langfassung
  2. Burciu RG et al.: Progression marker of Parkinson’s disease: a 4-year multi-site imaging study. Brain, Volume 140, Issue 8, 1 August 2017, Pages 2183-2192, https://doi.org/10.1093/brain/awx146

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: SPECT-Untersuchungen mit dem 123I-markierten Dopamintransporter-Liganden FP-CIT (DaTSCAN). (AWMF-Registernummer: 031 - 037), Mai  2017 DGN-Handlungsempfehlung
  2. S2k-Leitlinie: Parkinson-Krankheit. (AWMF-Registernummer: 030 - 010), Oktober 2023 Langfassung