Vulvakarzinom – Labordiagnostik

Laborparameter 1. Ordnung – obligate diagnostische Untersuchungen

Die Labordiagnostik beim Verdacht auf ein Vulvakarzinom dient primär der histologischen Sicherung der Diagnose sowie der biologischen Charakterisierung des Tumors. Sie ergänzt Anamnese und körperliche Untersuchung und ist essenziell für Therapieplanung und Prognoseeinschätzung.

  • Biopsie – Stanz-, Knips- oder Exzisionsbiopsie aus der suspekten vulvären Läsion zur histopathologischen Sicherung (Goldstandard)
  • HPV-Testung – Nachweis von Hochrisiko-HPV (v. a. HPV 16, seltener HPV 18, 31, 33) aus dem betroffenen Vulvagewebe
  • Vulvoskopie – Untersuchung der Vulva unter Vergrößerung, ggf. mit Essigsäure (3-5 %) zur Identifikation präkanzeröser Läsionen und Biopsielenkung
  • Zytologischer Abstrich – Ergänzend zur Beurteilung der Cervix uteri und zum Ausschluss synchroner HPV-assoziierter Läsionen
  • Screening auf vulväre intraepitheliale Neoplasien (VIN) – Kein populationsbezogenes Screening; gezielte Diagnostik bei klinischem Verdacht oder auffälligen Befunden
  • Molekulargenetische und immunhistochemische Diagnostik
    • HPV-Genotypisierung – Identifikation spezifischer Hochrisiko-Genotypen
    • p16-Überexpression (Immunhistochemie) – Surrogatmarker für HPV-Assoziation
    • Ki-67 – Proliferationsmarker zur Einschätzung der biologischen Aktivität
    • TP53-Mutationsanalyse – insbesondere bei HPV-negativen (differenzierten) Vulvakarzinomen

Beachte: Bei HPV-negativen Vulvakarzinomen ist häufig keine p16-Überexpression nachweisbar; hier stehen TP53-Mutationen im Vordergrund, was prognostische und therapeutische Relevanz besitzt.

Laborparameter 2. Ordnung – weiterführende Diagnostik
In Abhängigkeit von Anamnese, klinischem Befund und Ergebnissen der obligaten Untersuchungen – zur differenzialdiagnostischen Abklärung

  • HPV-RNA-Nachweis – zur Unterscheidung zwischen transienter und transkriptionell aktiver HPV-Infektion
  • Erweitertes immunhistochemisches Panel – p53, p16, Ki-67 bei unklarer Histologie oder atypischem Verlauf
  • Ausschluss anderer Primärtumoren
    • Bildgebung (MRT, CT, ggf. PET-CT) – zur Stadieneinteilung und Detektion regionaler oder ferner Metastasen
    • Serologische Tumormarker – nicht routinemäßig empfohlen, nur bei Verdacht auf extragenitale Primärtumoren
  • Erregerspezifische Diagnostik – bei Verdacht auf infektiöse oder entzündliche Differenzialdiagnosen
    • Bakterielle, mykologische und virologische Kulturen
    • Nukleinsäureamplifikationstests (NAAT)
  • Hormonstatus – bei postmenopausalen Beschwerden oder zur Abgrenzung atropher Veränderungen
  • Genitalabstrich – bei Verdacht auf Mischinfektionen oder sekundäre Entzündungsreaktionen

Red Flags (Warnzeichen) beim Vulvakarzinom

Klinik

  • Persistierender oder zunehmender Pruritus vulvae
  • Sichtbare oder tastbare vulväre Läsionen (Ulkus, Knoten, Verhärtung)
  • Vulväre Blutungen, insbesondere postmenopausal
  • Schmerzen, Dyspareunie oder Brennen im Vulvabereich
  • Rasch progrediente lokale Veränderungen
  • Vergrößerte, derbe inguinale Lymphknoten

Labor/Histologie

  • Histologischer Nachweis eines invasiven Vulvakarzinoms
  • Nachweis von Hochrisiko-HPV bei HPV-assoziierten Tumoren
  • p16-Überexpression (HPV-assoziierte Genese)
  • TP53-Mutation bei HPV-negativen Tumoren
  • Hinweise auf regionale oder systemische Tumorausbreitung in der Bildgebung

Leitlinien und Literatur

  1. Oonk MHM, Planchamp F, Baldwin P et al.: European guidelines for the management of vulvar cancer. Int J Gynecol Cancer. 2017;27(4):832–837. doi:10.1097/igc.0000000000000975
  2. Rogers LJ, Cuello MA. Cancer of the vulva. Int J Gynaecol Obstet. 2018;143(Suppl 2):4–13. doi:10.1002/ijgo.12609
  3. WHO Classification of Tumours Editorial Board. Female genital tumours. 5th ed. Lyon: IARC; 202
  4. S2k-Leitlinie: Vulvakarzinom und seine Vorstufen, Diagnostik und Therapie (AWMF: Registernummer 015-059OL) November 2015 (in Überarbeitung) Langfassung