Mastopathie – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Linderung klinisch relevanter Mastodynie (Brustschmerzen) beziehungsweise Mastalgie und Wiederherstellung der Lebensqualität
- Behandlung einer erkennbaren Ursache oder einer symptomatischen Zyste (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum mit Beschwerden)
- Vermeidung nicht indizierter Hormontherapien, Antibiotikatherapien und operativer Eingriffe
Therapieempfehlungen
- Der Begriff Mastopathie bezeichnet ein Spektrum fibrozystischer Veränderungen (gutartige Veränderungen des Brustgewebes mit Zysten und bindegewebigen Verhärtungen). Behandelt werden nicht der benigne Struktur- oder Bildgebungsbefund, sondern klinisch relevante Beschwerden oder eine spezifische behandlungsbedürftige Läsion (Gewebeveränderung).
- Bei asymptomatischen und diagnostisch gesicherten benignen fibrozystischen Veränderungen ist keine Therapie erforderlich.
- Vor einer symptomatischen Therapie müssen neu aufgetretene persistierende fokale (örtlich begrenzte) oder einseitige Schmerzen sowie Tastbefund (tastbare Veränderung), Hauteinziehung (nach innen gezogene Hautstelle), Mamillensekretion (Flüssigkeitsaustritt aus der Brustwarze), Entzündungszeichen oder ein suspekter Bildgebungsbefund indikationsgerecht abgeklärt werden [1, LL1, LL2].
- Bei leichter bis mäßiger Mastalgie stehen Aufklärung, Beruhigung nach unauffälliger Diagnostik, ein gut angepasster stützender Büstenhalter und gegebenenfalls ein Schmerz- und Zyklustagebuch über mindestens zwei Zyklen im Vordergrund [1, 2].
- Bei anhaltenden oder alltagsrelevanten Beschwerden ist ein topisches nichtsteroidales Antirheumatikum (NSAR) die bevorzugte medikamentöse Erstoption [1-4]. Die topische Anwendung von Diclofenac bei Mastodynie erfolgt in Deutschland als Off-Label-Use, da Mastodynie nicht zu den zugelassenen Anwendungsgebieten entsprechender Diclofenac-Gele gehört [6].
- Bei zyklischer Mastodynie kann nach unzureichendem Ansprechen auf Basismaßnahmen ein zeitlich begrenzter Therapieversuch mit einem standardisierten Vitex-agnus-castus-Extrakt erwogen werden. Aufgrund unterschiedlicher Extrakte, heterogener Studien und methodischer Limitationen ist Vitex agnus-castus nicht als generell wirksame Therapie aller Formen der Mastodynie anzusehen [7].
- Bei schwerer, persistierender zyklischer Mastalgie kann nach Versagen konservativer und topischer Maßnahmen eine zeitlich begrenzte Behandlung mit niedrig dosiertem Tamoxifen erwogen werden. Die Anwendung bei Mastalgie ist Off-Label-Use und soll senologisch beziehungsweise gynäkologisch spezialisiert erfolgen [2, 3, 5].
Ursachenbezogene Therapie
- Hormon- oder medikamentenassoziierte Mastalgie
- Bei engem zeitlichem Zusammenhang mit Beginn oder Dosisänderung einer kombinierten hormonalen Kontrazeption (Empfängnisverhütung) oder menopausalen Hormontherapie individuelle Nutzen-Risiko-Prüfung; gegebenenfalls Dosisreduktion, Präparatewechsel oder Auslassversuch.
- Eine hormonale Kontrazeption oder Gestagentherapie soll nicht allein zur Behandlung der Mastalgie neu begonnen werden.
- Schmerzhafte einfache Zyste
- Bei gespannter, deutlich symptomatischer und sonographisch einfacher Zyste kann eine ultraschallgestützte Feinnadelaspiration zur Entlastung erfolgen [LL2].
- Blutiges Aspirat, verbleibender Tastbefund, rasche Rezidivbildung oder komplexe Zystenmerkmale erfordern eine weiterführende senologische Abklärung.
- Hyperprolaktinämie
- Eine Behandlung mit Dopaminagonisten erfolgt nur bei gesicherter pathologischer Hyperprolaktinämie nach Ursachenabklärung; eine empirische Gabe bei Mastopathie oder Mastalgie ist nicht indiziert.
- Entzündliche oder extramammäre Ursache
- Mastitis (Brustentzündung), Abszess (abgekapselte Eiteransammlung), Mondor-Krankheit (oberflächliche Venenentzündung der Brustwand) sowie muskuloskelettale (Muskeln und Skelett betreffende), kardiale (das Herz betreffende), pulmonale (die Lunge betreffende) oder gastroösophageale (Magen und Speiseröhre betreffende) Ursachen werden krankheitsspezifisch behandelt; sie sind keine Mastopathie-Therapie [1, 2].
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Diclofenac-Gel | Bevorzugte medikamentöse Erstoption bei zyklischer und nichtzyklischer Mastalgie; Anwendung bei Mastodynie in Deutschland als Off-Label-Use [1, 2, 4, 6] |
- Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen (Enzyme der Entzündungsreaktion) und Verminderung der lokalen Prostaglandinsynthese (Bildung schmerz- und entzündungsvermittelnder Botenstoffe) mit analgetischer (schmerzlindernder) und antiphlogistischer (entzündungshemmender) Wirkung.
- Indikationen: Zyklische Mastalgie
- Nichtzyklische Mastalgie nach Ausschluss einer spezifisch behandlungsbedürftigen Ursache
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Diclofenac oder andere nichtsteroidale Antirheumatika
- Anwendung auf verletzter oder entzündlich veränderter Haut
- Weitere präparatespezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation
- Dosierung: Topische Anwendung entsprechend der Fachinformation des verwendeten Diclofenac-Präparats.
- Hinweise: Bei lokalisierter Mastalgie ist die topische gegenüber einer längerfristigen systemischen Therapie zu bevorzugen.
- Eine randomisierte, verblindete, placebokontrollierte Studie mit 108 Frauen zeigte unter topischen NSAR eine signifikante Schmerzreduktion sowohl bei zyklischer als auch bei nichtzyklischer Mastodynie [4].
- Die Anwendung von Diclofenac-Gel bei Mastodynie ist in Deutschland Off-Label-Use [6].
- Während der Stillzeit darf Diclofenac-Gel nicht auf die Brust aufgetragen werden.
- Die systemische Exposition (Aufnahme des Wirkstoffs in den gesamten Körper) ist bei topischer Anwendung geringer als bei oraler Anwendung; bei großflächiger oder längerfristiger Behandlung sind systemische Nebenwirkungen jedoch nicht vollständig auszuschließen.
- Persistierende oder progrediente Beschwerden erfordern eine erneute diagnostische Beurteilung.
- Nebenwirkungen: Lokale Hautreaktionen, Erythem (Hautrötung), Pruritus (Juckreiz) und Kontaktdermatitis (entzündliche Hautreaktion nach Kontakt)
- Systemische Nebenwirkungen sind bei sachgerechter topischer Anwendung wesentlich seltener als nach oraler Gabe.
Phytotherapeutika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Standardisierter Vitex-agnus-castus-Extrakt | Option ausschließlich bei zyklischer Mastodynie; Extrakte, Drogen-Extrakt-Verhältnisse (Verhältnisse von Pflanzenrohstoff zu Extrakt) und Dosierungen sind nicht ohne Weiteres übertragbar [7] |
- Wirkweise: Nicht abschließend geklärt; dopaminerge Effekte (Wirkungen auf den Botenstoff Dopamin) mit Modulation der Prolaktinsekretion (Ausschüttung des Hormons Prolaktin) werden als möglicher Mechanismus diskutiert.
- Indikationen: Zeitlich begrenzter Therapieversuch bei klinisch relevanter zyklischer Mastodynie nach Ausschluss einer spezifisch behandlungsbedürftigen Ursache
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Bestandteile des Präparats
- Weitere Gegenanzeigen gemäß Fachinformation des gewählten Fertigarzneimittels
- Dosierung: Ausschließlich entsprechend dem standardisierten Extrakt und der Fachinformation des gewählten Präparats; nach 3 Zyklen Wirksamkeit und Verträglichkeit beurteilen.
- Hinweise: Keine pauschale Empfehlung für nichtzyklische Mastodynie oder Mastopathie ohne Beschwerden
- Wegen heterogener Extrakte und methodischer Limitationen der Studien sind die Ergebnisse nicht auf alle Vitex-Zubereitungen übertragbar [7].
- Bei Hypophysenerkrankung (Erkrankung der Hirnanhangdrüse) sowie gleichzeitiger Behandlung mit Dopaminagonisten, Dopaminantagonisten, Östrogenen oder Antiöstrogenen ist eine ärztliche Nutzen-Risiko-Prüfung erforderlich.
- Nebenwirkungen: Unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Hautreaktionen und Menstruationsstörungen (Störungen der Monatsblutung); präparatebezogene Fachinformation beachten.
Selektive Östrogenrezeptormodulatoren (SERM)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Tamoxifen | Reserve bei schwerer therapierefraktärer zyklischer Mastalgie; Off-Label-Use; fachärztliche Indikationsstellung [2, 3, 5] |
- Wirkweise: Selektive Modulation der Östrogenrezeptoren (Bindungsstellen für das Hormon Östrogen) mit antiöstrogener Wirkung (hemmender Wirkung auf Östrogen) im Brustgewebe
- Indikationen: Schwere, persistierende zyklische Mastalgie mit relevanter Beeinträchtigung der Lebensqualität nach Versagen konservativer Maßnahmen und topischer nichtsteroidaler Antirheumatika
- Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
- Bei vorausgegangener venöser Thromboembolie (durch ein Blutgerinnsel verursachter Gefäßverschluss; VTE), ausgeprägtem Thromboembolierisiko oder ungeklärter vaginaler Blutung ist Tamoxifen in dieser benignen Indikation im Regelfall nicht vertretbar.
- Dosierung: 10 mg einmal täglich für 3 Monate; keine unkritische Dauertherapie. Nach 3 Monaten Wirksamkeit und unerwünschte Wirkungen beurteilen.
- Hinweise: Vor Therapiebeginn Schwangerschaft ausschließen und individuelle Thromboembolierisiken prüfen.
- Während der Behandlung und für 9 Monate danach ist eine zuverlässige nicht hormonale Kontrazeption erforderlich.
- Starke Inhibitoren von Cytochrom P450 2D6 (CYP2D6), insbesondere Paroxetin, Fluoxetin und Bupropion, nach Möglichkeit vermeiden.
- Nebenwirkungen: Hitzewallungen, Übelkeit, vaginale Sekretion oder Blutung, Zyklusstörungen und Beinkrämpfe
- Selten venöse Thromboembolien, Endometriumveränderungen (Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut), Sehstörungen und Leberfunktionsstörungen
Nicht empfohlene beziehungsweise nachrangige Routinetherapien
- Danazol kann Mastalgie reduzieren, weist jedoch häufig androgenbedingte und metabolische Nebenwirkungen auf; in Deutschland steht seit 2005 kein danazolhaltiges Fertigarzneimittel regulär zur Verfügung. Eine routinemäßige Anwendung ist nicht zu empfehlen [1-3].
- Bromocriptin wird wegen häufiger unerwünschter Wirkungen und ungünstigerem Nutzen-Risiko-Verhältnis nicht empirisch zur Behandlung der Mastalgie empfohlen [1-3].
- Progesteron und andere Gestagene: Für eine früher routinemäßige Behandlung der Mastodynie besteht keine ausreichend konsistente Wirksamkeitsevidenz. Progesteron und andere Gestagene sind daher keine evidenzbasierte Standardtherapie [1-3].
- Weitere nicht regelhaft indizierte Therapien: Für Diuretika sowie eine empirische Antibiotikatherapie ohne klinischen oder mikrobiologischen Infektionsnachweis besteht keine ausreichende Grundlage für eine routinemäßige Anwendung [1-3].
Interventionelle und operative Therapie
- Eine Feinnadelaspiration ist bei einer schmerzhaften gesicherten einfachen Zyste eine symptomatische Entlastungsmaßnahme [LL2].
- Brustschmerz oder fibrozystische Mastopathie allein sind keine Operationsindikation [1, 2].
- Biopsie, Vakuumbiopsie oder Exzision richten sich ausschließlich nach einem suspekten, atypischen oder klinisch-radiologisch-pathologisch diskordanten Befund und nicht nach der Schmerzintensität [LL1, LL2].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die weibliche Vitalität sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Soja-Isoflavone (Daidzein, Genistein, Glycitein))
- Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10))
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- CYP2D6 – Cytochrom P450 2D6
- NSAR – nichtsteroidale Antirheumatika
- SERM – selektiver Östrogenrezeptormodulator
- VTE – venöse Thromboembolie
Literatur
- Li P, Simpson A, Dietz J: Work-up and management of breast pain. Ann Breast Surg 2021;5:27. doi: 10.21037/abs-20-102
- Cornell LF, Sandhu NP, Pruthi S et al.: Current Management and Treatment Options for Breast Pain. Mayo Clin Proc 2020;95(3):574-580. doi: 10.1016/j.mayocp.2019.12.014
- Srivastava A, Mansel RE, Arvind N et al.: Evidence-based management of mastalgia: a meta-analysis of randomised trials. Breast 2007;16(5):503-512. doi: 10.1016/j.breast.2007.03.003
- Colak T, Ipek T, Kanik A et al.: Efficacy of topical nonsteroidal antiinflammatory drugs in mastalgia treatment. J Am Coll Surg 2003;196(4):525-530. doi: 10.1016/S1072-7515(02)01893-8
- Fentiman IS, Caleffi M, Hamed H et al.: Dosage and duration of tamoxifen treatment for mastalgia: a controlled trial. Br J Surg 1988;75(9):845-846. doi: 10.1002/bjs.1800750905
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Arzneimittelinformationssystem PharmNet.Bund. Aktuelle deutsche Fachinformationen Diclofenac-haltiger Gele zur topischen Anwendung; abgerufen am 10.09.2026. PharmNet.Bund
- Carmichael AR: Can Vitex Agnus Castus be Used for the Treatment of Mastalgia? What is the Current Evidence? Evid Based Complement Alternat Med 2008;5(3):247-250. doi: 10.1093/ecam/nem074
Leitlinien
- Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Deutschen Krebsgesellschaft und Deutschen Krebshilfe: S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Version 5.1, Stand 19.12.2025, gültig bis 18.12.2030. AWMF-Registernummer 032-045OL; Langfassung 5.1 und Kurzfassung 5.1 [LL1]
- American College of Obstetricians and Gynecologists: Practice Bulletin No. 164: Diagnosis and Management of Benign Breast Disorders. Obstet Gynecol 2016;127(6):e141-e156; Korrigendum 2021. Langfassung. doi: 10.1097/AOG.0000000000001482 [LL2]
Produktinformationen
- Diclofenac, topisch: Dosierung, Gegenanzeigen und zugelassene Anwendungsgebiete richten sich nach der aktuellen Fachinformation des gewählten Präparats; die Anwendung bei Mastalgie ist off-label. Arzneimittelinformationssystem PharmNet.Bund
- Vitex agnus-castus: Es soll ausschließlich ein standardisiertes Fertigarzneimittel entsprechend dessen aktueller Fachinformation angewendet werden; Extraktmenge, Drogen-Extrakt-Verhältnis, zugelassene Anwendungsgebiete und Dosierung sind präparatebezogen. Arzneimittelinformationssystem PharmNet.Bund
- Tamoxifen: Vor Verordnung ist die aktuelle Fachinformation des gewählten Präparats zu beachten; die Anwendung bei Mastalgie ist off-label. Arzneimittelinformationssystem PharmNet.Bund