Mastopathie – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Mastopathie (gutartige Veränderung der Brustdrüse) mitbedingt sein können:

Die Mastopathie ist ein klinisch und histologisch (feingeweblich) heterogener Sammelbegriff für benigne Veränderungen (gutartige Veränderungen) der Mamma (Brustdrüse). Für klinisch relevante Folgeerkrankungen beziehungsweise Risikoassoziationen ist entscheidend, ob ein nichtproliferativer Befund (Befund ohne Zellvermehrung), eine proliferative Erkrankung (Erkrankung mit Zellvermehrung) ohne Atypien (Zellveränderungen) oder eine atypische Hyperplasie (ungewöhnliche Zellvermehrung) vorliegt. Nichtproliferative fibrozystische Veränderungen (bindegewebig-zystische Veränderungen), einfache Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) und eine Mastopathie ohne Epithelatypien (Veränderungen der Deckgewebszellen) werden nicht als gesicherte eigenständige Ursache eines Mammakarzinoms (Brustkrebs) gewertet. Klinisch relevant ist vor allem die Risikoassoziation bei proliferativen Läsionen (Gewebeveränderungen), insbesondere bei atypischer Hyperplasie beziehungsweise Mastopathie Grad III nach Prechtel [1-5, LL1].

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Duktales Carcinoma in situ (auf die Milchgänge begrenzte Brustkrebsvorstufe; DCIS) – bei histologisch gesicherter benigner Brusterkrankung (gutartiger Brusterkrankung) ist nicht nur das Risiko für invasive Karzinome (in umliegendes Gewebe einwachsende Krebserkrankungen), sondern auch das Risiko für ein später diagnostiziertes DCIS erhöht. In einer zeitgenössischen Kohorte (untersuchte Personengruppe) der perkutanen Biopsieära (Zeitalter der Gewebeentnahme durch die Haut) war das standardisierte Inzidenzverhältnis (standardisiertes Verhältnis der Neuerkrankungsrate) für DCIS höher als für invasive Mammakarzinome; dieser Befund ist besonders bei proliferativen Läsionen und atypischer Hyperplasie klinisch relevant [3].
  • Mammakarzinom, invasiv – eine klinisch relevante Risikoerhöhung besteht vor allem bei proliferativer Mastopathie und Mastopathie mit Atypien. Das Risiko steigt stufenweise mit dem histologischen Schweregrad: gering bis moderat bei nichtproliferativen Befunden, intermediär bei proliferativer Erkrankung ohne Atypien und deutlich erhöht bei atypischer Hyperplasie beziehungsweise Mastopathie Grad III nach Prechtel. In der perkutanen Biopsieära lagen die standardisierten Inzidenzverhältnisse bei 1,42 für nichtproliferative Befunde, 2,19 für proliferative Erkrankung ohne Atypien und 3,91 für atypische Hyperplasie; die 10-Jahres-Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen innerhalb von zehn Jahren) betrug 4,3 %, 6,6 % beziehungsweise 14,6 % [1-4].

Prognosefaktoren

  • Atypische Hyperplasie beziehungsweise Mastopathie Grad III nach Prechtel – stärkster histologischer Risikofaktor (Merkmal mit Einfluss auf das Erkrankungsrisiko) innerhalb des Mastopathie-Spektrums; aktuelle Kohortendaten (Daten aus untersuchten Personengruppen) zeigen für atypische Hyperplasie ein etwa vierfach erhöhtes Risiko und ein 10-Jahres-Risiko für Mammakarzinom von 14,6 % [3, 4].
  • Familiäre Belastung – eine positive Familienanamnese (Krankheitsvorgeschichte in der Familie) für Mammakarzinom erhöht das Gesamtrisiko zusätzlich und sollte bei der individuellen Risikobewertung von Frauen mit proliferativer Mastopathie oder atypischer Hyperplasie berücksichtigt werden [2, 5].
  • Histologische Progression (feingewebliches Fortschreiten) in seriellen Biopsien (wiederholten Gewebeentnahmen) – das Mammakarzinomrisiko steigt, wenn sich ein initial nichtproliferativer Befund in einer Folgebiopsie (erneuten Gewebeentnahme) zu einer proliferativen Erkrankung ohne Atypien oder zu einer atypischen Hyperplasie entwickelt. In der vorhandenen Literaturstelle war eine Progression von nichtproliferativen zu proliferativen Befunden mit einem um 77 % erhöhten Mammakarzinomrisiko im Vergleich zu einem stabil nichtproliferativen Befund verbunden [6].
  • Läsionsmultiplikität (mehrfaches Auftreten von Gewebeveränderungen) – mehrere Herde (abgrenzbare Gewebebereiche) benigner proliferativer oder atypischer Läsionen erhöhen das Risiko zusätzlich. In einer zeitgenössischen Kohorte nahm das standardisierte Inzidenzverhältnis bei drei oder mehr Herden auf 2,40 für nichtproliferative Befunde, 3,72 für proliferative Erkrankung ohne Atypien und 5,29 für atypische Hyperplasie zu [3].
  • Mammographische Dichte (Dichte des Brustdrüsengewebes in der Röntgenuntersuchung der Brust) – hohe mammographische Dichte ist bei Frauen mit benigner Brusterkrankung ein zusätzlicher Risikofaktor und kann die Risikostratifizierung (Einteilung nach Erkrankungsrisiko) nach Biopsiebefund (Ergebnis der Gewebeentnahme) klinisch verfeinern [5, 7].
  • Proliferative Erkrankung ohne Atypien – intermediäre Risikogruppe (mittlere Risikogruppe) zwischen nichtproliferativer Mastopathie und atypischer Hyperplasie; die Risikoerhöhung ist konsistent, aber deutlich geringer als bei atypischer Hyperplasie [1-4].

Literatur

  1. Dyrstad SW, Yan Y, Fowler AM et al.: Breast cancer risk associated with benign breast disease: systematic review and meta-analysis. Breast Cancer Res Treat. 2015;149(3):569-575. doi: 10.1007/s10549-014-3254-6
  2. Hartmann LC, Sellers TA, Frost MH et al.: Benign Breast Disease and the Risk of Breast Cancer. N Engl J Med. 2005;353(3):229-237. doi: 10.1056/NEJMoa044383
  3. Sherman ME, Vierkant RA, Winham SJ et al.: Benign Breast Disease and Breast Cancer Risk in the Percutaneous Biopsy Era. JAMA Surg. 2024;159(2):193-201. doi: 10.1001/jamasurg.2023.6382
  4. Degnim AC, Ghosh K, Vierkant RA et al.: Changes in breast cancer risk associated with benign breast disease from 1967 to 2013. JNCI Cancer Spectr. 2025;9(1):pkae128. doi: 10.1093/jncics/pkae128
  5. Burke A, O’Driscoll J, Abubakar M et al.: A systematic review of determinants of breast cancer risk among women with benign breast disease. npj Breast Cancer. 2025;11:16. doi: 10.1038/s41523-024-00703-w
  6. Visscher DW, Frank RD, Carter JM et al.: Breast Cancer Risk and Progressive Histology in Serial Benign Biopsies. J Natl Cancer Inst. 2017;109(10):djx035. doi: 10.1093/jnci/djx035
  7. Tice JA, O’Meara ES, Weaver DL et al.: Benign Breast Disease, Mammographic Breast Density, and the Risk of Breast Cancer. J Natl Cancer Inst. 2013;105(14):1043-1049. doi: 10.1093/jnci/djt124

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (AWMF-Register-Nr. 032-045OL) Version 5.1, Juni 2026 Langfassung.