Hirsutismus – Klassifikation

Zur klinischen Objektivierung des Hirsutismus stehen zwei etablierte und weiterhin leitlinienempfohlene Klassifikationssysteme zur Verfügung:

  • Beurteilung nach Baron [1]
  • modifizierter Ferriman-Gallwey-Score (mFG) [2]

Beide Systeme dienen der standardisierten Erfassung des klinischen Schweregrades und sind Grundlage für Diagnostik, Verlaufsbeurteilung und Therapieentscheidung.

Beurteilung nach Baron

Grad Beschreibung
Grad I (leicht) Haarstraße vom Genitalbereich zum Nabel; Behaarung der Oberlippe und perimamillär ("um die Brustwarze herum")
Grad II (mittelgradig) wie Grad I, zusätzlich Behaarung am Kinn und an der Oberschenkelinnenseite
Grad III (stark) wie Grad II, zusätzlich Behaarung im Prästernalbereich, am Rücken, Gesäß und an den Schultern

Einordnung: Die Baron-Klassifikation erlaubt eine grobe klinische Graduierung, wird heute jedoch überwiegend durch den mFG-Score ergänzt oder ersetzt, da dieser eine differenziertere Quantifizierung ermöglicht.

Modifizierter Ferriman-Gallwey-Score (mFG)

Bewertete Körperregionen und Punktvergabe

Lokalisation 1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte 4 Punkte
Oberlippe wenig Haare außen kleiner Bart außen fast bis zur Mittellinie bis zur Mittellinie
Kinn vereinzelte Haare Haaransammlung komplette Haardecke dichte, komplette Haardecke
Brust einzelne periareolär Haare in der Mittellinie ca. 3/4 bedeckt komplett bedeckt
Rücken einzelne Haare mehrere Haare komplette Haardecke dichte, komplette Haardecke
Lenden sakrales Haarpolster laterale Ausdehnung ca. 3/4 bedeckt komplette Haardecke
Oberbauch wenige Haare in der Mittellinie mehr als 1, noch Mittellinie halbe Haardecke komplette Haardecke
Unterbauch einige Haare in der Mittellinie Haarstrich Haarband umgekehrtes V
Oberarm diskrete Behaarung vermehrt, nicht geschlossen halbe Haardecke komplette Haardecke
Oberschenkel diskrete Behaarung vermehrt, nicht geschlossen halbe Haardecke komplette Haardecke

Bewertung:

  • Areale ohne terminale Behaarung: 0 Punkte
  • Maximale Gesamtpunktzahl: 36 Punkte

Interpretation des mFG-Scores

  • Hirsutismus liegt vor bei einer Gesamtpunktzahl > 8
  • Der Grenzwert > 8 gilt primär für Frauen europäischer Herkunft
  • Ethnische Unterschiede sind zu berücksichtigen:
    • ostasiatische Populationen: häufig niedrigere Grenzwerte (≥ 5-6)
    • mediterrane, südasiatische und nahöstliche Populationen: physiologisch höhere Werte möglich

Der mFG-Score quantifiziert den klinischen Phänotyp, korreliert jedoch nur eingeschränkt mit biochemischen Androgenspiegeln. Für die klinische Einordnung sind daher stets klinischer Befund, subjektive Belastung und Ätiologie gemeinsam zu bewerten.

Leitlinienbewertung

  • Der modifizierte Ferriman-Gallwey-Score wird in aktuellen internationalen Leitlinien als Standardinstrument zur Erfassung des Hirsutismus empfohlen.
  • Die Baron-Klassifikation besitzt weiterhin historischen und orientierenden Wert, wird jedoch nicht mehr als alleiniges Bewertungsinstrument empfohlen.
  • Die Klassifikation dient nicht nur der Diagnosestellung, sondern auch der Therapiekontrolle und Verlaufsbeurteilung.

Literatur

  1. Baron J.: Diagnosis and therapy of hirsutism, Zentralbl Gynäkol 1974, 96(5):129-42
  2. Ferriman D, Gallwey JD: Clinical assessment of body hair growth in women. Journal of Clinical Endocrinology 1961; 21:1440-1447.
  3. Martin KA, Anderson RR, Chang RJ et al.: Evaluation and Treatment of Hirsutism in Premenopausal Women: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2018;103(4):1233-1257.
    https://doi.org/10.1210/jc.2018-00241
  4. Teede HJ, Misso ML, Costello MF et al.: Recommendations from the international evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome. Hum Reprod. 2018;33(9):1602-1618.
    https://doi.org/10.1093/humrep/dey256