Iridozyklitis – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Iridozyklitis (Entzündung von Regenbogenhaut und Ziliarkörper) mitbedingt sein können:

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Bandkeratopathie (bandförmige Hornhautverkalkung) (Hornhautbanddegeneration) – insbesondere bei chronisch verlaufender anteriorer Uveitis (Entzündung des vorderen Augenabschnitts); bei der JIA-assoziierten Uveitis (Augenentzündung bei juveniler idiopathischer Arthritis, einer kindlichen rheumatischen Erkrankung) zählt sie zu den charakteristischen Langzeitkomplikationen [2, 3, LL1].
  • Bleibende Visusminderung (Verschlechterung der Sehschärfe) bis zur Erblindung – insbesondere infolge von Katarakt (Grauer Star), uveitischem Makulaödem (Flüssigkeitseinlagerung an der Netzhautmitte infolge einer Augenentzündung), Sekundärglaukom (Grüner Star als Folge einer anderen Augenerkrankung) oder schwerer chronischer struktureller Schädigung des Auges [1-3, 6].
  • Okuläre Hypertension (erhöhter Augeninnendruck) und uveitisches Sekundärglaukom – durch entzündliche Veränderungen des Trabekelwerks, periphere anteriore Synechien (Verwachsungen der Regenbogenhaut im Kammerwinkel), Pupillarblock (Blockierung des Kammerwasserabflusses an der Pupille) sowie durch eine steroidinduzierte Augendrucksteigerung; sowohl Offenwinkel- als auch Winkelverschlussmechanismen sind möglich [1-3, 6, LL1, LL2].
  • Okuläre Hypotonie (zu niedriger Augeninnendruck) – seltene schwere Komplikation einer ausgeprägten chronischen intraokularen Entzündung mit Funktionsverlust des Ziliarkörpers; bei persistierender schwerer Hypotonie kann im Endstadium eine Phthisis bulbi (Schrumpfung und Funktionsverlust des Augapfels) entstehen [3, 7].
  • Periphere anteriore Synechien – entzündlich bedingte Verwachsungen der Iris im Kammerwinkel; bei ausgeprägter Synechierung kann ein sekundärer Winkelverschluss (Verschluss des Kammerwinkels mit Behinderung des Kammerwasserabflusses) entstehen [6].
  • Posteriore Synechien (Verwachsungen zwischen Regenbogenhaut und Linse) – Verwachsungen zwischen Iris und Linsenvorderfläche; bei zirkulärer Ausbildung können Seclusio pupillae (vollständige Verklebung des Pupillenrandes), Pupillarblock, Iris bombé (Vorwölbung der Regenbogenhaut) und sekundärer Winkelverschluss entstehen [2-4, 6, LL2].
  • Sekundäre Katarakt (Cataracta complicata (komplizierter Grauer Star)) – infolge der chronischen intraokularen Entzündung und zusätzlich begünstigt durch eine längerfristige Glukokortikoidtherapie; ein chronischer Verlauf, ausgeprägte Entzündungsaktivität und posteriore Synechien erhöhen das Risiko [1-4, LL1, LL2].
  • Uveitisches zystoides Makulaödem (zystenförmige Flüssigkeitseinlagerung an der Netzhautmitte infolge einer Augenentzündung) – wichtige visusbedrohende Komplikation der Uveitis, die auch bei anteriorer Uveitis auftreten kann [1-3, LL1].

Prognosefaktoren

  • Chronischer oder häufig rezidivierender Verlauf – mit zunehmender kumulativer Entzündungsbelastung steigt das Risiko struktureller okulärer Komplikationen [2-4].
  • Hohe entzündliche Aktivität in der Vorderkammer – erhöht insbesondere das Risiko einer Kataraktentwicklung und weiterer entzündungsbedingter Folgeschäden [4].
  • Kurzes Intervall bis zum ersten Rezidiv (erneutes Auftreten der Erkrankung) – ist bei akuter anteriorer Uveitis mit einem erhöhten Risiko einer späteren relevanten Visusminderung assoziiert [5].
  • HLA-B27-assoziierte Uveitis bzw. begleitende entzündlich-rheumatische Erkrankung und virale anteriore Uveitis – sind mit einem erhöhten Rezidivrisiko verbunden [5].
  • JIA-assoziierte chronische anteriore Uveitis – weist langfristig eine besonders hohe kumulative Belastung durch Katarakt, Glaukom, posteriore Synechien, Bandkeratopathie und Makulaödem auf [3].
  • Posteriore Synechien, Bandkeratopathie und deutlich erhöhter Augeninnendruck – sind bei anteriorer Uveitis mit einem erhöhten Risiko einer Kataraktentwicklung assoziiert [4].
  • Steroidresponse und längerfristige intensive Glukokortikoidtherapie – ein Steroidresponse ist mit einem erhöhten Komplikationsrisiko assoziiert; eine längerfristige Anwendung potenter topischer Glukokortikoide erhöht insbesondere das Risiko einer okulären Hypertension und Katarakt [2, LL1].

Literatur

  1. Maghsoudlou P, Epps SJ, Guly CM, Dick AD: Uveitis in Adults: A Review. JAMA. 2025;334(5):419-434. doi:10.1001/jama.2025.4358.
  2. Leino A, Siiskonen M, Ohtonen P, Hautala NM: Impact of complications in adult anterior uveitis in a Finnish single-centre registry study. BMJ Open Ophthalmol. 2025;10(1):e002210. doi:10.1136/bmjophth-2025-002210.
  3. Scagnellato L, Cozzi G, Lorenzin M et al.: Long-term outcomes of JIA-associated uveitis: a systematic review and meta-analysis. RMD Open. 2025;11(4):e006071. doi:10.1136/rmdopen-2025-006071.
  4. Papaliodis GN, Rosner BA, Dreger K et al.: Incidence of and Risk Factors for Cataract in Anterior Uveitis. Am J Ophthalmol. 2023;254:221-232. doi:10.1016/j.ajo.2023.06.021.
  5. Brodie JT, Thotathil AZ, Jordan CA et al.: Risk of Recurrence in Acute Anterior Uveitis. Ophthalmology. 2024;131(11):1281-1289. doi:10.1016/j.ophtha.2024.06.003.
  6. Halkiadakis I, Konstantopoulou K, Tzimis V et al.: Update on Diagnosis and Treatment of Uveitic Glaucoma. J Clin Med. 2024;13(5):1185. doi:10.3390/jcm13051185.
  7. Tripathy K, Chawla R, Temkar S et al.: Phthisis Bulbi-a Clinicopathological Perspective. Semin Ophthalmol. 2018;33(6):788-803. doi:10.1080/08820538.2018.1477966.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S1-Leitlinie Nicht-infektiöse anteriore Uveitis. (AWMF-Registernummer 045-022) Dezember 2023 Langfassung. [LL1]
  2. S1-Leitlinie Virale anteriore Uveitis. (AWMF-Registernummer 045-027) August 2022 Langfassung. [LL2]