Hormonbauch in den Wechseljahren: Warum sich die Körpermitte verändert und welche Anti-Aging-Maßnahmen wirklich helfen

Mehr Bauch, obwohl die Waage kaum eine Veränderung zeigt: In den Wechseljahren kann sich die Körpermitte verändern, ohne dass das Körpergewicht entsprechend zunimmt. Unter dem Begriff „Hormonbauch“ wird eine Entwicklung zusammengefasst, die viele Frauen beschäftigt und wissenschaftlich gut dokumentiert ist: Fettmasse, fettfreie Masse und die Verteilung der Fettdepots können sich während der menopausalen Transition unterschiedlich verändern. Dabei geht es auch um die metabolische Gesundheit, denn insbesondere vermehrtes viszerales Fett ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden [1, 2, 10].

Welche Rolle spielen Östrogen, das follikelstimulierende Hormon (FSH), Schlaf und Muskelmasse? Lässt sich der Entwicklung vorbeugen, und wann sind Hormone sinnvoll? Der wissenschaftliche Blick auf den „Hormonbauch“ zeigt, welche Zusammenhänge beim Menschen nachgewiesen sind und welche bislang experimentelle Hypothesen bleiben. Für spezielle Anti-Aging-Maßnahmen stehen dabei konkrete Ziele im Vordergrund: abdominale Fettzunahme begrenzen, Muskelkraft erhalten und die kardiometabolische Gesundheit verbessern.

Begriff und wissenschaftliche Einordnung

„Hormonbauch“ ist kein definierter medizinischer Fachbegriff und keine eigenständige Diagnose. Im Zusammenhang mit den Wechseljahren bezeichnet er meist eine Zunahme abdominaler Fettdepots. Das zugrunde liegende Phänomen ist wissenschaftlich belegt: Die menopausale Transition ist mit Veränderungen der Körperzusammensetzung und einer Verschiebung zu einer stärker zentralen Fettverteilung verbunden. Diese Entwicklung lässt sich jedoch weder allein durch einen einzelnen Hormonwert erklären noch bei jeder Frau gleichermaßen vorhersagen [1, 2].

Medizinisch sind drei Größen zu unterscheiden: das Körpergewicht, die Anteile von Fett- und fettfreier Masse sowie die regionale Fettverteilung. Ein unverändertes Gewicht schließt eine Zunahme abdominaler Fettdepots nicht aus. Umgekehrt beweist ein größerer Bauchumfang weder eine hormonelle Erkrankung noch eine ausgeprägte viszerale Fettvermehrung. Die Bezeichnung „menopausal mitbedingte zentrale Fettakkumulation“ ist deshalb wissenschaftlich präziser als „Hormonbauch“ [1, 2, LL4].

Welche Veränderungen sind beim Menschen nachgewiesen?

Eine longitudinale Auswertung der Study of Women’s Health Across the Nation (SWAN) mit 1.246 Frauen zeigte, dass sich die Zunahme der Fettmasse ungefähr zwei Jahre vor der letzten Menstruation beschleunigte und die fettfreie Weichteilmasse gleichzeitig abnahm. Die durchschnittliche Fettmassenzunahme betrug vor diesem Übergangsintervall etwa 0,25 kg jährlich und währenddessen etwa 0,45 kg jährlich. Die Gewichtszunahme beschleunigte sich dagegen nicht signifikant [1].

Eine weitere SWAN-Auswertung mit 380 Frauen und einer medianen Nachbeobachtung von 11,8 Jahren untersuchte die regionale Fettverteilung. Im Modell für die weiße Referenzgruppe nahm das mittels Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) geschätzte viszerale Fett während der menopausalen Transition um etwa 6,24 % jährlich zu; nach diesem Übergang verlangsamte sich die Zunahme auf etwa 1,47 % jährlich. Die Verläufe unterschieden sich teilweise zwischen ethnischen Gruppen [2].

Diese Werte beschreiben Gruppenmittel und Modellschätzungen. Sie sind keine individuelle Prognose und kein Beleg für eine unvermeidbare Bauchfettzunahme. Die Befunde stützen aber, dass die reproduktive Alterung einen Beitrag zur Körperzusammensetzung leistet, der bei alleiniger Betrachtung des Körpergewichts übersehen werden kann. Dabei entspricht die mittels DXA erfasste fettfreie Weichteilmasse nicht ausschließlich der Skelettmuskelmasse [1, 2].

Östrogen: biologisch plausibler und durch Humanexperimente gestützter Einfluss

Die abnehmende ovarielle Estradiolproduktion ist ein wesentlicher hormoneller Faktor. Östrogensignale beeinflussen die Regulation des Energieverbrauchs und die Verteilung von Fettdepots. In der Perimenopause verläuft die Estradiolkonzentration allerdings nicht kontinuierlich abwärts: Ausgeprägte Schwankungen und zeitweise hohe Konzentrationen können dem dauerhaft niedrigen postmenopausalen Niveau vorausgehen [3, 4, LL1].

Über die Beobachtungsdaten hinaus liefern kontrollierte Humanexperimente Hinweise auf einen kausalen Beitrag. Bei prämenopausalen Frauen führte die medikamentöse Unterdrückung der Ovarialfunktion ohne Estradiolersatz zu einer Zunahme abdominaler viszeraler Fettdepots; Estradiolgabe verhinderte diesen Effekt. Untersuchungen desselben experimentellen Ansatzes zeigten zudem einen Rückgang des Ruheenergieverbrauchs ohne Estradiolersatz [3, 4].

Die Übertragbarkeit ist begrenzt: Eine pharmakologisch induzierte, relativ abrupte Ovarialsuppression bei jüngeren Frauen bildet die natürliche menopausale Transition nur teilweise ab. Aus den Ergebnissen folgt daher weder, dass Östrogenmangel jede Gewichtszunahme erklärt, noch dass eine Hormontherapie zur Prävention abdominaler Fettdepots generell angezeigt wäre [3, 4, LL1, LL2].

Setzen Sie in den Wechseljahren auf Soja-Isoflavone als natürliche Phytoöstrogene – kombiniert mit ausgewählten Mikronährstoffen für den Energiestoffwechsel! (Anzeige)

Alter, Muskelmasse und Energiebilanz

Reproduktive Alterung und chronologisches Alter treten gemeinsam auf, sind aber nicht identisch. Veränderungen der Alltagsaktivität, des Trainings, der Körperzusammensetzung und der Ernährung beeinflussen die Energiebilanz zusätzlich. Gleiche Essgewohnheiten können deshalb bei verändertem Energiebedarf langfristig mit einer Fettzunahme einhergehen [1, 5].

Ein pauschaler „Stoffwechselabsturz ab 40“ ist nicht belegt. Eine große Untersuchung des Energieverbrauchs über die Lebensspanne fand nach Berücksichtigung der Körperzusammensetzung zwischen etwa 20 und 60 Jahren im Mittel einen relativ stabilen Gesamtenergieverbrauch. Diese populationsbezogene Beobachtung widerlegt individuelle Veränderungen nicht, spricht aber gegen eine zwangsläufige starke metabolische Absenkung allein aufgrund des mittleren Lebensalters [5].

Muskelgewebe wird nicht in Fettgewebe umgewandelt. Eine Abnahme von Muskelmasse und eine Zunahme der Fettmasse sind unterschiedliche Prozesse. Krafttraining ist vor allem wegen seiner Wirkungen auf Muskelkraft, Muskelmasse und Funktion relevant; sein Nutzen sollte nicht auf eine vermeintlich enorme Erhöhung des Ruheenergieverbrauchs reduziert werden [1, 12].

Androgene, Sexualhormon-bindendes Globulin und Insulinresistenz

Veränderungen der Sexualhormone und des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG) können mit zentraler Fettakkumulation zusammenhängen. SWAN-Daten zeigen Zusammenhänge zwischen bioverfügbarem Testosteron und viszeraler Adipositas. Daraus ergibt sich jedoch keine universelle postmenopausale „Testosteron-Dominanz“ als Krankheitsbild. Die Beziehungen sind komplex und können bidirektional sein: Die metabolische Situation beeinflusst ihrerseits SHBG und damit die errechnete bzw. gemessene Androgenverfügbarkeit [6].

Insulinresistenz ist ebenfalls nicht bei jeder Frau eine zwangsläufige Folge der Menopause. Sie wird durch Adipositas, ektopische Fettablagerung, Bewegungsmangel und weitere individuelle Faktoren mitbestimmt. Viszerale Fettvermehrung und ungünstige Stoffwechselveränderungen treten häufig gemeinsam auf. Einzelne Hormonmessungen oder ein vermeintlich pathologisches Östrogen-Testosteron-Verhältnis liefern hierfür keine ausreichende diagnostische Erklärung [6, 10, LL6].

FSH: experimentell interessant, klinisch noch nicht gesichert

Mit nachlassender Ovarialfunktion steigt das follikelstimulierende Hormon (FSH). In Mausmodellen führte eine FSH-Blockade zu geringerer Fettmasse und verstärkter Thermogenese. Diese Befunde begründen eine Hypothese über extragonadale FSH-Wirkungen, beweisen aber keinen entsprechend starken direkten Effekt bei menopausalen Frauen [7].

Eine 2025 veröffentlichte Arbeit zum humanisierten FSH-blockierenden Antikörper MS-Hu6 berichtete Ergebnisse aus Zell- und Tierexperimenten sowie Untersuchungen an nichtmenschlichen Primaten. „Humanisiert“ beschreibt die Antikörperkonstruktion; es bedeutet nicht, dass die Wirksamkeit beim Menschen nachgewiesen wurde. Die Arbeit lieferte präklinische Daten zur Vorbereitung erster Humanstudien [8].

Damit ist eine relevante direkte FSH-Wirkung auf die abdominale Fettakkumulation beim Menschen weiterhin eine Forschungsfrage. Aus diesen Arbeiten lässt sich keine etablierte FSH-gerichtete Prävention oder Behandlung ableiten. Insbesondere ist die Vorstellung eines beim Menschen bereits bewiesenen FSH-vermittelten „Fettabbaublocks“ nicht gerechtfertigt [7, 8].

Schlaf und Stress

Schlafmangel kann über Veränderungen von Energieaufnahme, Verhalten und metabolischer Regulation zur Fettzunahme beitragen. In einer kleinen randomisierten Crossover-Studie mit zwölf gesunden, überwiegend männlichen Erwachsenen führte eine zweiwöchige starke Schlafrestriktion bei frei verfügbarer Nahrung zu höherer Energieaufnahme und einer Zunahme des viszeralen Fetts um ungefähr 11 % [9].

Dieser Versuch unterstützt einen kausalen Einfluss ausgeprägten Schlafmangels unter den untersuchten Bedingungen. Er erlaubt keine quantitative Vorhersage für Frauen in den Wechseljahren. Hitzewallungen, Insomnie und gegebenenfalls obstruktive Schlafapnoe sollten dennoch als behandelbare Faktoren berücksichtigt werden [9, LL1].

Alltagsstress ist nicht mit einem pathologischen Hypercortisolismus gleichzusetzen. Aus abdominalem Fett oder subjektivem Stress lässt sich weder ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel noch ein Cushing-Syndrom diagnostizieren. Die endokrinologische Leitlinie empfiehlt eine Hypercortisolismusdiagnostik bei klinischem Verdacht, keine routinemäßige Untersuchung sämtlicher Frauen mit abdominaler Gewichtszunahme [LL6].

Setzen Sie auf gezielte Unterstützung für erholsame Nächte – für mehr Schlafqualität und Regeneration in den Wechseljahren! (Anzeige)

Weshalb die Fettverteilung gesundheitlich relevant ist

Abdominales subkutanes Fett liegt unter der Haut; viszerales Fett befindet sich innerhalb der Bauchhöhle. Beide Kompartimente sind zu unterscheiden. Der Taillenumfang liefert eine klinisch nützliche, aber indirekte Information über abdominale Adipositas. Eine genaue Quantifizierung und Trennung der Fettkompartimente erfordert geeignete bildgebende Verfahren; ein sichtbarer Bauch erlaubt diese Zuordnung nicht [LL4].

In einer prospektiven Framingham-Auswertung mit 3.086 Personen war mittels Computertomographie (CT) erfasstes viszerales Fett auch nach Berücksichtigung des Body-Mass-Index (BMI) und weiterer Risikofaktoren mit späteren kardiovaskulären Ereignissen assoziiert. Auch Zusammenhänge mit Krebserkrankungen wurden beobachtet. Solche Daten begründen eine risikoorientierte Beurteilung, aber keine pauschale Krankheitsprognose für jede Frau mit zunehmendem Bauchumfang [10].

Das klinische Ziel ist daher die Verbesserung der kardiometabolischen Gesundheit und der körperlichen Funktion. Maßgeblich sind neben der Fettverteilung Blutdruck, Glucosestoffwechsel, Lipide und Begleiterkrankungen. Ein flacher Bauch ist kein eigenständiger medizinischer Therapieendpunkt [LL3, LL4].

Kann eine Zunahme verhindert werden?

Prävention ist möglich, eine vollständige Verhinderung lässt sich jedoch nicht garantieren. Im randomisierten Women’s Healthy Lifestyle Project waren nach 4,5 Jahren 55 % der Frauen mit einer längerfristigen Ernährungs- und Bewegungsintervention noch auf oder unter ihrem Ausgangsgewicht; in der Kontrollgruppe waren es 26 %. Die Intervention begrenzte auch die Zunahme des Taillenumfangs [11].

Diese direkte Interventionsstudie ist trotz ihres älteren Publikationsdatums besonders relevant, weil sie die Prävention während des Übergangs zur Postmenopause untersuchte. Sie belegt die Beeinflussbarkeit von Gewicht und Taillenumfang, nicht die vollständige Unterbindung sämtlicher hormonabhängiger Veränderungen [11].

Bewegung: Ausdauer- und Krafttraining kombinieren

Eine Metaanalyse von 101 Studien mit 5.697 postmenopausalen Frauen fand günstigere Werte für Fettmasse, Taillenumfang und viszerales Fett sowie Verbesserungen verschiedener Muskel- und fettfreier Masseparameter durch Training. Die Studien unterschieden sich hinsichtlich Populationen, Trainingsprogrammen und Messverfahren; nicht jeder Endpunkt wurde in allen Studien erfasst [12].

Eine weitere Metaanalyse von 2024 zeigte durch aerobes Training eine mittlere Verringerung des Taillenumfangs um etwa 2,03 cm gegenüber den Kontrollbedingungen, bei einem 95%-Konfidenzintervall von 1,41-2,65 cm Verringerung. Gleichzeitig verbesserten sich weitere kardiometabolische Parameter. Diese durchschnittlichen Effekte sind realistischere Orientierungsgrößen als das Versprechen eines raschen, gezielten Bauchfettverlusts [13].

  • Ausdaueraktivität: Als allgemeines Gesundheitsziel gelten 150-300 Minuten pro Woche bei moderater Intensität oder 75-150 Minuten bei hoher Intensität bzw. eine entsprechende Kombination. Geeignet sind z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen [LL5].
  • Krafttraining: An mindestens zwei Tagen pro Woche die großen Muskelgruppen trainieren und die Belastung an Leistungsfähigkeit und Trainingsfortschritt anpassen. Ausdauertraining und Krafttraining ergänzen sich hinsichtlich Fettmasse, Muskelmasse und Funktion [12, LL5].
  • Alltagsbewegung: Längere Sitzphasen begrenzen und regelmäßig unterbrechen. Ein durchhaltbares Programm ist entscheidender als eine bestimmte Trainingsmarke oder ein vermeintlich hormonoptimiertes Trainingsfenster [LL5].

Die Evidenz stützt die Verbesserung der gesamten bzw. regionalen Körperzusammensetzung durch Training. Sie begründet kein Versprechen, ausschließlich durch Bauchmuskelübungen genau das darüberliegende Fettdepot abzubauen [12, 13].

Ernährung: Prävention und Gewichtsreduktion unterscheiden

Bei normalgewichtigen Frauen steht die Stabilisierung von Gewicht, Muskelkraft und metabolischer Gesundheit im Vordergrund. Eine pauschale energiereduzierte Ernährung für jede Frau in den Wechseljahren ist nicht angemessen. Bei behandlungsbedürftigem Übergewicht oder Adipositas sollte das Energiedefizit dagegen individuell festgelegt werden; die deutsche S3-Leitlinie nennt als üblichen Ansatz etwa 500-600 kcal täglich [LL3].

Dass Lebensstilinterventionen auch postmenopausal wirken, zeigt eine randomisierte Studie mit 439 übergewichtigen bzw. adipösen Frauen. Nach zwölf Monaten betrug die mittlere Gewichtsreduktion 8,5 % unter Ernährungstherapie, 2,4 % unter aerobem Training und 10,8 % unter der Kombination. Diese Ergebnisse stammen aus einem strukturierten Programm und lassen sich nicht als garantierter individueller Erfolg übertragen [14].

Gesund und nachhaltig abnehmen – starten Sie jetzt mit dem wissenschaftlich fundierten Eucell Konzept zur gezielten Gewichtsreduktion! (Anzeige)

Eine pflanzenbetonte mediterrane Ernährung ist eine geeignete Grundlage. In einer PREDIMED-Plus-Auswertung mit 1.521 älteren Erwachsenen mit Übergewicht bzw. Adipositas und metabolischem Syndrom verringerte die Kombination aus energiereduzierter mediterraner Ernährung und körperlicher Aktivität auch das viszerale Fett. Die Untersuchung war nicht ausschließlich auf menopausale Frauen ausgerichtet; zudem lässt sich der Effekt nicht allein der Ernährungsform zuschreiben [15].

Dabei muss eine günstigere relative Körperzusammensetzung von einem absoluten Muskelmasseerhalt unterschieden werden: In PREDIMED-Plus nahm der Anteil der fettfreien Masse zu, obwohl die absolute fettfreie Masse sank. Eine Gewichtsreduktion sollte deshalb durch Krafttraining und ausreichende Proteinzufuhr begleitet werden [12, 15].

  • Lebensmittelauswahl: Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst, Nüsse und geeignete pflanzliche Öle bilden die Grundlage; energiereiche Getränke und andere leicht vermeidbare Energiequellen sollten bei einem notwendigen Energiedefizit berücksichtigt werden [LL3].
  • Proteinversorgung: Die Menge ist an Alter, Ernährungszustand, Training und Begleiterkrankungen anzupassen. Für gesunde ältere Menschen werden häufig 1,0-1,2 g/kg Körpergewicht täglich als Orientierung verwendet. Dies ist kein spezifisch validierter Zielwert zur Vermeidung menopausalen Bauchfetts; insbesondere bei relevanter Nierenerkrankung und ausgeprägter Adipositas ist eine individuelle Festlegung erforderlich [LL7].
  • Proteinsupplemente: Sie können eine Versorgungslücke schließen, sind aber kein spezifisches Mittel gegen abdominales Fett. Eine Metaanalyse bei postmenopausalen Frauen zeigte keinen signifikanten zusätzlichen Gewichts- oder Fettmassenverlust durch Molkenprotein; bestimmte Muskelparameter profitierten in Kombination mit Krafttraining [16].

Ergänzen Sie Ihre mediterrane Ernährung gezielt – mit Omega-3-Fettsäuren, wertvollen Oliven- und Traubenkernpolyphenolen sowie ausgewählten Mikronährstoffen! (Anzeige)

Bewahren Sie Muskelkraft trotz Kalorienreduktion – mit hochwertigem Protein und wichtigen Mikronährstoffen in einer umfassenden Nährstoffformel! (Anzeige)

Welchen Stellenwert hat die menopausale Hormontherapie?

Eine menopausale Hormontherapie (MHT) kann die Zunahme abdominaler Fettdepots etwas abschwächen. Der durchschnittliche Effekt ist klein. Eine systemische MHT ist deshalb keine Gewichtsreduktionstherapie und keine allein aufgrund eines zunehmenden Bauchumfangs zu begründende Behandlung [LL2].

Die Indikation richtet sich insbesondere nach belastenden menopausalen Beschwerden und der individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. Bei vorhandener Gebärmutter ist ein ausreichender Endometriumschutz erforderlich. Bei erhöhtem venösem Thromboembolierisiko bzw. entsprechenden Risikokonstellationen wird transdermales Estradiol gegenüber oralem Östrogen bevorzugt. Eine MHT soll nicht allein zur kardiovaskulären Prävention eingeleitet werden [LL1].

Auch ein verlässlicher Muskelmasseerhalt durch MHT ist nicht gesichert: Eine Metaanalyse mit zwölf Studien und 4.474 Frauen fand keinen statistisch signifikanten Vorteil hinsichtlich der fettfreien Masse. Hormone ersetzen daher weder Krafttraining noch eine angemessene Ernährung [17].

Klinische Beurteilung und Verlaufskontrolle

Eine sachgerechte Beurteilung erfasst Gewicht und BMI, Taillenumfang, Blutdruck, Glucosestoffwechsel und Lipidprofil sowie Aktivität, Ernährung, Schlaf und mögliche gewichtsbeeinflussende Arzneimittel. Der Taillenumfang sollte wiederholt nach demselben standardisierten Verfahren gemessen werden. Für Frauen europäischer Herkunft gelten etwa 80 cm als Orientierung für ein erhöhtes und 88 cm für ein stärker erhöhtes metabolisches Risiko; die Beurteilung bleibt abhängig von Ethnizität und Gesamtkonstellation [LL3, LL4].

Eine routinemäßige CT-Untersuchung zur Fettmessung ist für die Präventionsberatung nicht erforderlich. Bei Hinweisen auf eine relevante Abnahme der Muskelkraft oder Funktion kann eine gezielte Beurteilung der Körperzusammensetzung und Muskelfunktion sinnvoll sein. Verlaufserfolge sollten nicht allein an der Waage festgemacht werden [12, LL4].

Abdominale Gewichtszunahme rechtfertigt kein pauschales „Hormonprofil“. Die endokrinologische Diagnostik richtet sich nach dem klinischen Verdacht; bei Adipositas empfiehlt die European Society of Endocrinology (ESE) eine Prüfung der Schilddrüsenfunktion, während Cortisol- und gonadale Untersuchungen selektiv erfolgen sollen [LL6].

Ein neu aufgetretener, anhaltend geblähter oder rasch größer werdender Bauch, insbesondere zusammen mit früher Sättigung, Unterbauchbeschwerden oder auffälliger Raumforderung, darf nicht ungeprüft als menopausale Fettvermehrung eingeordnet werden. Solche Beschwerden erfordern eine differenzialdiagnostische, gegebenenfalls gynäkologische Abklärung [LL8].

Bei Adipositas und relevanter Gesundheitsbeeinträchtigung kann eine leitliniengerechte Adipositastherapie einschließlich medikamentöser Optionen notwendig sein. Ihre Indikation ergibt sich aus dem Adipositasbefund und den Begleiterkrankungen, nicht aus der Bezeichnung „Hormonbauch“ [LL3].

Literatur

  1. Greendale GA, Sternfeld B, Huang M et al.: Changes in body composition and weight during the menopause transition. JCI Insight. 2019;4:e124865. doi: 10.1172/jci.insight.124865.
  2. Greendale GA, Han W, Finkelstein JS et al.: Changes in Regional Fat Distribution and Anthropometric Measures Across the Menopause Transition. J Clin Endocrinol Metab. 2021;106:2520-2534. doi: 10.1210/clinem/dgab389.
  3. Shea KL, Gavin KM, Melanson EL et al.: Body composition and bone mineral density after ovarian hormone suppression with or without estradiol treatment. Menopause. 2015;22(10):1045-1052. doi: 10.1097/GME.0000000000000430.
  4. Melanson EL, Gavin KM, Shea KL et al.: Regulation of energy expenditure by estradiol in premenopausal women. J Appl Physiol. 2015;119:975-981. doi: 10.1152/japplphysiol.00473.2015.
  5. Pontzer H, Yamada Y, Sagayama H et al.: Daily energy expenditure through the human life course. Science. 2021;373:808-812. doi: 10.1126/science.abe5017.
  6. Janssen I, Powell LH, Jasielec MS et al.: Covariation of change in bioavailable testosterone and adiposity in midlife women. Obesity. 2015;23:488-494. doi: 10.1002/oby.20974.
  7. Liu P, Ji Y, Yuen T et al.: Blocking FSH induces thermogenic adipose tissue and reduces body fat. Nature. 2017;546:107-112. doi: 10.1038/nature22342.
  8. Pallapati AR, Korkmaz F, Rojekar S et al.: Efficacy and safety of a therapeutic humanized FSH-blocking antibody in obesity and Alzheimer’s disease models. J Clin Invest. 2025;135:e182702. doi: 10.1172/JCI182702.
  9. Covassin N, Singh P, McCrady-Spitzer SK et al.: Effects of Experimental Sleep Restriction on Energy Intake, Energy Expenditure, and Visceral Obesity. J Am Coll Cardiol. 2022. doi: 10.1016/j.jacc.2022.01.038.
  10. Britton KA, Massaro JM, Murabito JM et al.: Body fat distribution, incident cardiovascular disease, cancer, and all-cause mortality. J Am Coll Cardiol. 2013;62(10):921-925. doi: 10.1016/j.jacc.2013.06.027.
  11. Simkin-Silverman LR, Wing RR, Boraz MA et al.: Lifestyle intervention can prevent weight gain during menopause: results from a 5-year randomized clinical trial. Ann Behav Med. 2003;26:212-220. doi: 10.1207/S15324796ABM2603_06.
  12. Khalafi M, Habibi Maleki A, Sakhaei MH et al.: The effects of exercise training on body composition in postmenopausal women: a systematic review and meta-analysis. Front Endocrinol. 2023;14:1183765. doi: 10.3389/fendo.2023.1183765.
  13. Huynh E, Wiley E, Noguchi KS et al.: The effects of aerobic exercise on cardiometabolic health in postmenopausal females: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Womens Health. 2024;20:17455057241290889. doi: 10.1177/17455057241290889.
  14. Foster-Schubert KE, Alfano CM, Duggan CR et al.: Effect of diet and exercise, alone or combined, on weight and body composition in overweight-to-obese postmenopausal women. Obesity. 2012;20(8):1628-1638. doi: 10.1038/oby.2011.76.
  15. Konieczna J, Ruiz-Canela M, Galmes-Panades AM et al.: An Energy-Reduced Mediterranean Diet, Physical Activity, and Body Composition: An Interim Subgroup Analysis of the PREDIMED-Plus Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2023;6:e2337994. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2023.37994.
  16. Kuo YY, Chang HY, Huang YC et al.: Effect of Whey Protein Supplementation in Postmenopausal Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients. 2022;14:4210. doi: 10.3390/nu14194210.
  17. Javed AA, Mayhew AJ, Shea AK et al.: Association Between Hormone Therapy and Muscle Mass in Postmenopausal Women: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open. 2019;2:e1910154. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2019.10154.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Lumsden MA, Dekkers OM, Faubion SS et al.: European Society of Endocrinology clinical practice guideline for evaluation and management of menopause and the perimenopause. Eur J Endocrinol. 2025;193:G49-G81. doi: 10.1093/ejendo/lvaf206 [LL1]
  2. The North American Menopause Society: The 2022 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2022;29:767-794. Volltext [LL2]
  3. S3-Leitlinie: Prävention und Therapie der Adipositas. (AWMF-Registernummer: 050-001), Oktober 2024, Version 5.0. Langfassung [LL3]
  4. Ross R et al.: Waist circumference as a vital sign in clinical practice: a Consensus Statement from the IAS and ICCR Working Group on Visceral Obesity. Nat Rev Endocrinol. 2020;16:177-189. doi: 10.1038/s41574-019-0310-7 [LL4]
  5. World Health Organization: WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour. 2020. Leitlinie [LL5]
  6. European Society of Endocrinology: European Society of Endocrinology Clinical Practice Guideline: Endocrine work-up in obesity. Eur J Endocrinol. 2020;182:G1-G32. doi: 10.1530/EJE-19-0893 [LL6]
  7. Volkert D, Beck AM, Cederholm T et al.: ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr. 2022;41:958-989. doi: 10.1016/j.clnu.2022.01.024 [LL7]
  8. National Institute for Health and Care Excellence: Suspected cancer: recognition and referral. NICE guideline NG12, Abschnitt Ovarialkarzinom, aktualisierte Empfehlungen 2026. Empfehlungen [LL8]