Alkalische Leukozytenphosphatase

Alkalische Leukozytenphosphatase (Enzym in bestimmten weißen Blutkörperchen) ist ein Enzym neutrophiler Granulozyten (bestimmte weiße Blutkörperchen) und dient als funktioneller Aktivitätsmarker der myeloischen Zellreihe (Vorläuferzellen der Blutbildung).

In der klinischen Labordiagnostik (Untersuchung von Blutwerten) wurde sie klassisch zur Differenzierung reaktiver Leukozytosen (vermehrte weiße Blutkörperchen als Reaktion) von myeloproliferativen Neoplasien (Erkrankungen mit vermehrter Bildung von Blutzellen), insbesondere zur Abgrenzung einer leukämoiden Reaktion (starke, aber gutartige Vermehrung weißer Blutkörperchen) von einer chronischen myeloischen Leukämie (CML) (bestimmte Form von Blutkrebs), eingesetzt.

Synonyme

  • Alkalische Granulozytenphosphatase (AGP)
  • Leukozyten-AP
  • Leukocyte Alkaline Phosphatase (LAP)
  • Neutrophil Alkaline Phosphatase (NAP)

Das Verfahren

  • Benötigtes Material
    • Frischer luftgetrockneter Blutausstrich (auf einem Objektträger ausgestrichenes Blut), idealerweise nicht älter als 24 h
    • Heparinblut (Blutprobe mit Gerinnungshemmstoff), ggf. für ergänzende hämatologische Untersuchungen (Untersuchungen der Blutbildung)
  • Vorbereitung des Patienten
    • Keine spezielle Vorbereitung erforderlich
  • Störfaktoren
    • Verzögerte Anfertigung oder unsachgemäße Lagerung des Blutausstrichs
    • Mangelhafte Ausstrichqualität
    • Methodische Unterschiede der zytochemischen Färbung (spezielle Zellfärbung) und der Score-Bildung
    • Reaktive Veränderungen bei bakteriellen Infektionen (durch Bakterien verursachte Erkrankungen), Entzündungen oder unter Glucocorticoidtherapie (Behandlung mit entzündungshemmenden Hormonen)
  • Methode
    • Zytochemische Färbung (spezielle Anfärbung von Zellen) neutrophiler Granulozyten mit semiquantitativer Auswertung als LAP-Index
    • Bewertung der Färbeintensität in einer definierten Zahl neutrophiler Granulozyten

Normbereiche (je nach Labor)

Subgruppe/Geschlecht/Alter Referenzbereich
Erwachsene LAP-Index ca. 20-100 Punkte
< 20 Punkte vermindert
> 100 Punkte erhöht

Normbereiche sind methoden- und laborabhängig.

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Differenzierung zwischen leukämoider Reaktion (starke, aber gutartige Vermehrung weißer Blutkörperchen) und chronischer myeloischer Leukämie (CML) (bestimmte Form von Blutkrebs)
  • Ergänzende Abklärung myeloproliferativer Neoplasien (Erkrankungen mit vermehrter Bildung von Blutzellen)
  • Historisch: Differenzialdiagnostik unklarer Leukozytosen (vermehrte weiße Blutkörperchen) und Zytopenien (verminderte Anzahl von Blutzellen)
  • Heute allenfalls ergänzend, wenn molekulargenetische Befunde (Untersuchungen des Erbguts) noch ausstehen oder historische Befunde eingeordnet werden müssen

Interpretation

  • Erhöhte Werte
    • Leukämoide Reaktion (starke, aber gutartige Vermehrung weißer Blutkörperchen)
    • Reaktive neutrophile Granulozytenaktivierung (Aktivierung bestimmter weißer Blutkörperchen) bei bakteriellen Infektionen (durch Bakterien verursachte Erkrankungen) und entzündlichen Prozessen
    • Klassische BCR::ABL1-negative myeloproliferative Neoplasien (Erkrankungen mit vermehrter Bildung von Blutzellen ohne bestimmtes Genmerkmal), insbesondere Polycythaemia vera (Erkrankung mit vermehrten roten Blutkörperchen), essentielle Thrombozythämie (Erkrankung mit vermehrten Blutplättchen) und primäre Myelofibrose (Erkrankung mit Vernarbung des Knochenmarks)
    • Schwangerschaft
    • Knochenmarksinfiltration/Knochenmarkskarzinose (Durchsetzung des Knochenmarks mit Tumorzellen)
  • Erniedrigte Werte
    • Chronische myeloische Leukämie (CML) (bestimmte Form von Blutkrebs), typischerweise in der chronischen Phase
    • Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie (PNH) (seltene Erkrankung mit vermehrtem Zerfall roter Blutkörperchen)
    • Teilweise akute/unreifzellige myeloische Leukämien (akute Formen von Blutkrebs)
    • Einzelne Formen ineffektiver Hämatopoese (gestörte Blutbildung), z. B. sideroachrestische Anämie (Form der Blutarmut mit gestörter Eisenverwertung)
  • Spezifische Konstellationen (optional)
    • Niedriger LAP-Index bei Leukozytose (vermehrte weiße Blutkörperchen) spricht klassisch für eine CML (bestimmte Form von Blutkrebs)
    • Hoher LAP-Index bei Leukozytose (vermehrte weiße Blutkörperchen) spricht eher für eine reaktive Genese (nicht tumorbedingte Ursache) oder für eine BCR::ABL1-negative myeloproliferative Neoplasie (Erkrankung mit vermehrter Bildung von Blutzellen ohne bestimmtes Genmerkmal)
    • Die diagnostische Aussagekraft ist limitiert und der Befund muss immer zusammen mit Blutbild, Differentialblutbild (Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen), Morphologie (Formbeurteilung der Zellen) und molekulargenetischer Diagnostik (Untersuchung des Erbguts) interpretiert werden

Weiterführende Diagnostik

  • Komplettes Blutbild einschließlich Differentialblutbild (Aufschlüsselung der weißen Blutkörperchen)
  • Peripherer Blutausstrich (Blut auf einem Objektträger) mit morphologischer Beurteilung (Formbeurteilung der Zellen)
  • Knochenmarkdiagnostik (Untersuchung des Knochenmarks) mit Zytologie (Zelluntersuchung) und Histologie (Gewebeuntersuchung)
  • Molekulargenetik (Untersuchung des Erbguts):
    • BCR::ABL1 zum Nachweis/Ausschluss einer CML (bestimmte Form von Blutkrebs)
    • JAK2
    • CALR
    • MPL
  • Zytogenetik/Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) (chromosomale Untersuchung) je nach Fragestellung
  • Entzündungsparameter (Blutwerte bei Entzündung) bei Verdacht auf reaktive Genese (nicht tumorbedingte Ursache)

Hinweis zur aktuellen Einordnung

Die Bestimmung der alkalischen Leukozytenphosphatase hat heute primär historischen bzw. ergänzenden Charakter. In der modernen Diagnostik myeloproliferativer Neoplasien (Erkrankungen mit vermehrter Bildung von Blutzellen) wird sie weitgehend durch molekulargenetische Verfahren (Untersuchung des Erbguts) (insbesondere BCR::ABL1, JAK2, CALR, MPL) ersetzt.

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