D-Dimere

Bei den D-Dimeren handelt es sich um sogenannte Fibrinspaltprodukte. Diese entstehen in der Fibrinolyse (Auflösung von Blutgerinnseln) aus dem quervernetzten Fibrin. Sie haben eine Halbwertszeit von etwa acht Stunden.
Das D-Dimer kann als zuverlässiger Test bei Verdacht auf Thrombose oder Lungenembolie eingesetzt werden, eine genaue Lokalisation des Geschehens ist jedoch mit dieser Methode nicht möglich.

Weitere Fibrinspaltprodukte sind das Fragment D und E, welche aus dem Fibrinogen durch Einwirkung von Plasmin entstehen.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • 1 ml Citrat-Blut, tiefgefroren (bevorzugt); 1 ml Citrat-Plasma (maximale Transportzeit: 4 Stunden)

Vorbereitung des Patienten

  • Nicht bekannt

Störfaktoren

  • Keine bekannt

Normwerte

Männlich oder weiblich (nicht schwanger)* < 500 µg/l
Schwangerschaft  
1. Trimenon < 701 µg/l
2. Trimenon < 1.205 µg/l
28. - 32. SSW < 1.672 µg/l
32. SSW - Ende < 2.584 µg/l

*Gemäß einer Metaanalyse erhöhten altersadjustierte Grenzwerte (Alter × 10 μg/l D-Dimer-Konzentration bei Patienten > 50 Jahre) die diagnostische Spezifität von 34 auf 46 % ohne Beeinträchtigung der Sensitivität [3].

Indikationen

  • Verdacht auf Hyperfibrinolyse – überschießende Auflösung von Fibrin (Blutgerinnseln)
  • Verdacht auf Thrombose oder Lungenembolie

Interpretation

Interpretation erhöhter Werte

  • Akutes Aortensyndrom (AAS): Krankheitsbilder, die direkt oder indirekt über eine Aortendissektion (Aufspaltung (Dissektion) der Wandschichten der Aorta) zu einer Ruptur ("Riss") führen können; Differentialdiagnosen sind Dissektionen der Aorta (s. u.), intramurale Hämatome der Aortenwand (Einblutung in die Aortenwand) und durch Plaqueruptur penetrierender Aortenulzera (PAU; ulzerierender Defekt der Innenwand der Aorta)
  • Aortendissektion – (Synonym: Aneurysma dissecans aortae) – Aufspaltung der Wandschichten der Aorta (Hauptschlagader), meist verursacht durch einen Einriss der Intima (inneren Gefäßwand) mit nachfolgender Einblutung zwischen die Schichten
  • Disseminierte intravasale Gerinnung – akut auftretende Gerinnungsstörung, die durch eine überschießende Aktivierung der Gerinnung verursacht wird (DIC)
  • Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) – Trias aus mikroangiopathischer, hämolytischer Anämie (MAHA; Form der Blutarmut, bei der die Erythrozyten (roten Blutkörperchen) zerstört werden), Thrombozytopenie (krankhafte Verminderung der Thrombozyten/Blutplättchen) und akuter Nierenfunktionseinschränkung (acute kidney injury, AKI); meist bei Kindern im Rahmen von Infektionen auftretend; häufigste Ursache des akuten, dialysepflichtigen Nierenversagens im Kindesalter
  • Hyperfibrinolyse – überschließende Auflösung von Blutgerinnseln, die verschiedene Ursachen wie Dysfibrinogenämie oder Fibrinogenmangel haben kann
  • Leberzirrhose – bindegewebiger Umbau der Leber, der zu Funktionseinschränkungen führt
  • Lungenembolie – Verschluss eines Lungengefäßes, was zu einer Minderversorgung des betroffenen Lungenabschnittes führt
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Schwangerschaft
  • Sepsis (Blutvergiftung)
  • Thrombose – Verschluss einer Vene, meist in den unteren Extremitäten, der zu einer Stauung des Blutes führt
  • Transplantatabstoßung
  • Tumoren
    • Mamma-, Ovarial- und Pankreasadenokarzinom; solide Lunge- und Darmtumoren
    • malignes Melanom: hier korrelierten die erhöhten D-Dimer-Werte positiv und signifikant mit Tumordicke (≥ 2 mm), Lymphknotenbeteiligung und Metastasierung (Bildung von Tochtergeschwülsten) [4].
  • Zustand nach chirurgischem Eingriff

Beachte: Falsch hohe Werte des D-Dimer-Spiegels werden auch bei Entzündungen,Blutungen, Traumata, Nekrosen und in der Schwangerschaft (s. o) gemessen.

Interpretation erniedrigter Werte

  • Nicht krankheitsrelevant

Weitere Hinweise

  • Ein Entscheidungskriterium für bzw. gegen eine D-Dimere-Bestimmung stellt der Wells-Score dar (s. u. Thrombose/körperliche Untersuchung).
  • Bei den meisten D-Dimer-Tests wird ein Schwellenwert von 500 µg/l angegeben. Man berücksichtigt dabei nicht, mit zunehmenden Alter die D-Dimer-Werte ansteigen und damit potentiell zu viele unnötige weitergehende Diagnostik erfolgt. Die Formel Alter x 10 ergibt möglicherweise einen guten altersadjustierten Schwellenwert [1].
  • Negative D-Dimere schließen eine Thrombose oder Lungenembolie mit mehr als 99 %. Wahrscheinlichkeit aus.
  • D-Dimere sind nicht zur Diagnostik geeignet, wenn folgende Faktoren vorliegen:
    • Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)
    • Maligne Tumoren (bösartige Neubildungen)
    • Niereninsuffizienz/Nierenschwäche (niereninsuffiziente Patienten haben unabhängig von dem Vorliegen einer Lungenembolie erhöhte D-Dimer-Spiegel, und zwar umso mehr, je ausgeprägter die Niereninsuffizienz ist; hier muss zukünftig ein geeigneter D-Dimer-Grenzwert ermittelt werden)
    • Sepsis (Blutvergiftung)
    • Therapie mit Antikoagulantien (Blutgerinnungshemmern)
    • Zustand nach Operation oder größerem Trauma (Verletzung) innerhalb der letzten vier Wochen
  • Beachte:
    • Die Spezifität eines positiven D-Dimer-Tests nimmt mit zunehmendem Alter ab und liegt bei Patienten über 80 Jahre bei nur 10 % liegt [2].
    • Der D-Dimer-Test allein ist nicht geeignet, um diejenigen älteren Patienten mit nicht provozierter venöser Thromboembolie (VTE) zu identifizieren, die ein niedriges Rezidivrisiko haben und bei denen die Antikoagulation sicher beendet werden kann; darauf weisen auch Ergebnisse einer schweizer Studie [5].
  • Gemäß einer Metaanalyse erhöhten altersadjustierte Grenzwerte (Alter × 10 μg/l D-Dimer-Konzentration bei Patienten > 50 Jahre) die diagnostische Spezifität von 34 auf 46 % ohne Beeinträchtigung der Sensitivität [3].
  • Bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) sagen erhöhte D-Dimere (> 273 ng/ml) folgendes über die Langzeitprognose der Patienten aus [6]:
    • Risiko für Patienten, innerhalb der nächsten sechs Jahre ein schwerwiegendes koronares oder kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, war um 45 % höher als bei Patienten mit niedriger D-Dimer-Konzentration (≤ 112 ng/ml).
    • Risiko für eine venöse Thromboembolie (VTE) stieg um mehr als das 4-Fache an.
    • Gesamtmortalität (Gesamtsterberate) war um 65 % erhöht.
  • Die D-Dimer-Spiegel der Patienten nach beendeter Antikoagulation scheinen dafür geeignet zu sein, dass Rezidivrisiko einer venösen Thromboembolie (VTE) vorherzusagen: bei Patienten mit Thrombosen nach starkem Auslöser ereigneten sich 5,7 Rezidive je 100 Patientenjahre, sofern der D-Dimer-Spiegel erhöht war. Bei Patienten mit Hauptrisikofaktoren betrug die Rezidivrate: 5,74 (95 % CI: 3,19-9,57) Ereignisse pro 100 Patientenjahre bei Patienten mit erhöhten D-Dimerwerten und 2,68 (95 % CI: 1,45-4,56) bei Patienten mit normalen Werten. Bei Patienten mit geringen Risikofaktoren betrugen die Raten: 7,79 (95 % CI: 5,71-10,4) bzw. 3,34 (95 % CI: 2,39-4,53) [7].

Literatur

  1. Righini M et al.: Age-Adjusted D-Dimer Cutoff Levels to Rule Out Pulmonary Embolism: The ADJUST-PE Study. JAMA 2014; 311(11): 1117-1124. doi: 10.1001/jama.2014.2135
  2. Righini M, Goehring C, Bounameaux H, Perrier A: Effects of Age on the Performance of Common Diagnostic Tests for Pulmonary Embolism. Am J Med 2000 109(5):357-361
  3. Schouten HJ, Geersing GJ, Koek HL, Zuithoff NP, Janssen KJ, Douma RA, van Delden JJ, Moons KG, Reitsma JB: Diagnostic Accuracy of Conventional or Age Adjusted D-Dimer Cut-Off Values in Older Patients with Suspected Venous Thromboembolism: Systematic Review and Meta-Analysis. BMJ 2013; 346 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f2492
  4. Desch A et al.: D-dimers in malignant melanoma: Association with prognosis and dynamic variation in disease progress. Int J Cancer 2016; online 14. November. doi: 10.1002/ijc.30498
  5. Tritschler T et al.: Usefulness of D-dimer testing in predicting recurrence in elderly patients with unprovoked venous thromboembolism. American Journal of Medicine 2017, online 15. Mai doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.amjmed.2017.04.018
  6. Simes J, Robledo K, White H et al.: D-dimer Predicts Long-Term Cause-Specific Mortality, Cardiovascular Events and Cancer in Stable Coronary Heart Disease Patients: The LIPID Study; Circulation. 2018 Jan 24. pii: CIRCULATIONAHA.117.029901. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.029901.
  7. Avnery O et al.: D-dimer levels and risk of recurrence following provoked venous thromboembolism: Findings from the RIETE registry. J Intern Med 2019; https://doi.org/10.1111/joim.12969
     
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