Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Folgeerkrankungen
Morbus Hodgkin

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Morbus Hodgkin mit bedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Lungenerkrankungen infolge einer Strahlen- und/oder Chemotherapie

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut)
  • Thrombozytopenie – Mangel an Thrombozyten (Blutplättchen)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypercalcämie (Calciumüberschuss) wg. Tumorhypercalcämie (Tumorinduzierte Hypercalcämie, TIH)
  • Hyperthyreose* (Schilddrüsenüberfunktion) (Empfehlungsgrad A)
  • Hypothyreose* (Schilddrüsenunterfunktion) (Empfehlungsgrad A)
  • Klimakterium praecox (prämature Menopause; vorzeitige Wechseljahre)

Kreislaufsystem (I00-I99) 

  • Kardiale Erkrankungen infolge einer Strahlen- und/oder Chemotherapie: Koronare Herzkrankheit (KHK; Herzkranzgefäßerkrankung), Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Herzklappenfunktionsstörungen 
  • Vena-cava-superior-Syndrom (VCSS) – Symptomenkomplex, welcher aus einer venösen Abflussbehinderung der Vena cava superior (VCS; obere Hohlvene) resultiert; ursächlich ist in der Regel ein mediastinales Lymphom, das zur Kompression der Vena cava superior führt; klinisches Bild: 
    • gestaute und erweiterte Venen von Hals (Halsvenenstauung), Kopf und Armen
    • Druckgefühl im Kopf oder Hals 
    • Cephalgie (Kopfschmerzen)
    • Weitere Symptome je nach Ursache: Dyspnoe (Atemnot), Dysphagie (Schluckstörung), Stridor (pfeifendes Atemgeräusch, welches bei der Ein- und/oder Ausatmung auftritt), Husten, Zyanose (bläuliche Verfärbung der Haut und Schleimhäute) 

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Infektionserkrankungen aller Art

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Mammakarzinom (Brustkrebs), bei Frauen, die vor dem 30. Lebensjahr mittels Radiatio (Strahlentherapie) behandelt worden sind
  • Rezidiv – Wiederauftreten der Erkrankung
  • Therapieinduzierte Sekundärneoplasien; Lebenszeitrisiko mindestens 4,6-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung: Schilddrüse, weibliche Mammae (40 %), Lunge 20 %) und lymphatische Gewebe (Leukämie; 5 %) [1]
  • Paraneoplastische zerebelläre Degeneration (PZD) – charakterisiert durch Symptome wie Ataxie (Störungen der Bewegungsabläufe), Dysarthrie (Störungen des Sprechens) und Nystagmus (ruckartige rhythmische an beiden Augäpfeln gleichsinnige rasche Bewegung der Augäpfel)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Fatigue (= tumorassoziierte Fatigue; engl. "cancer-related fatigue“, CRF) – teilweise noch Jahre nach der zu über 80 % erfolgreichen Behandlung auftretend; bei schwerer Fatigue befinden sich 5 Jahre nach der Behandlung signifikant weniger häufig in einer Ausbildung oder einem Beruf
  • Polyneuropathie – Oberbegriff für Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die mit chronischen Störungen der peripheren Nerven oder Anteilen von Nerven einhergehen (wg, Chemotherapie; hier: Vinca-Alkaloide)
  • Weitere ZNS-Manifestationen, nicht näher bezeichnet [3]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Nephrotisches Syndrom ‒ Sammelbegriff für Symptome, die bei verschiedenen Erkrankungen des Glomerulums (Nierenkörperchen) auftreten; Symptome sind: Proteinurie (erhöhte Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin) mit einem Proteinverlust von mehr als 1 g/m²/Körperoberfläche pro Tag; Hypoproteinämie, periphere Ödeme (Wassereinlagerungen) durch eine Hypalbuminämie von < 2,5 g/dl im Serum, Hyperlipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung)

Weiteres

  • Bestrahlungs- und/oder Chemotherapiefolgen wie:
    • Herz-Kreislaufschäden* (Empfehlungsgrad A)
    • Lungenerkrankungen* (Empfehlungsgrad B)

*Der angegebene Empfehlungsgrad bezieht sich auf die Nachsorge wegen erhöhtem Morbiditätsrisiko (wg. Organtoxizitäten der Chemotherapie bzw. möglicher direkter Bestrahlungsschäden).
Das Screening sollte ca. 8 Jahre nach der Primärtherapie erfolgen.

Prognosefaktoren

  • Großer Mediastinaltumor, der mehr als ein Drittel des Thoraxdurchmesser einnimmt
  • Extranodaler Befall
  • Befall von ≥ 3 Lymphknotenarealen
  • Hohe BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit)

Risikofaktoren für das Überleben nach Stammzelltransplantation (SZT) [2]:

  • Hodgkin-Stadium IV
  • Rückfall innerhalb von drei Monaten
  • ECOG-Performance-Status von mindestens 1
  • Tumormasse ≥ 5 cm und Nichtansprechen auf eine Salvage-Chemotherapie (Nachweis mittels funktioneller Bildgebung statt konventioneller CT-Aufnahmen)

Diese fünf Risikofaktoren sind geeignet für die Ermittlung eines Risikoscores (s. u. [2]).

Weitere Prognosefaktoren:

  • Vitamin-D-Mangel vor Behandlung der Erkrankung [4]: 
    • Patienten mit Progression oder Rezidiv (Rückfall) hatten signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel, als Patienten ohne Rezidiv (21,4 versus 35,5 nmol/l); diese hatten zudem häufiger einen Vitamin-D-Mangel (68 versus 41 %, P <0.0001)
    • progressionsfrei überlebten nach 10 Jahren:  81,8 % der Patienten ohne Vitamin-D-Mangel versus 64, 2 % der Patienten mit Vitamin-D-Mangel

Literatur

  1. Schaapveld M et al.: Second Cancer Risk Up to 40 Years after Treatment for Hodgkin’s Lymphoma. N Engl J Med 2015; 373:2499-2511December 24, 2015, doi: 10.1056/NEJMoa1505949
  2. Bröckelmann PJ et al.: Risk factors and a prognostic score for survival after autologous stem cell transplantation for relapsed or refractory Hodgkin lymphoma. Ann Oncol 2017; online März. doi: 10.1093/annonc/mdx07
  3. Behringer K et al.: Cancer-related fatigue in patients with and survivors of Hodgkin lymphoma: the impact on treatment outcome and social reintegration. J Clin Oncol. 2016;34(36): 4329-37
  4. Borchmann S et al.: Pretreatment Vitamin D Deficiency Is Associated With Impaired Progression-Free and Overall Survival in Hodgkin Lymphoma. American Society of Clinical Oncology 2019 https://doi.org/10.1200/JCO.19.00985
     
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