Morbus Hodgkin – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Castleman-Erkrankung (Lymphknotenerkrankung) – lymphoproliferative Erkrankung (Erkrankung mit Vermehrung von Lymphzellen) mit lokalisierter oder generalisierter Lymphadenopathie (Lymphknotenvergrößerung); kann klinisch und bildgebend ein Hodgkin-Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) imitieren
  • Sarkoidose (entzündliche Knötchenerkrankung) (Synonyme: Morbus Boeck; Morbus Schaumann-Besnier) – systemische granulomatöse Erkrankung (den ganzen Körper betreffende Erkrankung mit Knötchenbildung) mit bevorzugtem Befall von Lunge, Haut und Lymphknoten; Abgrenzung durch Histologie (Gewebeuntersuchung) mit nichtverkäsenden Granulomen (Entzündungsknötchen) und fehlendem Nachweis von Hodgkin-/Reed-Sternberg-Zellen (typische Tumorzellen)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bartonellose (Katzenkratzkrankheit) – bakterielle Infektion (Ansteckung durch Bakterien) mit regionaler Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung); differentialdiagnostisch relevant bei lokaler Lymphknotenschwellung, Fieber und Katzenkontakt
  • Cytomegalievirus-Infektion (CMV-Infektion) – kann mit Fieber, Lymphadenopathie, Hepatosplenomegalie (Leber- und Milzvergrößerung) und mononukleoseähnlichem Krankheitsbild ein Hodgkin-Lymphom imitieren
  • HIV-Infektion – kann eine persistierende generalisierte Lymphadenopathie, B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust) und opportunistische Infektionen (Infektionen bei geschwächter Abwehr) verursachen; zudem erhöhtes Risiko für maligne Lymphome (bösartige Lymphdrüsenerkrankungen)
  • Infektiöse Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber) – Epstein-Barr-Virus-assoziierte Erkrankung mit Fieber, Pharyngitis (Rachenentzündung), Lymphadenopathie, Splenomegalie (Milzvergrößerung) und atypischen Lymphozyten (veränderte Abwehrzellen)
  • Lokale bakterielle Infektionen – können eine lokalisierte reaktive Lymphadenitis verursachen; Abgrenzung durch Lokalbefund, Entzündungszeichen, Verlauf und mikrobiologische Diagnostik (Erregerdiagnostik)
  • Rubella (Röteln) – virale Infektion (Ansteckung durch Viren) mit typischer retroaurikulärer, okzipitaler und zervikaler Lymphadenopathie; Abgrenzung durch Exanthem (Hautausschlag), Impfstatus und Serologie (Blutuntersuchung auf Antikörper)
  • Syphilis (Lues) – kann mit generalisierter Lymphadenopathie einhergehen; Abgrenzung durch Anamnese (Krankengeschichte), klinische Befunde und Serologie
  • Toxoplasmose – häufige Ursache zervikaler Lymphadenopathie; Abgrenzung durch Serologie und meist benignen Verlauf (gutartigen Verlauf)
  • Tuberkulose (Schwindsucht) – kann eine zervikale oder mediastinale Lymphadenitis mit B-Symptomatik verursachen; Abgrenzung durch Histologie, mikrobiologische Diagnostik und molekularbiologischen Erregernachweis (genetischen Erregernachweis)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Bronchialkarzinom (Lungenkrebs) – kann mediastinale oder supraklavikuläre Lymphknotenmetastasen (Absiedlungen in Lymphknoten) und B-Symptomatik verursachen; Abgrenzung durch Bildgebung, Histologie und Immunhistochemie (Gewebeuntersuchung mit Antikörperfärbungen)
  • Diffuses großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) – aggressives Non-Hodgkin-Lymphom (Lymphdrüsenkrebs ohne Hodgkin-Merkmale); Abgrenzung zum klassischen Hodgkin-Lymphom durch Histologie, Immunphänotyp (Merkmale der Zellen) und molekulare Befunde
  • Gastrointestinale Karzinome (Krebserkrankungen des Magen-Darm-Trakts) – können supraklavikuläre oder abdominelle Lymphknotenmetastasen verursachen; Abgrenzung durch Bildgebung, Endoskopie (Spiegelung), Histologie und Immunhistochemie
  • Keimzelltumoren (Tumoren aus Keimzellen), mediastinale – Differentialdiagnose bei mediastinaler Raumforderung (Raumforderung im Mittelfell), insbesondere bei jungen Männern; Abgrenzung durch Tumormarker, Bildgebung und Histologie
  • Mediastinales Grauzonenlymphom – aggressives Lymphom mit überlappenden morphologischen und immunphänotypischen Merkmalen zwischen klassischem Hodgkin-Lymphom und primär mediastinalem großzelligem B-Zell-Lymphom
  • Noduläres lymphozytenprädominantes Hodgkin-Lymphom (NLPHL) – eigenständige Hodgkin-Lymphom-Entität mit anderer Tumorzellmorphologie (Form der Tumorzellen) und anderem Immunphänotyp als das klassische Hodgkin-Lymphom; wichtige Abgrenzung zu T-Zell-/Histiozytenreichem großzelligem B-Zell-Lymphom
  • Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) – Sammelbegriff für maligne lymphatische Neoplasien (bösartige Neubildungen des Lymphsystems) außerhalb des Hodgkin-Lymphoms; Abgrenzung durch Exzisionsbiopsie (operative Gewebeentnahme), Histologie, Immunhistochemie, Durchflusszytometrie (Zellanalyse im Flüssigkeitsstrom) und molekulare Diagnostik
  • Primär mediastinales großzelliges B-Zell-Lymphom (PMBCL) – aggressives B-Zell-Lymphom des Mediastinums (Mittelfell); relevante Differentialdiagnose zum nodulär-sklerosierenden klassischen Hodgkin-Lymphom
  • T-Zell-/Histiozytenreiches großzelliges B-Zell-Lymphom (THRLBCL) – Variante des diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms mit wenigen Tumorzellen und reichem reaktivem Begleitinfiltrat (begleitenden Entzündungszellen); enge differentialdiagnostische Beziehung zum nodulären lymphozytenprädominanten Hodgkin-Lymphom
  • Thymom (Tumor der Thymusdrüse) – Differentialdiagnose bei anteriorer mediastinaler Raumforderung; Abgrenzung durch Bildgebung, Histologie und Immunhistochemie