Krampfadern (Varizen) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Linderung venöser Symptome (Beschwerden der Venen) wie Schweregefühl, Spannungsgefühl, Schmerz, Juckreiz und nächtliche Wadenkrämpfe
  • Reduktion venös bedingter Ödeme (Wassereinlagerungen)
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Symptomatische Ergänzung zu Kompressionstherapie (Behandlung mit Kompressionsstrümpfen) und/oder interventioneller Therapie (eingreifende Behandlung); keine kausale Beseitigung der Varikose (Krampfadern) durch Arzneimittel [1]

Therapieempfehlungen

  • Eine kausale medikamentöse Therapie der Varikose (Krampfadern) steht nicht zur Verfügung.
  • Bei symptomatischer chronischer venöser Erkrankung (dauerhafte Venenerkrankung) können venoaktive/ödemprotektive Arzneimittel erwogen werden, wenn keine interventionelle Therapie (eingreifende Behandlung) durchgeführt wird, eine Intervention (Eingriff) noch aussteht oder nach Intervention weiterhin Symptome (Beschwerden) und/oder Ödeme (Wassereinlagerungen) bestehen [1].
  • Bei symptomatischen Varizen (Krampfadern) mit oberflächlicher venöser Insuffizienz (Venenschwäche) ist die interventionelle Therapie (eingreifende Behandlung) leitliniengerecht vorrangig [1].
  • In Deutschland klinisch gebräuchliche Ödemprotektiva/Venoaktiva (venenwirksame Medikamente) sind insbesondere:
    • Rosskastaniensamenextrakt standardisiert auf Aescin
    • Trockenextrakt aus roten Weinlaubblättern
    • Oxerutine/Hydroxyethylrutoside
  • Siehe ergänzend auch unter "Operative Therapie" und "Weitere Therapie".

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Ödemprotektiva

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Triterpensaponine Aescin (Extrakt aus Rosskastanien) Symptomatische Therapie der chronischen venösen Insuffizienz (Venenschwäche); Anwendung in Schwangerschaft/Stillzeit nicht empfohlen
Flavonoide Trockenextrakt aus roten Weinlaubblättern  
Oxerutin Nicht bei kardial (herzbedingt), renal (nierenbedingt) oder hepatisch (leberbedingt) bedingten Ödemen (Wassereinlagerungen) einsetzen; im 1. Trimenon (erstes Schwangerschaftsdrittel) nicht anwenden
  • Wirkweise: Verminderung der kapillären Permeabilität (Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefäße), Stabilisierung der Mikrozirkulation (Durchblutung der kleinsten Gefäße), Reduktion der Flüssigkeitsextravasation (Austritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen) und damit der Ödembildung (Wassereinlagerungen); zusätzlich antiinflammatorische (entzündungshemmende) und antioxidative (zellschützende) Effekte im Bereich des venösen Endothels (Innenauskleidung der Venen) [1]
  • Indikationen: Symptomatische Behandlung der chronischen venösen Insuffizienz (Venenschwäche) bzw. chronischen venösen Erkrankung (dauerhafte Venenerkrankung) mit Beschwerden wie schwere, müde oder schmerzende Beine, Spannungsgefühl, Juckreiz, nächtliche Wadenkrämpfe und venös bedingte Ödeme (Wassereinlagerungen) [1]
  • Dosierungshinweise: Die Therapie ist symptomorientiert und produktabhängig. Eine ausreichende Behandlungsdauer über mehrere Wochen ist erforderlich (typischerweise mindestens 2-4 Wochen; für roten Weinlaubextrakt häufig 6-12 Wochen) [1]
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) (Übelkeit, Magenschmerzen), Hautreaktionen, Juckreiz, selten Kopfschmerzen oder Schwindel [1]

Literatur

  1. Stücker et al.: Konsensuspapier zur symptomorientierten Therapie der chronischen Venenerkrankungen. J Dtsch Dermatol Ges 2016;14(6):575-584. https://doi.org/10.1111/ddg.13006_g

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Sklerosierungsbehandlung der Varikose. (AWMF-Registernummer: 037 - 015), Dezember 2018 Langfassung
  2. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Varikose (AWMF-Registernummer: 037 - 018), März 2019 Langfassung