Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Ursachen
Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Bei der Myokarditis kommt es durch die Entzündung zu einem Ödem (Schwellung des Gewebes aufgrund einer Einlagerung von Flüssigkeit) und sekundärer Nekrose (Zelltod) der Myozyten (Muskelfaserzellen). Auch eine Gefügedilatation lässt sich nachweisen.

Nach der Histologie
(mikroskopische Untersuchung von Gewebe) kann man folgende Formen einer Myokarditis unterscheiden:

  • parenchymatöse Myokarditis – das Myokard (Herzmuskel) ist direkt betroffen; man sieht Nekrosen (Zelltod) von einzelnen Fasern oder Gruppen von Muskelfasern
  • interstitielle Myokarditis  – hier liegt eine interstitielle mononukleäre Entzündung (betroffen ist das Gewebe, das zwischen den eigentlichen funktionstragendem Geweben, dem Parenchym, d. h. dem Myokard, liegt) begleitet von Myozytennekrosen (Zelltod von Muskelzellen) vor. Die Myokardnekrosen führen in der Folge oft zu einer dilatativen Kardiomyopathie. Infolgedessen kommt es zu einer links- und/oder rechtsventrikulären Funktionsstörung (Funktionsstörung der linken und/oder rechten Herzkammer).

Ursachen sind Infektionserreger, Autoimmunerkrankungen und Medikamente bzw. toxische Substanzen.

In Nordamerika und Europa sind Virusinfektionen (s. u.) die häufigste Ursache für die Entstehung einer Myokarditis.

Ätiologie (Ursachen)

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Genussmittelkonsum
    • Alkohol
  • Drogenkonsum
    • Kokain

Krankheitsbedingte Ursachen

  • Virale Infektionen, vor allem mit dem Parvovirus B19, Enteroviren (Coxsackie A/B, Echo) oder Adenoviren, spielen in Deutschland die größte Rolle: des Weiteren: Arboviren, Cytomegalievirus, Erythroviren, Epstein-Barr-Virus, Herpesviren (Epstein-Barr-Virus, humanes Herpesvirus 6 sowie humanes Zytomegalievirus), Influenza A/B, HIV, Hepatitisvirus C (HVC), humanes Immundefizienzvirus (HIV), Poliovirus, Varizellen-Zoster
  • Bakterielle Infektionen, vor allem bei septischen Erkrankungen – Borrelia burgdorferi, Chlamydien, Corynebacterium diphtheriae, Legionellen, Mycobacterium tuberculosis, Mykoplasmen, Rickettsien, Salmonellen (Salmonella enterica), Staphylococcus aureus, β-hämolysierende Streptokokken
  • Weitere Erreger wie:
    • Parasiten (Larva migrans, Schistosomiasis, Trypanosoma (Trypanosoma cruzi))
    • Pilze (Aspergillus, Candida, Crytokokkus, Histoplasmodien)
    • Protozoen (Toxoplasma gondii, Trichinen, Echinokokken)
  • (Auto-)Immunaktivierung
    • entzündliche Darmerkrankungen
    • Grippeimpfung
    • postinfektiös
    • Kollagenosen Reihe autoimmunologisch bedingter Erkrankungen wie:
      • systemische Lupus erythematodes (SLE) – Autoimmunerkrankung, bei der es zu Bildung Autoantikörpern kommt
      • Sklerodermie – Erkrankungen, die mit einer Bindegewebsverhärtung der Haut allein oder der Haut und innerer Organe (besonders Verdauungstrakt, Lungen, Herz und Nieren) einhergehen
      • Sjögren-Syndrom (Gruppe der Sicca-Syndrome) – Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen, die zu einer chronisch entzündlichen Erkrankung der exokrinen Drüsen, am häufigsten der Speichel- und Tränendrüsen, führt; typische Folgeerkrankungen bzw. Komplikationen des Sicca-Syndroms sind:
        • Keratokonjunktivitis sicca (Syndrom des trockenen Auges) aufgrund fehlender Benetzung von Horn- und Bindehaut mit Tränenflüssigkeit
        • erhöhte Kariesanfälligkeit durch Xerostomie (Mundtrockenheit) aufgrund verminderter Speichelsekretion
        • Rhinitis sicca (trockene Nasenschleimhäute), Heiserkeit und chronischer Hustenreiz sowie eine gestörte Sexualfunktion durch Störung der Schleimdrüsenproduktion des Respirationstraktes und der Genitalorgane
    • Rheumatoide Arthritis
    • Sarkoidose (Synonyme: Morbus Boeck oder Morbus Schaumann-Besnier) – systemische Erkrankung des Bindegewebes mit Granulombildung
    • Vaskulitiden Erkrankungen, bei denen es durch autoimmunologische Prozesse zu Entzündungen von Arterien, Arteriolen, Kapillaren, Venolen und Venen kommt, wodurch das versorgte Organ ebenfalls geschädigt wird wie z. B.:
      • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA; ehemals Churg-Strauss-Syndrom (CCS)) granulomatöse (etwa: "körnchenbildende") Entzündung der kleinen bis mittelgroßen Blutgefäße, bei der das betroffene Gewebe von eosinophilen Granulozyten (Entzündungszellen) infiltriert ("durchwandert") wird
      • Takayasu-Arteriitis (granulomatöse Vaskulitis des Aortenbogens und der abgehenden großen Gefäße; fast ausschließlich bei jungen Frauen)
    • Intoxikationen (Vergiftungen): braune Einsiedlerspinne (Loxosceles reclusa) → systemisches Syndrom durch Spinnengift (Toxin Sphingomyelinase D); Krankheit wird bezeichnet als Loxoscelismus

Medikamente*

  • Anthracycline** (z. B. Doxorubicin)
  • Antibiotika
    • Cephalosporine
    • Tetracycline
  • Antirheumatika (Rheumamedikamente)*
  • Cephalosporine*
  • Checkpoint-Inhibitoren (Prävalenz (Krankheitshäufigkeit): 2 %; immunassoziierte Myokarditis) – kombinierte Therapie mit Ipilimumab and Nivolumab kann zu einer fulminanten Myokarditis führen [1]
  • Chemotherapeutika**
  • Clozapine* (Neuroleptikum) – sog. Hypersensitivitätsmyokarditis
  • Impfstoffe (Durchschnittsalter 36 Jahre; 80 % der Fälle nach der zweiten Impfung)
    • Comirnaty® (COVID-19 mRNA Impfstoff [Nukleosid- modifiziert])
    • Spikevax® (COVID-19 mRNA Impfstoff [Nukleosid- modifiziert])
  • Katecholamine**
  • Mesalazin – Beschwerden wie Brustschmerz oder Herzinsuffizienz-Anzeichen 2-4 Wochen nach Beginn; Biopsie (Gewebeprobe) zeigt eine Eosinophilen-Infiltration
  • Penicillin*
  • Trizyklische Antidepressiva*
  • Sulfonamide*
  • Zytokine**

*Allergisch/hypersensitiv
**Toxine

Röntgenstrahlen

  • Nach Radiatio (Strahlentherapie) bei malignen Tumoren

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Arsen
  • Blei
  • Kupfer
  • Lithium
  • Zink

Literatur

  1. Johnson DB et al.: Fulminant Myocarditis with Combination Immune Checkpoint Blockade. N Engl J Med 2016; 375:1749-1755 November 3, 2016 doi: 10.1056/NEJMoa1609214
     
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