Folgeerkrankungen
Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen (Endorganschäden), die durch eine Hypertonie (Bluthochdruck) mit bedingt sein können:

Augen und Augenanhangsgebilde H00-H59)

  • Amaurose (Erblindung)
  • Retinopathie (Netzhauterkrankung, die unbehandelt zu einer starken Beeinträchtigung des Sehvermögens führt)

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Apoplex (Schlaganfall) 
  • Aortenaneurysma – Aussackung der Hauptschlagader
  • Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung)
  • Demenz
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Herzrhythmusstörungen – ventrikuläre Extrasystolie (Extraschläge aus dem Ventrikel (Herzkammer) kommend), Vorhofflimmern (VHF; Männern 1,4-fache, Frauen 1,5-fache Risiko [4])
  • Hypertensive Enzephalopathie – hypertensiver Notfall, der durch eine Steigerung des intrakraniellen (innerhalb des Schädels) Druckes mit daraus folgenden Hirndruckzeichen gekennzeichnet ist
  • Intrazerebrale Blutung (ICB; Hirnblutung)
  • Koronare Herzkrankheit (KHK); insb. auch bei Krankenschwestern mit arterieller Hypertonie (Bluthochdruck), die im Beruf häufig Patienten anheben oder schwere Lasten tragen mussten; bei höchster körperlicher Belastung: Hazard Ratio von 2,87 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,12 bis 3,87 hoch signifikant [3]
  • Linksherzhypertrophie (LVH; linksventrikuläre Hypertrophie; Vergrößerung der linken Herzkammer) 
    • bereits hochnormaler Blutdruck (systolischer Blutdruck: 120-139 mmHg und/oder mit diastolischem Blutdruck 80-89 mmHg; "prehypertension") erhöht das LVH-Risiko um das Doppelte (festgemacht am linksventrikulären Masseindex LVMI); Kohortenstudie; Verlaufsuntersuchung über 10 Jahre [8]
    • Risikoanstieg für Vorhofflimmern (VHF)
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
    • Bei Frauen Anfang 40 verdoppelt sich bereits ab einem Blutdruck von 130/80 mmHg das Risiko eines akuten Koronarsyndroms (ACS), während sich bei Männern noch kein signifikanter Unterschied zeigte (Gendermedizin) [11].
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) – fortschreitende Verengung bzw. Verschluss der die Arme/ (häufiger) Beine versorgenden Arterien, meist aufgrund von Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung)

Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)

  • Hörverlust bei Frauen – mäßige Assoziation zwischen Hypertonie und einem erhöhten Risiko für Hörverlust (adjustiertes relatives Risiko [RR]: 1,04; 95 %-Konfidenzintervall zwischen 1,01 und 1,07) [2]
  • Tinnitus (Ohrgeräusche)

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99) 

  • Depression – 2-fach höheres Risiko, wenn Therapie mit Betablocker oder Calciumantagonisten statt mit einem Angiotensin-Antagonisten oder ACE-Hemmer
  • Erektile Dysfunktion (ED; Erektionsstörungen)
  • Zerebrale Durchblutungsstörungen – Durchblutungsstörungen des Gehirns

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Nephropathie (Nierenerkrankung) mit Albuminurie/Proteinurie (erhöhte Ausscheidung von Eiweiß mit dem Urin)
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Nierenversagen

Medikamente

  • Cotrimoxazol in Kombination mit ACE-Hemmer oder Sartanen → Mortalität (Sterberate) ↑ wg. einer Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss) (Arrhythmie); das Risiko für einen plötzlichen Tod, innerhalb von 14 Tagen nach der Antibiotika-Einnahme zu sterben, war um 54 % erhöht [1]

Weiteres

  • Endorganschäden, wie z. B. ein Fundus hypertonicus, d. h. Schädigung der Arteriolen (arteriellen Gefäße) der Retina (Netzhaut) im Rahmen einer systemischen arteriellen Hypertonie
  • Negative Auswirkungen auf die Intelligenz bei Kindern (gemessen durch neurokognitive Tests: Rey Auditory Verbal Learning (Wortgedächtnis), CogState Groton Maze Learning Test (exekutive Fähigkeiten, d. h. geistige Funktionen, mit denen Menschen ihr eigenes Verhalten unter Berücksichtigung der Bedingungen ihrer Umwelt steuern),  Grooved Pegboard-Test (manuelle Geschicklichkeit)) [5]
  • White Matter Lesion (WML; Schäden in der weißen Hirnsubstanz; in der Magnetresonanztomographie: ausgedehnte hyperintense Läsionen in der weißen Hirnsubstanz) – WML ist mit zunehmendem Lebensalter immer häufiger zu beobachten. Es ist häufig Folge einer langjährigen Hypertonie: das Ausmaß der WML zeigte eine starke Korrelation mit dem aktuellen systolischen Blutdruck; eine besonders starke Assoziation bestand mit dem früheren diastolischen Blutdruck, insbesondere in der Altersgruppe unter 50 [10].
  • Schlechtere Gangart und schlechtere kognitive Leistung in der Lebensmitte bei Exposition gegenüber höheren Blutdruckwerten im jungen Alter bis zur Lebensmitte [9]

Prognosefaktoren

  • Cannabis (Haschisch und Marihuana): Risiko an Hypertonie zu sterben, war bei Marihuana-Konsumenten 3,42-fach höher als bei Nicht-Konsumenten [7]

Literatur

  1. Fralick M et al.: Co-trimoxazole and sudden death in patients receiving inhibitors of renin-angiotensin system: population based study. BMJ 2014;349:g6196; doi:10.1136/bmj.g6196
  2. Lin BM et al.: Hypertension, Diuretic Use, and Risk of Hearing Loss. doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.amjmed.2015.11.014
  3. Allesøe K et al.: Are hypertensive women at additional risk of ischaemic heart disease from physically demanding work? European Journal of Preventive Cardiology February 14, 2016. doi: 10.1177/2047487316631681
  4. Benjamin EJ, Levy D, Vaziri SM et al.: Independent risk factors for atrial fibrillation in a population-based cohort: the Framingham Heart Study. JAMA 1994; 271(11):840-844
  5. Lande MB et al.: Neurocognitive Function in Children with Primary Hypertension. Pediatr Nephrol. 2013 Mar; 28(3): 401-408. Published online 2012 Jun 13. doi: 10.1007/s00467-012-2215-8
  6. Boal AH et al.: Monotherapy With Major Antihypertensive Drug Classes and Risk of Hospital Admissions for Mood Disorders. http://dx.doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.116.08188
  7. Yankey BA et al.: Effect of marijuana use on cardiovascular and cerebrovascular mortality: A study using the National Health and Nutrition Examination Survey linked mortality file. Eur J Prei Cardio 2017; online 8. August 10.1177/2047487317723212
  8. Cuspidi C et al.: High Normal Blood Pressure and Left Ventricular Hypertrophy Echocardiographic Findings From the PAMELA Population. Hypertension 2019.0 Originally published 7 Jan 2019 https://doi.org/10.1161/HYPERTENSIONAHA.118.12114
  9. Mahinrad S et al.: Cumulative Blood Pressure Exposure During Young Adulthood and Mobility and Cognitive Function in Midlife. Circulation 2019;141:712-724 https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.119.042502
  10. Wartolowska KA.: Midlife blood pressure is associated with the severity of white matter hyperintensities: analysis of the UK Biobank cohort study. European Heart Journal, ehaa756, 26. November 2020 https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaa756
  11. Kringeland E et al.: Stage 1 hypertension, sex, and acute coronary syndromes during midlife: the Hordaland Health Study. Eur J Prev Cardiol 2021 https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwab068
     
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