Differentialdiagnosen
Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie)

Primäre (essentielle) Hypertonie [Ursache: circa 91 %]

Sekundäre Hypertonie:

Beachte: Die arterielle Hypertonie kann bis zu 10 % endokrine Ursachen haben [1, 2]. Jüngere und therapierefraktäre Patienten sollten deshalb auch nach endokrinen Ursachen einer Hypertonie untersucht werden.

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Antiphospholipid-Syndrom (APS; Antiphospholipid-Antikörper-Syndrom) – Autoimmunkrankheit; es erkranken überwiegend Frauen (Gynäkotropie); durch folgende Trias charakterisiert:
    • venöse und/oder arterielle Thrombosen (Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß)
    • Thrombozytopenie (Mangel an Thrombozyten (Blutplättchen) im Blut)
    • rezidivierende Spontanaborte (Auftreten von drei oder mehr konsekutiven Spontanaborten vor der 20. SSW/Schwangerschaftswoche)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Akromegalie – endokrinologische Erkrankung, die durch eine Überproduktion des Wachstumshormons (somatotropes Hormon (STH), Somatotropin) hervorgerufen wird, mit ausgeprägter Vergrößerung der Körperendglieder oder vorspringenden Teile des Körpers (Akren), wie beispielsweise Hände, Füße, Unterkiefer, Kinn, Nase und Augenbrauenwülste
  • Conn-Syndrom (primärer Hyperaldosteronismus, PH) 
    • gehört in seiner klassischen (hypokaliämen) Form mit einer Häufigkeit von 0,5-1 % zu den selteneren Ursachen des Bluthochdrucks; bis zu 10 % der Patienten mit Hypertonie haben allerdings einen normokaliämischen (normales Kalium) Hyperaldosteronismus [3]
    • Gesamtprävalenz (Krankheitshäufigkeit) von PA erhöhte sich mit der Schwere der Hypertonie, von 3,9 % im Stadium I auf 11,8 % im Stadium III der Hypertonie [4]
  • Cushing-Syndrom (Morbus Cushing; Hypercortisolismus) – Nierenrindenüberfunktion mit erhöhten Cortisolwerten [Ursache: ca. 0.3 %]
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
  • Myxödem – pastöse (aufgeschwemmt; gedunsen) Haut, die ein nicht eindrückbares, teigiges Ödem (Schwellung) zeigt, das nicht lageabhängig ist; im Gesichtsbereich und peripher; vor allem an den Unterschenkeln; vor allem im Rahmen einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) auftretend

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Sklerodermie – Gruppe von seltenen Erkrankungen, die mit einer lederartigen Bindegewebsverhärtung der Haut einhergehen

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Aortenisthmusstenose (ISTA; Synonym: Koarktation der Aorta: Coarctatio aortae– Einengung der Aorta (der Körperhauptschlagader) im Bereich des Aortenbogens
  • Aortenklappeninsuffizienz – mangelhafter Schluss der Aortenklappe des Herzens
  • Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung)
  • Cholesterinembolie-Syndrom – Verschluss kleiner Arterien durch Einschwemmung (Embolie) von Cholesterin-Kristallen aus aufgebrochenen (ulzerierten) arteriosklerotischen Plaques
  • Nierenarterienstenose – Verengung der Nierenarterie
  • Niereninfarkt – Nierenschäden aufgrund von Durchblutungsstörungen
  • Primäre idiopathische Hypertonie – Bluthochdruck, bei dem keine Ursache gefunden werden konnte

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Parasitosen (Parasitenbefall), nicht näher bezeichnet

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Polyarteriitis nodosa (PAN) – Autoimmunerkrankung, die zu einer Vaskulitis mit Einengung des Gefäßlumens führt
  • Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
  • Systemische Vaskulitiden (ANCA-assoziierte Vaskulitis)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Karzinoid-Tumor (Synonyme: Karzinoidsyndrom, neuroendokrine Tumoren, NET) – Tumoren, die vom neuroendokrinen System ausgehen; sie befinden sich überwiegend im Bereich der Appendix/Wurmfortsatz des Blinddarms (Appendixkarzinoid) oder in den Bronchien (Bronchuskarzinoid); weitere Lokalisationen sind der Thymus (Thymuskarzinoid), das Ileum/Krummdarm (Ileumkarzinoid), das Rektum/Mastdarm (Rektumkarzinoid), das Duodenum/Zwölffingerdarm (Duodenalkarzinoid) und der Magen (Magenkarzinoid); typische Symptome werden durch die Trias Diarrhoe (Durchfall), Flush (Gesichtsrötung) und Hedinger-Syndrom (Endokardfibrose des rechten Herzens, die zur Trikuspidalinsuffizienz (Leckage mit Blutrückfluss der Herzklappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer) und zur Pulmonalstenose (Einengung in der Ausflussbahn von der rechten Herzkammer zur Lungenschlagader) führen kann) charakterisiert.
  • Phäochromozytom – meist benigner (gutartiger) Tumor (ca. 90 % der Fälle), der überwiegend von der Nebenniere ausgeht und zu Bluthochdruckkrisen (hypertensive Krise) führen kann [Ursache: circa 0,3 %]
  • Polycythaemia vera – krankhafte Vermehrung von Blutzellen (insbesondere betroffen sind: insbesondere Erythrozyten/rote Blutkörperchen, in geringerem Maße auch Thrombozyten (Blutplättchen) und Leukozyten/weiße Blutkörperchen); stechender Juckreiz nach Kontakt mit Wasser (aquagener Pruritus)
  • Reninproduzierende Tumoren

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Erhöhter Hirndruck
    • Enzephalitis (Gehirnentzündung)
    • Guillain-Barré-Syndrom (GBS; Synonyme: Idiopathische Polyradikuloneuritis, Landry-Guillain-Barré-Strohl-Syndrom); zwei Verlaufsformen: akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie bzw. chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (Erkrankung des peripheren Nervensystems); idiopathische Polyneuritis (Erkrankungen mehrerer Nerven) der spinalen Nervenwurzeln und peripheren Nerven mit aufsteigenden Lähmungen und Schmerzen; tritt meist nach Infektionen auf
    • Hirntumor
    • Idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH; Synonym: Pseudotumor cerebri, PTC) – erhöhter Hirndruck ohne erklärende Ursache; 90 % der Patientinnen leiden unter Kopfschmerzen, diese nehmen meist beim Nach-Vorne-Beugen, Husten oder Niesen zu; bei jedem zweiten Patienten findet sich ein Papillenödem (Schwellung (Ödem) an der Einmündung des Sehnervs in die Netzhaut, das sich als Vorwölbung des Sehnervenkopfes bemerkbar macht; Stauungspapille i. R. beidseitig); Auftreten mit beidseitiger Augen-Symptomatik [plötzlicher Sehverlust beim Kind]
    • Meningitis (Hirnhautentzündung)
    • Schädel-Hirn-Trauma (SHT)
    • Tetraplegie (Querschnittlähmung, bei der alle vier Gliedmaßen, also sowohl Beine als auch Arme betroffen sind)
  • Polyneuropathie – Erkrankung des peripheren Nervensystems mit Störungen der Sensibilität (Missempfindungen etc.)
  • Schlafapnoe-Syndrom – Beschwerdebild, das durch Atemstillstände (Apnoen) während des Schlafs verursacht wird

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Schwangerschaftstoxikämie – Schwangerschaftsvergiftung (Schwangerschaftshypertonie)
    EPH-Gestose – schwangerschaftsassoziierte Trias aus den Symptomen Ödeme (Edema), Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie) und Bluthochdruck (Hypertonie)

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99) [renale Ursachen: ca. 5 %]

  • Analgetika-Nephropathie – Nierenschäden nach überdosierter Einnahme von Schmerzmitteln
  • Chronische Pyelonephritis – Nieren-Nierenbecken-Entzündung
  • Diabetische Nephropathie – Nierenerkrankung auf Grund einer Gefäßerkrankung bei Vorliegen eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Glomerulonephritis – Nierenerkrankung, die mit einer Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulum, Mehrzahl Glomeruli oder Glomerula, Corpuscula renales) in der Niere einher geht
  • Interstitielle Nephritiden (Nierenerkrankung)
  • Nierenbeteiligung systemischer Erkrankungen
  • Refluxnephropathie – Erkrankung der Nieren aufgrund des Rückflusses (Reflux) von Urin in die oberen Harnwege
  • Zystennieren (Synonym: polyzystischen Nierenerkrankung) – vererbbare Krankheit, die durch die allmähliche Bildung einer Vielzahl von Zysten innerhalb der Nieren kennzeichnet ist

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Durchtrennung des Rückenmarks, nicht näher bezeichnet

Medikamente

  • Siehe unter "Ursache" unter Medikamente

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Blei
  • Cadmium
  • Kohlenmonoxid
  • Thallium

Literatur

  1. Reincke M, Fischer E, Gerum S, et al.: German Conn’s Registry-Else Kröner-Fresenius-Hyperaldosteronism Registry. Observational study mortality in treated primary aldosteronism: the German Conn’s registry. Hypertension 2012 Sep;60(3):618-24. doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.112.197111. Epub 2012 Jul 23.
  2. Rossi GP, Bernin G, Caliumi C et al., for the PAPY Study Investigators: A prospective study of the prevalence of primary aldosteronism in 1125 hypertensive patients. J Am Coll Cardiol 2006 Dec 5;48(11):2293-300. Epub 2006 Nov 13.
  3. Reincke, Martin; Seiler, Lysann; Rump, Lars C: Normokaliämischer primärer Hyperaldosteronismus. Deutsches Ärzteblatt 100, Ausgabe 4 vom 24.01.2003, Seite A-184 / B-169 / C-165
  4. Monticone S et al.: Prevalence and Clinical Manifestations of Primary Aldosteronism Encountered in Primary Care Practice. J  Am Coll Cardiol. 2017 Apr 11;69(14):1811-1820. doi: 10.1016/j.jacc.2017.01.052.
     
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