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Symptome – Beschwerden
Morbus Parkinson

Folgende Symptome und Beschwerden können auf ein Morbus Parkinson hinweisen:

Leitsymptome (Morbus Parkinson Trias):

  • Akinese (Bewegungslosigkeit, Bewegungsstarre)
  • Rigor (Steifigkeit der Muskulatur infolge Erhöhung des Muskeltonus, die bei passiver Bewegung im Gegensatz zur Spastik während des gesamten Bewegungsablaufes bestehen bleibt; Zahnradphänomen: ruckartiges Nachgeben des Muskeltonus bei passiver Bewegung einer Extremität)
  • Tremor – Parkinson-Tremor (mittelfrequent: 4 - 7 Hz); tritt vornehmlich in Ruhe auf (Ruhetremor) und ist einseitig; typisches Bewegungsmuster ("Pillendreher-Tremor") und langsamer als der essentielle Tremor; der Tremor bei Morbus Parkinson wird historisch in drei Typen unterteilt: 
    • Typ I: Ruhetremor oder Ruhe- und Halte-/Bewegungstremor der selben Frequenz
    • Typ II: Ruhe- und Halte-/Bewegungstremor unterschiedlicher Frequenz
    • Typ III: reiner Halte-/Bewegungstremor

Akinese

  • Hypophonie leise, monotone Sprache
  • Bradykinese Verlangsamung der Willkürbewegungen  [zentrales Kardinalsymptom des idiopathischen Parkinson-Syndroms, IPS]
  • Hypokinese Amplitudenminderung der Willkürbewegungen
  • Hypomimie verminderte Mimik und seltener Lidschlag
  • Marche a petit pas kleinschrittiger Gang
  • Mikrographie während des Schreibens kleiner werdende Schrift
  • Bewegungsstörungen mit Fallneigung nach vorn (Propulsion), nach hinten (Retropulsion) oder zur Seite (Lateropulsion)

Rigor

  • Tonuserhöhung, die während des gesamten Bewegungsumfangs auftritt und unabhängig von der Geschwindigkeit der Gelenksbewegung ist
  • Auslösung oder Verstärkung durch gleichzeitige Aktivierung der kontralateralen Seite
  • Ein Tremor kann sich dem Rigor überlagern; dann kommt es zum sogenannten „Zahnradphänomen“

Tremor

  • Klassischer Parkinsontremor: tritt in Erscheinung bei unterstützten Armen in Ruhe mit einer Frequenz von ca. 4-6 Hz (höhere Frequenzen möglich in frühen Krankheitsstadien); wird auch als Pillendrehertremor bezeichnet; wegweisend ist die Amplitudenabnahme beim Beginn von Willkürbewegungen; durch geistige Beschäftigung oder Emotionen aktivierbar
  • Selten auftretend: Haltetremor (mittlere Frequenz von 5-7 Hz, wie beim essentiellen Tremor). der oft gemeinsam mit einem Ruhetremor bestehen kann und der Aktionstremor (8-12 Hz). 

Fakultative Begleitsymptome

  • Kognitive Symptome:
    • Bradyphrenie (verlangsamtes Denken)
    • frontale Störungen (Schädigung der vorderen Anteile des Stirnhirns)
    • in fortgeschrittenen Stadien Demenz [wahrscheinlich teilweise eine direkte Folge des zentralen Dopaminmangels)])
  • Psychische Symptome:
    • Abgeschlagenheit
    • Apathie (Teilnahmslosigkeit)
    • Depression (auftreten als Folgeerkrankung bei 35-45 % der Patienten; bei jüngeren Patienten tritt eine Depression bereits vor Auftreten der motorischen Krankheitszeichen auf und kann deshalb als Frühsymptom gewertet werden; ist wahrscheinlich teilweise eine direkte Folge des zentralen Dopaminmangels)
    • Halluzinationen, visuelle
    • Melancholie
    • Schlafstörungen
    • Stimmungsschwankungen
    • Wahn
  • Sensorische Symptome:
    • Dysästhesien (Empfindungsstörungen)
    • Hyposmie (Minderung der Geruchswahrnehmung) geht der Diagnose um bis zu 10 Jahre voraus [5]
    • Schmerzen
    • Verlust der Sehschärfe, Farbsehstörungen und Augentrockenheit [4]
  • Vegetative Symptome:
    • Störungen von Blutdruck/orthostatische Hypotonie und/oder Temperaturregulation
    • Störungen der Blasen- und Darmfunktion – u. a. Obstipation (Verstopfung)
    • Störungen der sexuellen Funktionen
    • Dysphagie (Schluckstörung)
    • Hypersalivation (Synonyme: Sialorrhö, Sialorrhoe oder Ptyalismus) – vermehrter Speichelfluss
    • Seborrhoe  (Überproduktion von Hautfetten durch die Talgdrüsen der Haut)
    • Tagesschläfrigkeit/Fatigue

Die Diagnose wird anhand der Symptomatik gestellt [1]:

  • Parkinson-Syndrome sind definiert durch das Vorliegen einer Akinese (Bewegungslosigkeit und -starre) und eines der folgenden in unterschiedlicher Ausprägung auftretenden Kardinalsymptome:
    • Rigor (Steifigkeit der Muskulatur infolge Erhöhung des Muskeltonus, die bei passiver Bewegung im Gegensatz zur Spastik während des gesamten Bewegungsablaufes bleibt),
    • Ruhetremor (Zittern in Ruhe; 4-6, selten bis 9 Hz; Auftreten in Ruhe, Abnahme bei Bewegung) oder eine
    • posturale Instabilität (Haltungsinstabilitätt, die nicht primär durch visuelle, vestibuläre, zerebelläre oder propriozeptive Störungen erklärbar ist). [Auftreten im mittleren Stadium der Erkrankung]
    Vorhandensein unterstützender Kriterien 
    • Einseitiger Beginn und persistierende Asymmetrie im Krankheitsverlauf
    • Klassischer Ruhetremor
    • Eindeutig positives Ansprechen (> 30 % UPDRS (Unified Parkinson Disease Rating Scale) motorisch) auf L-Dopa
    • Anhaltende L-Dopa-Ansprechbarkeit über mehr als 5 Jahre
    • Auftreten von L-Dopa-induzierten choreatischen Dyskinesien (unwillkürliche, unregelmäßige, schnelle, kurzzeitige Muskelkontraktionen mit Bewegungseffekt; nicht, oder nur sehr kurzfristig, unterdrückbar)
    • Langsame klinische Progression (Fortschreiten) mit Krankheitsverlauf über mehr als 10 Jahre
  • Die Trefferquote lässt sich verbessern, wenn die Patienten mithilfe von Test auf eine Hyposmie geprüft werden. Die olfaktorischen Störungen gehen den motorischen Störungen ca. 4-6 Jahre voraus!
  • Mögliche zusätzliche Tests sind der L-Dopa-Test oder Apomorphin-Test. Dabei wird dem Patienten L-Dopa beziehungsweise Apomorphin verabreicht. Tritt im Verlauf dieser Tests eine Beschwerdebesserung auf, so liegt in den meisten Fälle eine idiopathische Parkinson-Erkrankung vor. 
  • Beim idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS) finden sich neben Tremor, Rigor und Akinese olfaktorische Störungen als ein prominentes Symptom. Bei über 95 % dieser Patienten lassen sich Riechstörungen nachweisen.
  • 10 Jahre vor der Parkinson-Diagnose trat bereits ein Tremor in 2 % der Fälle auf (in der Kontrollgruppe 8-fach seltener) und eine Obstipation wurde bei jedem fünften Parkinson-Patienten zu diesem Zeitpunkt festgestellt. 2 bis 5 Jahre vor der Diagnosestellung hatten bereits 7 % der Parkinson-Patienten einen Tremor und jeder vierte Patient klagte über Verstopfung [1].

"Prämotorische" Patienten

Es gibt Patienten, bei denen motorische Symptome erst später eintreten, d. h. deren dopaminerge Neurone werden erst später angegriffen. Bei diesen sogenannten "prämotorischen" Patienten werden zunächst die serotonergen Neuronen zerstört. Der Ausfall des serotonergen Systems führt zu den folgenden Prodromalsymptomen, die den motorischen Symptomen häufig um viele Jahre vorausgehen:

  • Dysosmie (Riechstörungen)
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Depression
  • Insomnie (Schlafstörungen)

Bei den prämotorischen Patienten wurde bei Verwendung des Markers 11-DASB in der Single-Photon-Emissions-Tomographie (SPECT)
ausgedehnte Defizite nachgewiesen [6].
Hinweis: 11C-DASB bindet im Gehirn an einem Serotonin-Transporter. 

Weitere Hinweise

  • Siehe unter Folgeerkrankung/Prognosefaktoren: Drei Faktoren bestimmen die Parkinsonprogression: orthostatische Hypotonie, REM-Schlaf-Verhaltensstörungen (engl.: "Rapid eye movement sleep behavior disorder", RBD) und kognitive Defizite (engl.: Mild cognitive impairment, MCI)
  • Die Lebenszeitprävalenz (Krankheitshäufigkeit im Laufe des Lebens) psychotischer Symptome und visueller Halluzinationen bei Parkinson-Patienten liegt bei etwa 50 % [2].

Literatur

  1. Schrag A et al.: Prediagnostic presentations of Parkinsońs disease in primary care: a case-control study. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S1474-4422(14)70287-X
  2. Fenelon G, Alves G (2010) Epidemiology of psychosis in Parkinson’s disease. J Neurol Sci 289(1-2):12-17
  3. S3-Leitlinie: Parkinson-Syndrom, idiopathisch. (AWMF-Registernummer: 030 - 010), Januar 2016 Kurzfassung Langfassung
  4. Arrigo A et al.: Visual System Involvement in Patients with Newly Diagnosed Parkinson Disease. Radiology. 2017 Jul 11:161732. doi: 10.1148/radiol.2017161732.
  5. Chen H et al.: Olfaction and incident Parkinson disease in US white and black older adults. Neurology 10.1212/WNL.0000000000004382 Published online before print September 6, 2017, doi: http:/​/​dx.​doi.​org/​10.​1212/​WNL.​0000000000004382
  6. Wilson H et al.: Serotonergic pathology and disease burden in the premotor and motor phase of A53T α-synuclein parkinsonism: a cross-sectional study Lancet Neurology Published:June 19, 2019 doi:https://doi.org/10.1016/S1474-4422(19)30140-1

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Parkinson-Syndrom, idiopathisch. (AWMF-Registernummer: 030 - 010), Januar 2016 Kurzfassung Langfassung
     
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