Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
Morbus Parkinson

Therapieziele

  • Verbesserung der Beweglichkeit
  • Verbesserung/Linderung des Tremors
  • Verbesserung der psychischen und vegetativen Symptomatik

Therapieempfehlungen

Therapieempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie [1]

Patient   Wirkstoffgruppen Wirkstoffe
< 70 Jahre,
keine wesentlichen Komorbiditäten    
Mittel der ersten Wahl Dopamin-Rezeptor-Agonisten Piribedil 
Pramipexol 
Ropinirol
Non-ergoline Dopaminagonisten Rotigotin
Mittel der zweiten Wahl Ergoline Dopaminagonisten Bromocriptin 
Cabergolin 
α-Dihydroergocriptin
Lisurid 
Pergolid 
Alternativ bei milder Symptomatik MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer) Rasagilin
Selegilin

N-Methyl-D-Aspartat-Rezptorantagonisten (NMDA-Antagonisten)

Amantadin**
> 70 Jahre
Multimorbidität  
Mittel der ersten Wahl Levodopa L-Dopa*
Alternativ bei milder Symptomatik MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer) Rasagilin
Selegilin
N-Methyl-D-Aspartat-Rezptorantagonisten (NMDA-Antagonisten) Amantadin

*Je älter der Parkinsonkranke ist, desto geringer ist das Dyskinesie-Risiko unter L-Dopa.
**Amantadin kann als Therapie zweiter Wahl für Patienten in frühen Stadien des idiopathischen Parkinson-Syndrom IPS) erwogen werden [3]. (Expertenkonsens)

Weitere Hinweise

  • MAO-B-Hemmer, Dopaminagonisten oder Levodopa sollen in der symptomatischen Therapie des frühen Stadiums des idiopathischen Parkinson-Syndroms (IPS) verwendet werden. A (1++)  [3]
    Bei der Auswahl der verschiedenen Substanzklassen sollen die unterschiedlichen Effektstärken im Hinblick auf die Wirkung, die Nebenwirkungen, das Alter des Patienten, Komorbiditäten, psycho-soziales Anforderungsprofil berücksichtigt werden. Expertenkonsens [3]
  • L-Dopa:
    • Wirkt am stärksten auf die Akinese (hochgradige Bewegungsarmut bis Bewegungslosigkeit), gefolgt von Rigor (Starrheit; Muskelstarre) > Tremor (Zittern)
    • Mittel der ersten Wahl bei älteren Patienten (> 70. LJ) oder bei multimorbiden Patienten
    • Muss grundsätzlich mit peripheren Decarboxylasehemmern (Benserazid oder Carbidopa) kombiniert werden, um zu verhindern, dass das Levodopa gleich nach der Einnahme im Darm zu Dopamin umgewandelt wird
    • Kombination mit Dopaminagonisten empfehlenswert
    • Toxizität: Die LEAP-Studie hat gezeigt, dass eine frühzeitige Therapie mit L-Dopa nicht mit zusätzlichen Risiken behaftet ist [7].
  • Dopaminagonisten (s. o.):
    • Wirkt am stärksten auf die Akinese, gefolgt von Rigor > Tremor
    • Monotherapie ist Methode der ersten Wahl bei jungen Patienten (< 70. LJ) ohne wesentliche Nebenerkrankungen; Kombination mit Levodopa empfehlenswert bei unbefriedigendem Erfolg
  • Anticholinergika (Biperiden, Metixen, Trihexyphenidyl): wirken am stärksten bei Rigor und Tremor; Cave! Nicht bei alten Patienten oder bei kognitiv eingeschränkten Personen
  • COMT-Hemmer (Catechol-O-Methyl-Transferase): nur in Kombination mit L-Dopa bei "End-of-dose"-Fluktuationen (L-Dopa)
  • MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer): Rasagilin, Selegilin
    • Selegilin als Monotherapeutikum bei älteren und multimorbiden Patienten bei milder Symptomatik
  • N-Methyl-D-Aspartat-Rezptorantagonisten (NMDA-Antagonisten): Amantadin
    • Wirkt am stärksten auf die Akinese und Rigor
    • Mittel der Wahl bei der akinetischen Krise
    • Monotherapie der ersten Wahl bei milder Symptomatik bei jungen sowie älteren Patienten und Multimorbidität
    • Wirkungsverlust nach wenigen Monaten
  • Der Einsatz von Psychotropika (psychoaktive Substnazne) bei älteren Patienten ist mit einer erhöhten Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert [2]
  • Betablocker können für die symptomatische Therapie des postoralen Tremors von ausgewählten Patienten mit frühen idiopathischen Parkinson Syndrom erwogen werden sollten aber nicht Mittel der erster Wahl sein [3]. (Expertenkonsens)
  • Wenn Off-Phasen (Phasen, in denen das Antiparkinson-Medikament keine Wirkung zeigt) bei IPS mit oraler Medikation nicht ausreichend kontrolliert werden können, werden subkutane Apomorphin-Injektionen empfohlen; alternativ die intrajejunale Levodopa/Carbidopa-Infusion [3].
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Neue Wirkstoffe

  • Safinamid; Wirkweise: dualen Wirkmechanismus (MAO-B Hemmer und antiglutamaterge Wirkung); Indikation: idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS):
    • Nur bei Patienten, die L-Dopa einnehmen
    • Vermeiden einer Erhöhung der L-Dopa-Dosen über 400 mg
    • Leichte motorische Fluktuationen
    • Leichte Dyskinesien
    • Evtl.  Verbesserung der Aufmerksamkeit 
    • Wearing-Off 

Morbus Parkinson und Fatigue (Müdigkeit) und Anhedonie (Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden)

Leitlinienempfehlungen [4]:

  • Methylphenidat oder Modafinil können zur symptombezogenen Behandlung des Fatigue-Syndroms bei IPS zum Einsatz nicht empfohlen werden. (Expertenkonsens)

Morbus Parkinson und Demenz bzw. Demenz von Lewy-Körpertyp (PSYC3)

Leitlinienempfehlungen [4]:

  • Rivastigmin sollte bei der Behandlung kognitiver Symptome von Patienten mit Parkinson's Disease Dementia (PDD) genutzt werden. B (1++)
  • Donepezil kann bei der Behandlung kognitiver Symptome von Patienten mit PDD genutzt werden. Dabei handelt es sich um einen „off-lable-use“.

Morbus Parkinson und Depression

Leitlinienempfehlungen [3]:

  • Trizyklische Antidepressiva sollen zur Behandlung der Depression bei Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom (IPS) genutzt wer-den. A (1++)
  • Antidepressiva neuerer Generation wie selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRIs) und Venlafaxin sollten zur Behandlung der Depression bei Patienten mit IPS genutzt werden. B (1++)
  • Alternative Therapien wie Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) können zur Behandlung der Depression bei Patienten mit IPS genutzt werden. 0 (1+)
  • Repetitive Transkranielle Magnetstimulation kann zur Behandlung der Depression bei Patienten mit IPS genutzt werden. 0 (1+)
  • Psychotherapie sollte zur Behandlung der Depression bei Patienten mit IPS genutzt werden.

Morbus Parkinson und Hypersalivation 

Die Hypersalivation (Sialorrhoe oder Ptyalismus; engl. „drooling“), d. h. der unwillkürliche Austritt von Speichel über den Lippenrand, tritt bei bis zu 75 % der Patienten mit idiopathischen Parkinson-Syndrom auf. 

In einer randomisierten,  doppelblinden, placebokontrollierten Studie im Cross-over-Design wurde 10 Patienten mit Incobotulinumtoxin (100 Einheiten) versus NaCl 0,9 % untersucht. Es erfolgte jeweils monatlich eine Injektion in die Glandula parotis (20 Einheiten) und submandibularis (30 Einheiten). Die Patienten wurden monatlich untersucht: Es konnte kein Effekt von Incobotulinumtoxin A auf die Hypersalivation bei IPS nachgewiesen werden [6].

Morbus Parkinson und Psychose

Leitlinienempfehlungen [4]:

  • Clozapin soll zur Behandlung der Psychose bei Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom IPS genutzt werden. A (1++)
  • Quetiapin kann zur Behandlung der Psychose bei Patienten mit IPS genutzt werden. (Expertenkonsens)
  • Olanzapin soll zur Behandlung der Psychose bei Patienten mit IPS nicht genutzt werden. A (1++)
  • Bei Patienten mit IPS-Psychose und einer begleitenden Demenz stellen Cholinesterasehemmer eine Alternative dar. (Expertenkonsens)

Morbus Parkinson und Schlafstörungen

Leitlinienempfehlungen [4]:

  • Die nächtliche Akinese (hochgradige Bewegungsarmut bis Bewegungslosigkeit) und frühmorgendliche Dystonie (Bewegungsstörung, die sich durch die unwillkürliche Kontraktion von Muskeln äußert) sollte mit transdermalem Rotigotin oder retardiertem Ropinirol behandelt werden. (1+)
  • Die Therapie der Insomnie mit Durchschlafstörung sollte mit Zopiclon versucht werden. B (1+)

Literatur

  1. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. 5. Auflage ed. Diener HC, Weimar C, editors. Stuttgart: Thieme; 2012.
  2. Frandsen R, Baandrup L, Kjellberg J, Ibsen R, Jennum P: Increased all-cause mortality with psychotropic medication in Parkinson's disease and controls: A national register-based study. Parkinsonism Relat Disord. 2014 Aug 1. pii: S1353-8020(14)00272-7. doi: 10.1016/j.parkreldis.2014.07.012.
  3. S3-Leitlinie: Parkinson-Syndrom, idiopathisch. (AWMF-Registernummer: 030 - 010), Januar 2016 Kurzfassung Langfassung
  4. Oertel W, Deuschl G, Poewe W. Parkinson-Syndrome und andere Bewegungsstörungen. Stuttgart: Thieme Verlag; 2012
  5. Tomlinson CL, Stowe R, Patel S, Rick C, Gray R, Clarke CE. Systematic review of levodopa dose equivalency reporting in Parkinson's disease. Mov Disord. 2010;25(15):2649-53.
  6. Narayanaswami P et al.: Drooling in Parkinson’s disease: A randomized controlled trial of incobotulinum toxin A and meta-analysis of Botulinum toxins. Parkinsonism Relat Disord 2016 Sep;30:73-7. doi: 10.1016/j.parkreldis.2016.07.001. Epub 2016 Jul 5.
  7. Verschuur CVM et al.: Randomized Delayed-Start Trial of Levodopa in Parkinson’s Disease. N Engl J Med 2019; 380: 315-24.doi: 10.1056/NEJMoa1809983; https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1809983?query=TOC

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Parkinson-Syndrom, idiopathisch. (AWMF-Registernummer: 030 - 010), Januar 2016 Kurzfassung Langfassung

     
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