DMPS-Test
DMPS-Test (Dimaval-Test) ist ein Chelat-Provokationstest (Test zur Mobilisierung von Metallen), bei dem nach Gabe von DMPS (2,3-Dimercaptopropan-1-sulfonsäure, Natriumsalz) die Ausscheidung bestimmter Metalle im Urin gemessen wird. DMPS bindet vor allem extrazellulär (außerhalb der Zellen) wasserlösliche Metallionen (gelöste Metallteilchen) und erhöht deren renale Elimination (Ausscheidung über die Niere).
In der klinischen Labordiagnostik (Laboruntersuchungen in der Medizin) hat der DMPS-Test heute nur noch eine sehr eingeschränkte Bedeutung. Nach aktuellem toxikologischem und arbeitsmedizinischem Kenntnisstand ist der Test kein validiertes diagnostisches Verfahren zur Beurteilung chronischer Schwermetallbelastungen und sollte nicht routinemäßig eingesetzt werden. Entscheidend ist das standardisierte Biomonitoring ohne Provokation, insbesondere die Bestimmung von Quecksilber im Urin bzw. Vollblut in Abhängigkeit von der vermuteten Expositionsform (Art der Belastung).
Synonyme
- Dimaval-Test
- DMPS-Provokationstest
- DMPS-Mobilisationstest
- DMPS-Chelationstest
Das Verfahren
- Benötigtes Material
- Urin
- ggf. Spontanurin (Einzelurinprobe) vor und nach DMPS-Gabe
- Vorbereitung des Patienten
- Durchführung nur bei klarer toxikologischer Fragestellung (gezielte Fragestellung zur Giftbelastung)
- Vor Durchführung Prüfung der Nierenfunktion (Leistungsfähigkeit der Nieren)
- Ausreichende Hydrierung (Flüssigkeitszufuhr) sicherstellen
- Keine routinemäßige Anwendung bei unspezifischen Beschwerden (nicht eindeutig zuordenbare Symptome)
- Störfaktoren
- Fehlende Standardisierung von Dosis, Applikationsweg (Art der Gabe) und Sammelzeit
- Interindividuelle Variabilität (unterschiedliche Reaktion zwischen Personen) der Metallmobilisation (Freisetzung von Metallen)
- Eingeschränkte Nierenfunktion
- Hydratationszustand (Flüssigkeitshaushalt)
- Beeinflussung der Ausscheidung essenzieller Spurenelemente (lebenswichtige Mineralstoffe), insbesondere Kupfer und Zink
- Methode
- Gabe von DMPS oral (über den Mund) oder intravenös (über die Vene) mit anschließender Urinsammlung
- Metallbestimmung im Urin in der Regel mittels ICP-MS (Massenspektrometrie) oder AAS (Atomabsorptionsspektrometrie)
- Zusätzlich Kreatinin (Muskelabbauprodukt) zur Urin-Normierung (Vergleichbarkeit der Werte)
Normbereiche (je nach Labor)
| Parameter | Referenzbereich |
| Quecksilber im Urin nach DMPS-Gabe | Kein validierter, allgemein anerkannter Referenzbereich |
| Kupfer im Urin nach DMPS-Gabe | Methoden- und situationsabhängig, diagnostisch nicht isoliert interpretierbar |
Normbereiche sind methoden- und laborabhängig. Für den DMPS-Provokationstest (Mobilisationstest mit DMPS) existieren keine allgemein akzeptierten, evidenzbasiert validierten Grenzwerte zur Diagnose einer chronischen Quecksilberbelastung (lang andauernde Belastung mit Quecksilber).
Indikationen (Anwendungsgebiete)
- Heute keine routinemäßige Indikation zur Abklärung einer chronischen Schwermetallbelastung
- Allenfalls in speziellen toxikologischen Einzelfällen unter fachkundiger Beurteilung
- Nicht geeignet als Screeningtest bei unspezifischen Beschwerden
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
- Eingeschränkte Nierenfunktion
- Überempfindlichkeit gegen DMPS
- Relative Kontraindikation (eingeschränkte Anwendung): Schwangerschaft und Stillzeit
- Vorsicht bei instabilen internistischen Zuständen (allgemeinmedizinisch kritischer Zustand)
Nebenwirkungen
- Allergische Reaktionen
- Übelkeit, Erbrechen
- Hypotonie (niedriger Blutdruck), insbesondere bei zu rascher intravenöser Gabe
- Erhöhte Ausscheidung essenzieller Spurenelemente (wichtige Mineralstoffe), insbesondere Kupfer und Zink
Interpretation
- Erhöhte Werte
- Nach DMPS-Gabe regelhaft gesteigerte Metallmobilisation (Freisetzung von Metallen)
- Kein Beleg für eine klinisch relevante chronische Intoxikation (Vergiftung)
- Keine zuverlässige Quantifizierung (Mengenbestimmung) einer länger zurückliegenden Körperbelastung
- Interpretation nur im Kontext von Expositionsanamnese (Erfassung möglicher Belastungen), Klinik (Symptome) und standardisiertem Biomonitoring ohne Provokation
- Erniedrigte Werte
- In der Regel nicht krankheitsrelevant
- Kein Ausschluss einer Exposition (Belastung) allein anhand eines unauffälligen Provokationstests
- Spezifische Konstellationen
- DMPS besitzt eine hohe Affinität (Bindungsneigung) zu Kupfer; dadurch kann die Quecksilberinterpretation zusätzlich verfälscht werden
- Der Test ist für die Routinediagnostik chronischer Quecksilberbelastungen nicht validiert
Weiterführende Diagnostik
- Standardisiertes Biomonitoring ohne Provokation
- Quecksilber im Urin bei Verdacht auf Exposition gegenüber elementarem oder anorganischem Quecksilber
- Quecksilber im Vollblut bei Verdacht auf organische Quecksilberexposition, insbesondere Methylquecksilber
- Differenzierte Expositionsanamnese: Beruf, Ernährung, Umwelt, frühere Expositionen
- Bei entsprechender Konstellation arbeitsmedizinische bzw. toxikologische Mitbeurteilung
Klinische Bewertung: Der DMPS-Test ist kein validiertes diagnostisches Verfahren zur Beurteilung chronischer Schwermetallbelastungen und sollte nicht routinemäßig eingesetzt werden. Entscheidend ist das standardisierte Biomonitoring ohne Provokation.
Literatur
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