Schimmelpilzallergie – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Schimmelpilzallergie (Allergie gegen Schimmelpilze) mitbedingt sein können:

Eine nachgewiesene Sensibilisierung (allergische Reaktionsbereitschaft) gegen Schimmelpilze ist nicht mit einer klinisch manifesten Schimmelpilzallergie gleichzusetzen. Für die Zuordnung einer Folgeerkrankung sind eine passende Expositions- und Symptomanamnese sowie der Nachweis der klinischen Relevanz der Sensibilisierung erforderlich [LL1]. Nichtallergische irritative Wirkungen einer Feuchte-/Schimmelpilzexposition sowie invasive Mykosen (Pilzerkrankungen) bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) sind keine Folgeerkrankungen einer Schimmelpilzallergie und werden deshalb nicht aufgeführt [LL1].

Atmungssystem (J00-J99)

  • Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen)/Rhinopathie (Erkrankung der Nasenschleimhaut) – IgE-vermittelte Typ-I-Reaktion (allergische Sofortreaktion) auf klinisch relevante luftgetragene Schimmelpilzallergene mit Niesen, nasalem Juckreiz, Rhinorrhö (Nasenlaufen) und nasaler Obstruktion (verstopfter Nase); Schimmelpilze gehören zu den möglichen perennialen bzw. saisonalen Aeroallergenen (über die Luft übertragenen Allergieauslösern) [2, LL1, LL3].
  • Allergische Pilzrhinosinusitis (allergische Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen durch Pilze) (allergic fungal rhinosinusitis; AFRS) – nichtinvasive, immunologisch vermittelte Sonderform der chronischen Rhinosinusitis (chronische Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen) mit Nasenpolypen, typischerweise mit eosinophilem Muzin (eosinophilenreichem Schleim) und nichtinvasiven Pilzhyphen (Pilzfäden). Sie ist durch eine ausgeprägte Typ-2-Inflammation (Typ-2-Entzündungsreaktion) und häufig eine IgE-vermittelte Pilzsensibilisierung charakterisiert [3]. Eine unspezifische chronische Rhinosinusitis darf dagegen nicht allein aufgrund einer Schimmelpilzsensibilisierung kausal einer Schimmelpilzallergie zugerechnet werden [LL1].
  • Asthma bronchiale (Asthma der Atemwege), vorwiegend allergisch – Schimmelpilzallergene können bei klinisch relevanter Sensibilisierung Asthmasymptome und Exazerbationen (akute Verschlechterungen) auslösen bzw. verstärken. Eine Pilzsensibilisierung ist insbesondere bei schwerem Asthma klinisch und prognostisch relevant. Der Phänotyp (Erscheinungsform) des schweren Asthmas mit Pilzsensibilisierung („severe asthma with fungal sensitization“; SAFS) ist von einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose (allergische Erkrankung der Bronchien und Lunge durch Aspergillus) bzw. allergischen bronchopulmonalen Mykose abzugrenzen [1, 2, LL1, LL2].
  • Bronchiektasen (dauerhafte Erweiterungen der Bronchien) – können sich als strukturelle pulmonale Folge einer persistierenden oder rezidivierenden allergischen bronchopulmonalen Aspergillose bzw. Mykose entwickeln. Die revidierte ISHAM-Klassifikation berücksichtigt Bronchiektasen als eigenen radiologischen Krankheitsphänotyp [LL2].
  • Mukusimpaktion (Verlegung der Bronchien durch zähen Schleim) und chronische pleuropulmonale Fibrose (Vernarbung von Lungen- und Brustfellgewebe) – mögliche strukturelle Komplikationen einer fortgeschrittenen allergischen bronchopulmonalen Aspergillose bzw. Mykose. Die revidierte ISHAM-Klassifikation unterscheidet u. a. Krankheitsformen mit Mukusimpaktion, Mukus mit hoher CT-Dichte sowie chronischer pleuropulmonaler Fibrose [LL2].

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Allergische Konjunktivitis (allergische Bindehautentzündung) bzw. allergische Rhinokonjunktivitis (allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung) – IgE-vermittelte okuläre Manifestation einer Aeroallergenallergie mit Juckreiz, Tränenfluss und konjunktivaler Hyperämie (Bindehautrötung durch verstärkte Durchblutung); sie kann gemeinsam mit einer schimmelpilzinduzierten allergischen Rhinitis auftreten [LL1, LL3].

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) bzw. allergische bronchopulmonale Mykose (allergische Pilzerkrankung der Bronchien und Lunge) (ABPM) – immunologisch vermittelte, nichtinvasive allergische Pilzerkrankung der Atemwege, die insbesondere bei Asthma bronchiale und anderen prädisponierenden Atemwegserkrankungen auftreten kann. Die ABPA wird durch Aspergillus spp., die ABPM durch andere Pilze verursacht. Nach den revidierten ISHAM-Kriterien 2024 erfordert die Diagnose einer ABPA bei entsprechender Prädisposition bzw. kompatibler klinisch-radiologischer Konstellation obligat den Nachweis einer Sensibilisierung gegen Aspergillus fumigatus und ein Gesamt-IgE ≥ 500 IU/ml sowie mindestens zwei weitere Kriterien aus Aspergillus-fumigatus-spezifischem IgG, peripherer Bluteosinophilie und charakteristischen bildgebenden Veränderungen [LL2]. Der früher verwendete Gesamt-IgE-Grenzwert von > 1.000 IU/ml ist damit für die aktuellen diagnostischen Kriterien überholt [LL2]. Die ABPA/ABPM stellt keine typische Progressionsstufe einer unkomplizierten inhalativen Schimmelpilzallergie dar, kann jedoch bei entsprechender Sensibilisierung und Prädisposition als eigenständige allergische Pilzerkrankung auftreten [LL2].

Prognosefaktoren (Einflussfaktoren auf den Krankheitsverlauf)

  • Pilzsensibilisierung bei Asthma bronchiale – in einer Metaanalyse war eine Sensibilisierung gegen Aspergillus spp. (OR 2,36; 95%-KI 1,29-4,31), Penicillium spp. (OR 1,75; 95%-KI 1,02-3,03) und Cladosporium spp. (OR 2,63; 95%-KI 1,76-3,92) mit schwerem Asthma assoziiert; für Aspergillus fumigatus betrug die OR 2,98 (95%-KI 1,32-6,75) [1]. Aufgrund überwiegend beobachtender Querschnittsdaten, überwiegend unadjustierter Effektmaße und teilweise erheblicher Heterogenität handelt es sich um prognostische Assoziationen und nicht um einen gesicherten Kausalitätsnachweis [1].
  • ABPA/ABPM mit strukturellen Lungenveränderungen – Bronchiektasen, Mukusimpaktion, Mukus mit hoher CT-Dichte und insbesondere chronische pleuropulmonale Fibrose kennzeichnen fortgeschrittene radiologische Krankheitsformen und sprechen für eine höhere kumulative pulmonale Krankheitslast [LL2].

Literatur

  1. Chen Z, He Y, Bu H: Association between sensitization to common fungi and severe asthma. Front Public Health. 2025;13:1582643. doi: 10.3389/fpubh.2025.1582643
  2. Barnes CS, Khurana Hershey GK: Indoor and Outdoor Fungal Allergens and Impacts on Respiratory Allergic Disease. J Allergy Clin Immunol Pract. 2025;13(6):1267-1271. doi: 10.1016/j.jaip.2025.03.023
  3. Roland LT, Damask C, Luong AU et al.: Allergic Fungal Rhinosinusitis Diagnosis, Management, Associated Conditions, Pathophysiology, and Future Directions: Summary of a Multidisciplinary Workshop. Int Forum Allergy Rhinol. 2025;15(6):626-641. doi: 10.1002/alr.23582

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Medizinisch klinische Diagnostik bei Schimmelpilzexposition in Innenräumen. Version 2.3, Stand 05.09.2023, gültig bis 04.09.2028. (AWMF-Registernummer 161-001). Hurraß J, Heinzow B, Walser-Reichenbach S et al.: AWMF mold guideline "Medical clinical diagnostics for indoor mold exposure" – Update 2023 AWMF Register No. 161/001. Allergologie Select. 2024;8:90-198. doi: 10.5414/ALX02444E. [LL1]
  2. Agarwal R, Sehgal IS, Muthu V et al.: Revised ISHAM-ABPA working group clinical practice guidelines for diagnosing, classifying and treating allergic bronchopulmonary aspergillosis/mycoses. Eur Respir J. 2024;63(4):2400061. doi: 10.1183/13993003.00061-2024. [LL2]
  3. Wise SK, Damask C, Roland LT et al.: International consensus statement on allergy and rhinology: Allergic rhinitis - 2023. Int Forum Allergy Rhinol. 2023;13(4):293-859. doi: 10.1002/alr.23090. [LL3]