Morbus Addison – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Morbus Addison (Nebennierenrindeninsuffizienz) beziehungsweise durch Unterdosierung oder Überdosierung der medikamentösen Therapie mitbedingt sein können:
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Addison-Krise (akute Entgleisung bei Nebennierenschwäche) – akute, potenziell lebensbedrohliche Dekompensation (Entgleisung) der primären Nebennierenrindeninsuffizienz, insbesondere bei Infektion (Ansteckung), Trauma (Verletzung), Operation, Erbrechen/Durchfall, fehlender Stressdosis oder Therapieunterbrechung; mögliche Folgen:
- Hypoglykämie (Unterzuckerung)
- Hyponatriämie (Natriummangel im Blut)
- Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss im Blut)
- Volumenmangel (Flüssigkeitsmangel)
- Schock (Kreislaufversagen)
- Bewusstseinsstörung bis Koma (tiefe Bewusstlosigkeit)
- Tod
- Cushing-Syndrom (Krankheitsbild durch zu viel Cortisolwirkung), iatrogen (ärztlich verursacht) – bei chronischer Glukokortikoid-Überdosierung
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – bei chronischer Glukokortikoid-Überdosierung
- Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut) – bei Mineralokortikoid-Überdosierung
- Kleinwuchs/Wachstumsstörung bei Kindern – insbesondere bei chronischer Glukokortikoid-Überdosierung
- Übergewicht/Adipositas (Fettleibigkeit) – bei chronischer Glukokortikoid-Überdosierung
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) – insbesondere bei Glukokortikoid- oder Mineralokortikoid-Überdosierung
- Herzrhythmusstörungen (Störungen des Herzschlags) – insbesondere im Rahmen einer Addison-Krise bei Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze)
- Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) – bei Mineralokortikoid-Unterdosierung oder Volumenmangel
- Schock – im Rahmen einer Addison-Krise
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Osteoporose (Knochenschwund) – bei chronischer Glukokortikoid-Überdosierung
- Pathologische Frakturen (krankhafte Knochenbrüche) – als Folge einer Glukokortikoid-induzierten Osteoporose
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Bewusstseinsstörung bis Koma – im Rahmen einer Addison-Krise
- Delir (akuter Verwirrtheitszustand) – im Rahmen einer Addison-Krise, insbesondere bei schwerer Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Hypoglykämie oder Elektrolytstörungen
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Abdominelle Schmerzen (Bauchschmerzen) – häufiges klinisches Zeichen einer Addison-Krise
- Erbrechen/Durchfall – Auslöser und Verstärker einer Addison-Krise durch Volumenverlust und gestörte Medikamentenresorption (Aufnahme von Arzneimitteln)
- Fatigue (ausgeprägte Erschöpfung) – persistierende Einschränkung trotz Substitution (Ersatztherapie) möglich
- Fieber – als Ausdruck einer Infektion und möglicher Trigger (Auslöser) einer Addison-Krise
- Gewichtsverlust – bei unzureichender Substitution oder nicht diagnostiziertem Morbus Addison
- Übelkeit – häufiges klinisches Zeichen einer Addison-Krise
Weiteres
- Erhöhte Mortalität (Sterblichkeit) – bei primärer Nebenniereninsuffizienz insgesamt erhöht; wesentliche Risikokonstellationen sind Addison-Krisen, Infektionen und kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
- Eingeschränkte gesundheitsbezogene Lebensqualität – auch unter Substitution möglich, insbesondere bei wiederholten Krisen, inadäquater Dosisanpassung oder Komorbidität (Begleiterkrankung)
Prognosefaktoren
- Ungünstige Prognosefaktoren
- Fehlende Schulung zur Stressdosis und Notfalltherapie
- Fehlender Steroid-Notfallausweis beziehungsweise fehlendes Notfallset
- Therapieunterbrechung oder unzureichende Dosisanpassung bei Infekt (Entzündung), Trauma, Operation, Erbrechen oder Durchfall
- Wiederholte Addison-Krisen
- Glukokortikoid-Überdosierung mit metabolischen Folgeerkrankungen (stoffwechselbedingten Folgeerkrankungen)
- Mineralokortikoid-Überdosierung mit arterieller Hypertonie beziehungsweise Hypokaliämie
- Mineralokortikoid-Unterdosierung mit orthostatischer Hypotonie, Hyponatriämie oder Hyperkaliämie
- Begleitender Diabetes mellitus
- Kardiovaskuläre Vorerkrankungen (Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen)
- Höheres Lebensalter
- Schwere Infektionen als Trigger einer Addison-Krise
- Günstige Prognosefaktoren
- Physiologische Glukokortikoid-Ersatztherapie ohne chronische Überdosierung
- Adäquate Mineralokortikoid-Substitution mit stabiler Blutdruck-, Elektrolyt- und Reninkontrolle
- Konsequente Patientenschulung zur Stressdosis
- Verfügbarkeit von parenteralem Hydrocortison (Gabe außerhalb des Verdauungstraktes) zur Notfallselbstinjektion (Notfallspritze zur Selbstanwendung)
- Regelmäßige endokrinologische Verlaufskontrollen (Kontrollen durch einen Hormonspezialisten)
- Frühe Behandlung von Infekten und gastrointestinalen Erkrankungen (Erkrankungen von Magen und Darm)
- Erkennen und Mitbehandlung assoziierter Autoimmunerkrankungen (Erkrankungen durch Fehlsteuerung des Immunsystems)
Literatur
- Dineen R, Thompson CJ, Sherlock M. Adrenal crisis: prevention and management in adult patients. Ther Adv Endocrinol Metab. 2019;10:2042018819848218. https://doi.org/10.1177/2042018819848218
- Dalakas K, Allosso F, Bobbio E, Pasquali D, Johannsson G, Esposito D et al.: Increased mortality in primary adrenal insufficiency. Eur J Endocrinol. 2025;193(4):S53-S60. https://doi.org/10.1093/ejendo/lvaf186
- Caetano CM, Malchoff CD. Daily Glucocorticoid Replacement Dose in Adrenal Insufficiency, a Mini Review. Front Endocrinol (Lausanne). 2022;13:897211. https://doi.org/10.3389/fendo.2022.897211
Leitlinien
- Bornstein SR, Allolio B, Arlt W, Barthel A, Don-Wauchope A, Hammer GD et al.: Diagnosis and Treatment of Primary Adrenal Insufficiency: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2016;101(2):364-389. https://doi.org/10.1210/jc.2015-1710