Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Tachypnoe (beschleunigte Atmung) bei pulmonaler Erkrankung (Lungenerkrankung) – vermehrter respiratorischer Wasserverlust (Wasserverlust über die Atmung), insbesondere bei Fieber, Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) oder schwerer respiratorischer Infektion (Atemwegsinfektion)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes insipidus (Wasserharnruhr) – zentraler oder nephrogener Mangel beziehungsweise Wirkverlust von antidiuretischem Hormon (Hormon zur Wasserrückhaltung) mit Polyurie (vermehrte Harnausscheidung), Polydipsie (gesteigerter Durst) und Risiko einer hypernatriämischen Dehydratation (Austrocknung mit erhöhtem Natriumwert im Blut)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – insbesondere hyperglykämische Entgleisung (Entgleisung mit erhöhtem Blutzucker) mit osmotischer Diurese (vermehrte Harnausscheidung durch osmotisch wirksame Stoffe), Polyurie und Exsikkose (Austrocknung)
  • Hypercalcämie (erhöhter Calciumwert im Blut) – kann über nephrogenen Konzentrationsdefekt (nierenbedingte Störung der Harnkonzentrierung), Polyurie, Übelkeit und reduzierte Trinkmenge zur Dehydratation führen
  • Nebennierenrindeninsuffizienz (NNR-Insuffizienz; Unterfunktion der Nebennierenrinde) – Cortisol- und gegebenenfalls Aldosteronmangel (Mangel am Salzhaushaltshormon) mit Natriumverlust, Hypovolämie (vermindertem Blut-/Flüssigkeitsvolumen), Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Erbrechen und Addison-Krise (akute lebensbedrohliche Nebennierenrindenkrise)

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Hyperhidrose (krankhaft vermehrtes Schwitzen) – pathologisch gesteigerte Schweißsekretion (Schweißbildung) mit relevantem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust (Verlust von Blutsalzen) bei ausgeprägter Ausprägung

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Akute infektiöse Gastroenteritis (akute ansteckende Magen-Darm-Entzündung) – häufige Ursache einer Dehydratation durch Diarrhö (Durchfall), Erbrechen, Fieber und verminderte orale Flüssigkeitsaufnahme (Flüssigkeitsaufnahme über den Mund)
  • Cholera (schwere bakterielle Durchfallerkrankung) – schwere sekretorische Diarrhö mit raschem hypovolämischem Verlauf (Verlauf mit Blut-/Flüssigkeitsvolumenmangel)
  • Sepsis (Blutvergiftung) – Flüssigkeitsverlust beziehungsweise relative Hypovolämie durch Fieber, Kapillarleck (Flüssigkeitsaustritt aus kleinen Blutgefäßen), verminderte Zufuhr, Erbrechen oder Diarrhö

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (langandauernde entzündliche Darmerkrankungen) – Dehydratation bei akuter schwerer Kolitis (Dickdarmentzündung), Diarrhö, Fieber, Blut-/Flüssigkeitsverlust und reduzierter Zufuhr
  • Darmobstruktion/Ileus (Darmverschluss) – Flüssigkeitsverschiebung in den Gastrointestinaltrakt (Magen-Darm-Trakt), Erbrechen und fehlende orale Zufuhr
  • Gastrointestinale Fisteln (krankhafte Verbindungsgänge im Magen-Darm-Trakt) oder Hochoutput-Stoma (künstlicher Darmausgang mit hoher Ausscheidungsmenge) – kontinuierlicher Verlust von Wasser und Elektrolyten, besonders bei Dünndarmstoma (künstlicher Dünndarmausgang)
  • Kurzdarmsyndrom (Erkrankung nach Verlust großer Dünndarmanteile) – Malabsorption (gestörte Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeit) und hohe enterale Flüssigkeitsverluste (Flüssigkeitsverluste über den Darm) mit chronischem Dehydratationsrisiko
  • Schwere Dysphagie (Schluckstörung) oder Ösophagusstenose (Verengung der Speiseröhre) – Dehydratation durch unzureichende orale Flüssigkeitsaufnahme

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Adipsie (fehlendes Durstgefühl)/Hypodipsie (vermindertes Durstgefühl) – fehlendes beziehungsweise vermindertes Durstgefühl mit Risiko einer hypernatriämischen Dehydratation
  • Bewusstseinsstörung, Delir (akuter Verwirrtheitszustand) oder Demenz (geistiger Abbau) – Dehydratation durch fehlende selbstständige Flüssigkeitsaufnahme
  • Schlaganfall (Hirninfarkt/Hirnblutung) mit Dysphagie – reduzierte orale Flüssigkeitsaufnahme bei Schluckstörung

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Hyperemesis gravidarum (schweres Schwangerschaftserbrechen) – persistierendes Schwangerschaftserbrechen mit Flüssigkeitsmangel, Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze) und Ketose (vermehrte Bildung von Ketonkörpern)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Diarrhö – relevanter gastrointestinaler Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, sofern keine spezifische Ursache bereits klassifiziert ist
  • Erbrechen – akuter Verlust von Wasser, Chlorid (Blutsalz Chlorid) und Wasserstoffionen (saure Teilchen) mit Risiko für Hypovolämie und metabolische Alkalose (stoffwechselbedingte Blutalkalisierung)
  • Fieber – vermehrter Flüssigkeitsbedarf und erhöhte insensible Wasserverluste (nicht direkt wahrnehmbare Wasserverluste)
  • Verminderte Flüssigkeitsaufnahme – insbesondere bei Immobilität (fehlender Beweglichkeit), Pflegebedürftigkeit, Schluckstörung, Schmerzen, Übelkeit oder fehlendem Zugang zu Flüssigkeit

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute tubuläre Schädigung (akute Schädigung der Nierenkanälchen), polyurische Erholungsphase (Erholungsphase mit stark vermehrter Harnausscheidung) – renaler Wasser- und Elektrolytverlust (Wasser- und Blutsalzverlust über die Niere) nach akuter Nierenschädigung
  • Chronische Nierenkrankheit (langandauernde Nierenerkrankung) mit Konzentrationsstörung (Störung der Harnkonzentrierung) – eingeschränkte Fähigkeit zur Harnkonzentrierung mit Polyurie und Dehydratationsneigung
  • Postobstruktive Diurese (vermehrte Harnausscheidung nach Beseitigung einer Abflussbehinderung) – überschießende Harnausscheidung nach Entlastung einer Harnwegsobstruktion (Harnabflussstörung) mit Risiko für Hypovolämie
  • Salt-losing nephritis (Salzverlustniere) – tubuläre Natriumrückresorptionsstörung (Störung der Natriumrückaufnahme in den Nierenkanälchen) mit renaler Natrium- und Wasserverlusttendenz

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Großflächige Verbrennungen – Flüssigkeitsverlust über geschädigte Haut, Kapillarleck und hohes Risiko eines hypovolämischen Schocks (Kreislaufschock durch Volumenmangel)
  • Schwere Blutung oder Polytrauma (Mehrfachverletzung) – Volumenmangel mit klinischer Dehydratations- beziehungsweise Schocksymptomatik (Zeichen eines Kreislaufschocks)

Medikamente

  • Diuretika (harntreibende Medikamente) – insbesondere Schleifendiuretika und Thiaziddiuretika mit renalem Wasser- und Elektrolytverlust
  • Laxanzienabusus (Missbrauch von Abführmitteln) – chronischer gastrointestinaler Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch induzierte Diarrhö
  • Lithium (Medikament zur Stimmungsstabilisierung) – relevante Ursache eines nephrogenen Diabetes insipidus mit Polyurie und Dehydratationsrisiko
  • Mannitol (osmotisch wirksames Medikament) oder andere osmotische Diuretika – osmotisch bedingte Polyurie mit Volumenmangel
  • SGLT2-Inhibitoren (Sodium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitoren; blutzuckersenkende Medikamente mit vermehrter Zuckerausscheidung im Urin) – Glukosurie (Zuckerausscheidung im Urin) mit osmotischer Diurese, besonders bei reduzierter Trinkmenge, Infekt, Hitzeexposition oder perioperativer Situation (Situation um eine Operation herum)

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Alkoholintoxikation (Alkoholvergiftung) – Dehydratation durch Diurese (Harnausscheidung), Erbrechen, Bewusstseinsminderung und reduzierte Flüssigkeitsaufnahme
  • Hitzeexposition/Hitzschlag (Überwärmung mit Hitzeschädigung) – Dehydratation durch Schwitzen, Hyperthermie (Überwärmung des Körpers) und unzureichende Flüssigkeitszufuhr
  • Körperliche Extrembelastung – Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch Schwitzen, insbesondere bei Ausdauerbelastung, Hitze und unzureichender Rehydratation (Wiederauffüllung von Flüssigkeit)