Diabetes mellitus Typ 1 – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
Glucose
| BZ präprandial |
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| BZ 1-2 h postprandial |
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| HbA1c |
|
Weitere Parameter
| Parameter | Zustand | Therapieziel |
| Lipide |
Patienten ohne mikro- oder makrovaskuläre Erkrankung |
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| Patienten mit mikro- oder makrovaskulärer Erkrankung |
|
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| Patienten mit Triglyceriden > 1.000 mg/dl |
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| Blutdruck | Patienten mit arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) |
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| Gewicht | BMI |
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Weiteres: s. u. Hypercholesterinämie (erhöhte Cholesterinwerte)/Pharmakotherapie: Lipidzielwerte und lipidsenkende Therapie bei Patienten mit Diabetes mellitus
Therapieempfehlungen
- Intensivierte Insulintherapie ist die Therapie der ersten Wahl.
- Bei den meisten Patienten soll die Therapie als intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) oder mittels Insulinpumpe erfolgen; sensorunterstützte Verfahren und Systeme zur automatisierten Insulindosierung (AID) sind heute integraler Bestandteil der modernen Therapie.
Insulintherapie:
- Basalunterstützte orale Therapie (BOT)
- Für den klassischen Typ-1-Diabetes nicht indiziert.
- Basalinsulin in Kombination mit oralen Antidiabetika ist ein Therapiekonzept des Typ-2-Diabetes.
- Supplementäre Insulintherapie mit präprandialen Injektionen ohne Basalinsulin (SIT)
- Für den klassischen Typ-1-Diabetes nicht indiziert.
- Konventionelle Insulintherapie (CT)
- Starres Injektionsschema: Gabe eines festgelegten Insulinregimes, meist mit Mischinsulin
- geringe Flexibilität bezüglich Mahlzeiten, körperlicher Aktivität und Tagesablauf
- Heute beim Typ-1-Diabetes nur noch in begründeten Ausnahmefällen, wenn ICT, Pumpentherapie oder AID nicht umsetzbar sind.
Intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT), Therapie der ersten Wahl
- Basaler Insulinspiegel: Deckung des Basalbedarfes über ein langwirksames Basalinsulin bzw. Verzögerungsinsulin; Dosis und Applikationszeitpunkt werden individuell festgelegt.
- Mahlzeitenbezogener Insulinbedarf: Mahlzeitenadaptierte Gabe eines kurzwirksamen Insulins bzw. Insulinanalogons entsprechend Kohlenhydratmenge, aktueller Glucose, geplanter Aktivität und individueller Insulinsensitivität.
- Intensivierte Insulintherapie:
- mindestens 4 Insulinapplikationen pro Tag bzw. funktionell gleichwertige Pumpentherapie
- Substitution wie folgt:
- Basaler Insulinspiegel: Basaler Insulinbedarf mit langwirkendem Basalinsulin/Verzögerungsinsulin
- Mahlzeitenbezogener Insulinbedarf: prandialer Insulinbedarf mit kurzwirksamem Bolusinsulin
- Durchführung mit Insulinspritze, Insulinpens oder Insulinpumpen.
- flexible Insulingaben je nach Situation.
Falls unter intensivierter konventioneller Insulintherapie (ICT) Therapieziele nicht erreichbar sind, dann:
- Sensor-System zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) in Kombination mit einer Insulinpumpe oder
- System zur automatisierten Insulindosierung (AID, Synonym: Closed Loop)
Insulinpumpentherapie (PT)
- Basaler Insulinspiegel: kontinuierliche subkutane Zufuhr eines schnellwirksamen Insulins als Basalrate
- Mahlzeitenbezogener Insulinbedarf: Bolusgabe zu Mahlzeiten; Anpassung der Dosis an aktuellen Glucosewert, Kohlenhydratmenge und Situation
- Indikationen: häufige oder schwere Hypoglykämien, eingeschränkte Hypoglykämiewahrnehmung, stark schwankende Glucosewerte, Dawn-Phänomen (morgendlicher Blutzuckeranstieg), Schwangerschaft bzw. geplanter Kinderwunsch, unzureichende Zielerreichung unter ICT, ausgeprägte Glucosevariabilität (starke Blutzuckerschwankungen)
- Patienten, die mit einer Insulinpumpe versorgt werden, haben ein niedrigeres Mortalitätsrisiko (Sterblichkeitsrisiko) als Patienten, die selbst spritzen [1]
Beachte:
- Bei häufigen Hypoglykämien, bei rezidivierenden schweren Hypoglykämien oder bei eingeschränkter Hypoglykämiewahrnehmung sollte der Einsatz einer Insulinpumpentherapie mit AID-Algorithmus angeboten werden [S3-Leitlinie].
- Sollten Therapieziele bei Typ-1-Diabetes mit ICT bzw. konventioneller Pumpentherapie nicht ausreichend erreicht werden, sollte ein System zur automatisierten Insulindosierung (AID) eingesetzt werden [S3-Leitlinie].
- AID-Systeme sind heute die bevorzugte Form der Insulinapplikation, wenn sie verfügbar, geeignet und vom Patienten gewünscht sind.
Automatisierte Insulindosierung (AID, Synonym: Closed Loop)
- Inzwischen gibt es einen „closed loop“ aus sensorgestützter Glucosemessung und Insulinpumpe. Dabei wird die Insulinabgabe durch Echtzeit-Glucosemessung automatisch gesteuert ("künstliches Pankreas").
- Die Qualität der Therapie wird unter anderem an der „time in range“ (TIR) beurteilt. Diese gibt den Anteil der Zeit im Tagesverlauf an, in der die Glucosewerte im gewünschten Bereich von 70-180 mg/dl liegen.
- TIR-Ziel für die meisten Erwachsenen: > 70 %
- Reduktion von HbA1c sowie von Hyper- und Hypoglykämiezeiten
- Im Studienverlauf stiegen die TIR-Werte in der Verumgruppe um etwa 10 Prozentpunkte auf 71 %, während sie in der Kontrollgruppe weitgehend unverändert blieben [7].
Patientenempfehlung
- Regelmäßiges Wechseln der Injektions- bzw. Katheterstelle vermeidet Lipohypertrophien/Lipodystrophien (Fettgewebsveränderungen an der Einstichstelle).
Beachte:
- Patienten mit einem latenten autoimmunen Diabetes im Erwachsenenalter (LADA)werden initial häufig wie Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 behandelt, benötigen aber meist früher Insulin als Typ-2-Diabetiker ohne Antikörper.
- In einer Phase-III-Studie konnte gezeigt werden, dass der Calcium-Antagonist Verapamil bei Patienten mit einem neu diagnostizierten Typ-1-Diabetes die Restfunktion der Betazellen (ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse) über ein Jahr weitgehend erhalten konnte [12].
- Teplizumab ist seit Januar 2026 in der Europäischen Union zur Verzögerung des Fortschreitens eines Typ-1-Diabetes im Stadium 2 in das klinische Stadium 3 bei Erwachsenen und bei Kindern ab 8 Jahren zugelassen. Die Substanz ist nicht zur Behandlung eines bereits manifesten Typ-1-Diabetes (Stadium 3) bestimmt. Grundlage der Zulassung ist die TN-10-Studie mit einer Verzögerung der klinischen Manifestation um im Median etwa 2 Jahre [14,15].
Wichtige Fakten
- Täglicher Insulinbedarf ca. 0,4-1,0 I.E./kg/die (individuell sehr variabel)
- 1 Broteinheit (BE) ≡ Menge eines Nahrungsmittels, die 12 g Kohlenhydrate enthält; die Berechnung der notwendigen Insulinmenge erfolgt individuell über den BE-Faktor bzw. das Insulin-Kohlenhydrat-Verhältnis
- Die blutzuckersenkende Wirkung von 1 I.E. Insulin ist individuell unterschiedlich und hängt von Insulinsensitivität, Tageszeit und Situation ab.
- Dosisanpassungen erfolgen individuell anhand aktueller Glucosewerte, Zielwert, Korrekturfaktor und noch wirksamem Insulin.
- Cave: Die meisten heute verwendeten Pen-Insuline liegen in einer Konzentration von 100 I.E./ml vor; zusätzlich existieren höher konzentrierte Formulierungen.
Weitere Hinweise
- Hinweise zur Insulinallergie (s. u.)
- Therapieempfehlungen in unterschiedlichen Situationen (s. u.).
- Hinweise zur Insulin-begleitenden Therapie mit GLP-1-Analoga sind nur in begründeten Einzelfällen und Off-Label-Use zu diskutieren (s. u.) [Berichte aus der aktuellen Forschung]
- CD3-Antikörper Teplizumab – kann den Beginn der Insulinpflicht im Frühstadium der Erkrankung bei Stadium-2-Typ-1-Diabetes verzögern; keine Indikation bei manifestem Stadium-3-Typ-1-Diabetes.
- Metformin
- Für das alleinige Therapieziel einer Verbesserung der glykämischen Kontrolle sollte der zusätzliche Einsatz von Metformin nicht erfolgen [S3-Leitlinie].
- Bei kardiovaskulären Risikofaktoren, Übergewicht/Adipositas und einer Insulinresistenz kann die zusätzliche Gabe von Metformin wegen vorteilhafter Effekte auf LDL-Cholesterin und Körpergewicht erwogen werden (EG 0) [S3-Leitlinie].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Insulin
| Wirkstoff | Wirkbeginn | Wirkmaximum | Wirkdauer | Indikationen | Besonderheiten |
| Kurzwirksame Insuline |
|||||
| Normalinsulin (= Altinsulin) |
15-30 min | 2-4 h | 5-8 h | ICT, PT, i.v.-Therapie |
Spritz-Ess-Abstand meist 15-30 min |
| Insulin-Analoga Insulin lispro Insulin aspart Insulin glulisin |
5-15 min | 1-2 h | 3-5 h | ICT, PT, AID | Kein oder nur kurzer Spritz-Ess-Abstand |
| Basalinsuline/Verzögerungsinsuline | |||||
| Intermediärinsulin | 45-90 min | 4-10 h | 12-18 h | in Einzelfällen ICT | Heute seltener verwendet |
| Langzeitinsulin | 1-4 h | kein ausgeprägtes Maximum | bis > 24 h | ICT | Basalabdeckung |
| Insulin-Analoga Insulin glargin Insulin detemir Insulin degludec |
1-4 h | ca. 18-42 h | ICT |
kein oder nur gering ausgeprägtes Wirkmaximum Niedrigeres Hypoglykämierisiko; stabile Stoffwechseleinstellung möglich |
|
| Kombinationsinsuline | |||||
| Je nach genauer Zusammensetzung von kurzwirksamem und Basalinsulin |
CT | Beim Typ-1-Diabetes nur in Ausnahmefällen | |||
Wirkungsweise
Ersatz des fehlenden körpereigenen Insulins:
- → Glykogensynthese, Lipidsynthese, Proteinbiosynthese (Eiweißaufbau)
- → Glykogenolyse ↓, Gluconeogenese ↓, Proteinolyse ↓, Lipolyse ↓
Add-on-Therapie bei Typ-1-Diabetes
Inkretinmimetika (GLP-1-Rezeptoragonisten)
| Wirkstoff | Max. Dosis | Besonderheiten |
| Liraglutid | 1,8 mg/d |
mahlzeitenunabhängig subkutan Keine Zulassung für den Typ-1-Diabetes; Anwendung nur im Off-Label-Use in begründeten Einzelfällen |
- Wirkweise: GLP-1-Rezeptoragonisten können Körpergewicht und Insulinbedarf senken; eine routinemäßige Add-on-Therapie beim Typ-1-Diabetes wird jedoch nicht empfohlen.
- Nebenwirkungen: gastrointestinal (Übelkeit, Durchfall, Erbrechen); Bauchschmerzen, reduzierter Appetit.
- Beachte: Das Inkretinmimetikum Liraglutid hat in einer tierexperimentellen Studie langfristig die Beta-Zell-Funktion beeinträchtigt [4].
- Abnahme des Körpergewichts; gering bessere Kontrolle des Typ-1-Diabetes in einzelnen Studien; keine generelle leitlinienbasierte Empfehlung.
Gliflozine (SGLT-2-Inhibitoren/SGLT2-Hemmer; SGLT-2-Blocker, SGLT-Hemmer)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Dapagliflozin |
Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz (dauerhafter Nierenschwäche) profitieren in anderen zugelassenen Indikationen deutlich [8]. Bei manifestem Typ-1-Diabetes nicht anwenden. Beachte: Dapagliflozin darf wegen der Gefahr von Ketoazidosen (schwerer Übersäuerung des Blutes) nicht zur Behandlung des Typ-1-Diabetes angewendet werden [10]. |
| Sotagliflozin |
keine reguläre Anwendung bei Typ-1-Diabetes erhöhtes Risiko für diabetische Ketoazidosen |
- Wirkweise: Selektive Inhibition des Natrium-Glucose-Cotransporters 2 (SGLT-2) führt zur Glukosurie und Blutzuckersenkung.
- Antidiabetika-Gruppe der SGLT-2-Hemmer senkt auch Blutharnstoffwerte.
- Je geringer die Nierenfunktion, desto geringer ist die Wirkung von SGLT-2-Inhibitoren: Diese ist für den manifesten Typ-1-Diabetes therapeutisch nicht relevant, da diese Substanzklasse hier nicht eingesetzt werden soll.
- Indikation: keine Indikation beim manifesten Typ-1-Diabetes.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff; Gravidität (Schwangerschaft) (wg. Toxizität in Tierversuchen); Typ-1-Diabetes
- Nicht empfohlen sind SGLT-2-Hemmer bei Volumenmangel bzw. Diuretikatherapie.
- Nebenwirkungen: gastrointestinal (Übelkeit), Harnwegsinfektionen (HWI), Genitalinfektionen (Entzündungen im Genitalbereich) (Vulvitis und Vulvovaginitis bei der Frau sowie Balanitis beim Mann), Rückenschmerzen, Dysurie (schmerzhaftes Wasserlassen), Polyurie (vermehrtes Wasserlassen), Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung)
- Die FDA warnt zudem vor seltenen schweren Infektionen des Genital- bzw. Perinealbereichs (Dammbereichs) unter SGLT2-Hemmern [6].
- Patienten sollten bei entsprechender Konstellation ihre Ketonspiegel selbst messen
- US-Arzneibehörde warnt vor dem möglichen Auftreten einer schweren Ketoazidose unter der Therapie mit SGLT2-Inhibitoren wie Canagliflozin, Dapagliflozin und Empagliflozin [5]
- AkdÄ Drug Safety Mail | 07-2017|: Information des BfArM zu SGLT-2-Inhibitoren: möglicherweise erhöhtes Risiko für Amputationen der unteren Extremitäten.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA kommt in einer neuen Bewertung des Antidiabetikums zum Ergebnis, dass das Amputationsrisiko unter der Behandlung mit Canagliflozin doch nicht so hoch ist wie bisher angenommen [9]. - Dapagliflozin (SGLT2-Hemmer): Abnahme des Körpergewichts und geringe Verbesserung metabolischer Parameter wurden beschrieben; wegen des erhöhten Risikos für diabetische Ketoazidosen ist die Anwendung beim Typ-1-Diabetes jedoch nicht angezeigt.
Therapie in besonderen Situationen
Körperliche Aktivität
Sport und schwere körperliche Arbeit führen zu einer vermehrten Aufnahme von Glucose durch die Muskelzellen, wobei dies weitgehend insulinunabhängig ist. Daher müssen je nach Intensität der Aktivität die Insulindosis vor einer geplanten Aktivität reduziert werden, oder es müssen zusätzliche Kohlenhydratportionen (Broteinheiten; BE) verzehrt werden.
Nach einer solchen Aktivität kann die Glucoseaufnahme und -verbrennung durch die Muskeln noch für Stunden insulinunabhängig aufrechterhalten werden, sodass die Insulindosis angepasst werden muss.
Um sportinduzierte Hyper- bzw. Hypoglykämien zu vermeiden, sollten Typ-1-Diabetiker:
- Blutzuckerspiegel vor, während und nach dem Sport messen
- Beginn der sportlichen Betätigung verzögern, wenn der Blutzuckerspiegel über 14 mmol/l (250 mg/dl) oder unter 5,5 mmol/l (100 mg/dl) liegt
- Insulin in ein durch die körperliche Aktivität nicht beanspruchtes Gebiet injizieren
- Ggf. zusätzliche Kohlenhydrate zuführen, wenn eine Anpassung der Insulindosis nicht mehr möglich ist
Adipositas
- Bei Patienten mit Typ-1-Diabetes, die eine Adipositas und damit häufig zusätzlich einen Typ-2-Diabetes entwickelt haben, können Inkretinmimetika Semaglutid und Tirzepatid das Körpergewicht senken [13].
Die „Off-Label-Behandlung" geht mit Risiken einher: Die Behandlung führt dazu, dass der tägliche Insulinbedarf absinkt, was schnell zur Überdosierung und Hypoglykämie führen kann.
Akute oder chronische Infekte
Diese erhöhen durch den katabolen Zustand den Insulinbedarf, was die Diabeteseinstellung erheblich erschwert. In einem solchen Fall muss die Insulindosis in Abhängigkeit von den Glucosewerten schrittweise gesteigert werden, um die Werte wenigstens in einem Bereich von 8,3-11,1 mmol/l (150-200 mg/dl) zu halten. Nicht selten ist hierzu ein Mehrbedarf von 50-100 % erforderlich. Eine vollständige Normalisierung der Blutglucose gelingt hierbei fast nie und ist in einer solchen Situation auch nicht erforderlich. Mit Abklingen der Infektion muss auch die Insulindosis wieder schrittweise reduziert werden.
Es darf auf keinen Fall der Fehler begangen werden, überhaupt kein Insulin zu verabreichen, falls der Patient krankheitsbedingt die Nahrungsaufnahme verweigert. Dies ist ein häufiger Fehler, den Patienten und Angehörige machen, und sollte gesondert in den Schulungen vermittelt werden.
Insulinallergie
- Kriterien für eine Insulinallergie sind [11]:
- Wiederkehrende lokale oder systemische Reaktionen
- sofort nach der Injektion (Typ-I-Allergie: Urtikaria (Nesselsucht); Larynxödem (Schwellung des Kehlkopfs)) oder
- verzögert (Typ-IV-Reaktion: subkutane, nicht juckende Knoten)
- jede Insulingabe führt zu diesen Reaktionen
- um die Injektionsstelle zentrierte Reaktionen
- Reaktion auch nachweisbar unter Insulinprovokation unter ärztlicher Aufsicht
- Wiederkehrende lokale oder systemische Reaktionen
- In 95 % der Fälle mit Verdacht auf Insulinallergie ist keine allergische Komponente die Ursache der Symptome [2]
- Maßnahmen bei Insulinallergie (modifiziert nach Jaquier et al. 2013) [3]
- Schweregrad: leicht
- Untersuchungen: Ausschließen schadhafter Nadeln; Reaktion auf Insulin bestätigen
- Maßnahmen: ggf. Austausch der Nadeln und/oder des Insulinpräparates; bei Bedarf Antihistaminikum
- Schweregrad: moderat
- Untersuchungen (zusätzlich zu oben):
- Gesamt IgE
- Insulinspezifisches IgE
- Latexspezifisches IgE
- Glucose und C-Peptid (bei Bedarf)
- Maßnahmen:
- Regelmäßige Einnahme nicht sedierender Antihistaminika: Loratadin, Desloratadin, Cetirizin
- Topische Steroide
- Inhalierbare Beta-Agonisten bei Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien)
- Untersuchungen (zusätzlich zu oben):
- Schweregrad: schwer bzw. persistierend
- Untersuchungen (zusätzlich zu oben):
- Prick- oder intradermaler Hauttest [Methode der Wahl zur Diagnosesicherung]
- C1-Inhibitor
- Komplementfaktoren
- Ausschließen von viralen und bakteriellen Infektionen als Ursache der Urtikaria (Hepatitis B, CMV, EBV)
- Ggf. Dermatologen / Rheumatologen / Immunologen / konsultieren
- Maßnahmen:
- H1- und H2-Antihistaminika (Loratadin + Ranitidin) [bei Sofort-Typ-Allergien]
- Ggf. Insulin i.v. kurzzeitig
- Insulinpumpentherapie mit oder ohne Hydrocortison
- Hyposensibilisierung
- Systemische Steroide; Leukotrienrezeptorantagonist; Omalizumab (anti-IgE-monoklonale Antikörper); systemische Immunsuppression
- Pankreastransplantation
- Stufentherapie der Insulinallergie [11]
- versuchen, das Insulin durch ein orales Antidiabetikum oder einen GLP1-Antagonisten zu ersetzen.
- andere Insulinformulierung ausprobieren
- bei Soforttyp-Typ-Allergie: Antihistaminikum
- Wechsel auf eine Insulinpumpentherapie
- Untersuchungen (zusätzlich zu oben):
- Schweregrad: leicht
Perioperative Betreuung
Chirurgische Eingriffe bei Diabetikern sind unter enger Abstimmung des Chirurgen, des Anästhesisten und des Internisten zu planen.
Folgende Vorgehensweise hat sich bei insulinspritzenden Diabetikern bewährt:
- Operation so früh wie möglich am Tag
- Blutzuckerkontrolle alle 1-2 Stunden (Ziel: 6,7-10,0 mmol/l/120-180 mg/dl; situationsabhängig individualisierbar)
- Ggf. Glucoseinfusion/Insulin i.v. (je nach klinikinternem Schema)
- Kaliumkontrolle im Serum
- Postoperativ Rückkehr zum ursprünglichen Behandlungsregime, sobald der Patient essen kann
Gravidität
Eine Schwangerschaft bei Typ-1-Diabetikerinnen erfordert eine genaue Planung und strikte Einhaltung der therapeutischen Maßnahmen. Für Diabetikerinnen mit Kinderwunsch ist eine Normalisierung des HbA1c und eine intensivierte Insulintherapie anzustreben. Insbesondere bei der Konzeption – am besten schon vor der Konzeption – und im ersten Trimenon muss der Stoffwechsel sehr gut eingestellt sein, da sonst das Risiko für fetale Missbildungen (Fehlbildungen) vier- bis zehnfach erhöht ist!
Therapie der „Hypercholesterinämie“ für die Sekundär- und Primärprävention
Eine Indikation für eine Statintherapie besteht (gemäß Leitlinien des American College of Cardiology und der American Heart Association; November 2013) für:
- Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen unabhängig vom LDL-Wert
- Personen mit LDL-Werten ab ≥ 4,9 mmol/l (≥ 190) mg/dl
- Diabetiker im Alter von 40-75 Jahren
- Patienten mit einem kardiovaskulären 10-Jahres-Risiko ab 7,5 % und ab einem LDL-Wert von 170 mg/dl
Spezifische therapeutische Maßnahmen bei diabetischen Folgeerkrankungen
Siehe dazu unter den gleichnamigen Themen:
- Diabetischer Fuß (diabetesbedingte Fußschädigung)
- Diabetische Nephropathie (Nierenschädigung)
- Diabetische Polyneuropathie (Schädigung mehrerer Nerven)
- Diabetische Retinopathie (Netzhautschädigung)
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Herz und Gefäßen sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Kalium, Magnesium)
- Spurenelemente (Chrom, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Traubenkern- und Olivenpolyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesium- und Kaliumcitrat), probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Literatur
- Analyse des schwedischen Diabetes-Registers: Study shows users of insulin pumps are at 29 percent lower risk of death compared with patients on insulin injections. Diabetologia 16-Sep-2014 46-707-777-323
- Bodtger U, Wittrup M: A rational clinical approach to suspected insulin allergy: status after 5 years and 22 cases. Diabet Med 2005; 22:102-106.
- Jacquier J, Chik Cl, Senior PA: A practical, clinical approach to the assessment and management of suspected Insulin allergy. Diabet Med 2013; 30:977-985.
- Abdulreda MH et al.: Liraglutide Compromises Pancreatic b Cell Function in a Humanized Mouse Model. Cell Metabolism 23, 1–6 March 8, 2016. http://dx.doi.org/10.1016/j.cmet.2016.01.009
- FDA Drug Safety Communication: FDA revises labels of SGLT2 inhibitors for diabetes to include warnings about too much acid in the blood and serious urinary tract infections. FDA Posted 12/04/2015
- FDA Drug Safety Communication: FDA warns about rare occurrences of a serious infection of the genital area with SGLT2 inhibitors for diabetes. Posted 08/29/2018
- Brown SA et al.: Six-Month Randomized, Multicenter Trial of Closed-Loop Control in Type 1 Diabetes N Engl J Med. October 16, 2019 doi: 10.1056/NEJMoa1907863
- Heerspink HJL et al.: Rationale and protocol of the Dapagliflozin And Prevention of Adverse outcomes in Chronic Kidney Disease (DAPA-CKD) randomized controlled trial. Nephrol Dial Transplant. 2020 Feb 1;35(2):274-282. doi: 10.1093/ndt/gfz290.
- FDA: Invokana, Invokamet, Invokamet XR (canagliflozin): MedWatch Safety Alert — Boxed Warning about Risk of Leg and Foot Amputations Removed. [Posted 08/26/2020]
- Rote-Hand-Brief zu Forxiga® (Dapagliflozin) 5 mg: Das Arzneimittel darf nicht mehr zur Behandlung von Typ-1-Diabetes angewendet werden. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 29.10.2021
- Sola-Gazagnes A et al.: Insulin allergy: a diagnostic and therapeutic strategy based on a retrospective cohort and a case-control study Diabetologia . 2022 May 4. doi: 10.1007/s00125-022-05710-9
- Forlenza G et al.: Effect of Verapamil on Pancreatic Beta Cell Function in Newly Diagnosed Pediatric Type 1 Diabetes A Randomized Clinical Trial JAMA. Published online February 24, 2023. doi:10.1001/jama.2023.2064
- Garg SK et al.: Efficacy of Semaglutide in Overweight and Obese Patients with Type 1 Diabetes. Diabetes Technology & Therapeutics :1 Feb 2024 https://doi.org/10.1089/dia.2023.0490
- Fachinformation Teizeild® (Teplizumab), Stand: 01/2026.
- Herold KC et al. An Anti-CD3 Antibody, Teplizumab, in Relatives at Risk for Type 1 Diabetes. N Engl J Med. 2019;381(7):603-613.
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Therapie des Typ-1-Diabetes. (AWMF-Registernummer: 057-013), September 2023 Langfassung