Adrenogenitales Syndrom (AGS) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein adrenogenitales Syndrom (AGS) (angeborene Hormonbildungsstörung der Nebenniere) mitbedingt sein können:

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Virilisierung (Vermännlichung) des äußeren Genitales (der äußeren Geschlechtsorgane) bei weiblichem chromosomalem Geschlecht (genetisch weiblichem Geschlecht), insbesondere bei klassischem adrenogenitalem Syndrom infolge 21-Hydroxylase-Mangel (Mangel eines Enzyms der Hormonbildung) [LL1, 1-3]
  • Klitorishypertrophie (Vergrößerung der Klitoris), Labioskrotalfusion (Verwachsung der Schamlippen zu einem hodensackähnlichen Gewebe) und gemeinsamer Urogenitalsinus (gemeinsamer Ausgang von Harn- und Geschlechtswegen) bei ausgeprägter pränataler Androgenexposition (Einwirkung männlicher Geschlechtshormone vor der Geburt) [LL1, 1-3]
  • Fehlzuordnung des Geschlechts bei ausgeprägter Virilisierung des äußeren Genitales im Neugeborenenalter [LL1, 1-3]
  • Operations- und narbenassoziierte anatomische Folgeprobleme nach genitalrekonstruktiven Eingriffen (operativen Wiederherstellungen im Genitalbereich), insbesondere bei komplexer virilisierender Genitalfehlbildung [LL1, 1-3]

Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)

  • Neonatale Salzverlustkrise (Salzverlustkrise beim Neugeborenen) bei klassischem Salzverlust-adrenogenitalem Syndrom mit Hyponatriämie (erniedrigtem Natriumspiegel), Hyperkaliämie (erhöhtem Kaliumspiegel), Exsikkose (Austrocknung), Hypotonie (niedrigem Blutdruck), metabolischer Azidose (stoffwechselbedingter Übersäuerung des Blutes) und Schockrisiko [LL1, 1-3]
  • Hypoglykämie (Unterzuckerung) im Neugeborenen- und Säuglingsalter bei Cortisolmangel (Mangel an Stresshormon), insbesondere im Rahmen interkurrenter Erkrankungen (zwischenzeitlich auftretender Erkrankungen), Fastenphasen oder unzureichender Stressdosistherapie (erhöhter Hormonersatzgabe bei Belastung) [LL1, 1-3]
  • Akute Nebennierenrindenkrise (akuter lebensbedrohlicher Hormonmangel der Nebennierenrinde) mit potenziell lebensbedrohlichem Verlauf bei verspäteter Diagnose (Erkennung), Therapieunterbrechung, Erbrechen, Infektion (Ansteckung), Operation oder erhöhtem Glukokortikoidbedarf (Bedarf an Cortison-ähnlichen Hormonen) [LL1, 1-3]
  • Gedeihstörung (unzureichende Entwicklung), Trinkschwäche und Gewichtsverlust im Säuglingsalter bei unbehandeltem oder unzureichend behandeltem Salzverlust [LL1, 1-3]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Chronische primäre Nebennierenrindeninsuffizienz (dauerhafte Unterfunktion der Nebennierenrinde) mit lebenslangem Glukokortikoidbedarf, bei Salzverlustform zusätzlich Mineralokortikoidbedarf (Bedarf an salzregulierenden Hormonen) [LL1, 1-3]
  • Hyperandrogenämie (erhöhte Spiegel männlicher Geschlechtshormone) mit Virilisierung, Akne, Hirsutismus (vermehrter männlicher Behaarungstyp), Seborrhoe (vermehrter Talgproduktion) und androgenetischer Alopezie (hormonbedingtem Haarausfall), insbesondere bei unzureichender Suppression (Unterdrückung) der adrenalen Androgenproduktion (Produktion männlicher Geschlechtshormone in der Nebenniere) [LL1, 1-3]
  • Pseudopubertas praecox (scheinbare vorzeitige Pubertät) beim männlichen Geschlecht mit vorzeitiger Pubarche (vorzeitiger Schambehaarung), Peniswachstum, beschleunigtem Längenwachstum und fortgeschrittener Knochenreifung [LL1, 1-3]
  • Periphere Pubertas praecox (vorzeitige Pubertät ohne zentrale Steuerung) beim weiblichen Geschlecht mit vorzeitiger Pubarche und Virilisierungszeichen [LL1, 1-3]
  • Zentrale Pubertas praecox (vorzeitige Pubertät durch frühe Aktivierung der Hirn-Hormonachse) nach länger bestehender Hyperandrogenämie und beschleunigter Knochenreifung [LL1, 1-3]
  • Verminderte Endgröße durch beschleunigte Knochenreifung bei unzureichend kontrollierter Hyperandrogenämie oder durch Übertherapie mit Glukokortikoiden [LL1, 1-3]
  • Iatrogenes Cushing-Syndrom (durch Behandlung verursachte Cortison-Überwirkung) bei langfristiger Glukokortikoid-Übertherapie, insbesondere mit Gewichtszunahme, Stammfettsucht, Wachstumshemmung, Hypertonie (Bluthochdruck) und metabolischen Veränderungen (Stoffwechselveränderungen) [LL1, 1-3]
  • Übergewicht, Adipositas (Fettleibigkeit), Insulinresistenz (verminderte Insulinwirkung), gestörte Glukosetoleranz (gestörte Zuckerverwertung) und Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung) als kardiometabolische Langzeitkomplikationen (Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Langzeitfolgen), insbesondere bei ungünstiger Glukokortikoidexposition (Einwirkung von Cortison-ähnlichen Hormonen) und reduzierter körperlicher Aktivität [1-3]
  • Polyzystisch-ovarielle Morphologie (viele kleine Eibläschen im Eierstock) beziehungsweise polyzystisch-ovarielles Syndrom-ähnliches Bild (dem PCO-Syndrom ähnliche Konstellation) bei Hyperandrogenämie, Zyklusstörungen (Störungen der Monatsblutung) und Anovulation (Ausbleiben des Eisprungs) [LL1, 1-3]
  • Adrenale Myelolipome (gutartige Fett- und Knochenmarkgewebstumoren der Nebenniere) bei chronisch erhöhter adrenocorticotroper Hormon-Stimulation (dauerhaft erhöhter Anregung der Nebenniere durch das Steuerhormon ACTH), insbesondere bei langjährig unzureichend kontrolliertem klassischem adrenogenitalem Syndrom [1-3]
  • Erhöhte Mortalität (Sterblichkeit) bei Nebennierenrindenkrisen, unzureichender Stressdosistherapie, komorbiden (begleitenden) kardiometabolischen Risiken oder Versorgungslücken in der Langzeitbetreuung [1-3]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Akne und Seborrhoe bei persistierender Hyperandrogenämie [LL1, 1-3]
  • Hirsutismus bei weiblichen Patienten, insbesondere bei klassischem oder nichtklassischem adrenogenitalem Syndrom mit unzureichender hormoneller Kontrolle [LL1, 1-3]
  • Androgenetische Alopezie bei chronischer Hyperandrogenämie [LL1, 1-3]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arterielle Hypertonie, insbesondere bei Mineralokortikoid-Übertherapie, Glukokortikoid-Übertherapie, Adipositas oder ungünstigem kardiometabolischem Risikoprofil [LL1, 1-3]
  • Erhöhtes kardiometabolisches Risikoprofil mit Dyslipidämie, Insulinresistenz, Adipositas und Blutdruckerhöhung als mögliche Langzeitfolge der Erkrankung und/oder ihrer Therapie [1-3]
  • Erhöhte kardiovaskuläre Morbidität (Herz-Kreislauf-Erkrankungshäufigkeit) bei Erwachsenen mit klassischem adrenogenitalem Syndrom, insbesondere bei ungünstiger Glukokortikoidexposition und metabolischen Risikofaktoren [1-3]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Wachstumsstörung mit reduzierter Endgröße bei unzureichender hormoneller Kontrolle oder iatrogener Glukokortikoidexposition [LL1, 1-3]
  • Beschleunigte Knochenreifung und vorzeitiger Epiphysenschluss (vorzeitiger Schluss der Wachstumsfugen) bei unbehandelter oder unzureichend behandelter Hyperandrogenämie [LL1, 1-3]
  • Verminderte Knochendichte, Osteopenie (verminderte Knochenmasse) oder Osteoporose (Knochenschwund) bei langfristiger Glukokortikoidexposition, insbesondere bei Übertherapie, Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen) oder weiteren Risikofaktoren [1-3]
  • Erhöhtes Frakturrisiko (Knochenbruchrisiko) bei reduzierter Knochengesundheit, Glukokortikoid-Übertherapie oder Hypogonadismus [1-3]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Testikuläre adrenale Resttumoren (TART) (Nebennierenrestgewebstumoren im Hoden) bei männlichen Patienten mit klassischem adrenogenitalem Syndrom; häufig bilaterale (beidseitige), meist benigne (gutartige) Raumforderungen im Bereich des Rete testis (Hodennetzes) mit Risiko für Hodenschädigung und Infertilität (Unfruchtbarkeit) [LL1, 1, 3-4]
  • Adrenale Myelolipome als benigne Nebennierentumoren, insbesondere bei langjährig erhöhter adrenocorticotroper Hormon-Stimulation und unzureichender Krankheitskontrolle [1-3]
  • Adrenale Resttumoren (Nebennierenrestgewebstumoren) beziehungsweise ektopes adrenales Restgewebe (Nebennierenrestgewebe außerhalb der Nebenniere), selten klinisch relevant, jedoch unter chronisch erhöhter adrenocorticotroper Hormon-Stimulation potenziell proliferationsfähig (wachstumsfähig) [1, 3-4]
  • Nebennierenvergrößerung beziehungsweise knotige Nebennierenveränderungen bei chronisch erhöhter adrenocorticotroper Hormon-Stimulation [1-3]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Beeinträchtigte gesundheitsbezogene Lebensqualität bei chronischer Erkrankung, lebenslanger Therapie, Fertilitätsproblemen, Genitaloperationen oder psychosozialer Belastung [LL1, 1-3]
  • Depressive Symptome, Angststörungen oder psychosoziale Anpassungsstörungen als mögliche Langzeitkomplikationen, insbesondere bei komplexer Krankheitsverarbeitung und chronischer Therapiebelastung [LL1, 1-3]
  • Störungen der Sexualfunktion und der sexuellen Zufriedenheit, insbesondere bei Frauen mit klassischem adrenogenitalem Syndrom, Virilisierung, Genitaloperationen oder persistierender Hyperandrogenämie [LL1, 1-3]
  • Belastung durch chronische Therapieadhärenz (Einhalten der Behandlung), Notfallmanagement (Umgang mit Notfallsituationen), Transition (Wechsel) in die Erwachsenenmedizin und wiederholte endokrinologische Kontrollen (Kontrollen der Hormonmedizin) [LL1, 1-3]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Reduzierte Fertilität und verlängerte Zeit bis zur Konzeption (Empfängnis) bei Frauen mit klassischem adrenogenitalem Syndrom, insbesondere bei Hyperandrogenämie, Progesteron-Hypersekretion (erhöhter Progesteronbildung), Anovulation oder psychosozialen Faktoren [LL1, 1-3]
  • Erhöhter Bedarf an endokrinologischer Mitbetreuung (Mitbetreuung durch Hormonmedizin) in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett wegen notwendiger Anpassung der Glukokortikoidtherapie und Vermeidung einer Nebennierenrindenkrise [LL1, 1-3]
  • Geburtshilfliche Komplikationen bei vorausgegangenen Genitaloperationen, ausgeprägten anatomischen Veränderungen oder Narbenbildung im Genitalbereich [LL1, 1-3]
  • Erhöhtes Risiko für Nebennierenrindenkrisen bei Geburt, Kaiserschnitt, Hyperemesis (starkem Schwangerschaftserbrechen), Infektionen oder unzureichender perioperativer Stressdosistherapie (Stressdosistherapie rund um eine Operation) [LL1, 1-3]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hyponatriämie, Hyperkaliämie, metabolische Azidose und Hypovolämie (vermindertes Blutvolumen) bei Salzverlustkrise [LL1, 1-3]
  • Hypoglykämie bei Cortisolmangel, insbesondere bei Säuglingen, Kindern oder interkurrenten Erkrankungen [LL1, 1-3]
  • Erhöhte Konzentrationen von 17-Hydroxyprogesteron (Vorstufe der Cortisolbildung), Androstendion (männliches Geschlechtshormon-Vorstufenhormon) und Testosteron (männliches Geschlechtshormon) bei unzureichend kontrollierter Hyperandrogenämie [LL1, 1-3]
  • Erhöhte Reninaktivität (Aktivität eines blutdruck- und salzregulierenden Hormons) beziehungsweise erhöhtes Renin bei unzureichender Mineralokortikoidsubstitution (Ersatz salzregulierender Hormone) und supprimiertes Renin (unterdrücktes Renin) bei Mineralokortikoid-Übertherapie [LL1, 1-3]
  • Vorzeitige Knochenalter-Akzeleration (beschleunigtes Knochenalter) bei chronischer Hyperandrogenämie im Kindesalter [LL1, 1-3]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Fertilitätsstörungen bei Frauen mit klassischem oder nichtklassischem adrenogenitalem Syndrom, insbesondere bei Hyperandrogenämie, Progesteron-Hypersekretion, Oligomenorrhoe (verlängerter Zyklus), Amenorrhoe (Ausbleiben der Monatsblutung) oder Anovulation [LL1, 1-3]
  • Oligomenorrhoe oder Amenorrhoe durch Hyperandrogenämie und Störung der hypothalamisch-hypophysär-ovariellen Achse (Hormonachse zwischen Zwischenhirn, Hirnanhangsdrüse und Eierstock) [LL1, 1-3]
  • Anovulation und Lutealinsuffizienz (Gelbkörperschwäche) bei unzureichender hormoneller Kontrolle, insbesondere bei erhöhtem Progesteron (Gelbkörperhormon) beziehungsweise 17-Hydroxyprogesteron [LL1, 1-3]
  • Entwicklung multipler Ovarialzysten (mehrerer Eierstockzysten) beziehungsweise polyzystisch-ovarielle Morphologie bei chronischer Hyperandrogenämie [LL1, 1-3]
  • Fertilitätsstörungen bei Männern durch testikuläre adrenale Resttumoren (TART), Kompression (Druckschädigung) der Samenkanälchen, Leydig-Zell-Dysfunktion (Funktionsstörung testosteronbildender Hodenzellen), Sertoli-Zell-Dysfunktion (Funktionsstörung spermienunterstützender Hodenzellen), Oligozoospermie (verminderte Spermienzahl) oder Azoospermie (fehlende Spermien im Ejakulat) [LL1, 1, 3-4]
  • Hypogonadotroper Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen durch verminderte Steuerhormone) bei männlichen Patienten durch chronisch erhöhte adrenale Androgene beziehungsweise inadäquate hormonelle Kontrolle [LL1, 1, 3-4]
  • Hodenparenchymschädigung (Schädigung des Hodengewebes) und irreversible Einschränkung der Spermatogenese (Spermienbildung) bei fortgeschrittenen testikulären adrenalen Resttumoren (TART) [1, 3-4]
  • Genitale Narben, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), sexuelle Funktionsstörungen oder Miktionsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen) nach genitalrekonstruktiven Eingriffen bei weiblichen Patienten mit virilisiertem Genitale [LL1, 1-3]

Weiteres

  • Therapieassoziierte Morbidität (behandlungsbedingte Krankheitsbelastung) durch Unter- oder Übertherapie: Untertherapie begünstigt Hyperandrogenämie, Salzverlust, Nebennierenrindenkrisen, testikuläre adrenale Resttumoren (TART) und Fertilitätsstörungen; Übertherapie begünstigt Wachstumshemmung, Cushingoid (Cushing-ähnliches Erscheinungsbild), Adipositas, Hypertonie, Insulinresistenz und reduzierte Knochendichte [LL1, 1-4]
  • Transition-bedingte Versorgungslücken beim Übergang von der pädiatrischen (kinderärztlichen) in die Erwachsenenmedizin mit Risiko für inadäquate Therapieadhärenz, Entgleisungen und Langzeitkomplikationen [LL1, 1-3]
  • Notfallrisiko bei fehlendem Steroid-Notfallausweis (Ausweis für Cortison-Notfälle), fehlendem Hydrocortison-Notfallset (Notfallset mit Cortisonpräparat) oder fehlender Schulung zur parenteralen Notfalltherapie (Notfallbehandlung per Spritze oder Infusion) [LL1, 1-3]

Prognosefaktoren

  • Genotyp (Erbanlagenmuster) und klinische Form des adrenogenitalen Syndroms: Salzverlustform und klassische Form sind mit höherem Risiko für Nebennierenrindenkrisen, Virilisierung, Wachstumsstörungen, testikuläre adrenale Resttumoren (TART) und Fertilitätsstörungen verbunden [LL1, 1-4]
  • Qualität der hormonellen Einstellung: stabile Kontrolle von 17-Hydroxyprogesteron, Androstendion, Testosteron, Renin, Elektrolyten (Blutsalzen) und klinischem Wachstum beziehungsweise Pubertätsverlauf verbessert die Langzeitprognose (langfristige Vorhersage des Krankheitsverlaufs) [LL1, 1-3]
  • Therapieadhärenz und Stressdosismanagement: sichere Anwendung von Glukokortikoid-Stressdosen und Notfallhydrocortison (Notfall-Cortisonpräparat) reduziert das Risiko akuter Nebennierenrindenkrisen [LL1, 1-3]
  • Vermeidung chronischer Glukokortikoid-Übertherapie: relevant für Endgröße, Knochendichte, Gewicht, Blutdruck, Glukosestoffwechsel (Zuckerstoffwechsel) und kardiometabolisches Risiko [LL1, 1-3]
  • Frühe Erkennung testikulärer adrenaler Resttumoren (TART): regelmäßige Hodensonographie (Ultraschalluntersuchung der Hoden) ab Pubertät beziehungsweise bei klinischer Indikation (medizinischem Anlass) verbessert die Chance auf reversible Befunde (rückbildungsfähige Befunde) und Fertilitätserhalt [LL1, 1, 3-4]
  • Interdisziplinäre Betreuung (fachübergreifende Betreuung): pädiatrische Endokrinologie (Kinder-Hormonmedizin), Erwachsenenendokrinologie (Hormonmedizin für Erwachsene), Gynäkologie (Frauenheilkunde), Andrologie (Männerheilkunde), Urologie (Heilkunde der Harn- und männlichen Geschlechtsorgane), Reproduktionsmedizin (Fortpflanzungsmedizin), Psychologie und Humangenetik (Erbmedizin) sind für Langzeitverlauf, Fertilität und Lebensqualität prognostisch relevant [LL1, 1-4]

Hinweise

  • Oligomenorrhoe: Intervall zwischen den Blutungen > 35 Tage und ≤ 90 Tage.
  • Amenorrhoe: Ausbleiben der Menstruation > 90 Tage bzw. definitionsabhängig primäre oder sekundäre Amenorrhoe.

 

 

Literatur

  1. Pofi R, Ji X, Krone NP, Tomlinson JW: Long-term health consequences of congenital adrenal hyperplasia. Clin Endocrinol (Oxf). 2024;101(4):318-331. https://doi.org/10.1111/cen.14967
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  3. Nordenström A, Lajic S, Falhammar H: Long-Term Outcomes of Congenital Adrenal Hyperplasia. Endocrinol Metab (Seoul). 2022;37(4):587-598. https://doi.org/10.3803/EnM.2022.1528
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Leitlinien

  1. Speiser PW, Arlt W, Auchus RJ et al.: Congenital Adrenal Hyperplasia Due to Steroid 21-Hydroxylase Deficiency: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2018;103(11):4043-4088. https://doi.org/10.1210/jc.2018-01865