Zungenentzündung (Glossitis) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Glossitis mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Seltene akute Dyspnoe (Atemnot) bis obere Atemwegsobstruktion (Verlegung der oberen Atemwege) bei massiver ödematöser Glossitis (stark geschwollener Zungenentzündung), insbesondere im Rahmen allergischer, infektiöser oder toxisch-irritativer Reaktionen [1, 6]
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Glossodynie (Zungenschmerz) beziehungsweise persistierende Zungenschmerzen bei entzündlicher, atrophischer, fissurierter oder infektiöser Glossitis [1, 2, 6]
- Dysgeusie (Geschmacksstörung) beziehungsweise Hypogeusie (vermindertes Geschmacksempfinden) bei entzündlicher oder atrophischer Schädigung der Zungenpapillen (Geschmackspapillen der Zunge) und der oralen Schleimhaut (Mundschleimhaut) [1-3, 6]
- Dysphagie (Schluckstörung) beziehungsweise Odynophagie (Schluckschmerz) bei schmerzhafter, ödematöser, erosiver oder ulzerierender Glossitis mit Einschränkung der oralen Nahrungsaufnahme (Nahrungsaufnahme über den Mund) [1, 5-7]
- Fissuren (Einrisse), Erosionen (oberflächliche Schleimhautdefekte) oder Ulzerationen (Geschwüre) der Zunge bei ausgeprägter entzündlicher, atrophischer, traumatisch-irritativer oder infektiöser Glossitis [1, 6]
- Reduzierte orale Nahrungsaufnahme mit Risiko für Gewichtsverlust oder Mangelernährung bei ausgeprägter Schmerzsymptomatik (Schmerzbeschwerden), Dysgeusie, Dysphagie oder begleitender oraler Mukositis (Mundschleimhautentzündung); die Evidenz ist insbesondere für orale Schleimhautentzündungen und Kopf-Hals-Tumorpatienten gut belegt und auf schwere Glossitis klinisch plausibel übertragbar [5, 7]
- Candida-assoziierte Persistenz (Fortbestehen durch Hefepilze) beziehungsweise Exazerbation (Verschlechterung) einer Glossitis, insbesondere bei medianer rhomboider Glossitis (mittig-rautenförmiger Zungenentzündung), atrophischer Schleimhaut, Xerostomie (Mundtrockenheit), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) [1, 2, 5, 6]
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Orales Zungenkarzinom (Zungenkrebs) bei chronischen entzündlichen Zungenerkrankungen; epidemiologisch besteht eine Assoziation (statistischer Zusammenhang) zwischen entzündlichen Zungenerkrankungen einschließlich Glossitis und einem erhöhten Risiko für Zungenkarzinome, ohne dass daraus für den Einzelfall eine gesicherte Kausalität (Ursächlichkeit) abzuleiten ist [4]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei persistierender schmerzhafter Glossitis, insbesondere durch chronische orale Schmerzen, Brennen, Einschränkung von Essen, Schlucken, Sprechen und Schlaf [5, 6]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Brennen, Schmerz, Schwellung, Erythem (Rötung), Depapillierung (Rückbildung der Zungenpapillen) und subjektives Fremdkörpergefühl der Zunge als klinisch relevante Beschwerdekomplexe bei akuter oder chronischer Glossitis [1, 2, 6]
- Artikulations- beziehungsweise Sprechbeeinträchtigung bei schmerzhafter oder geschwollener Zunge, da die Zunge wesentlich an Artikulation (Lautbildung), Bolusbildung (Formung des Speisebreis) und Schlucken beteiligt ist [1, 6]
Prognosefaktoren
- Ätiologie der Glossitis: Reversible Ursachen wie Mangelzustände, irritative Auslöser oder behandelbare Infektionen haben eine bessere Prognose (Vorhersage des Krankheitsverlaufs) als chronisch-entzündliche, autoimmune (gegen körpereigene Strukturen gerichtete), immunologische oder neoplastisch verdächtige Ursachen [1-3, 6]
- Dauer und Persistenz der Läsion: Chronische, nicht abheilende, indurierte (verhärtete), erythroplakische (rötlich-schleimhautveränderte), leukoplakische (weißlich-schleimhautveränderte) oder stabile Zungenläsionen (Zungenveränderungen) verschlechtern die Prognose und erfordern eine bioptische Abklärung (Gewebeentnahme zur Untersuchung) zum Ausschluss einer malignen Erkrankung (bösartigen Erkrankung) [1, 4, 6]
- Ausmaß der Schleimhautatrophie: Ausgeprägte Depapillierung und atrophische Glossitis sind mit Schmerzen, Dysgeusie, Dysphagie und hämatinischen Mangelzuständen (Mangel an blutbildungsrelevanten Stoffen) assoziiert [2, 3]
- Begleitende Xerostomie, Diabetes mellitus oder Immunsuppression: Diese Faktoren erhöhen das Risiko für persistierende orale Beschwerden und Candida-assoziierte Schleimhautbeteiligung [1, 2, 5, 6]
- Ernährungsstatus: Bestehende oder durch Schmerzen, Dysgeusie und Dysphagie verstärkte Mangelernährung kann die Schleimhautregeneration (Erholung der Schleimhaut) verzögern und die Beschwerdepersistenz (Fortbestehen der Beschwerden) begünstigen [2, 5, 7]
- Genussmittelkonsum: Tabak, Alkohol, scharfe Speisen und andere irritative Expositionen (reizende Einwirkungen) können Symptome verstärken und die Abheilung verzögern [1, 6]
- Alter und chronisch-entzündliche Zungenerkrankung: Bei älteren Patienten ist bei persistierenden entzündlichen Zungenveränderungen eine erhöhte klinische Wachsamkeit hinsichtlich prämaligner (krebsvorstufenartiger) oder maligner Läsionen erforderlich [4]
Literatur
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