Narbenbruch (Narbenhernie) – Differentialdiagnosen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Fremdkörpergranulom (entzündlicher Gewebeknoten durch Fremdmaterial) der Haut und Unterhaut – insbesondere Fadengranulom (entzündlicher Gewebeknoten um Nahtmaterial) im Narbenbereich; umschriebene derbe Raumforderung (Gewebeschwellung) ohne Fasziendefekt (Lücke in der bindegewebigen Hülle) und ohne typische Reponierbarkeit (Zurückdrückbarkeit)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Primäre ventrale Hernie (ursprünglich entstandener Bauchwandbruch) – insbesondere epigastrische Hernie (Oberbauchbruch), Nabelhernie (Nabelbruch) oder Spieghel-Hernie (seitlicher Bauchwandbruch); Fasziendefekt liegt unabhängig von einer Operationsnarbe vor

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Rektusdiastase (Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln) – Vorwölbung der vorderen Bauchwand, insbesondere bei Erhöhung des intraabdominellen Drucks (Drucks im Bauchraum); im Gegensatz zur Narbenhernie (Bauchwandbruch im Bereich einer Operationsnarbe) kein umschriebener Fasziendefekt

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Desmoidfibromatose (gutartige, örtlich aggressiv wachsende Bindegewebsgeschwulst) der Bauchwand – solide, häufig tief gelegene und wenig verschiebliche Raumforderung ohne Reponierbarkeit; insbesondere nach vorausgegangenen Operationen oder Schwangerschaften relevant
  • Lipom (gutartige Fettgewebsgeschwulst) der Bauchwand – meist weiche, verschiebliche subkutane (unter der Haut gelegene) Raumforderung ohne Fasziendefekt und ohne Größenzunahme beim Pressen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Denervationsbedingte Bauchwand-Pseudohernie (scheinbarer Bauchwandbruch durch Nervenschädigung) – Vorwölbung durch segmentale Parese (abschnittsweise Muskellähmung) und Atrophie (Gewebeschwund) der Bauchwandmuskulatur ohne Fasziendefekt; insbesondere nach lateralen abdominalen (seitlichen Eingriffen am Bauch) oder retroperitonealen Eingriffen (Eingriffen hinter dem Bauchfell) relevant

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Narbenendometriose (gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in einer Operationsnarbe) – insbesondere nach Sectio caesarea (Kaiserschnitt) oder gynäkologischen Operationen; schmerzhafte, häufig zyklusabhängig größen- bzw. beschwerdevariable Raumforderung im Narbenbereich ohne typische Reponierbarkeit

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Postoperatives Hämatom (Bluterguss nach einer Operation) – überwiegend früh postoperativ (nach einer Operation) auftretende schmerzhafte oder gespannte Raumforderung ohne reponierbaren Bruchsack (Ausstülpung des Bauchfells durch eine Bruchlücke)
  • Postoperatives Serom (Wundflüssigkeitsansammlung nach einer Operation) – häufige postoperative Flüssigkeitsansammlung mit fluktuierender (weich schwankender) Vorwölbung ohne Fasziendefekt; wichtige Differentialdiagnose (mögliche andere Ursache der Beschwerden) insbesondere in der frühen postoperativen Phase
  • Postoperative Wundinfektion (Wundentzündung nach einer Operation) bzw. Abszess (Eiteransammlung) – schmerzhafte Narbenschwellung, typischerweise mit lokalen Entzündungszeichen und gegebenenfalls systemischen Infektionszeichen (den ganzen Körper betreffenden Zeichen einer Infektion)