Leistenbruch (Inguinalhernie) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Haut und Schleimhäute (feuchte Schutzschichten)
      • Abdomen (Bauch)
      • Leistenregion (Leistengegend) beidseits im Stehen und Liegen, einschließlich femoraler Region (Oberschenkelregion), Skrotum (Hodensack) bzw. Labia majora (große Schamlippen); Beurteilung in Ruhe und unter Husten-/Valsalva-Manöver (Pressversuch gegen geschlossene Atemwege) [einseitige oder beidseitige Vorwölbung in der Leistenregion, Größenzunahme der Vorwölbung beim Husten oder Pressen, inguinoskrotale (von der Leiste in den Hodensack reichende) bzw. inguinolabiale (von der Leiste in die großen Schamlippen reichende) Ausdehnung]
    • Auskultation (Abhören)
      • Abdomen
      • Über der Leisten- bzw. Skrotalvorwölbung (Vorwölbung des Hodensacks) bei Verdacht auf darmhaltige Hernie (Bruch) [Darmgeräusche über der Vorwölbung]
    • Perkussion (Abklopfen)
      • Abdomen
      • Über der Vorwölbung [tympanitischer Klopfschall (trommelartiger Klopfschall) bei luftgefülltem Darmanteil]
    • Palpation (Abtasten)
      • Abdomen
      • Leistenregion beidseits im Stehen und Liegen; Palpation entlang des Leistenbandes (Band zwischen Beckenknochen und Schambein), des äußeren Leistenrings (äußere Öffnung des Leistenkanals), des Leistenkanals und der femoralen Region [tastbare Vorwölbung in der Leistenregion, tastbare Bruchpforte (Öffnung in der Bauchwand), Hustenanprall (tastbarer Druckstoß beim Husten), Größenzunahme beim Pressen, Reponibilität (Zurückschiebbarkeit), Irreponibilität (Nicht-zurückschiebbarkeit)]
      • Digitale Exploration (Untersuchung mit dem Finger) des Leistenkanals, beim Mann über den Skrotalansatz (Ansatz des Hodensacks) zum äußeren Leistenring, mit Husten- oder Pressmanöver [Hustenanprall an der Fingerkuppe, tastbare Vorwölbung im Leistenkanal]
      • Skrotum bzw. Labia majora bei ausgedehnter Hernie [inguinoskrotale bzw. inguinolabiale Vorwölbung]
  • Orientierende Untersuchung auf Komplikationszeichen
    • Beurteilung von Reponibilität, Schmerzhaftigkeit und Hautbefund der Leistenregion [irreponible Leistenhernie, schmerzhafte Leistenhernie, gerötete oder livide (bläulich-violett verfärbte) Haut über der Leistenhernie]
  • Ggf. ergänzende Untersuchung angrenzender Regionen
    • Hoden, Nebenhoden und Samenstrang bei männlichen Patienten mit skrotaler Beteiligung [inguinoskrotale Vorwölbung]
    • Äußere gynäkologische Untersuchung (Untersuchung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane) bei Patientinnen mit inguinolabialer Beteiligung [inguinolabiale Vorwölbung]

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.