Darminfarkt (Mesenterialinfarkt) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung)
      • Allgemeinzustand und Bewusstseinslage (Wachheitszustand)
      • Haut, Schleimhäute (feuchte Auskleidung innerer Körperoberflächen) und Skleren (weiße Augenhaut)
      • Körperhaltung bzw. Schonhaltung (schmerzentlastende Körperhaltung)
      • Abdomen (Bauch)
        • Form und Umfang des Abdomens
        • Operationsnarben, Hernien (Brüche)
        • Sichtbare Darmbewegungen bzw. abdominelle Pulsationen (sichtbares Pulsieren am Bauch)
    • Kreislaufstatus (Kreislaufzustand)
      • Blutdruck und Herzfrequenz [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und Hypotonie (niedriger Blutdruck) bis zum Kreislaufschock (schweres Kreislaufversagen) bei fortgeschrittener Darmischämie (Minderdurchblutung des Darms) bzw. Darmnekrose (Absterben von Darmgewebe)]
      • Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung der Körperenden) und Rekapillarisierungszeit (Zeit bis zur Wiederfüllung kleinster Blutgefäße) [verlängerte Rekapillarisierungszeit, kühle Extremitäten bei Kreislaufdekompensation (Versagen des Kreislaufs)]
    • Auskultation (Abhören) des Herzens
      • Herzrhythmus; insbesondere Hinweis auf Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung) als mögliche kardiale Emboliequelle (Gerinnselquelle im Herzen)
      • Herzgeräusche als Hinweis auf strukturelle Herzerkrankungen (bauliche Erkrankungen des Herzens) bzw. mögliche kardiale Emboliequellen
    • Auskultation der Lunge – insbesondere zur Beurteilung einer kardialen bzw. pulmonalen Begleiterkrankung (begleitenden Lungenerkrankung)
    • Gefäßstatus 
      • Palpation (Abtasten) der peripheren Pulse (Pulse an Armen und Beinen) beidseits
      • Seitenvergleich der Extremitäten hinsichtlich Temperatur, Hautkolorit (Hautfarbe) und Perfusion
      • Auskultation der abdominellen und femoralen Arterien (Schlagadern in Bauch und Leisten) auf Strömungsgeräusche als Hinweis auf eine generalisierte arteriosklerotische Gefäßerkrankung (Gefäßverkalkung)
    • Untersuchung des Abdomens
      • Inspektion – zu Beginn einer akuten Mesenterialischämie (akuten Minderdurchblutung des Darms) kann trotz ausgeprägter Schmerzsymptomatik (Schmerzbeschwerden) ein äußerlich unauffälliges Abdomen vorliegen
      • Auskultation der Darmgeräusche [initial erhaltene bzw. gesteigerte Darmgeräusche; bei fortgeschrittener Ischämie (Minderdurchblutung) verminderte bis fehlende Darmgeräusche im Sinne einer Darmparalyse (Darmlähmung)]
      • Perkussion (Abklopfen) des Abdomens [zunehmend tympanitischer Klopfschall (trommelartig klingender Klopfschall) bei paralytischem Ileus (Darmverschluss durch Darmlähmung) und intestinaler Distension (Aufblähung des Darms)]
      • Vorsichtige Palpation des Abdomens
        • Beurteilung von Druckschmerz (Schmerz bei Druck), Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchmuskulatur) und Loslassschmerz (Schmerz beim plötzlichen Loslassen nach Druck)
        • Frühphase: typischerweise geringe palpatorische Befunde (Tastbefunde) im Verhältnis zur ausgeprägten Schmerzsymptomatik
        • [zunehmender diffuser Druckschmerz, Abwehrspannung und Loslassschmerz bei transmuraler Darmischämie (Minderdurchblutung aller Darmwandschichten), Darmnekrose bzw. sekundärer Peritonitis (nachfolgender Bauchfellentzündung)]
        • [brettharte Bauchdecke (stark verhärtete Bauchdecke) bei ausgeprägter Peritonitis als Spätzeichen]
    • Digital-rektale Untersuchung (Untersuchung des Enddarms mit dem Finger)
      • Beurteilung von Rektumampulle (erweitertem Enddarmabschnitt) und Stuhl
      • [Blutbeimengungen bzw. Hämatochezie (sichtbares frisches Blut im Stuhl) bei fortgeschrittener intestinaler Ischämie (Minderdurchblutung des Darms) und Schleimhautschädigung (Schädigung der Darmschleimhaut)]

Red Flags (Warnzeichen) bei Mesenterialinfarkt (Darmgefäßinfarkt)

  • Akut einsetzender, sehr starker abdomineller Schmerz (Bauchschmerz) bei zunächst vergleichsweise geringem körperlichem Untersuchungsbefund
  • Neu auftretender Peritonismus (Zeichen einer Bauchfellreizung) mit Abwehrspannung und Loslassschmerz als Hinweis auf fortgeschrittene transmurale Darmischämie bzw. Darmnekrose
  • Kreislaufinstabilität (instabiler Kreislauf) mit Tachykardie und Hypotonie bis zum Schock
  • Fehlende Darmgeräusche mit zunehmender abdomineller Distension als Hinweis auf fortgeschrittene Ischämie und paralytischen Ileus
  • Hämatochezie bei fortgeschrittener intestinaler Schleimhautschädigung

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.