Darminfarkt (Mesenterialinfarkt) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch einen Mesenterialinfarkt (Darmgefäßverschluss mit Absterben von Darmgewebe) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akutes Atemnotsyndrom (schweres Lungenversagen) (ARDS) – bei schwerer Sepsis (Blutvergiftung), Schock (Kreislaufversagen) und Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe) [1, 2, LL1]

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Disseminierte intravasale Gerinnung (schwere Gerinnungsstörung mit Verbrauch von Gerinnungsfaktoren) (DIC) – bei schwerer Sepsis bzw. septischem Schock [1, 2, LL1]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Dehydratation (Austrocknung) – insbesondere bei ausgedehnter Dünndarmresektion (operative Entfernung von Dünndarmabschnitten), Ileostomie (künstlicher Dünndarmausgang) oder Kurzdarmsyndrom (Funktionsstörung nach Verlust größerer Darmabschnitte) [3]
  • Mangelernährung (unzureichende Versorgung mit Nährstoffen) – insbesondere bei Kurzdarmsyndrom mit intestinalem Versagen (Darmversagen) [3]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Kreislaufschock – bei Darmnekrose (Absterben von Darmgewebe), Peritonitis (Bauchfellentzündung), Sepsis, massiver Volumenverschiebung oder Reperfusionsschaden (Gewebeschädigung nach Wiederherstellung der Durchblutung) [1, 2, LL1]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis – durch bakterielle Translokation (Übertritt von Bakterien aus dem Darm), Darmgangrän (Brand des Darms), Darmperforation (Darmdurchbruch) oder Durchwanderungsperitonitis (Bauchfellentzündung durch Übertritt von Keimen durch die Darmwand) [1, 2, LL1]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Cholestase (Gallenstau) bzw. intestinal-failure-associated liver disease (Lebererkrankung bei Darmversagen) – bei längerfristiger parenteraler Ernährung (künstliche Ernährung über die Vene) infolge eines Kurzdarmsyndroms [3]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Darmgangrän mit transmuraler Darmnekrose (Absterben der gesamten Darmwand) [1, 2, 4, LL1]
  • Darmperforation – bei fortgeschrittener transmuraler Nekrose (Absterben aller Wandschichten) [1, 2, 4, LL1]
  • Durchwanderungsperitonitis – bei transmuraler Darmischämie (Minderdurchblutung der gesamten Darmwand) bzw. Darmgangrän [1, 2, 4, LL1]
  • Ileus (Darmverschluss) – paralytisch (durch Darmlähmung) bei Peritonitis/Sepsis oder mechanisch (durch ein Hindernis) nach ausgedehnter Operation und Adhäsionen (Verwachsungen) [1, 2, LL1]
  • Kurzdarmsyndrom – nach ausgedehnter Dünndarmresektion bei nicht erhaltungsfähigem infarziertem Darm (durch Infarkt geschädigtem Darm) [3]
  • Intestinales Versagen – bei Kurzdarmsyndrom mit unzureichender Resorptionsleistung (Aufnahmeleistung des Darms) und Bedarf an parenteraler Ernährung [3]
  • Anastomoseninsuffizienz (Undichtigkeit einer operativen Darmverbindung) – nach Darmresektion (operative Entfernung eines Darmabschnitts) bei kompromittierter Perfusion (gestörter Durchblutung), Sepsis oder kritischem Allgemeinzustand [1, 2, LL1]
  • Intraabdomineller Abszess (Eiteransammlung in der Bauchhöhle) – nach Darmperforation, Peritonitis oder postoperativer septischer Komplikation (Komplikation nach Operation mit Blutvergiftung) [1, 2, LL1]

Nieren und Harnwege – Geschlechtsorgane (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) – bei Schock, Sepsis, Multiorganversagen oder schwerer Dehydratation [1, 2, LL1]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Laktatazidose (Übersäuerung durch Milchsäure) – bei schwerer Gewebehypoxie (Sauerstoffmangel im Gewebe), Darmnekrose und Schock [1, 2, LL1]
  • Septischer Schock (Kreislaufversagen durch Blutvergiftung) – bei Sepsis infolge Darmgangrän, Perforation (Durchbruch) oder Peritonitis [1, 2, LL1]
  • Multiorganversagen (MODS, multiple organ dysfunction syndrome; MOF, multiple organ failure) – bei schwerer Sepsis, septischem Schock und intestinalem Ischämie-Reperfusionsschaden [1, 2, LL1]
  • Tod – insbesondere bei verzögerter Diagnostik, ausgedehnter Darmnekrose, nicht-okklusiver mesenterialer Ischämie (Minderdurchblutung des Darms ohne Gefäßverschluss), Sepsis oder Multiorganversagen [1, 2, 4, LL1]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Komplikationen einer parenteralen Ernährung – insbesondere katheterassoziierte Blutstrominfektion (Blutinfektion durch einen Venenkatheter), metabolische Komplikationen (stoffwechselbedingte Komplikationen) und leberassoziierte Komplikationen bei intestinalem Versagen [3]
  • Postoperative Komplikationen nach Darmresektion – insbesondere Anastomoseninsuffizienz, intraabdominelle Infektion (Infektion in der Bauchhöhle), Wundheilungsstörung und erneute Re-Laparotomie (erneute operative Eröffnung der Bauchhöhle) bei Second-look-Erfordernis (geplanter oder notwendiger Zweiteingriff zur Kontrolle) [1, 2, LL1]

Prognosefaktoren

  • Diagnose- und Therapieverzögerung – erhöht das Risiko für transmurale Darmnekrose, Darmresektion, Sepsis und Letalität (Sterblichkeit) [1, 2, 4, LL1]
  • Ausmaß der Darmnekrose – zentraler Prognosefaktor für Darmresektion, Kurzdarmsyndrom, intestinales Versagen und Mortalität (Sterblichkeit) [1, 2, 3, 4, LL1]
  • Nicht-okklusive mesenteriale Ischämie – ungünstige Prognose (Krankheitsverlauf), häufig bei kritisch kranken Patienten mit Schock, Sepsis, Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder Vasopressortherapie (Behandlung mit kreislaufstützenden Medikamenten) [1, 2, LL1]
  • Persistierender Schock (anhaltendes Kreislaufversagen), Laktatazidose und Organversagen (Versagen eines Organs) – ungünstige Prognosemarker für Sepsis, Multiorganversagen und Mortalität [1, 2, LL1]
  • Notwendigkeit einer ausgedehnten Dünndarmresektion – erhöht das Risiko für Kurzdarmsyndrom, parenterale Ernährung, intestinale Insuffizienz (Darmfunktionsschwäche) und Tod [3]
  • Fehlende oder verspätete Revaskularisation (Wiederherstellung der Durchblutung) bei okklusiver arterieller mesenterialer Ischämie (Darmminderdurchblutung durch arteriellen Gefäßverschluss) – erhöht das Risiko für irreversible Darmnekrose (nicht rückgängig zu machendes Absterben von Darmgewebe) und Mortalität [1, 2, LL1]

Literatur

  1. Reintam Blaser A, Koitmäe M, Bachmann KF et al.: Management of acute mesenteric ischaemia in adult patients: a systematic review and meta-analysis. World J Emerg Surg. 2025;20:36. https://doi.org/10.1186/s13017-025-00614-6
  2. Fuglseth H, Vetrhus M, Acosta S: Acute mesenteric ischaemia. Br J Surg. 2023;110(9):1030-1034. https://doi.org/10.1093/bjs/znad021
  3. Ito S, Ishiyama Y, Amiki M: Prognostic factor of patients with short bowel syndrome due to nonCrohn disease: A single institution observational study. Medicine. 2024;103(35):e39460. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000039460
  4. Lee MH, Kim SH, Lee SS et al.: Acute Mesenteric Ischemia: Pathophysiology-based Approach to Imaging Findings and Diagnosis. RadioGraphics. 2025;45(10). https://doi.org/10.1148/rg.250012

Leitlinien

  1. World Society of Emergency Surgery: Acute mesenteric ischemia: updated guidelines of the World Society of Emergency Surgery. World J Emerg Surg. 2022;17:54. https://doi.org/10.1186/s13017-022-00443-x