Darminfarkt (Mesenterialinfarkt) – Differentialdiagnosen

Die folgende Differenzialdiagnose (Abgrenzung ähnlicher Krankheitsbilder) umfasst Erkrankungen, die einen Mesenterialinfarkt (Darmgefäßinfarkt) klinisch imitieren können, sowie Krankheitsbilder, die ätiologisch zur akuten mesenterialen Ischämie (akuten Minderdurchblutung des Darms) führen können. Leitlinienbasiert entscheidend ist die Abgrenzung der vier Hauptformen: arterielle Embolie (Gefäßverschluss durch verschlepptes Blutgerinnsel), arterielle Thrombose (Gefäßverschluss durch örtliches Blutgerinnsel), nichtokklusive mesenteriale Ischämie (Minderdurchblutung ohne Gefäßverschluss) und mesenteriale Venenthrombose (Blutgerinnsel in Darmvenen).

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Darmmalrotation (angeborene Darmdrehungsstörung) mit Volvulus (Darmverdrehung) – angeborene Rotationsstörung des Darms mit Risiko einer akuten Gefäßkompression (Gefäßabdrückung), Darmobstruktion (Darmverschluss) und sekundären Darmischämie

Atmungssystem (J00-J99)

  • Basale Pneumonie (Lungenentzündung im unteren Lungenabschnitt) – kann pleuritische Oberbauchschmerzen (atemabhängige Oberbauchschmerzen), Fieber und Entzündungszeichen verursachen und ein akutes Abdomen (akuter Bauch) imitieren
  • Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie) – kann bei basaler Pleurabeteiligung (Beteiligung des Lungenfells) mit akuten Oberbauchschmerzen, Dyspnoe (Atemnot), Tachykardie (Herzrasen) und Lactaterhöhung einhergehen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Antiphospholipid-Syndrom (autoimmun bedingte Gerinnungsstörung) – erworbene Thrombophilie (Thromboseneigung) mit Risiko für arterielle und venöse Mesenterialgefäßverschlüsse (Verschlüsse der Darmgefäße)
  • Hämolytische Anämien (Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen) mit vaso-okklusiver Krise (Gefäßverschlusskrise), insbesondere Sichelzellkrankheit (erbliche Blutkrankheit) – abdominelle Schmerzkrisen (Bauchschmerzkrisen) können eine mesenteriale Ischämie imitieren oder selten intestinal ischämisch komplizieren
  • Myeloproliferative Neoplasien (Erkrankungen mit krankhafter Vermehrung blutbildender Zellen) – insbesondere Polycythaemia vera (Blutbildungsstörung mit Vermehrung roter Blutkörperchen) und essenzielle Thrombozythämie (Blutbildungsstörung mit Vermehrung der Blutplättchen) als Risikokonstellation für mesenteriale Venenthrombosen und splanchnische Thrombosen (Blutgerinnsel in Bauchgefäßen)
  • Thrombophilien – z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation (erbliche Gerinnungsvariante), Prothrombin-G20210A-Mutation (erbliche Gerinnungsvariante), Protein-C-, Protein-S- oder Antithrombinmangel (Mangel natürlicher Gerinnungshemmer) als Risikofaktoren einer mesenterialen Venenthrombose

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetische Ketoazidose (diabetische Stoffwechselübersäuerung) – akute metabolische Entgleisung (Stoffwechselentgleisung) mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Dehydratation (Austrocknung); wichtige Differenzialdiagnose des akuten Abdomens
  • Hypercalcämische Krise (akute Krise durch erhöhtes Calcium im Blut) – kann mit abdominellen Schmerzen, Ileusneigung (Neigung zum Darmverschluss), Übelkeit und Bewusstseinsstörung einhergehen
  • Porphyrie, akute intermittierende (angeborene Stoffwechselstörung der Blutfarbstoffbildung) – neuroviszerale Erkrankung (Erkrankung von Nerven und inneren Organen) mit kolikartigen Bauchschmerzen, vegetativen Symptomen (Symptomen des unwillkürlichen Nervensystems) und neurologischen Auffälligkeiten ohne primär chirurgische Ursache

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akute arterielle Mesenterialembolie – typischerweise Embolie in die Arteria mesenterica superior (obere Darmarterie), häufig bei Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung), kardialem Thrombus (Blutgerinnsel im Herzen), Klappenvitium (Herzklappenfehler) oder nach Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
  • Akute arterielle Mesenterialthrombose – thrombotischer Verschluss auf dem Boden einer vorbestehenden Atherosklerose (Arterienverkalkung) der Mesenterialarterien (Darmarterien); häufig bei bekannter peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Bein- oder Armarterien), koronarer Herzkrankheit (Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße) oder chronischer mesenterialer Ischämie (chronischer Minderdurchblutung des Darms)
  • Aortendissektion (Einriss der Hauptschlagaderwand) mit Beteiligung viszeraler Abgänge (Gefäßabgänge zu den inneren Organen) – kann eine akute mesenteriale Minderperfusion (Minderdurchblutung der Darmgefäße) verursachen und mit Thorax-/Rückenschmerz (Brustkorb-/Rückenschmerz), Schock oder neurologischen Symptomen kombiniert sein
  • Chronische mesenteriale Ischämie – postprandiale abdominelle Schmerzen (Bauchschmerzen nach dem Essen), Gewichtsverlust und Nahrungsvermeidung; kann in eine akute mesenteriale Ischämie übergehen
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) mit Low-output-Situation (verminderter Herzleistung) – Risikokonstellation für nichtokklusive mesenteriale Ischämie durch kritische Minderperfusion
  • Kardiogener, septischer oder hypovolämischer Schock (Schock durch Herzversagen, Infektion oder Volumenmangel) – systemische Minderperfusion (Minderdurchblutung des Körpers) als Ursache einer nichtokklusiven mesenterialen Ischämie
  • Median-Arcuate-Ligament-Syndrom (Kompressionssyndrom des Truncus coeliacus) – Kompression (Einengung) des Truncus coeliacus (Bauchgefäßstamm) mit postprandialen Oberbauchschmerzen und Gewichtsverlust; Differenzialdiagnose der chronischen mesenterialen Ischämie
  • Mesenteriale Venenthrombose – venöser Abflussverschluss mit abdominellen Schmerzen, Darmwandödem (Schwellung der Darmwand) und Risiko für hämorrhagische Darmischämie (Minderdurchblutung mit Einblutung)
  • Nichtokklusive mesenteriale Ischämie – mesenteriale Vasokonstriktion (Gefäßverengung der Darmgefäße) und Minderperfusion ohne makroskopischen Gefäßverschluss, insbesondere bei Schock, Katecholamintherapie (Behandlung mit kreislaufsteigernden Stresshormonen), schwerer Herzinsuffizienz, Dialyse (Blutwäsche) oder intensivmedizinischer Behandlung
  • Rupturiertes oder gedeckt rupturiertes abdominelles Aortenaneurysma (gerissene oder gedeckt gerissene Aussackung der Bauchschlagader) – akuter Bauch-/Rückenschmerz, Schock und pulsatile Raumforderung (pulsierende Gewebevermehrung); vitale Differenzialdiagnose

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Akute infektiöse Enterokolitis (infektiöse Dünn- und Dickdarmentzündung) – bakterielle, virale oder parasitäre Darminfektion mit Bauchschmerzen, Diarrhoe (Durchfall), Fieber und Entzündungszeichen
  • Clostridioides-difficile-Kolitis (Dickdarmentzündung durch Clostridioides difficile) – antibiotikaassoziierte Kolitis (Dickdarmentzündung) mit Diarrhoe, Bauchschmerzen, Leukozytose (Vermehrung weißer Blutkörperchen) und Risiko für toxisches Megakolon (gefährliche Dickdarmerweiterung)
  • Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen) – meist linksseitige Unterbauchschmerzen mit Fieber und Entzündungszeichen; bei Perforation (Durchbruch) akutes Abdomen
  • Neutropene Enterokolitis (Darmentzündung bei Mangel an neutrophilen weißen Blutkörperchen) – schwere infektiös-entzündliche Darmerkrankung bei Neutropenie (Mangel an neutrophilen weißen Blutkörperchen), insbesondere nach Chemotherapie (Krebsmedikamentenbehandlung)
  • Peritonitis (Bauchfellentzündung) – generalisierte oder lokalisierte Bauchfellentzündung bei perforiertem Hohlorgan, intraabdomineller Infektion (Infektion im Bauchraum) oder sekundärer bakterieller Kontamination (Keimbesiedlung)

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Akute Cholangitis (akute Gallengangsentzündung) – Fieber, Ikterus (Gelbsucht) und Oberbauchschmerz; bei septischem Verlauf relevante Differenzialdiagnose und potenzieller Auslöser nichtokklusiver Ischämie
  • Akute Cholezystitis (akute Gallenblasenentzündung) – rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Fieber, Entzündungszeichen und gegebenenfalls peritoneale Reizung (Bauchfellreizung)
  • Akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) – epigastrische Schmerzen (Schmerzen im Oberbauch) mit Ausstrahlung in den Rücken, Übelkeit, Erbrechen und systemischer Entzündungsreaktion
  • Choledocholithiasis (Stein im Hauptgallengang) – kolikartige Oberbauchschmerzen, Cholestaseparameteranstieg und gegebenenfalls sekundäre Cholangitis

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Akute Appendizitis (akute Blinddarmentzündung) – häufige Ursache des akuten Abdomens, insbesondere bei rechtsseitigem Unterbauchschmerz und Entzündungszeichen
  • Darmperforation – freies intraabdominelles Gas (freie Luft im Bauchraum), Peritonitis und Sepsis (Blutvergiftung); klinisch schwer von fortgeschrittener Darmischämie zu unterscheiden
  • Dünndarmileus (Dünndarmverschluss) – mechanischer oder funktioneller Darmverschluss mit kolikartigen Schmerzen, Erbrechen, Distension (Aufblähung) und Stuhl-/Windverhalt
  • Entzündliche Darmerkrankung mit akutem Schub – Morbus Crohn (chronische Darmentzündung) oder Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung) mit Bauchschmerzen, Diarrhoe, Blutbeimengung und systemischer Entzündung
  • Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) – akute gastrointestinale Infektion (Magen-Darm-Infektion) oder Toxinwirkung (Giftwirkung) mit Erbrechen, Diarrhoe und krampfartigen Bauchschmerzen
  • Invagination (Darmeinstülpung) – insbesondere bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen durch Leitstruktur; kolikartige Schmerzen und Ileussymptomatik (Darmverschlusssymptomatik)
  • Ischämische Kolitis (Dickdarmentzündung durch Minderdurchblutung) – meist segmentale Kolonischämie (abschnittsweise Dickdarmminderdurchblutung), häufig linksseitig; typischerweise abdominelle Schmerzen und blutige Diarrhoe, oft weniger fulminant als Dünndarmischämie
  • Kolonileus (Dickdarmverschluss) – Dickdarmverschluss, z. B. bei Karzinom (Krebs), Volvulus oder Stenose (Engstelle), mit Distension und akuter Schmerzsymptomatik
  • Kolonvolvulus (Dickdarmverdrehung) – insbesondere Sigma- oder Zökumvolvulus (Verdrehung von Krummdarm oder Blinddarmabschnitt) mit akutem Ileus, Distension und Ischämierisiko
  • Perforiertes Magen- oder Duodenalulkus (durchgebrochenes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür) – plötzlicher starker epigastrischer Schmerz, Peritonitis und freies Gas
  • Strangulationsileus (Darmverschluss mit Durchblutungsabschnürung) – mechanischer Ileus (Darmverschluss) mit kompromittierter Durchblutung; wichtigste Differenzialdiagnose, da ebenfalls rasch zur Darmnekrose (Absterben von Darmgewebe) führen kann
  • Toxisches Megakolon – akute Kolondilatation (Dickdarmerweiterung) bei schwerer Kolitis mit systemischer Toxizität (allgemeiner Vergiftungsreaktion) und Perforationsrisiko

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Behçet-Syndrom (entzündliche Gefäßerkrankung) – systemische Vaskulitis (Gefäßentzündung) mit möglicher venöser oder arterieller Gefäßbeteiligung einschließlich splanchnischer Thrombosen
  • Polyarteriitis nodosa (entzündliche Erkrankung mittelgroßer Arterien) – nekrotisierende Vaskulitis (Gefäßentzündung mit Gewebeuntergang) mittelgroßer Arterien mit möglicher Beteiligung mesenterialer Gefäße und abdomineller Ischämiesymptomatik
  • Systemischer Lupus erythematodes (entzündliche Autoimmunerkrankung) – Autoimmunerkrankung mit Risiko für Vaskulitis, Antiphospholipid-Syndrom und thrombotische mesenteriale Komplikationen
  • Takayasu-Arteriitis (entzündliche Erkrankung großer Arterien) – Großgefäßvaskulitis (Entzündung großer Gefäße) mit möglicher Beteiligung der Aorta (Hauptschlagader) und viszeraler Gefäßabgänge

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Kolorektales Karzinom (Dickdarm- oder Enddarmkrebs) mit Ileus – akuter oder subakuter Darmverschluss durch stenosierenden Tumor (einengende Geschwulst)
  • Malignomassoziierte Hyperkoagulabilität (krebsbedingte erhöhte Gerinnungsneigung) – Tumorerkrankungen als Risikokonstellation für venöse Thromboembolien (Blutgerinnselverschlüsse in Venen) einschließlich mesenterialer Venenthrombose
  • Peritonealkarzinose (Bauchfellbefall durch Krebs) – kann Ileus, subileöse Beschwerden (Beschwerden eines unvollständigen Darmverschlusses), Aszites (Bauchwassersucht) und diffuse abdominelle Schmerzen verursachen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Abdominelle Migräne (Migräne mit Bauchschmerzen) – episodische Bauchschmerzen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen; Ausschlussdiagnose nach Ausschluss organischer Ursachen
  • Herpes zoster (Gürtelrose) vor Exanthembeginn (Beginn des Hautausschlags) – segmentale neuropathische Schmerzen (nervenbedingte Schmerzen) im Thorakoabdominalbereich (Brustkorb-Bauch-Bereich) können ein akutes Abdomen imitieren
  • Radikulopathie (Nervenwurzelreizung) der Brust- oder Lendenwirbelsäule – pseudoviszerale Bauchschmerzen (scheinbar von inneren Organen ausgehende Bauchschmerzen) durch Nervenwurzelreizung

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – akuter Unterbauchschmerz, Blutung, Kreislaufinstabilität; bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter obligat abzugrenzen
  • Ovarialvenenthrombose (Blutgerinnsel in der Eierstockvene) im Wochenbett – seltene thrombotische Ursache akuter abdomineller Schmerzen und Fieber; kann mit hyperkoagulabler Situation (erhöhter Gerinnungsneigung) assoziiert sein
  • Schwangerschaftsassoziierte Thrombophilie – physiologisch erhöhte Gerinnungsneigung mit Risiko venöser Thrombosen einschließlich splanchnischer Thrombosen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Akutes Abdomen unklarer Genese (akuter Bauch unklarer Ursache) – klinisches Syndrom (Beschwerdekomplex) mit akutem Bauchschmerz, Abwehrspannung, Peritonismus (Bauchfellreizzeichen) oder Kreislaufinstabilität bis zur definitiven ätiologischen Klärung
  • Sepsis mit abdomineller Symptomatik (Bauchbeschwerden) – kann eine mesenteriale Minderperfusion verursachen oder eine intraabdominelle Katastrophe (schweres Krankheitsereignis im Bauchraum) imitieren

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adnexitis/Pelvic inflammatory disease (Eileiter- und Eierstockentzündung) – Unterbauchschmerz, Fieber, Fluor (Ausfluss) und Entzündungszeichen; wichtige gynäkologische Differenzialdiagnose
  • Akute Pyelonephritis (akute Nierenbeckenentzündung) – Flankenschmerz, Fieber, Dysurie (schmerzhaftes Wasserlassen) und Entzündungszeichen; kann abdominelle Schmerzen dominieren
  • Harnleiterstein – kolikartige Flanken- und Unterbauchschmerzen, Hämaturie (Blut im Urin) und vegetative Begleitsymptome
  • Hodentorsion (Hodenverdrehung) – kann insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit Unterbauchschmerz, Übelkeit und Erbrechen fehlgedeutet werden
  • Ovarialtorsion (Eierstockverdrehung) – akuter einseitiger Unterbauchschmerz mit Übelkeit und Erbrechen; gynäkologischer Notfall
  • Rupturierte oder eingeblutete Ovarialzyste (Eierstockzyste) – akuter Unterbauchschmerz, peritoneale Reizung und gegebenenfalls Kreislaufreaktion

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Iatrogene Gefäßdissektion (durch medizinische Maßnahmen verursachter Gefäßwandeinriss) oder Gefäßverletzung – nach endovaskulären (innerhalb von Gefäßen durchgeführten), gefäßchirurgischen oder abdominalchirurgischen (bauchchirurgischen) Eingriffen mögliche Ursache einer akuten mesenterialen Minderperfusion
  • Postoperative mesenteriale Ischämie – insbesondere nach großen kardiochirurgischen (herzchirurgischen), gefäßchirurgischen oder abdominalchirurgischen Eingriffen bei Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Vasopressortherapie (Behandlung mit gefäßverengenden Kreislaufmedikamenten) oder Embolie
  • Traumatische Mesenterialgefäßverletzung – stumpfes oder penetrierendes Bauchtrauma (Bauchverletzung) mit Gefäßläsion (Gefäßschädigung), Blutung oder sekundärer Darmischämie

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Abdominelles Kompartmentsyndrom (Drucksteigerung im Bauchraum) – erhöhter intraabdomineller Druck (Druck im Bauchraum) mit viszeraler Minderperfusion (Minderdurchblutung innerer Organe) und Risiko einer Darmischämie
  • Darmwandhämatom (Bluterguss in der Darmwand) – insbesondere nach Trauma (Verletzung) oder Antikoagulation (Blutverdünnung); kann Ileus und akute Bauchschmerzen verursachen
  • Mesenterialhämatom (Bluterguss im Darmgekröse) – traumatisch oder antikoagulationsassoziiert; Differenzialdiagnose bei akutem Abdomen und Schockzeichen

Medikamente

  • Antikoagulationsunterbrechung (Unterbrechung der Blutverdünnung) – insbesondere bei Vorhofflimmern, mechanischer Herzklappe oder vorbestehender Thromboembolieanamnese (Vorgeschichte mit Blutgerinnselverschluss) relevant für arterielle Embolien oder venöse Thrombosen
  • Digitalisglykoside – können durch mesenteriale Vasokonstriktion mit nichtokklusiver mesenterialer Ischämie assoziiert sein
  • Estrogene und hormonelle Kontrazeptiva (hormonelle Verhütungsmittel) – erhöhen bei entsprechender Risikokonstellation das venöse Thromboserisiko, einschließlich splanchnischer Venenthrombosen
  • Katecholamine und Vasopressoren (gefäßverengende Kreislaufmedikamente) – Risikofaktoren einer nichtokklusiven mesenterialen Ischämie bei Schock oder intensivmedizinischer Behandlung
  • Vasokonstriktiv wirksame Medikamente (gefäßverengend wirkende Medikamente) – z. B. Ergotamine oder hochdosierte Sympathomimetika (anregend auf das Stressnervensystem wirkende Medikamente) als seltene Auslöser mesenterialer Vasospasmen (Gefäßkrämpfe der Darmgefäße)

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Amphetamine/Methamphetamine (aufputschende Drogen) – sympathomimetische Vasokonstriktion (stressnervensystembedingte Gefäßverengung) mit möglicher intestinaler Ischämie (Minderdurchblutung des Darms)
  • Kokain – vasokonstriktive und prothrombotische Wirkung (gefäßverengende und gerinnungsfördernde Wirkung) mit Risiko für intestinale Ischämie und akutes Abdomen